Lichter und das Dunkle – eine kleine Geschichte

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29. Oktober 2016

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Komm’, setz’ dich. Schau’, hier ist eine Bank, ein kleines Plätzchen freie Welt, das nur auf uns gewartet hat, umweht von Herbstlaub. Komm’ setz’ dich – ich muss dir etwas erzählen. Von Mut und anderen bewundernswerten Eigenschaften, von Liebe und Hass, von Willen, Motivation und der Hoffnung.

Schau’, das ist unser Flecken reine Welt, für den Moment, für die kleine unsere Ewigkeit, in der ich dir eine Geschichte erzählen möchte. Komm’ setz’ dich – und hör’ zu.

Version 1

Unsere Geschichte beginnt in einem kleinen Zimmer. Von einer gedimmten Lampe werden Kissen, Decken und ein darin eingewickelter Mensch schwach beleuchtet. Welcher Mensch, fragst du? Das ist hier egal. Für uns zählt jetzt – und genau jetzt – nichts weiter, als dass es sich um irgendeinen unserer Art handelt, irgendeinen Menschen. Männlich oder weiblich? Vollkommen egal. Jung, alt, mittelalt? Genauso egal wie Beruf, Freunde, Beziehungsstatus und Ähnliches.

Und vielleicht hält dieser Mensch ein Buch in der Hand, liest gespannt und kann die Augen nicht von den Zeilen nehmen, die ihn gleichsam aufsaugen, mit sich ziehen – weiter und immer weiter und weiter durch den Buchstabendschungel hindurch. Und was er liest, sollte eigentlich einer Fantasiewelt, einer ziemlich grausamen vielleicht, entsprungen sein. Sollte aber nicht in der Realität da sein, stattfinden, jetzt, genau jetzt, wo ich dir das hier erzähle.

Dieser Mensch liest also ganz gebannt. Und liest und liest und liest. Und dann ist das Buch zu Ende. Zu abrupt irgendwie. Schon die letzte Seite? Wirklich? Langsam klappt er den Rückdeckel zu. Ein bisschen enttäuscht ist er, aber auch unglaublich aufgewühlt. So viel Wissen! So viel Information! So viel! – Er springt auf.

Auf dem Schreibtisch, der nur wenige Schritte entfernt ist, leuchtet schwach der Bildschirm des nie ausgeschalteten Computers. Eine Suchmaschine wird aufgerufen, das Weiß flutet durch das Zimmer und blendet unseren Menschen. Ein paar Worte getippt, zögernd. Auf Enter gedrückt – vielleicht einen Tick zu schnell, einen Hauch zu aufgeregt.

Und da sind sie – die Suchergebnisse, die Seiten und Unterseiten und Foren und Blogs und Facebook-Seiten und alle anderen Treffer, die das eben Gelesene aus den Buchseiten hervorzerren in die grausame Wirklichkeit und die Verbindung zwischen Fast-Realität und der nackten Wahrheit schaffen. O Gott. Was läuft hier nur schief?, denkt sich unser Mensch.

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Alternative Versionen

Nun, es könnte so gewesen sein. Es könnte sich so ereignet haben, so abgelaufen sein. Aber das muss es nicht. Vielleicht ist es auch ganz anders gewesen.

Vielleicht ist der Mensch irgendwann in einen Kinofilm gegangen – und als er herauskam, stand die Welt auf einmal Kopf. Oder er hat eines Abends einen anderen Menschen getroffen, einen von der besonderen Sorte, einen, der nachdenkt, hinterfragt und anders perspektiviert – und hat ein langes Gespräch geführt. Und dann war alles anders.

Oder aber alle diese Versionen sind wahr, sind passiert. Alle zu ihrer Zeit, alle ihren Menschen, vielleicht gleichzeitig überall auf der Welt, vielleicht um Sekunden versetzt, vielleicht in Monats-Abfolge. Vielleicht. Das ist nicht wichtig.

Weißt du, was wirklich wichtig ist? Das, was dann passierte.

Denn unser Mensch war geblendet, wie wir gehört haben. Vielleicht von dem Weiß der Suchmaschinen-Startseite, vielleicht von dem neuen Wissen, von der neuen Perspektive. Vielleicht von den neuen Möglichkeiten und den Konsequenzen, die sich aus diesem Wissen unweigerlich ergeben mussten. Wer weiß das schon?

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Irgendwie ging ihm auf jeden Fall ein Licht auf. Eine innere Lampe, die vielleicht vorher nicht geleuchtet hatte, schien auf einmal unglaublich viel Platz in seinem Kopf zu brauchen. Unser Mensch war wie elektrisiert.

Und er suchte und suchte und suchte immer weiter. Dank moderner Technologie und des Internets stieß er auf immer mehr Goldadern, immer mehr von diesen kleinen Lampen. Scheinbar hatte nicht nur er eine davon im Kopf. Überall schienen ihm auf einmal Lichtpunkte zu sein, kleine Gedankenblitze, Wunderideen. Und sie alle waren ihm zugänglich, sendeten ihr beständiges Leuchten durch das Netz.

Und dann kam unserem Menschen die Idee: Warum sollte er nicht auch zu einem der Ihren werden? Nicht auch leuchten da draußen – anstatt nur für sich allein?

Zwei, drei Klicks – vielleicht auch mehr, wir wissen auch das nicht so genau – später konnte er seine ersten eigenen Signale senden. Eine neue Lampe, ein neues Licht im Lichternetz.

Eifrig schrieb unser Mensch nun, arbeitete daran, dass sein Schein größer werden, mehr andere Lichter erreichen möge. Und auch diese Stellen erhellen möge, die noch dunkel waren, wo noch kein Licht hingedrungen war oder zumindest sehr wenig.

Jede freie Minute schrieb unser Mensch nun. Und arbeitete hart, um sein Leuchten mit der Welt zu teilen. Und das stimmte ihn froh – so viele andere Menschen dort draußen, die ähnlich dachten, die neu perspektivierten! So viele Lichter!

Aber wo Licht ist, ist auch Schatten – du kennst das Wort. Es gab Zeiten, in denen unser Mensch diese Schatten gar nicht wahrnahm. Sie schienen überhaupt nicht zu existieren, so wichtig und groß waren die Leuchtpunkte, die ihm von überallher ihr Licht zurückschickten. Und das Schöne und Wundersame daran: Es wurden immer mehr!

Doch dann kamen die Zeiten, die irgendwann kommen mussten: Das Dunkel war auf einmal da. Vielleicht war es schon immer dagewesen – natürlich war es das -, aber jetzt war es auf einmal so richtig da. Und es schien sich ausbreiten zu wollen, war sehr gefräßig. Wollte den Lichtpunkten im Netz da draußen auf die Pelle rücken, sie einverleiben, sie verspeisen und niemals wieder hergeben. So zumindest sah das aus der Ferne aus.

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Und genauso fühlte es sich auch an, als das Dunkel eines Tages bei unserem Menschen angekommen war. Wie es den Weg zu ihm geschafft hatte, wusste er nicht, konnte er nicht erklären. Nur, dass es auf einmal da war. Und groß war. Und so unglaublich furchtbar.

Es war kompakt, klebrig und ließ sich nicht abschütteln, wo es einmal Kontakt gewonnen hatte. Hartnäckiges Etwas, dieses Dunkel.

Unser Mensch verlor die anderen Lichter aus dem Blick – wo waren sie?! Alles schien nur noch in klebrig-wabernd-kompaktes Dunkel getaucht zu sein. Und mit Schrecken schaute unser Mensch an sich herunter: Wo war sein eigenes Licht?

Ende der Geschichte

Wie es weiterging, willst du wissen? Das kann ich dir nicht verraten. Ich weiß es nämlich selbst nicht. Während wir hier sitzen auf unserer gemütlichen, laubumwehten Bank, geht diese Geschichte, die ich dir gerade erzählt habe, weiter.

Sie spielt sich ab parallel zu unserem Sein. Und das nicht nur bei dem Menschen, den wir uns gerade angeschaut und den wir so ein bisschen lieb gewonnen haben, sondern bei vielen anderen Lichtern ebenfalls. Wir sehen ihn vielleicht nicht, diesen Kampf gegen das Dunkel, den sie ausfechten müssen – aber er ist da. Und wenn er noch nicht da ist, kommt er vielleicht. Vielleicht aber auch nicht und sie bleiben verschont – das weiß niemand so genau. Hoffen wir nur, dass die Lichtpunkte niemals ganz verschwinden und sie sich immer gegen das Klebrig-Dunkle zu wehren wissen werden.

Klartext

Ich kenne euch, meine Leser*innen: Ihr seid nicht dumm. Ihr wisst genau, was ich euch hier gerade in einem literarischen Experiment versucht habe zu erklären: Bloggen hat auch seine Schattenseiten. Bei all’ den tollen, inspirierenden und wundervollen Momenten, die wir mit euch und unter uns teilen dürfen, hat es auch seine Schattenseiten. Das Dunkle. Das Klebrig-Eklige. Das ist ebenso Teil davon – bloggt man nun einfach so aus Spaß an der Freude oder befindet sich in der (glücklichen?) Position, das Hobby zum Beruf gemacht zu haben.

Und in der letzten Zeit häufen sich die Berichte über diese Schattenseiten, man hat regelrecht den Eindruck, dass ein neuer Diskurs unter den Blogger*innen entsteht – am wirkmächtigsten hat ihn sicherlich Maddie kommuniziert. Aber auch andere Lampen senden nurmehr verwackelte Signale an uns, zittern scheinbar.

Das aus unterschiedlichen Gründen – furchtbare Hater-Kommentare, der Druck, perfekt sein zu müssen in einer sich mehr und mehr professionalisierenden Blogger-Welt, die Erwartung an sich selbst, die Schnelllebigkeit, die uns durch die sozialen Netzwerke suggeriert wird…Es gibt vielfältige Faktoren für das Lichterzittern und sicherlich herrscht bei jedem Licht eine ganz eigene Mischung dieser Gründe vor.

Doch es macht mich traurig, dieses Lichterzittern. Sehr traurig sogar. Wenn ich Artikel lese, die dich darum drehen, dass einige Blogger*innen mit dem Gedanken spielen, aufzuhören, weil sie nicht mehr wissen, wie sie das alles noch stemmen sollen, ohne gefühlt daran zu zerbrechen, dann macht mich das unfassbar traurig.

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Und ich frage mich, warum es so weit kommen konnte, wie es so weit kommen konnte. Ich möchte die Menschen, die fiese, gemeine, menschen- und/oder frauenverachtende Kommentare unter ehrliche, hart erarbeitete Blogposts schreiben, schütteln und sie fragen, was genau eigentlich mit ihnen nicht stimmt, wo genau ihr Frust sitzt, den sie meinen an anderen Menschen, die ihnen doch nur helfen (!) möchten – sofern sie sich denn helfen lassen wollen – auszulassen.

Ich möchte fragen, was denn so schwer daran ist, einfach das Browser-Fenster zu schließen, wenn einem ein Artikel nicht gefällt. Oder wenigstens konstruktive Kritik zu hinterlassen, mit der der Schreiber oder die Schreiberin auch etwas anfangen kann.

Ich möchte aber auch fragen, warum wir alle so schnell geworden sind. Warum wir Angst haben, in den Urlaub zu fahren, weil wir denken, wir könnten unsere Leser*innen aus der Ferne nicht in regelmäßigen Abständen auf gefühlt zwanzig Kanälen bespaßen. Morgens Instagram-Foto, mittags Snapchat-Story, zwischendurch Facebook, Youtube, Mails und Twitter. Und dann geht es wieder von vorne los – oder es schießt am besten gleich alles quer.

Wann haben wir unsere Lässigkeit und unsere Liebe für unsere Arbeit verloren?

Scheint, ihr Lichter, scheint!

Diese Geschichte habe ich euch erzählt, weil sie erzählt werden musste. Damit ihr wisst, dass Bloggen auch Stress ist, Stress sein kann. Damit ihr versteht, warum ich nicht immer auf allen Kanälen zu 100% aktiv bin – und warum es bei mir auch manchmal eine Weile dauert, bis ich auf eure Nachrichten antworte (aber ich antworte immer): Ich möchte mich genau davor schützen, vor dem Flackern und vielleicht auch vor dem Erlischen.

Ich liebe das, was ich tue – das schließt auch und gerade den Kontakt mit euch ein – und ich möchte, dass das lange so bleibt.

Diese Geschichte wurde aber auch erzählt, weil ich das Bedürfnis hatte, etwas zu sagen zu dem ganzen Licht-Dunkel-Diskurs, der unterschwellig überall ausgetragen wird – und meinen Mitlichtern Mut zuzusprechen. Gleichzeitig aber auch mich selbst daran zu erinnnern, dass wir uns nicht verlieren dürfen in dieser Welt, die so schön und toll und inspirierend, aber auch so dunkel und einsam sein kann.

Scheint, ihr Lichter, scheint – und geht niemals aus!

P.S.: Mehr zu dem Thema – aber ein wenig weniger schwermütig – findet ihr bei Tanja, die dem Ganzen mit verspielter Lockerheit auf die Pelle rückt. 

JENNI MARR
Wanderin im Geiste, mit der Nase im nächsten Buch, nie so ganz zuhause und doch immer da.
KOMMENTARE

Liebe Jenni

danke für deinen berührenden Text. Für mich ist es auch immer eine Gratwanderung und ich achte da mittlerweile sehr auf mich und erlaube mir meine Pause wann immer ich sie brauche 🙂 Deine Beschreibung finde ich da sehr treffend: “klebrig-eklig”, genau so fühlt es sich auch für mich an, wenn unbändige Motivation und Begeisterung plötzlich durch etwas Dunkles verdrängt werden.

Ich hoffe doch sehr, dass du es noch nicht mit Hater-Kommentaren zu tun hattest! :-O Ich finde deinen Schreibstil so offen und undogmatisch, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, dass jemand Lust hat, dir Gemeinheiten zu hinterlassen!

Liebe Grüße,
Elisabeth

Liebe Jenni,

ich hab mir meinen Kommentar noch einmal durchgelesen und empfinde ihn heute als doch sehr urteilend bezügl. Maddie. Dabei liebe ich ihren Blog und bewundere sie für ihren Mut, kontroverse Themen so auf den Punkt zu bringen.
Wenn es dir nichts ausmacht, würde ich dich deshalb bitten, in meinem vorigen Kommentar den Teil ab Maddie zu löschen. Ich möchte als Außenstehende, die nicht in ihren Schuhen steckt, gar nicht weiter über ihre Vorgehensweise urteilen. (Gerade ich, die ich immer kämpfen muss, um mir nicht jede noch so konstruktive Kritik total persönlich zu nehmen.)

Alles Liebe,
Elisabeth

Liebe Elisabeth!

Ich freue mich sehr, dass der Artikel genau einen Nerv bei dir getroffen hat – genau so sollte er auch wirken und es ist immer schön zu lesen, dass eigene (literarische) Experimente erfolgreich sind. Ich freue mich immer, wenn ich etwas, das viele Menschen umtreibt, in eigene, treffende Worte fassen kann.

Einige Hater-Kommentare hatte ich tatsächlich bereits, aber glücklicherweise hält sich das doch sehr stark in Grenzen und diejenigen, die bisher eingetrudelt sind, haben weniger mit mir als Person als mit der generellen Lust auf Stunk zu tun gehabt, sodass ich sie mir nicht ganz so sehr zu Herzen genommen habe. 🙂

Deinem Wunsch ist gerne entsprochen worden – ich habe die besagten Stellen entfernt, kann aber sehr gut nachvollziehen, wie sehr dich die Sache aufgewühlt hat und wie viel du darüber nachgedacht hast. Gerade das finde ich klasse und auch den letzten Schritt von dir – das Draufschauen von draußen ist immer so einfach, aber das Drinstecken so schwierig nachzuvollziehen…Wer weiß, wie man selbst reagieren würde in manchen Situationen, in denen der Bogen einfach permanent überspannt wird?

Liebe Grüße
Jenni

Danke dir, Jenni!
Das schockiert mich, dass auch du da nicht verschont bleibst. Ich denke auch, dass diese Kommentare selten etwas mit der Person zu tun haben, die kritisiert wird. Sie sagen eher etwas aus, über die Person, die sie geschrieben hat. Gut, dass du dich da nicht allzu sehr treffen hast lassen!
Alles Liebe,
Elisabeth

Liebe Jenni,
deine Worte berühren mich sehr. Ich weiß, dass es schwer sein kann. Und ich weiß, dass es wunderbar sein kann. Ich bin dankbar, dass ich deinen Blog gefunden habe und den vieler anderer, wunderbaren Blogger. Für mich ist es eine Berreicherung und ich lerne daraus und treffe großartige Menschen. Ich wünsche mir aus tiefsten Herzen, dass die guten Dinge überwiegen.
Alles Liebe,
Susanne

Liebe Susanne!

Ich bin sehr gerührt von deinen lieben Worten – danke dir! Es freut mich, dass du dasso siehst – auch und gerade für die anderen Blogger*innen. Ich lese auch so viele Schreibenden so gerne und freue mich immer, wenn ich jemand Neues entdecke, der oder die sich nun stärker mit nachhaltigen Themen beschäftigen und das in irgendeiner Form in die Welt tragen möchte.
Durch meine Arbeit habe ich ebenfalls schon so tolle Menschen kennenlernen dürfen (und ich hoffe, es werden noch viel mehr!) und ich freue mich über jeden einzelnen von ihnen. Und ich bin hoffnungslos optimistisch, dass die guten Dinge überwiegen – bei mir tun sie das trotz aller negativen Implikationen im Text auf jeden Fall! 🙂

Liebe Grüße
Jenni

Liebe Jenni!

Wie ich schon zu deinem letzten Kommentar auf meinem Blog geschrieben habe: Wunderbarer Schreibstil! So etwas liest man sehr selten. Das Experiment finde ich schön, aber auch die klaren Worte danach. Ich habe mit dem Thema zum Glück noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Aber mitbekommen. Und ich war ebenso traurig. Richtig traurig, wenn ein Mensch, der eigentlich nur Gutes tun will, um die halbe Welt reist, um Tiere zu retten und der dann zum Weinen gebracht wird, weil ihm Falschheit und Lügen und Arroganz an den Kopf geworfen werden.
Ich glaube, die Leute haben Angst vor Dingen, die sie nicht kennen, Dinge, für die sie ihr Leben umkrempeln müssten. Es ist anstrengend, nachhaltig zu Leben. Hin und wieder zumindest. Sobald jetzt jemand mit gutem Beispiel voran geht und zeigt, wieso diese Art besser wäre für die ganze Welt, fühlt man sich indirekt angegriffen, selbst, wenn es gar keinen erhobenen Zeigefinger gibt. Aber alleine dadurch, dass du zeigst, dass du etwas “besser” machst, bedeutest du Menschen, die es nicht so machen, dass sie schlechter sind, als du. Ganz indirekt, unterschwellig wird diese Nachricht vermittelt und sie sorgt für Aggression und Hass dem “Weltverbesserer” gegenüber. Das glaube ich zumindest. Schwierig, dagegen etwas zu tun. Es muss sich einfach allgemein etwas tun. Und wir können immer wieder für mehr Menschlichkeit plädieren. Und eben nicht aufgeben. Und unser Licht nicht erlöschen lassen.

Alles Liebe und mach weiter mit deiner tollen Arbeit!
Laurel

“Aber alleine dadurch, dass du zeigst, dass du etwas „besser“ machst, bedeutest du Menschen, die es nicht so machen, dass sie schlechter sind, als du. ”

Höchst interessante Sichtweise und guter Punkt! Ich Naivchen hab das bis jetzt nie so gesehen. Ich glaub darüber werde ich mir jetzt den ganzen Tag Gedanken machen müssen.

Ohje, hoffentlich denkst du nicht zu viel Schlechtes darüber nach! Ich glaube, dass man unterschwellig halt leider so eine Botschaft an manche festgefahrene, unentspannte und intolerante Menschen vermittelt. Die kommt dann auch bei diesen Menschen nur unterschwellig an, denn wenn man sie mal genau fragt, warum sie so aggressiv oder abwehrend sind, können sie es dir eh nicht beantworten. Es ist “nur so ein Gefühl”, dass sie dann so zu beschreiben versuchen, dass der/die Posterin “arrogant” oder “überheblich” ist und sich über andere stellt, obwohl er oder sie das oft nur durch Taten tut und zeigt, was man besser machen könnte. Aber das ist nur so eine These von mir. Ich will hier auch niemanden über einen Kamm scheren. Andererseits kann man Leute, die grundlos hassen, schon mal über einen Kamm scheren. 😀

Hallo Laurel!

Ich danke dir für deine lieben und motivierenden Worte – es freut mich wirklich sehr, dass dir mein Schreibstil so gut gefäll! 🙂

Zu deiner These: Ich glaube, du hast damit gar nicht mal so Unrecht. Ich habe auch bereits des Öfteren die Erfahrung gemacht, dass die Menschen sich irgendwie angegriffen durch meine Lebensweise fühlen, obwohl ich sie weder explizit drauf hingewiesen noch irgendeine abwertende Bemerkung fallen gelassen habe. Das hat viel mit Verdrängung zu tun, glaube ich. Natürlich ist nachhaliges Leben ein wenig unbeqeumer als das Bekannte, aber es ist nicht unmöglich und selbst für den Otto-Normal-Verbraucher eigentlich ohne große Probleme nachlebbar. Aber darüber macht man sich lieber nicht so viele Gedanken – alle anderen machen ja auch so weiter und zumindest für den Moment funktioniert es ja wunderbar. Aus den Augen, aus dem Sinn. Was ich nicht sehen kann (Leid in der Massentierhaltung, überflutete Gebiete, Ausbeutung von Bauern auf der anderen Seite der Welt, Kinderarbeit in der Textilindustrie), kümmert mich erstmal nicht. Und dann steht da diese Person, die genau das macht, von dem ich eigentlich weiß, dass es das Richtig ist, ich selbst aber mich nicht aufraffen kann (aus welchen Gründen auch immer), das auch so zu machen. Daher rührt sicherlich ein Großteil auch der abwertenden und hatenden Kommentare, online wie offline. Sicherlich nicht zu 100%, wie du schon sagst, weil das Über-einen-Kamm-Scheren auch hier gemein wäre. Aber doch sicherlich ein beträchtlicher Teil.

Danke für deine tollen Anregungen!
Mindestens bei Tanja hast du das Gedankenkarussel zum Laufen gebracht (wenn nicht bei vielen anderen Leser*innen ebenfalls)! 😉

Liebe Grüße
Jenni

Stark geschrieben. Mir gefällt wirklich wie du schreibst, sehr bildlich. Und auch wenn ich mich selbst nicht in dem wiederfinde, worüber du schreibst, bin ich nun schonmal mit dem Thema in Berührung gekommen. Wenn ich mich also mal in einem Sog wiederfinde, der mich in ein solches schwarzes Loch – das mein Licht zu erlöschen droht – zu ziehen versucht, weiß ich mich nun vielleicht eher davor zu schützen.
Danke dafür 🙂

Hallo Raphael!

Danke dir für dein großes Lob – ich freue mich sehr, dass dir mein Schreibstil gefällt! Ich glaube, das ist mit eines der schönsten Komplimente, die du mir machen kannst. 🙂

Ich freue mich auch, dass ich dir ein bisschen präventiv helfen konnte und du jetzt ein bisschen auf einen solchen Sog achtest, der nicht zu unterschätzen ist und sich leise und heimlich ins eigene Leben schleicht – es ist absolut wichtig, ihn frühzeitig zu erkennen und gegenzusteuern, damit man die Freude an der eigentlich so schönen Sache nicht verliert!

Liebe Grüße
Jenni

Liebe Jenni,
dieser Post ist irgendwie echt einzigartig und ergreifend. Natürlich habe ich schon viel darüber gelesen, dass der Schatten den ein oder anderen auffrisst… aber so aufbereitet.
Ich selbst befinde mich seit einiger Zeit zum Glück wirklich in der Leuchtphase – aber es scheinen ja doch mehr Leute als nötig den Schatten zu spüren. Manchmal weiß ich nicht, wie man Social-Media-Druck so nah an sich heran lassen kann, dass man meint, man müsste IMMER online sein… aber dann merke ich auch wieder, dass ich selbst kaum besser bin, wenn ich mir unheimliche Sorgen mache, wenn ich z.B. Sarahs Beiträge nicht am Nachmittag vor der Veröffentlichung erhalte, sondern erst in den Abendstunden. Was wäre denn, wenn der Artikel von ihr nicht mehr rechtzeitig kommt?? – Eigentlich nur ein Tag ohne Blogpost,… aber gefühlt wäre es ein Versagen meinerseits, da meine Planung nicht aufgegangen ist.
Von Hater-Kommentaren blieb ich bisher glücklicherweise verschont, aber ich stelle mir das doch echt blöd vor. Da haben kleine Blogs wohl echt einen Vorteil…

Hach, es wäre wohl echt zu schön, wenn alle Blogger nur Spaß am Schreiben und Leuchten hätten…

Liebe Grüße

Liebe Tabea!

Ich danke dir für dein liebes Lob, das freut mich sehr! Mir war es wichtig, zu diesem Thema Stellung zu beziehen und das vielleicht auch auf eine etwas ungewöhnliche Weise – ich bin der Ansicht, manchmal drückt die Literatur (und ich habe den Anspruch, mein kleines Experiment “literarisch” nennen zu dürfen) mehr aus als es “normale” Worte vermögen. Deshalb musste der Artikel in dieser Form verfasst werden und ich glaube, das ist auch ganz gut so. 🙂

Wie man in diese Druckspirale geraten kann, ist in der Tat eine Sache, die wirklich gar nicht so einfach zu beantworten ist – und natürlich auch jeder Logik entbehrt. Aber manchmal agieren wir eben nicht logisch – man setzt sich selbst unter Druck, weil alle anderen so viel schreiben, veröffentlichen, so tolle BIlder haben, und dies und das und jenes irgendwie toller und professioneller ist als bei einem selbst.
Und dann verliert man schnell den Blick für das wirklich Relevante: nämlich das eigene Ding zu machen, mit ganzem Herzen, aber auch mit den dazugehörigen Pausen, die absolut notwendig sind, um gut zu bleiben – zum Projekt und zu sich selbst.

Dass du dich davor so gut schützen kannst, freut mich sehr – und ich hoffe, dass das auf jeden Fall so bleibt und nicht über zeitweilige Sorgen, die schnell wieder verflogen sind, hinausgeht! 🙂

Liebe Grüße
Jenni

Ich muss dir echt zustimmen – solche literarischen Werke haben ein ganz anderes Ausdrucksvermögen als ein mehr oder weniger persönlicher oder objektiver Artikel. Irgendwie macht die personale Erzählweise und die Außensicht des Erzählers hier was magisches – man fühlt sich so dicht dran an der Person, aber sie bleibt trotzdem ein Mysterium. Ich weiß gar nicht wie ich das beschreiben soll…
Und dann merkt man irgendwann, dass man viele Leute “kennt” (Wie man halt von Kennen und Nicht-Kennen bei Bloggern sprechen kann…), die die Person aus deinem Text sein könnte… und man wird nachdenklich und fragt sich, warum die Welt so böse sein kann, dass sie Schatten über hell leuchtende Personen wirft.
Auch bei der Druckspirale bin ich ganz deiner Meinung: Einer richtigen Logik folgt es wohl nicht, wer in sie hinein gerät, aber es mag eben niemand permanent “schlechter” als die anderen sein – und dann kommt der eigene Ehrgeiz, der einen immer weiter und weiter treibt… erst weiter zu mehr Qualität, dann weiter zu mehr Quantität und dann zum Blogger-Burnout… oder so ähnlich.
Tja, und dann können wir wohl alle nur hoffen, dass möglichst wenige von uns das erleben müssen und wir alle immer früh genug den Blick fürs Wesentliche, nämlich den Spaß und das “das eigene Ding machen” , zurückerlangen.

Liebe Grüße

Guter Artikel, den ich emotional vollkommen nachvollziehen kann.

Es gab eine Zeit, in der ich Foren für mich entdeckt habe und eine zeitlang auch eines moderiert habe. Ich hatte Spaß daran gefunden und dieses inspirierende, lebendige hin und her machte mir Freude. Aber was passierte dann vor 4/5 Jahren plötzlich immer mehr? Nur noch Gezänke und persönliche Beleidigungen. Herumhacken auf Kleinigkeiten und das auseinandernehmen jeden einzelnen Wortes da irgendwem nicht passte. Wo war sie hingekommen, die Akzeptanz das andere eine andere Meinung haben – und auch bitteschön haben dürfen! Oft wurde seitenlang über alles gestritten und geschrieben…. nur nicht über die Eingangsfrage des Thread-Eröffners. Irgendwann hat es mich nur noch genervt und ich habe mich immer mehr zurückgezogen.

Heute schreibe ich in keinen Foren mehr, nur ab und an Kommentare zu Blogposts wie deinem. Lasse das Licht nicht verlöschen. Wenn ich irgendwann nur noch steife, 1000 mal korrekturgelesene Posts serviert bekomme, die nur noch versuchen es jedem potentiellen Leser recht zu machen und um Himmels Willen keinem auf den Schlupf zu treten… dann werde ich das Bloglesen auch aufgeben.

Liebe Jane!

Ich danke dir sehr für deine lieben Worte und deine Erfahrungen!
Dass du im Laufe der Zeit immer negativere Erfahrungen in Foren sammeln musstest, tut mir wirklich aufrichtig leid – so wird einem die Freude am Teilen und am Weiterhelfen und Unterstützen oder auch einfach am Austausch teilweise wirklich verleidet. Und das ist so unglaublich schade.
Einen ähnlichen Effekt beobachte ich mittlerweile auch in vielen Facebook-Gruppen – es gibt nur noch wenige, in denen es wirklich human und freundlich zugeht – manchmal hat man regelrecht den Eindruck, einige Menschen warten nur darauf, in gemeinen Äußerungen, die nun wirklich niemanden weiterbringen, ihren Frust herauszulassen. Dabei könnte man dieselbe Energie dazu verwenden, wirklich gute und schöne Dinge gemeinsam zu erreichen…

Eines kann ich dir aber garantieren: Ich werde meinen Stil niemals verlieren und mich nicht jeder Meinung anpassen, versprochen. Ich bin ich und das ist gut so. Vielleicht ändere ich mich (sicherlich) und auch das ist gut so. Aber ich werde niemandem nach dem Mund reden, denn ich habe einen eigenen Kopf zum Denken und eigene Gedanken, die geäußert werden wollen – Diskussionen sind mir dabei aber immer sehr willkommen, denn nur so kann man voneinander lernen. 🙂

Liebe Grüße und hab’ einen tollen Sonntag!
Jenni

wirklich toller Artikel Jenni!
Danke! 🙂

Liebe Tanja!

Ich danke dir und es freut mich sehr, dass er dir gefällt! 🙂

Liebe Grüße
Jenni

Guten Morgen, liebe Jenni!
Du kennst ja meine Meinung zum Thema, da brauch ich hier nicht lang drüber reden. 😉

Abgesehen vom Artikel, bin ich diesmal übrigens auch höchst fasziniert von den Bildern. Da sieht man mal wieder, wie schön Minimalismus und Lichtspielereien sein können. Ich bin froh darüber, dass es talentierte Menschen wie dich gibt, deren Kreativität mich immer wieder erfreut und inspiriert. 🙂

Lg Tanja

Liebe Tanja!

Hach, ich weiß gar nicht, was ich zu diesem dicken und großen Lob sagen soll, außer: Danke dir von Herzen! Das ist wirklich das schönste Kompliment, das du mir machen konntest und es wird mich per Lächeln auf dem Gesicht durch den Tag begleiten. 🙂

P.S.: Du weißt sicherlich und absolut natürlich, dass ich das auf jeden Fall ungeschmählert zurückgeben kann, oder? 😉

Liebe Grüße
Jenni

Hallo Jenni!

Danke für diesen Beitrag, der mich sehr bewegt hat. Ich kann dem nur beipflichten, denn ein bisschen bin auch ich in diese Falle geraten im letzten Jahr.

Gerade bin ich dabei, wieder alles in die richtige Richtung zu bewegen. Damit eben für das reale Leben noch immer genug Zeit bleibt und ich mein sehr geliebtes Hobby, das Bloggen, trotzdem beibehalten kann.

Zum Thema Kommentare möchte ich noch etwas sagen. Es gibt auch die Möglichkeit ein Kommentar einfach zu löschen. Ich bin nicht verpflichtet, jedes Kommentar zu beantworten und jedes Kommentar auf meinem Blog stehen zu lassen. Denn es ist MEIN Blog.

Bis jetzt musste ich von dieser Möglichkeit noch nicht oft Gebrauch machen. Es hat sich entweder um Spam oder um Werbung gehandelt, wenn ich das Kommentar in den Papierkorb verschoben habe.

Aber ich finde, man muss sich nicht öffentlich beleidigen lassen. Das hat niemand notwendig.

lg
Maria

Liebe Maria!

Ich danke dir für deine lieben und ehrlichen Worte!
Dass du auch damit zu kämpfen hattest, wie du schreibst, kann ich gut nachvollziehen – du bist ja auch wirklich sehr aktiv und hängst dich mit ganzem Herzen hinter dein Projekt, was ich wirklich bewundernswert und absolut klasse finde.
Aber manchmal merkt man gar nicht, wie das sehr geliebte Hobby dann auch schnell zur Last werden kann – und genau diesen Punkt muss man abpassen bzw. ihn zu vermeiden wissen. Auch mir fällt das manchmal nicht besonders leicht, aber ich habe glücklicherweise auch jemanden an meiner Seite, der das für mich auch ein bisschen “überwachen” und mir den richtigen Zeitpunkt zum Abschalten mitteilen kann. 🙂

Bezüglich der Kommentare hast du absolut recht – ich muss absolut keine solchen veröffentlichen, die gezielt unter die Gürtellinie gehen. Warum auch?
Ich entscheide da jedes Mal neu – wenn es sich um konstruktive Kritik handelt, setze ich mich natürlich damit ebenso konstruktiv auseinander. Aber beleidigen lassen muss ich mich nicht. Mein digitales Wohnzimmer, meine Regeln. 😉

Liebe Grüße und hab’ einen schönen Sonntag!
Jenni

Hallo Jenni!

Danke schön, Dir auch noch einen schönen restlichen Sonntag!

lg
Maria