Meine Maßeinheiten

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„Das sind ja ganz nette Rezepte hier, die sie so veröffentlicht, die Ms. Grünzeug. Aber was soll ich denn nun mit diesen komischen Mengenangaben anfangen?“

Das hat sich bestimmt der ein oder die andere von euch gedacht, als er oder sie sich meine Ausführungen durchgelesen hat, nicht wahr?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass dem so ist – denn ich bekomme immer wieder aus unterschiedlichsten Richtungen und von den unterschiedlichsten Personen die Frage gestellt, wie genau ich eigentlich abmesse und -wiege.

Was sind eigentlich „Tassen“ in deinen Rezepten?

Ich weiß nicht, warum – aber ich hatte irgendwie bisher immer für selbstverständlich vorausgesetzt, dass eine Tasse nun einmal eine Tasse ist und man da beim Abmessen eigentlich wenig falsch machen kann.

Das hat sich im Laufe der Zeit (spätestens nach der fünften Anfrage, wie groß denn nun meine verwendeten Tassen eigentlich seien) geändert.

Und allerspätestens als meine liebe Mama – die inzwischen viel Freude beim Nachmachen meiner Rezepte gefunden hat, was mich wiederum ganz besonders stolz macht – meinte, sie würde jedes Mal in der Küche einen Schreikrampf bekommen, weil sie schon wieder (!) nicht wüsste, was genau ich denn verflixt und zugenäht nun mit einer „Tasse“ meinen würde, wusste ich: Jetzt muss eine Erklärung her. Es gebe so viele verschiedene Tassengrößen! Recht hat sie.

Andere Leser*innen fragten mich häufig, ob ich mit dem amerikanischen Cup-System messen würde. Ich darf an dieser Stelle ganz eindeutig und entschieden sagen: Nein, das tue ich nicht. (Obwohl in in der Zwischentzeit kurz darüber nachgedacht habe.)

Ich möchte diese vielen Nachfragen nun zum Anlass nehmen, euch einmal ganz transparent zu machen, wie ich beim Backen abmesse und -wiege.

Ein ganz simples System

Dabei ist das Ganze eigentlich absolut nicht kompliziert. Ich glaube sogar, dass es sich – wenn man sich einmal daran gewöhnt hat – um das einfachste Mess-System handelt, das man sich vorstellen kann. (Zumindest geht mir das so.)

Zunächst vorweg:

  • Ich besitze keine Küchenwaage. Keine analoge und auch keine digitale.
  • Ich besitze keinen Messbecher.
  • Ich besitze keine amerikanischen Cups.

Vielleicht würde manch einer oder eine angesichts dieser Fakten sagen, ich hätte eine katastrophale Küchenausstattung.

Doch ich finde das System, das ich mir im Laufe der Zeit angeeignet habe, unglaublich befreiend. Ich muss keine komplizierten Umrechnungen (mehr) anstellen, ich brauche nicht millimetergenau abmessen und -wiegen und das Backen geht allgemein viel leichter und schneller von der Hand.

Dass das Folgende vielleicht nicht für jedermann und -frau geeignet ist, kann ich mir gut vorstellen – aber ich möchte euch einladen, das System zumindest einmal auszuprobieren und ihm eine Chance zu geben.

Eine „Tasse“ ist:

Nicht mehr und nicht weniger als eine stinknormale Kaffeetasse – auch als Kaffeebecher bekannt. So sieht er aus (seht bitte großzügig über die Wasserflecken hinweg –  alle abgebildeten Dinge kamen frisch aus dem Küchenschrank und sehen ganz authentisch und zum Einsatz bereit so aus):

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Er ist einigermaßen unspektakulär, nicht wahr? Wir haben aktuell mindestens drei Stück von diesen Bechern im Haus und verwenden sie für alles Mögliche. Natürlich, um Kaffee und Tee daraus zu trinken, aber auch und vor allem auch zum Abmessen beim Backen und Kochen.

Diese Edelstahl-Camping-Becher sind schon seit Jahren, Jahren, Jahren in unserem Besitz und werden es hoffentlich noch lange bleiben. Das Schöne an ihnen: Sie haben nicht nur die perfekte Arbeitsgröße – sie sind außerdem praktisch unkaputtbar. Man kann sie aus Versehen (oder mit voller Absicht, je nach Lage der Dinge) fallen lassen, irgendwo gegen knallen, in die Spülmaschine stecken und sie allen anderen Strapazen des Küchenalltags aussetzen – sie überstehen alles beinahe ohne eine Schramme. Deswegen lieben wir sie so sehr.

Dieser Becher kommt sowohl zum Einsatz, wenn Flüssigkeiten abgemessen werden sollen als auch, wenn dasselbe mit Mehl oder anderen Zutaten, die sich irgendwie in eine Tasse quetschen lassen, ansteht. Ich messe mit ihm unter anderem auch Mohn, Hülsenfrüchte, getrocknete Früchte und andere Dinge ab, die den Weg in meine Teige finden.

Wenn sich im Rezept also eine Tassenangabe findet, dann handelt es sich immer um diesen Becher hier. Er fasst (laut der Skala auf meinem Mixer) ca. 250ml Wasser.

Wie viel Gramm Mehl er fasst, kann ich leider mangels Küchenwaage nicht angeben. Doch das sollte kein Problem sein – wenn ihr für alle Tassenangaben, die ich in meinem Rezepten mache, eine Tasse verwendet, die genauso oder annähernd so groß ist, dann werdet ihr keine Probleme beim Umsetzen der Rezepte bekommen. Wichtig ist nur, dass alles mit dem gleichen Gefäß abgemessen wird.

Die übrigen Angaben

Und wenn ich bereits dabei bin, euch meine Messmethoden darzulegen, mache ich das gerne auch einmal in ganzer Vollständigkeit.

Die anderen Angaben lauten in der Regel:

  • EL
  • TL
  • Handvoll
  • Prise
  • etwas/nach Bedarf/nach Gusto

Unter EL und TL verstehe ich – wie allgemein üblich – Esslöffel (EL) und Teelöffel (TL).

Da es zumindest bei letzteren aber auch wieder unterschiedliche Modelle und dementsprechend unterschiedliche Größen gibt, habe ich hier auch einmal das Modell abgebildet, mit dem ich ausschließlich messe:

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Diese guten Löffel sind ebenfalls unkaputtbar und halten eine Ewigkeit. Wenn ich in den Rezepten TL und EL schreibe, meine ich damit nicht perfekt glattgestrichene Tee- und Esslöffel. Ich meine damit solche, die meist leicht gehäuft sind – ganz, wie sie aus einer Kakaodose herauskommen, wenn ihr sie ganz normal hereingesteckt und wieder herausgezogen habt.

Wenn ich von Prisen spreche, dann meine ich damit eine ungefähre Prise – die kann ganz nach eurem Wunsch kleiner oder größer ausfallen (oder auch ganz weggelassen werden).

Und da wären wir dann auch bereits beim letzten Punkt: etwas/nach Bedarf/nach Gusto heißt schlicht und ergreifend, dass ihr euch hier austoben könnt. Wenn ihr die entsprechende Zutat gerne mögt, gebt sie ruhig etwas großzügiger hinzu (bei Gewürzen rate ich euch allerdings trotzdem, euch langsam heranzutasten – insbesondere bei Salz und Gewürzen, mit denen ihr noch nicht oft gearbeitet habt).

Ich möchte klarstellen: Ich halte euch keineswegs für blöd.

Dass ich das alles hier so ausführlich aufgeschlüsselt habe, hängt nur damit zusammen, dass ich Dinge zum einen gerne vollständig habe und dass ich zum anderen (mittlerweile) weiß, wie unterschiedlich wir alle in der Küche agieren. Dieser Leitfaden soll euch zeigen, wie ich das Problem mit dem Abmessen und -wiegen persönlich gelöst habe und euch ermutigen, dieses System – das nun wirklich supereinfach ist – einmal auszuprobieren.

Wie ich dazu gekommen bin?

Zunächst war es der Mangel an den entsprechenden Küchengeräten (Studentenküche lässt grüßen), später wurde daraus mit fortschreitender Gewohnheit die prinzipielle Einstellung, so simpel wie möglich zu kochen und zu backen. Und das schließt auch das Abmessverfahren mit ein. Ich bin im Gegensatz zu vielen einschlägigen Backbüchern nicht der Meinung, dass es bei den Zutaten auf’s Gramm genau ankommt – und der Kuchen rettungslos verloren ist, wenn die Angabe im Rezept nicht zu 100% eingehalten wurde. Backen ist Freude, ist Experiment, ist Entdecken. Und genau das geht verloren, wenn ich jedes Mal halb starr vor Angst auf irgendwelche Zahlen, Zeiger und Markierungen äugen muss und mich komplett daran halte. Ganz abgesehen davon, dass das exakte Messen unglaublich viel Zeit (und Nerven) kostet.

Natürlich sollen die Angaben verlässlich sein – der Kuchen soll ja am Ende gelingen. Das wird er auch, keine Sorge.

Wie bereits erwähnt: Es ist lediglich von großer Wichtigkeit, dass ihr bei einer Tasse für ein Backwerk bleibt, falls ihr euch dafür entschieden habt. Sie muss nicht exakt 250ml (wie meine) fassen – aber ihr dürft sie im Backprozess nicht wechseln, sonst verzerren sich die Mengenverhältnisse. Aber ich denke, das ist einleuchtend.

So, ich hoffe, ich habe nun Licht in das Dunkel meiner Abmesserei gebracht und ihr könnt mit diesen Informationen im Hinterkopf nun frisch ans Werk gehen und euch einige eurer neuen Lieblingsrezepte (?) aus meinem Rezeptkatalog heraussuchen und mit dem Backen beginnen.

Ich wünsche euch jedenfalls viel Spaß dabei! Denkt daran: Backen ist kein Zwang, sondern eine experimentelle Wissenschaft!