Was ist Chiengora? modus intarsia zeigt: viel mehr als Hundewolle

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12. Dezember 2020

Was bitte ist Chiengora?

Würdest du einen Pullover aus Chiengora, also Hundewolle, tragen? Aus einem Garn, das sich vorher an dem treuen Vierbeiner deiner Nachbarin befand, zum Beispiel?

Falls eure erste Reaktion auf die Frage ein “Ih-bah, niemals!” war, glaube ich, dass dieser Artikel spannend für euch sein könnte. Falls euer erster Impuls “Aber die armen Tiere!” war, ebenfalls.

Chiengora ist ein Garn, das aus der ausgekämmten Unterwolle von langhaarigen Hunden gewonnen wird. Das ist der Flausch, der das Tier im Winter schön warm hält und beim Auskämmen als Fusselball auf dem Boden liegt. Sie hält bis zu 80% wärmer als Wolle und hat klimaregulierende Eigenschaften.

Chiengora ist eine Wortverschmelzung aus dem französischen chien für ‘Hund’ und Angora und kann unter anderem aus der Unterwolle von Huskys, Smojeden, Collies, Shelties und Australian Shepherds gewonnen werden – aber natürlich auch aus langhaarigen Mischlingen, wobei modus intarsia den Begriff zu vermeiden versucht und lieber von Melange spricht, wie mir Gründerin Ann Cathrin Schönrock in einer Videokonferenz erklärt. In dem alternativen Begriff schwingt eine ganz andere Anerkennung für das Tier und den Rohstoff, den es liefert, mit.

modus intarsia

modus intarsia ist das Start-up, das Chiengora im großen Stil in Deutschland bekannt machen und vor allem darauf aufmerksam machen möchte, dass hier eine wertvolle und ästhetische Ressource jedes Jahr tonnenweise ungenutzt weggeworfen wird: “Allein in Deutschland werden jährlich über 80 Tonnen, in Europa jährlich über 500 Tonnen, von dem Stoff weggeworfen. Das wollen wir ändern!”, sagt Ann Cathrin, die irgendwann die ausgekämmte Unterwolle des Hundes ihrer Mutter zur Spinnerei sandte, um ein Garn daraus spinnen zu lassen. Ihr Motto: “Es hat noch nie jemand probiert, deswegen klappt es bestimmt.” (Astrid Lindgren) 

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Ein Garn mit Geschichte

Die Technik, aus Hundehaaren Garn zu gewinnen ist, schon sehr alt: “Die ältesten Funde gibt es an der amerikanischen Westküste bei indigenen Gemeinschaften, die einen Wollhund gezüchtet und das Garn mit der Ziegenwolle gemischt versponnen haben. Irgendwann wurde es lukrativer und praktischer, nur noch die Bergziegen zu halten – dann ist die Produktion der Hundewolle zurückgegangen. Außerdem gibt es einige sibirische Völker, die Samojeden-Vöker beispielsweise, die den Stoff ebenfalls verwendet haben, weil er schlicht vorhanden war”, erklärt Franziska Uhl, Mitgründerin von modus intarsia. 

Was die beiden Frauen nun machen, ist, den wertvollen Rohstoff, der in seiner Qualität mit Luxus-Fasern wie Mohair, Angora und Kaschmir zu vergleichen ist, vor der Mülltonne zu bewahren, indem sie ihn als hochwertiges Garn dem textilen Markt zugänglich machen.  Dazu haben sie ein neues System der Rohstoff-Gewinnung etabliert, das es so vorher noch nicht gab (s. unten) und in langwieriger Forschungsarbeit ein eigenes Spinnverfahren, exakt auf Chiengora zugeschnitten, entwickelt. 

Warum hat man eigentlich irgendwann keine Textilien mehr aus Chiengora hergestellt? 

Franziska meint: “Das wurde ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht weitergeführt, weil der Hund ein sehr teures und aufwändiges Nutztier wäre, wenn man ihn zu diesem Zweck halten würde. Das würde sich nicht lohnen – daher ist die Hundewolle von der industrialisierten Gesellschaft nicht weiter verfolgt worden.” Ann Cathrin ergänzt: “Man kann Hunde nicht in Herden halten wie man es mit anderen Woll-Lieferanten, wie Ziegen oder Schafen, machen kann. Das ist nicht lukrativ.” 

Chiengora kann also nur als Neben- oder Abfallprodukt weiterverwendet werden – alles andere würde sich schlicht nicht lohnen. Also muss man auch keine Angst vor Hundefarmen und Massentierhaltung von Australian Shepherds haben? “Wenn man damit schnell Geld machen könnte”, sagt Ann Cathrin, “hätte das schon lange jemand gemacht. Wir machen das aus dem Bedürfnis heraus, diese Ressource zu retten und ein Umdenken in der Textilindustrie anzustoßen.”

Woher kommt Chiengora?

Diese Ressource stammt vor allem aus Privathaushalten: Alle, die langhaarige Hunde pflegen (hier ist eine Übersicht, welche Rassen sich beispielsweise gut für Chiengora eignen), können die ausgekämmte Unterwolle bei modus intarsia einsenden. Das kann als Spende passieren – aber ihr könnt dafür auch entlohnt werden: Bis zu 45€ bezahlen Ann Cathrin und Franziska pro Kilo hochwertiger Wolle. “Das ist viel Geld und internationaler Durchschnitt für das, was unter anderem für Kaschmir gezahlt wird.”

Aber die Entschädigung gibt doch Anreize, sich jetzt ganz viele Tiere zuzulegen, um die Wolle “ernten” zu können, oder? 

“Es würde sich niemals, niemals lohnen, sich dafür ein Tier anzuschaffen”, betont Ann Cathrin. “Das ist uns extrem wichtig: Wir wollen auf keinen Fall, dass mehr Hunde gehalten werden, von Massentierhaltung ganz zu schweigen. Für diesen Zweck lohnt sich das vorne und hinten nicht. Das ist der Grund, weshalb das bisher nicht gemacht wird. So haben wir die Gewissheit, dass sich daraus keine Industrie entwickelt, die Tierleid produziert.” Der Betrag sei lediglich als kleine Entschädigung zu verstehen, nicht als Gehalt. Allein das Hundefutter, eine Voraussetzung für gut gepflegtes Fell, kann diese Entschädigungssumme bereits übersteigen. 

Und es geht wieder um Wertschätzung: “Unsere Berater*innen sagen uns andauernd, dass wir blöd sind, für einen Rohstoff, den wir umsonst haben könnten, zu bezahlen. Doch uns ist wichtig, die Wertschätzung für den Rohstoff von Anfang an weiterzugeben.” Alternativ gibt es auch die Möglichkeit, 50% zu spenden und 50% des Wertes ausgezahlt zu bekommen. Gespendet wird an Tierschutzorganisationen, zum Beispiel SOS Dogs Romania, aber auch Sea Shepherd oder den Tierschutzbund. So seien schon jetzt mehrere tausend Euro an Spenden zusammengekommen, erzählen die beiden. 

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Einige Garne sind Mischgarne – zum Teil mit Alpaka oder Merino. Wie passt das mit dem Argument, kein Tierleid verursachen zu wollen, zusammen? 

Wichtig sei zunächst, das Handstrickgarn von dem industriellen Garn zu unterscheiden: Aktuell bietet modus intarsia im Crowdfunding und auf der eigenen Website Handstrickgarn an, das mit anderen tierischen Fasern, wie Alpaka oder Merino, gemischt ist. Die industrielle Faser, um die es langfristig geht, werde nur mit Lyocell vermischt und sei daher komplett tierleidfrei. 

Woher kommen nun die tierischen Fasern? 

Franziska sagt: “Für unsere Alpaka-Wolle arbeiten wir mit 2 Alpaka-Höfen in Deutschland zusammen. Diese Wolle wird normalerweise ebenfalls weggeworfen. Gestern habe ich mit der Frau telefoniert, die uns für die Crowdfunding-Kampagne mit Alpaka-Wolle beliefert. Sie hat die Wolle die ganze Zeit auf dem Dachboden gelagert. Ich habe ihr im Prinzip die Wolle von den letzten 3 Jahren abgekauft – sie hält die Alpakas und die Tiere müssen ohnehin geschoren werden. Natürlich ist es aus veganer Perspektive fraglich, warum jemand Alpakas im Hof stehen haben muss. Dennoch ist die Wolle nun einmal in Deutschland vorhanden und wir kaufen sie den Leuten ab und nutzen sie. Die Merinowolle beziehen wir ebenfalls von deutschen Schäfer*innen. Deutsche Schurwolle wird aktuell fast immer verbrannt, weil sie normalerweise für die Textilherstellung zu grob ist. Deutsches Merino ist 5 Mal so grob wie das Merino, das man aus Neuseeland oder Australien bekommt und wird daher nicht oft in der Textilbranche verwendet.” 

Ann Cathrin ergänzt: “Die Merinoschafe, von denen wir die Wolle verwenden, werden nicht für die Wollproduktion gehalten – sondern für die Landschaftspflege. Dafür, Rasen abzugrasen. Für die Landschaftspflege ist die Wolle ein Nebenprodukt, das nicht gebraucht und darum vernichtet wird.” 

Wo und wie wird produziert? 

Das oberste Prinzip von modus intarsia ist die niedrige Öko-Bilanz. Das beutetet, dass Produktionswege so kurz wie möglich gehalten werden: Derzeit findet fast die gesamte Verarbeitung der Faser – vom Sammeln bis zum Spinnen – in Deutschland statt. 

Das System funktioniert so: 

  • Die Wolle kommt (per direkter Sendung oder über Sammelstellen) in den Lagern von modus intarsia an. 
  • Dort wird sie tabellarisch erfasst und nach Qualität und Farbe (Handstrickgarn) sowie Faserlänge (Industriegarn) sortiert. 
  • Anschließend wird der Rohstoff in die Wäscherei gegeben. Dort wird die Wolle – im Gegensatz zur Wäsche der normalen Schafwolle, die sehr umweltschädlich und wasserintensiv ist – nur einmal eingeweicht und mit ökologischem Waschmittel durchgespült. Weil die Halter*innen die Hunde ohnehin gut pflegen, reicht das aus, um den Geruch aus dem Rohstoff herauszuwaschen. Anschließend wird die Wolle luftgetrocknet. Das alles passiert in einem kleinen Betrieb in Sachsen. “Ökologischer geht es kaum”, meint Franziska. Nach der Wäsche ist die Wolle auch von potenziellen Allergenen befreit, sodass auch Menschen, die eine Hundehaar- oder -speichel-Allergie haben, Textilien aus Chiengora tragen können. (Genauso, wie jemand, die*der gegen Ziegen allergisch ist, Kaschmir tragen kann. Das ist allerdings noch nicht wissenschaftlich, sondern bisher erst in Praxistests bestätigt.) 
  • Wenn sie gewaschen ist, kommt die Wolle entweder in die Handstrick- oder Industrie-Spinnerei. Für das Handstrick-Garn arbeiten die beiden Gründerinnen mit kleinen und regionalen Naturfasermühlen zusammen. Für jede Garn-Qualität gibt es eine separate Spinnerei, in der die Wolle verarbeitet wird – insgesamt sind es 4 Betriebe. 
  • Einzig für das Industriegarn muss modus intarsia auf eine Spinnerei in Norditalien ausweichen – “weil die Kompetenz in Deutschland schlicht nicht mehr vorhanden ist.” Von der Streckenlänge her ist Norditalien allerdings noch nah genug, um möglichst kurze Lieferwege garantieren zu können. 

Es sei sehr schwierig gewesen, Spinnereien zu finden, die sich auf das Experiment Chiengora einlassen wollten, erzählen Ann Cathrin und Franziska: “Die Suche war wirklich lang und wir haben wahrscheinlich mit jeder Spinnerei, die es in Deutschland noch gibt, telefoniert (und das sind nicht mehr viele). Wir haben fast nur Absagen bekommen, bevor wir die Menschen von uns überzeugen konnten.” 

Und es gibt noch ein weiteres Problem: “Für diese Spinnereien werden wir im nächsten Jahr als Unternehmen zu groß werden – aber für die großen Betriebe immer noch zu klein sein. Den Mittelstand, der früher die deutsche Textilindustrie geprägt hat, ist in den letzten Jahren komplett weggebrochen. Da stehen wir vor einem großen Dilemma: Der nächste Spinner, der unsere Qualität produzieren könnte, wäre in Tschechien oder Ungarn. Eigentlich würden wir aber gerne in Deutschland bleiben mit der Produktion. Es ist sehr, sehr anstrengend, das alles regional in Deutschland zu halten.” 

Die Priorität auf Fairness und kurze Lieferketten schlägt sich auch im Preis der Produkte nieder: “Wir zahlen einen fairen Preis für die Hundewolle und faire Löhne in Deutschland. Die einzige Möglichkeit, die Kosten zu senken, wäre, ins Ausland zu gehen – das ist für uns aber keine Option.”

Was ist mit den CO2-Emissionen?

Das Zielt von modus intarsia ist es, konventionelle tierische Materialien, die oft mit viel Tierleid verbunden sind und durch lange Transportwege eine sehr hohe CO2-Bilanz aufweisen, in großem Maßstab durch Chiengora zu ersetzen. Dadurch, dass die Hundewolle ein Rohstoff ist, der ohnehin anfällt und bisher weggeworfen wird, ergibt sich eine Start-CO2-Bilanz von 0. “Das unterscheidet unser Chiengora massiv von Stoffen wie Baumwolle oder Schafwolle”, erklärt Franziska. “Dazu kommt, dass unser Versand nur innerhalb Deutschlands und nicht aus China, Neuseeland oder Südafrika stattfindet.”

Lediglich die Logistik hinter dem Sammeln und Verarbeiten der Wolle verursacht also Emissionen – aber auch dort haben Franziska und Ann Cathrin ein strenges Auge auf mögliche Reduktion: 

  • Privatpersonen können die Wolle direkt an modus intarsia, aber auch an eine der (näherliegenden) Sammelstellen schicken. Die bündeln die Ressource und leiten sie, nachdem genügend Material zusammengekommen ist, an Franzi und Anni weiter. 
  • Aktuell arbeiten die beiden an einem Verpackungssystem, das die Verpackungsvolumina reduzieren und den anfallenden Müll praktisch auf 0 reduzieren soll – am Ende wird das System vermutlich ähnlich funktionieren wie das zirkuläre RePack-System: “Wir werden eine 100% recycelbare Hülle nutzen, die die Faser komprimiert und die immer wieder verwendet werden kann.” 
  • Parallel berechnet die TU Berlin für das junge Unternehmen die firmeninterne Ökobilanz, sodass bald Zahlen und konkrete Vorschläge für eine mögliche Reduktion vorliegen. 

Es gebe natürlich viele Anfragen aus dem Ausland, erzählen die beiden: Die Ressource sei nun einmal da und der Bedarf, sie angemessen genutzt zu sehen, groß. Mittlerweile bietet modus intarsia daher auch Menschen aus den Nachbarländern an, die Wolle nach Deutschland zu senden. Größere Distanzen sollen dann aber möglichst nicht zurückgelegt werden, meint Ann Cathrin: “Wir würden niemals Wolle aus Amerika annehmen, sondern eher dasselbe System, das wir gerade hier etablieren, noch einmal vor Ort aufsetzen, damit die Lieferwege kurz bleiben können. Die Ressourcen, die Kompetenz und die Spinnereien sind dort ebenfalls vorhanden – wir müssen die Ware nicht um die halbe Welt schiffen, nur, um unseren Profit zu maximieren.” 

Das Ziel: eine Revolution in der Textilindustrie 

Franziska und Ann Cathrin sind kürzlich auf Startnext mit ihrem Crowdfunding online gegangen – dort gibt es unter anderem Strickpakete mit Chiengora als Dankeschöns zu erwerben. In knappen verbleibenden 18 Tagen muss insgesamt eine Summe von 18.000€ gesammelt werden. Logischerweise wird das gebraucht, um das Projekt erfolgreich zu finanzieren – und damit die beiden Gründerinnen vielleicht auch irgendwann dem Traum  näherkommen, sich selbst ein Gehalt auszahlen zu können (bisher ist das nämlich noch nicht der Fall). 

Primär geht es aber um etwas anderes: Die beiden wollen nichts weniger als die Diversifizierung des Garn-Marktes. “Wir wollen Ressourcen verwerten, die übersehen werden und dem textilen Markt als Garn zugänglich machen. Auf dem Weg dorthin fangen wir mit der Ressource Chiengora an.” Das bedeutet, dass das Handstrick-Garn nur eine Zwischenstation ist – eine Möglichkeit der Finanzierung. Eigentlich geht es um das Industriegarn und darum, im großen Stil etwas in der Textilindustrie zu verändern. “Wir haben tatsächlich auch bereits erste Anfragen von Labels bekommen, die mit Chiengora arbeiten möchten”, erzählt Franziska. “Das wäre ein Traum von uns: dass man unser Material verwendet und damit Alpaka oder Kaschmir ersetzen kann.” 

Wenn Chiengora als Ressource angenommen wird, sind auch andere bisher brachliegende Felder denkbar, zum Beispiel Katzenwolle oder auch ein Garn aus der Unterwolle von bestimmten Pferde-Rassen. “Am Ende des Tages geht es darum, wo wir die Ressourcen vor der Haustür haben, die wir nehmen können, um damit Dinge zu substituieren, die derzeit von weither importiert werden. Das wollen wir so regional wie möglich machen.” Das geht aber nur mit entsprechender Vorbereitung: Bis Chiengora soweit war, als hochqualitatives Industriegarn verarbeitet werden zu können, waren 2 Jahre intensive Forschung nötig – und diese Forschungsarbeit, sagen die beiden Gründerinnen, sei “wahnsinnig teuer und zeitintensiv”. 

Alles stehe und falle allerdings mit der Kund*innen-Akzeptanz, betonen die beiden: Das Crowdfunding ist ein Test, ob die Menschen bereit sind für Chiengora als Garnalternative. “Mit dem Beweis können wir dann zu den Mode-Labels und größeren Spinnereien gehen und sagen: Das wird getragen und es lohnt sich, dieses Garn zu produzieren”, erklärt Ann Cathrin. 

Das sei vor allem vor dem Hintergrund wichtig, dass modus intarsia als Unternehmen unbedingt auf Investor*innen verzichten möchte – und die klopfen natürlich bereits an die Tür. Das würden sie nicht tun, wenn das, was modus intarsia mit Chiengora plant und bereits umsetzt, nicht wahnsinnig zukunftsfähig wäre. 

“Diese Investor*innen wollen uns total viel Geld geben und dafür Prozente haben – das typische Investor*innen-Ding. Und wollen uns anschließend zur Gewinnmaximierung drängen. Darauf wollen wir aber nicht eingehen – und deswegen ist es umso wichtiger, dass das Crowdfunding erfolgreich ist. Das bedeutet vor allem, dass wir mehr Credibility vor Banken haben und als Unternehmen ernst genommen werden und viel mehr Möglichkeiten haben – und nicht das blöde Spiel der Gewinnmaximierung mitspielen müssen. Letztendlich stehen wir sonst vor der Entscheidung, entweder eine*n Investor*in reinzunehmen oder aufzugeben. Wir hoffen, dass uns diese Frage gar nicht erst gestellt werden muss.” 

Das hoffe ich auch sehr – nicht nur, weil ich Ann Cathrin und Franziska persönlich den Erfolg mit ihrer Idee unbedingt wünsche – sondern auch, weil Chiengora im industriellen Maßstab produziert, wirklich eine tierleidfreie und nachhaltige Alternative sein kann. Und sie braucht jetzt das nötige Startkapital – also unterstützt gerne das Crowdfunding, sofern ihr könnt, damit modus intarsia auch ohne externes Investor*innen-Kapital nichts weniger als eine Revolution in der Textilindustrie anzetteln kann. 

P.S.: Franziska und Ann Cathrin suchen derzeit übrigens nach Mitarbeiter*innen, die Lust und Leidenschaft für Chiengora und Textilrevolution mitbringen! Bewerben könnt ihr euch als Praktikant*innen oder auch Expert*in für Netzwerklogistik und strategischen Ausbau des Unternehmens unter hello@modusintarsia.com. 

©Alle Bilder in diesem Artikel: modus intarsia

Noch mehr Wissenswertes über Chiengora

QUESTION

Warum heißt ihr "modus intarsia"? (1/2)

ANSWER

Anni: Als ich das Projekt ins Leben gerufen habe, hatte ich gerade meinen Abschluss in der Tasche und eine Mode- und Strick-Kollektion rausgebracht. Die Strick-Artikel habe ich alle im Strickmaschinen-Modus „Intarsia“ gestrickt. Intarsia ist eine Stricktechnik, in der unterschiedliche Materialien miteinander verwebt und kombiniert werden. Das hat für mich inso-fern wunderbar gepasst, als dass die Ideenfindung ebenfalls interdisziplinär war.

QUESTION

Warum heißt ihr "modus intarsia"? (2/2)

ANSWER

Franzi: Manchmal werden wir gefragt, warum ab und zu der Name „yarn sustain“ auftaucht. Anni hat das Projekt gegründet und mich irgendwann dazugeholt. Das lief anfangs alles auf Vertrauensbasis ab – aber irgendwann mussten wir ernsthaft gründen. Aus dem Grund haben wir die yarn sustain GmbH gegründet – der Name „modus intarsia“ bleibt weiterhin bestehen, nur der Name der Organisation dahinter lautet "yarn sustain".

QUESTION

Warum habt ihr keine Purpose Economy gegründet? (1/2)

ANSWER

Franzi: Wir haben lange überlegt, ob wir eine gGmbH gründen sollen und wollten das unbedingt – doch uns haben sehr viele Menschen davon abgeraten, weil eine gGmbH sehr bürokratisch ist. Sie meinten: Ihr habt doch schon einen Purpose! Wir schauen jetzt, dass unser Unternehmen in der alltäglichen Praxis gemeinwohlorientiert ist – wir haben beispielsweise unser Geschäftskonto bei der GLS und spenden jährlich 1000€ an den Tierschutz. Solche Schritte gehen wir.

QUESTION

Warum habt ihr keine Purpose Economy gegründet? (2/2)

ANSWER

Anni: Wir haben uns das wirklich nicht leicht gemacht und lange mit der Entscheidung gekämpft. Gerade am Anfang könnte uns die übermäßige Bürokratie allerdings unser Unternehmen kosten – und wir haben es ohnehin schwer, weil wir uns an keine Regeln halten und Vorreiterinnen in vielen Dingen sind. Daher haben wir uns für eine GmbH entschieden.

QUESTION

Wie ist das Feedback aus Fachkreisen?

ANSWER

Franzi: Wenn man mit Menschen aus der Forschung spricht, ist die Resonanz durchweg positiv. Unseren Prototyp haben wir am Deutschen Textil- und Faser-Institut entwickelt – dort haben auch alle gefragt: Warum hat das vor euch niemand gemacht?

QUESTION

Werdet ihr immer Stricksets anbieten, die man bei euch kaufen kann?

ANSWER

Anni: Ob das in Zukunft vielversprechend ist und wir die Sets weiterführen können, wissen wir noch nicht. Wenn sie jetzt aber gut gekauft werden, ist das natürlich ein Indikator dafür, dass wir sie auch im nächsten Jahr anbieten können.

QUESTION

Was sind eure nächsten Schritte?

ANSWER

Anni: Unsere Intention war von Anfang an, dass wir die Lieferkette so gut nachverfolgen können, dass jemand, die*der von dem eigenen Tier die Unterwolle sammelt, sehen kann, wo die Wolle sich gerade befindet – und auch, bei welchen Designer*innen auf dem Lauf-steg die Wolle am Ende ankommt. Diese Art der Transparenz in der Lieferkette ist unser Ziel.

01

JENNI MARR

Wanderin im Geiste, mit der Nase im nächsten Buch, nie so ganz zuhause und doch immer da.

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