Bevor ich schwanger wurde, habe ich keinen Gedanken daran verschwendet, dass es unter Umständen gar nicht so einfach sein könnte, an nachhaltige und fair produzierte Umstandsmode (auch ein komisches Wort, oder?) ranzukommen. Meine etwas naive Vorstellung: Da gibt es doch bestimmt eine gute Auswahl, relativ leicht zu finden und so konzipiert, dass für jeden Geschmack was dabei ist. 

Falsch gedacht. 

Die lange Suche nach nachhaltiger Umstandsmode 

Ende des 5. Monats habe ich gemerkt, dass viele meiner Kleidungsstücke nicht mehr so fallen, dass ich mich in ihnen wohlfühle und bin zähneknirschend auf die Suche nach ästhetischer und nachhaltiger Schwangerschaftsmode gegangen. Ich dachte, ich würde ganz ohne auskommen, aber das lässt sich nicht mit meinen persönlichen Wünschen vereinbaren: Ich möchte mich gerade jetzt gut in meinem Körper fühlen, wo er sich so stark verändert – und nicht einfach in formloser Oversize-Kleidung herumlaufen. 

Ich suche also. Und suche. Und suche. Auf Vinted finde ich die obligatorischen schwarzen Kleider, von denen ich schon eines habe, das mir noch gut passt, und haufenweise weiß-blaue Ringelshirts. Der maritime Look hat mir noch nie zugesagt und ich wundere mich ein bisschen über die Omnipräsenz dieser Ringelshirts – glauben Menschen, die Umstandsmode entwerfen, dass auf einmal alle (werdenden) Mütter dasselbe tragen wollen? Ich finde sie wirklich überall, jeder Shop führt sie im Sortiment. 

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Es trifft also nicht meinen Geschmack und nach ein paar Tagen bin ich dann doch relativ verzweifelt und entscheide mich erstmal für schlichte Basics, die es oft zu finden gibt – aber eben nicht unbedingt nachhaltig und fair produziert. Daher schaue ich Second Hand und werde fündig: Einen schwarzen Rock, zwei schwarze Leggins, ein oranges und ein weißes Sommerkleid später fühle ich mich zumindest ein wenig ausgestattet.

Von der Qualität der Stücke bin ich allerdings nicht vollends überzeugt: Gerade die Kleider sind sehr dünn und ich frage mich, wie lange dieser Stoff wohl halten wird. Eigentlich möchte ich die Kleidung auch nach der Schwangerschaft tragen – je länger, desto besser. Langlebigkeit ist immerhin ein wesentlicher Faktor für die Nachhaltigkeitsbilanz von Produkten. 

Schwangere Körper werden ignoriert

Als ich mit meinem Latein am Ende bin, thematisiere ich das Problem in meinen Stories auf Instagram und hoffe, dass ich damit nicht alleine bin. Schnell stellt sich heraus: Ich bin es nicht. Die Bedürfnisse anderer Schwangerer sind breit gefächert – einige brauchen gar keine Umstandsmode und wieder andere stört genau dasselbe wie mich: dass schwangere Körper scheinbar vergessen (oder ignoriert) werden. Bei mir kommt das Signal an: Schöne (und faire) Mode ist nichts für dich mit deinem unproportionalen Körper – komm wieder, wenn das Kind draußen ist und du am besten wieder aussiehst wie vorher oder “besser”. Meint: normschöner, dünner, schlanker. 

Während solche Erfahrungen für mehrgewichtige Menschen zum Alltag gehören, mache ich sie derzeit zum ersten Mal und realisiere einmal mehr das unverschämte Privileg, bisher mit Kleidergröße 36/38 durchs Leben gegangen zu sein. 

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Nachhaltige(re) Umstandsmode: eine unvollständige Liste

Als nächstes sammeln wir Adressen für nachhaltigere und möglichst fair produzierte Umstandsmode. Es stellt sich einmal mehr heraus, dass die allgemeine Ratlosigkeit groß ist – aber am Ende kommen doch ein paar Namen zusammen. Ich habe mich hingesetzt und mir die Genannten einmal genauer angeschaut: Was ist Greenwashing und was kann wirklich nachhaltig sein? 

Im Folgenden sind jene aufgelistet, die (aus meiner rein subjektiven Perspektive) ein schönes Angebot haben und bei denen ich nach einem ersten Check glaube, dass sie es ernst meinen mit der Nachhaltigkeit. Perfektion ist natürlich schwierig zu erreichen und so haben einige Labels strengere Kriterien als andere.

Ein Hinweis zu Paula Janz Maternity, weil das Label mit Abstand am meisten genannt wurde: Derzeit überzeugt es mich nicht. Die Kleidung ist zwar sehr schön und es ist gut, dass sie sowohl schwanger als auch nicht-schwanger getragen werden kann (Stichwort Langlebigkeit). Aber: Die verwendeten Materialien sind häufig nicht “natürlich”, wie auf der Über-uns-Seite behauptet – und liegen oft in Mischungen vor, die schwierig bis unmöglich zu recyceln sind. Polyester finde ich öfter als nötig, es ist Cupro dabei (bei dem umstritten ist, wie nachhaltig es wirklich ist) und viel, viel Viskose. Die Transparenz ist mangelhaft: Es wird in zwei Sätzen Nachhaltigkeit behauptet, ohne die Claims zu belegen oder genauere Angaben zu machen. Positiv ist, dass in familiengeführten Manufakturen in Lettland und Portugal produziert wird – das suggeriert faire Umstände. Aber auch hier müssen wir uns auf die Behauptung verlassen. Nähere Angaben / Siegel / Zertifikate gibt es nicht.

Lovjoi: Schwangerschafts- und Still-Wäsche

Erst kürzlich hat das Fair-Fashion-Label Lovjoi das Sortiment schönster Wäsche um BHs und Tops ergänzt, die in der Schwangerschaft und Stillzeit getragen werden können. Im Gegensatz zu den meisten verfügbaren Modellen anderer Anbieter sind die Stücke ein eleganter Hingucker: Recycelte Spitze sorgt für ein Wohlgefühl, auch wenn sich der Körper gerade stark verändert. Lovjoi legt (neben nachhaltigen Rohstoffen) Wert auf eine möglichst transparente Lieferkette und soziales Wirtschaften.

Aus Erfahrung kann ich sagen: Die Stücke sind hochwertig und halten lange.

Mara Mea: fröhlich-bunt für Schwangere und Nicht-Schwangere

Mara Mea führt ein abwechslungsreiches Sortiment für Schwangere, Nicht-Schwangere (die Kleidung kann sowohl schwanger als auch nach der Entbindung getragen werden) und Kinder. Der Fokus liegt dabei auf Farben und verspielten Details. Besonders schön: Markante Muster einer Kollektion tauchen in verschiedenen Kleidungsstücken auf – wenn es mir als Kleid nicht gefällt, dann vielleicht als Rock oder Hose? Zusätzlich werden Wickeltaschen und Accessoires für das Leben mit Kind angeboten. 

Die Kleidung besteht häufig aus Viskose / Modal, aber es finden sich auch Stücke aus (Bio-)Baumwolle mit geringem Elasthan-Anteil. Je nach Herstellungsverfahren ist Viskose kritisch zu betrachten, weil die Produktion aus Zellulose-Fasern sehr chemikalien-intensiv ist. Bei Firmen, die geschlossene Kreisläufe aufweisen, kann Modal ein nachhaltigerer Stoff sein – diese Firmen gibt es allerdings noch nicht häufig. Ein guter Indikator: wenn das Modal von der Firma Lenzing stammt. Dazu gibt es leider keine Angaben.

Mara Mea unterstützt die #FashionRevolution und macht auf der Website genauere Angaben zu den Produzent*innen und den Umständen der Produktion. 

boob design: von Umstands-BH bis -Sportmode

boob design führt ein breites Sortiment an zeitloser Umstandsmode: vom Pulli über Umstands- und Still-BHs bis zu Kleidern und Sportmode ist alles dabei. Die meisten Stücke sind so konzipiert, dass sie sowohl in der Schwangerschaft als auch in der Stillzeit getragen werden können.  

Über die Materialien und Nachhaltigkeit generell finden sich viele Informationen auf der Website – boob nutzt unter anderem Biobaumwolle, Modal und Lyocell von Lenzing und Biowolle. Aber auch recycelte Fasern kommen zum Einsatz, vor allem für die BHs und die Sportmode. Produziert wird unter anderem in Fabriken in Marokko, der Türkei und Italien – die genauen Firmen werden offengelegt

boob ist ein GOTS-zertifiziertes Unternehmen – das heißt, nicht nur einzelne Produkte, sondern das gesamte Unternehmen ist nach diesem strengen Standard zertifiziert. Sehr cool: Auch eine Miet-Funktion gibt es – leider derzeit nur für Kund*innen aus Schweden. Doch auch in Deutschland kann getragene und nicht mehr benötigte Kleidung an das Unternehmen zurückgesandt werden – boob bemüht sich nach eigenen Angaben, die Stücke so lange wie möglich im Kreislauf zu halten.

Ich habe selbst 2 Umstands- und Still-BHs von boob und bin von der Qualität und Performance sehr angetan. 

Anna und Oskar + Charlotte hat Durst

Wenn ich etwas mag, dann, wenn Menschen und vor allem Unternehmen zugeben, dass sie noch nicht perfekt und auf dem Weg sind. Anna und Oskar tun genau das – und erläutern, wo es hakt und was schon gut läuft. Hier gibt es vor allem Wickelrucksäcke, aber auch Wickelunterlagen und andere Taschen und Accessoires rund um nachhaltigeres Wickeln.

Die Taschen sind aus einem sehr robusten Nylon-Material (Cordura) produziert, das auch für Militär- und Motorrad-Kleidung eingesetzt wird, und sollen möglichst mehrere Generationen lang halten. Ist die Wickelzeit vorbei (oder noch nicht akut), können die Rucksäcke als Alltagsbegleiter oder für die Uni und die Arbeit genutzt werden. Das Design ist schlicht und unisex, die Produktion findet in Rumänien und Bielefeld statt, das Material stammt nach eigenen Angaben zu 90% aus Deutschland. Pro Bestellung wird 1€ für soziale Zwecke gespendet.

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Relativ neu bei Anna und Oskar ist die Kollektion Stillmode, die den separaten Namen “Charlotte hat Durst” trägt und aus schlichten Basics im relaxed fit besteht. Die Kleidung kann auch nach dem Stillen (oder wenn überhaupt nie gestillt wurde) getragen werden: Die Stillöffnungen sind an der Seite durch Reißverschlüsse versteckt, es ist nicht offensichtlich, dass es sich hier um Stillmode handelt. Die Kleidung ist bis Größe XXL und 4XL verfügbar. 

Produziert wird in Portugal aus Biobaumwolle oder recycelter Baumwolle mit geringem Elasthan-Anteil. Siegel oder weitere Angaben dazu lassen sich allerdings nicht finden. 

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Unown Fashion: Umstandsmode leihen

Umstandsmode wird häufig nur für ein paar Wochen genutzt – wenn sie nicht gerade so designed ist, dass sie auch nach der Schwangerschaft gut tragbar ist. Was liegt da näher, als sich die gewünschten Stücke einfach auszuleihen? Unown Fashion bietet einen umfangreichen Online-Leih-Service an, den ich bereits testen durfte und als sehr einfach empfunden habe. Darüber hinaus zeichnen sich die im Sortiment verfügbaren Labels durchweg durch hochwertige und ästhetische Kleidung aus – die Maternity Wear bildet hier keine Ausnahme.

Hierbei handelt es sich sowohl um dezidierte Umstandsmode als auch um Stücke von bekannten Fair Fashion und Designer Labels, die wahrscheinlich auch in der Schwangerschaft gut aussehen. Geleiht werden kann für 14 oder 30 Tage – und wenn die Stücke dann sehr gefallen, können sie für den Restpreis erworben werden. Hin- und hergeschickt wird alles mit wiederverwendbaren Kartons, sodass so wenig zusätzlicher Müll wie möglich entsteht. Nach jeder Nutzung wird die Kleidung professionell gereinigt. 

Swedish Stockings: Strumpfhosen 

Viele sind es nicht, aber das Strumpfhosen-Label Swedish Stockigns hat seit April vergangenen Jahres drei Maternity Tights im Sortiment: 20den nude und black sowie blickdichtere 60den black.  

Swedish Stockings produziert aus natürlichen Stoffen und recycelten Nylon-Fasern (2020 waren durchschnittlich 88% der Fasern pro Produkt recycelt). Nach Gebrauch können die Strumpfhosen an das Unternehmen zurückgesandt werden – über das Recyclingprogramm werden sie unter anderem in Möbeln wiederverwendet. 

Ich trage selbst seit mehreren Jahren Swedish Stockings und mag die Strumpfhosen sehr – sie sind hochqualitativ.

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Stillfashion: Basics + Buntes 

Stillfashion führt – wie der Name schon sagt – Stillmode, aber auch Mode für die Schwangerschaft. Viele Teile zeichnen sich durch dezente Stillöffnungen aus, sodass auch in der Öffentlichkeit nicht komplett blank gezogen werden muss, wenn Baby Hunger hat. Aus der Kollektion stechen die multifunktionalen Hoodies besonders heraus: Sie können ganz normal getragen, aber auch zum Stillen und Tragen des Babys genutzt werden. Die Designs bei Stillfashion sind sowohl schlicht als auch verspielt-bunt – einige Stücke erinnern an klassische Öko-Mode, andere wiederum an Yoga Fashion. 

Die Kleidungsstücke bestehen vor allem aus Tencel und Biobaumwolle und werden in GOTS-zertifizierten Fabriken in Griechenland produziert. Das Unternehmen bekennt sich zur #FashionRevolution, das bedeutet: faire Löhne und Arbeitsbedingungen. 

Milchshake 

Ich bin ehrlich: Die Designs von Milchshake sind in vielen Fällen nicht meins. Mir sind sie ein wenig…zuviel. Aber es gibt ein paar Stücke darunter, die meinen Geschmack treffen, daher (und weil es ja nicht nur um mich geht) findet sich das Label trotzdem in der Liste.

Allerdings möchte ich darauf hinweisen, bei Milchshake wirklich sehr genau auf das verwendete Material zu schauen: Oft wird “Bambus” angegeben – was am Ende nichts anderes als Viskose ist, die sehr umweltschädlich in der Produktion ist (wenn sie nicht von speziellen Firmen wie Lenzing verarbeitet wird – doch Lenzing verarbeitet derzeit kein Bambus). Hier können wir also von Greenwashing sprechen. 

Allerdings gibt es auch viele Stücke, die aus Biobaumwolle oder Modal von Lenzing gefertigt werden – teilweise sind die Zertifikate für die Produkte einsehbar. Das wiederum gibt Transparenz-Punkte. Positiv ist ebenfalls die Produktion auf Bestellung in Deutschland. Ob Milchshake für das Greenwashing bezüglich des Bambus’ gemieden werden sollte oder nicht, möchte ich eurer Entscheidung überlassen.

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Hess Natur: Klassische Umstandswäsche 

Der Fair-Fashion-Pionier Hess Natur führt keine dezidierte Umstandsmode – dafür aber eine kleine Kollektion Umstandswäsche. Verfügbar sind Stilltops, Stilleinlagen sowie Still-BHs und -Bustiers in schwarz und weiß. Hess Natur arbeitet nach strengen Standards, fast alle Produkte sind GOTS- und Fair-Wear-zertifiziert. Für später auch spannend: Die große Baby- und Kindermodeabteilung

erlich textil: Schlichte Umstandswäsche

Auch erlich textil führt eine kleine Kollektion schlichter Umstandswäsche: Hier sind Stillhemden, Slips und BHs in den Farben schwarz und weiß zu finden. Die Produkte bestehen aus Biobaumwolle, erlich textil arbeitet transparent und ist mittlerweile ein klimaneutrales Unternehmen.

Leider habe ich bisher die Erfahrung gemacht, dass Stücke ohne Spitze nicht besonders lange halten und schnell ausleiern (bei korrekter Waschung) und Fäden ziehen. Andere Nutzer*innen haben sicherlich andere Erfahrungen gemacht – da möchte ich nicht für alle sprechen. 

The Mama Set: Basics für Minimalist*innen 

The Mama Set beschränkt sich auf das Wesentliche: Schlichte Schnitte, schwarz und weiß und eine Capsule Collection, in der alle Teile beliebig miteinander kombinierbar sind. Die Stücke strahlen eine zeitlose Eleganz aus, besonders die Leinen-Kollektion finde ich gelungen. Zusätzlich zu einzelnen Produkten gibt es Mama Sets zu kaufen – Kleidungs-Bundles, die günstiger sind als mehrere Einzelstücke. 

Verwendet wird Lenzing-Viskose, geringe Anteile Elasthan sowie 100% Leinen. Lediglich in der Leggins finde ich Polyamid.

Die Kleidung ist OEKO-TEX-100-zertifiziert. Das ist gut, aber hierbei handelt es sich nicht um ein besonders strenges Textilsiegel, sondern eher um Minimalstandards. Im Fokus steht die Chemikalienbelastung für Verbraucher*innen, nicht der Umweltschutz. Das Siegel SA8000 soll die faire Produktion vor Ort in Portugal sicherstellen. Es hat sehr strenge Kriterien – allerdings warnt die Organisation FEMNET e.V., dass die Vergabe oft unrechtmäßig geschieht, weil Auditgesellschaften viel Geld damit verdienen. Ob so ein Fall hier vorliegt, ist natürlich nicht nachzuweisen. Generell gilt: Nicht alles, was in Europa produziert wird, wird automatisch fair produziert. 

Positiv: Das Label möchte sich stetig weiterentwickeln, was Nachhaltigkeit anbelangt. Bezüglich Langlebigkeit sind sie auf einem guten Weg: Die Mode kann vor, während und nach der Schwangerschaft getragen werden. 

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Frugi: bunt, bunter, am buntesten

Um die Mode von Frugi zu beschreiben, genügt ein Wort: bunt. Für die Still– und Umstandsmode arbeitet das Label mit Steifen, Punkten, Blümchen und knalligen Farben – genauso wie im Rest des Sortiments. Die meisten Kleidungsstücke sind sowohl für die Schwangerschaft als auch die Stillzeit konzipiert und können auch danach gut getragen werden. Der Großteil des Sortiments besteht ausschließlich aus GOTS-zertifizierter Baumwolle mit geringem Elasthan-Anteil. Die Outdoor-Bekleidung sowie die Taschen werden aus recycelten Plastikflaschen (post consumer waste) produziert. Jedes Jahr werden 1% der Einnahmen an soziale Organisationen gespendet. 

Hergestellt wird in der Türkei, in Indien, China und Portugal. Hierzu gibt es allerdings keine separaten Siegel, sondern einen eigenen Code of Conduct, eine Selbstverpflichtung. Ob die eingehalten wird, kann ohne externe Prüfungen allerdings niemensch sagen (das ist das generelle Problem bei Selbstverpflichtungen).

Noubased: schlichte Stillmode

Das holländische Label Noubased stellt schlichte und zeitlose Stillmode her, die aufgrund der seitlichen Reißverschlüsse in der Öffentlichkeit ein Stillen ohne Blankziehen ermöglicht. Die Kollektion ist überschaubar – und das ist so gewollt, denn das Motto von Noubased ist: Weniger von allem und Reduktion auf das Wesentliche. Die Stücke sind daher so designed, dass sie sich einfach kombinieren und in den eigenen Kleiderschrank einfügen lassen.

Die Kleidung besteht (je nach Ausführung) aus 96% Baumwolle und 4% Elastan oder aus 80% Baumwolle und 20% Elasthan – Letzteres ist bei den Baumwollsamt-Produkten der Fall. Die Stoffe sind OEKO-TEX 100-zertifiziert, es wird auf einen plastiksparenden Umgang im Unternehmen und in der Verpackung geachtet. Genäht wird direkt in Holland – wo und unter welchen Umständen die Stoffe allerdings hergestellt werden, lässt sich auf der Website nicht nachlesen. 

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Hey Honey Yoga

Es ist nicht viel, aber es ist etwas: Bei Hey Honey Yoga gibt es derzeit 2 Maternity-Leggins für sportliche Aktivitäten – aber auch für den Alltag. Die Hosen wachsen mit und können auch nach der Schwangerschaft getragen werden. Sie bestehen aus 80% Polyamid und 20% Elasthan. 

Die Produkte von Hey Honey werden in der Türkei hergestellt und sind nach OEKO-TEX zertifiziert. Das Unternehmen selbst ist GOTS-zertifiziert und PETA approved vegan.

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Tajinebanane: trés chic!

Ich musste drei- oder viermal hingucken, bis ich verstanden habe, dass die sowohl klassisch-eleganten als auch trocken-ironischen Stücke von Tajinebanane wirklich Schwangerschafts- und Stillmode sind. Dezentheit erreicht hier ein neues Level: Die Reißverschlüsse an den Seiten sind gekonnt versteckt und erleichtern ein angenehmes Stillen in der Öffentlichkeit. Gleichzeitig ist die Kleidung so designed, dass sie nicht “Stillmode!” schreit, sondern sich ästhetisch in jeden Kleiderschrank einfügen lässt. 

Tajinebanane verwendet Biobaumwolle, Leinen und Baumwoll-Leinen-Mischungen für die Kleidungsstücke, selten sind auch Mischungen mit Viskose zu finden (welche das ist, wird nicht klar). Die meisten Produkte sind OEKO-TEX-zertifiziert. Produziert wird in Portugal, nach eigenen Angaben nach ethischen Standards – Nachweise gibt es allerdings nicht. Das Unternehmen unterstützt mit freiwilligen Spenden der Kund*innen wechselnde soziale Organisationen. 

Mutterkleid: zum Mieten

Auch über Mutterkleid kann Umstands- und Stillmode gemietet werden. Das Angebot reicht von Kleidern über Outdoor-Mode bis hin zu Accessoires und Unterwäsche. Zugegeben: Letzteres würde ich persönlich nicht mieten, aber das ist ja Geschmacksache. Es gibt die klassischen nachhaltigeren Marken wie boob, aber auch Stücke von Mamalicious und Second-Hand-Ware. 

Gemietet wird für einen Monat, danach kann die Mietdauer beliebig verlängert werden. Sollten einige Stücke allzu sehr gefallen, können sie für den Restpreis (Preis abzüglich der Mietgebühren) erworben werden. Auch ein direkter Kauf über den Online-Shop ohne vorheriges Mieten ist möglich. Nach jedem Mietvorgang wird die Kleidung gereinigt und aufgearbeitet. 

Anmerkungen zur Liste

Einige Namen, die mir genannt wurden, haben es nicht in die Liste geschafft – unter anderem, weil viel Plastik in der Kleidung verwendet und/oder mit “Bambus” Greenwashing betrieben wird. Ein breites Sortiment an Fast-Fashion, gespickt mit 2-3 nachhaltigeren Teilen reicht mir ebenfalls nicht aus, um Labels hier auftauchen zu lassen: Es muss schon eine generelle Stoßrichtung erkennbar sein.

Angemerkt werden soll noch, dass viele der vorgestellten Labels erst vor einigen Jahren in Eigenregie von Einzelpersonen (Müttern, die einen Bedarf feststellten) gegründet wurden und entsprechend klein sind – Zertifizierungen aber sind aufwändig und teuer. Nicht immer ist es also schlecht, wenn sie nicht vorhanden sind, sondern kann auch lediglich eine finanzielle oder logistische Angelegenheit sein. 

Noch mehr Tipps

Nachhaltigkeit in Perfektion ist nicht so einfach – generell nicht, aber besonders, wenn es um Schwangerschafts- oder Stillmode geht. Eine gute Möglichkeit ist natürlich immer die Suche auf Second-Hand-Plattformen. Ich bin derzeit gefühlt auf Vinted zuhause – und je nach Bekanntheitsgrad des Labels findet mensch mit etwas Glück auch einige Teile gebraucht. (Aber das ist wirklich nicht so einfach.) 

Erwähnenswert außerdem: 

  • Bei Räubersachen könnt ihr euch nicht nur Kinder- sondern auch Mode für Erwachsene ausleihen. Es sind aber nur sehr wenige Still-Teile dabei, deswegen taucht der Shop nicht oben in der Liste auf. 
  • Bug Clothing produziert keine dezidierte Still- oder Schwangerschaftsmode, dafür aber Kleidung, die sich möglichst allen Körperformen und Lebensabschnitten anpassen soll. Wunderschöne Baumwoll- und Leinenstücke, teilweise aus Deadstock-Material (das wäre sonst weggeworfen worden), produziert in West Wales und London. 
  • Bei hej mom finden sich Umstands- und Stillmode von vielen unterschiedlichen Labels – auch einige der vorgestellten sind dabei. hej mom ist ein Concept Store in Leipzig, spezialisiert auf ein faires und nachhaltiges Angebot – mit Online-Shop.

Fehlt was? 

Habt ihr noch spannende Labels für nachhaltigere Schwangerschafts- und Stillmode gefunden, die hier aufgenommen werden könnten? Schreibt eure Tipps gerne in die Kommentare! 

JENNI MARR

Wanderin im Geiste, mit der Nase im nächsten Buch, nie so ganz zuhause und doch immer da.

KOMMENTARE

Das ist mehr als ich erwartet hatte. Als ich 2006 zum ersten Mal schwanger war, waren Leggins und Unterwäsche aus Biobaumwolle das Nachhaltigste, das ich gefunden habe.
Was mir während des Lesens noch eingefallen ist, weil du ja von Kleidung schreibst, die am besten vor/während und nach der Schwangerschaft passt: das österreichische Unternehmen MadameKukla produziert Wickelkleider, die Mithilfe von Clips auf unterschiedliche Arten getragen werden können und auch für unterschiedliche Körperformen passen. Sie achten auch in vielen Bereichen auf Nachhaltigkeit (ob sie deinen Ansprüchen da gerecht werden, weiß ich nicht, aber vielleicht magst du dir die Sachen ja mal ansehen) Bei mir steht so ein Wickelkleid jedenfalls auf meiner Kleider Wunschliste. Wenn eines meiner alten Teile kaputt wird, darf ein Kukla einziehen.

Hallo Bettina,
es ist auf jeden Fall schön zu lesen, dass sich dann ja doch etwas getan hat in den letzten Jahren – auch wenn es einem immer noch so vorkommt, als würde mensch die Nadel im Heuhaufen suchen, wenn es um schöne Umstandsmode geht.

Danke für den Tipp mit den Wickelkleidern! Auf den ersten Blick schaut das richtig gut aus! Ich werde mir das nochmal genauer ansehen und kann nicht einschätzen, inwiefern ein großer Bauch dort reinpasst (was dann ja auch noch einigermaßen aussehen muss – das ist bei vielen Wickelkleidern leider nicht der Fall). Das Label merke ich mir auf jeden Fall! 🙂

Liebe Grüße
Jenni

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