Ich kann selbst nicht so richtig glauben, dass ich das schreiben darf: Ich habe ein Buch mitgeschrieben und jetzt ist es draußen. Zu kaufen bei euren Buchhändler*innen des Vertrauens. Endlich, und gleichzeitig ging es irgendwie so schnell: Great Green Thinking ist veröffentlicht. Puh, wow. Ich fühle alles auf einmal heute.

2020 war ein verdammt anstrengendes Jahr und ich hätte nicht gedacht, dass wir (meine Co-Autorin Milena Zwerenz und ich) es so gut schaffen werden, dieses Projekt zu stemmen, das ganz unvorbereitet, aber gerade zum perfekten Zeitpunkt in mein Postfach geflattert kam. Das Schreiben hat mir sehr viel abverlangt, lange Nachtschichten, Heulkrämpfe, Endorphinhochs und dieses ständige Zweifeln: Habe ich an alles gedacht? Habe ich einen ausreichenden Forschungsüberblick, um dazu etwas sagen zu können? Wie hoch muss unser Anspruch sein? Und nicht zuletzt: Wie bekommen wir alles, was wir sagen wollen, eigentlich zwischen diese begrenzte Seitenzahl? Und das auch noch alles in relativ kurzer Zeit, in einem Jahr, das mental unfassbar anstrengend ist für alle Beteiligten? 

Wen suchen wir aus? Wen müssen wir auslassen? Was reproduzieren wir damit für Strukturen? Wo können wir noch sensibler formulieren? Reicht unser Anliegen? Ich hatte mich darauf vorbereitet, dass Buchschreiben nicht so romantisch wird wie in den Filmen und Serien und habe ja auch schon einiges an Schreiberfahrungen, um das Zweifeln und Ringen um Worte und Erzählbögen zu kennen – aber ich hätte niemals gedacht, dass ein Buch so viel abverlangen könnte. S. hat es im Nachhinein als Geburt bezeichnet und auch, wenn ich keine Geburtserfahrung zum Vergleich heranziehen kann, fühlt es sich doch sehr danach an: nach einem Buch-Baby.

Im Rückblick betrachtet bin ich trotz Hochstapler*innen-Symptomatik ganz schön stolz auf uns, dass wir diese Menge an Inhalt so bündig und auch gestalterisch schön zusammenfassen und gleichzeitig so viele Interviews und Beiträge von so unterschiedlichen Menschen neben unserem eigenen Schreiben jonglieren konnten. Wie wir das gemacht haben? Weiß ich gar nicht mehr so richtig – viele Zoom-Calls, die reale Begegnungen pandemiebedingt weitgehend ersetzen mussten, viel, viel Arbeit, viel Abstimmen, Verwerfen, Neu-Anordnen, viele Mails, manche davon, die nie beantwortet wurden. 

Gleichzeitig mussten wir alle mit unseren privaten Struggles und Herausforderungen klarkommen, die sich durch die Pandemie noch einmal potenzierten. Ja, wir können ganz schön stolz sein. 

Für mich persönlich ist es ein Traum, der in Erfüllung geht. 

Seitdem ich einen Stift halten kann, wollte ich ein Buch schreiben – also keines, das ich mit Bleistift auf linierte Seiten schreibe und dann 15 Jahre lang in Büroschränken verstauben lasse und nur mir vorlese, sondern ein so richtig echtes, das mensch kaufen und in dem andere lesen und etwas für sich mitnehmen können. Eigentlich wollte ich immer in die belletristische oder lyrische Richtung gehen, dann stand ein Kochbuch im Raum und nun ist es ein populäres Sachbuch geworden. 

Und ich glaube, vor ein paar Jahren wäre ich so ein Projekt noch ganz anders angegangen, hätte mir persönliche Eitelkeit (und Ignoranz) viel zu sehr im Weg gestanden, um so ein gutes Gemeinschaftsprojekt wie Great Green Thinking mitgestalten zu können. 

Unser Ziel war es, eine Brücke zu schlagen: zwischen dem, was die Wissenschaft zur Klimakrise und vor allem zu den Lösungen sagt und zwischen dem, was auf systemischer und intersektionaler Ebene seit langem vor allem in entsprechenden Disziplinen, seit neuestem aber auch auf Social Media diskutiert wird. Beeinflusst wurden wir aus beiden Richtungen, zu Wort kommen lassen wollten wir möglichst viele unterschiedliche Akteur*innen, die für eine bessere Welt von morgen kämpfen. 

Wir wollten Lösungen hören, denn das Problem kennen wir. 

Und wir wollten die Geschichten derer erzählen und die zu Wort kommen lassen, denen wenig bis gar nicht zugehört wird, wenn auf politischer Bühne und beim Kaffeekränzchen über Nachhaltigkeit gesprochen wird: denen, die wenig Geld haben. Denen, die rassifiziert werden. Menschen aus dem Globalen Süden, die am wenigsten für die Klimakrise können und doch jetzt schon am stärksten unter ihr leiden.

Und wir wollten vor allem ganz deutlich sagen: Ein paar Plastikstrohhalme weniger im Meer sind zwar gut, werden uns aber nicht retten. Genauso wenig wie der Einkauf im Unverpacktladen. Wir müssen ran ans System, eine andere Lösung gibt es nicht. Wir haben Menschen aufgesucht, die genau das vorhaben oder schon umsetzen – auf ihre ganz eigene Art, mit total unterschiedlichen Fokuspunkten.

Angefangen mit der Druckerei gugler*, bei der wir Great Green Thinking im Cradle-to-Cradle-Verfahren haben drucken lassen über Indigene im Amazonas und engagierte Kollektive für Intersektionalität bis hin zu Start-ups, die unsere Art zu Wirtschaften, auf den Kopf stellen wollen. Es sind so spannende Stimmen vertreten wie der Jugendrat der Generationen Stiftung, das faire Label Folkdays, die neue Partei radikal:klima, Locals United vom BUND Jugend, die Aktivistin Berfîn Marx, die Journalistin Ciani Hoeder (Gründerin vom rosaMag), der Journalist Chris Vielhaus von Perspective Daily, die Anthropologin Taily Terena, der Kondomhersteller einhorn, das Kollektiv für diskriminierungssensible Medien DisCheck und viele, viele mehr.

Ich bin allen, die mitgewirkt haben, so dankbar – denn erst ihre Stimmen haben das Buch zu dem werden lassen, was es ist. Und natürlich auch unserem Verlag &Töchter, der mit der Idee auf uns zukam (die dann doch ein bisschen anders geworden ist als ursprünglich gedacht) und mit dem die Zusammenarbeit so schön respektvoll und auf Augenhöhe stattfand. 

Es gibt Essays, es gibt Interviews, es gibt viele Bilder, ein wahnsinnig gutes Design (da haben wir Autorinnen nichts mit zu tun gehabt, wir haben nur Material geliefert) und extrem viel Input. Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben Angst vor Rezensionen und bin doch zuversichtlich, denn ich kann sagen: Für das, was als Ausgangssituation da war, haben wir wirklich das Beste draus gemacht. Verstecken müssen wir uns nicht. Es war so viel Arbeit und wir können so stolz sein.

Happy Release Day, 1st Book-Baby!

Great Green Thinking könnt ihr jetzt in allen Buchhandlungen eures Vertrauens bestellen oder direkt über &Töchter kaufen. 

JENNI MARR

Wanderin im Geiste, mit der Nase im nächsten Buch, nie so ganz zuhause und doch immer da.

KOMMENTARE

Gratulation!
Das ist bestimmt ein tolles Gefühl sein eigenes Buch in den Händen zu halten :).Muss ich mir unbedingt jeden Fall durchlesen :).

Sorry für die Frage, aber du hast so viele tolle Buchrezensionen. Hab mir Melodie angeschaut und ihr Buch Bodypolitics klingt sehr spannend. Würdest du dazu denn auch eine Buchrezension machen wollen?

Liebe Grüße!;)

Hey Marla,
danke dir! Ja, das ist ein unfassbares Gefühl. Wie gesagt, so richtig realisiert habe ich das immer noch nicht. Freut mich, dass es dich interessiert. 🙂

Ich kann mir eine Rezension von “Body Politics” sehr gut vorstellen, weiß aber noch nicht, wann ich es schaffe – ich habe sehr viel auf dem Schreibtisch im Moment. Aber es ist vorgemerkt!

Liebe Grüße
Jenni

Danke dir, das würde mich echt sehr freuen 🙂
Zum Thema würde mich j auch mal interessieren was du über die Schattenseite von Bodypositivity denkst.

Da gab es vor einiger Zeit eine Diskussion, und zwar hatte die Influencerin Glitzer and Lazers, gestanden, dass sie aus gesundheitlichen Gründen abnehmen muss. Weil sie ein Lipidödem hat und darunter gesundheitlich leidet.
Sie war sehr stark in der Plus Size Community als Vorbild vertreten und hat mehrere Millionen Follower auf Tiktok.

Da regte sich dann eine andere Fatacceptance AktivistIn namens Fat girl flow darüber auf, dass wenn Menschen ihren Health Jourey online zeigen sie sich für was Besser hielten.

Hier mal zwei Videos dazu.
Das erste ist Fat girl Flow über Glitzer und Lazers. Und das zweite ist Glitzer und Lazers über Bodypositivity in der Plus Size Community. Also Anna, die von Fat girl flow attackiert wird.

https://www.youtube.com/watch?v=2uIQ0nvtses
https://m.youtube.com/watch?v=4K0zW9wX-O0

Was denkst du über solche Dinge?
 

Hey Marla,

danke dir für die Anregungen.

Bisher habe ich mich nicht mit dem Thema beschäftigt, aber ich beobachte das mal. Grundsätzlich finde ich es wichtig, den schmalen Grat zu wandern, dass Bodypositivity nicht gleich “Werbung für Adipositas” oder Ähnliches ist. (Nicht, dass du das gesagt hättest, aber mir ist das Statement wichtig.)

Solange es allen Beteiligten gutgeht, ist alles super. Wenn nicht und die Person möchte für sich etwas ändern – wo ist das Problem? Das habe ich mich auch damals gefragt, als alle auf einmal so enttäuscht von Adele waren, weil sie – oh schreck – beschlossen hatte, abzunehmen. Ich sehe die Schattenseite da eher in den Erwartungen, die Außenstehende an die Menschen herantragen, muss ich sagen.

Liebe Grüße
Jenni

Liebe Jenni,

Dein Buch ist heute bei mir per Post angekommen. Es sieht toll aus und die ersten Leseeindrücke sind inspirierend und machen Lust auf intensives Lesen.
Herzlichen Glückwunsch!!

Gruß aus HH, K.

Hallo K.,
freut mich sehr, dass dir das Buch auf den ersten Blick gefällt – ich hoffe, du hast viel Freude und ein paar neue Erkenntnisse beim Lesen. 🙂

Danke für deinen Support!

Liebe Grüße
Jenni

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