Vegane Zahnpasta

  /  
4. Oktober 2015

Das folgende Rezept ist das Ergebnis eines Dilemmas, sodass ich nicht weiß, ob ich mich mehr für das Dilemma oder für die Tatsache schämen sollte, bisher zu bequem gewesen zu sein, eine selbstgemachte vegane Zahnpasta auszuprobieren.

Aber der Reihe nach: Es war Freitagabend. Ich hatte bereits am Morgen bemerkt, dass meine gerade in Gebrauch befindliche Zahnpasta zur Neige ging. Ich war aber zum einen zu faul, die Viertelstunde in die Stadt zu laufen, um im Drogereimarkt eine neue Tube zu erwerben und zum anderen wusste ich außerdem, dass der Inhalt gerade noch so bis zum Samstagmorgen reichen würde. Und samstags gehen wir immer einkaufen. Damit wäre das Problem theoretisch gelöst gewesen. Praktisch war der folgende Samstag aber ein Feiertag – und nicht irgendeiner: Der Tag der deutschen Einheit. Und ich hatte ihn vergessen. Und Samstagmorgen war der Schock groß. Bis Montag würde der Fitzel-Rest Zahnpasta nie im Leben reichen! Und diejenige von Mr. Grünzeug (der nicht von der unveganen Colgate abzubringen ist) zu benutzen, kam genauso wenig infrage wie sich die Zähne gar nicht zu putzen.

Da hatte ich das Dilemma. Aber halt – ich erinnerte mich, in den Weiten des World Wide Web des Öfteren auf eine vegane Zahnpasta-Alternative gestoßen zu sein, die man leicht und schnell mit haushaltsüblichen Zutaten selbst herstellen kann. Das war meine Rettung in doppelter Hinsicht: Ich hatte eine Lösung für mein akutes Versorgungsproblem und gleichzeitig ein tolles neues Rezept kennen gelernt. Dieses Rezept möchte ich jetzt mit euch teilen.

Was ist drin? Und warum?

Die Basis der veganen Zahnpasta ist sehr simpel: Kokosöl und Natron. Warum ausgerechnet diese beiden Zutaten?

Was das Kokosöl in der Zahnpasta leistet:

Das Kokosöl, das in der veganen DIY-Kosmetik ohnehin ein echter Alleskönner ist, wirkt in der selbstgemachten Zahnpasta antibakteriell, entzündungshemmend und verleiht außerdem einen frischen Atem.

Was Natron in der Zahnpasta leistet:

Es tötet die Mundhöhlen-Bakterien ab, indem es das Mundmilieu alkalisiert und den Bakterien ihre Nahrungsgrundlage entzieht. Das Natron ist also diejenige Zutat, welche den Mundraum hygienisch reinigt. Außerdem hält es die Zähne weiß, indem es störenden Zahnbelag entfernt.

Ist das gesund?

Mit dem Ungewohnten geht der Durchschnittsmensch ja erst einmal folgendermaßen um: misstrauisch und Sicherheitsabstand wahrend.  Zum eigenen Schutz, versteht sich. Man kann ja heutzutage gar nicht mehr vorsichtig genug sein.

Daher die naheliegende Frage: Ist so eine DIY-Zahnpasta überhaupt gesund? Schadet sie nicht vielleicht eher den Zähnen als dass sie nützt? Immerhin müssten die angeblich von Zahnmediziner*innen mitentwickelten konventionellen Zahnpasten doch aus gutem Grund so lange so erfolgreich existieren. Würden sie nicht gut für uns sein – machten wir dann nicht schon alle unsere Zahnpasta selbst; vor allem, wenn es so einfach ist?

Doch genaueres Hinschauen offenbart, dass Vieles auch hier nicht so ist, wie es scheint: Denn oftmals ist es gerade die Industrie-Zahnpasta, die Gesundheitsrisiken birgt.

“Aspartam, Carrageenan (entzündungsfördernd), Parabene, Glycerin, Mikro Plastik Partikel, der Zuckeraustauschstoff Sorbit (hat eine kariesfördernde Wirkung!) oder auch Fluorid [sind in herkömmlichen Zahnpasten enthalten].”

Obwohl ich in der Regel vegane Zahnpasta von Naturkosmetik-Firmen verwende, finde ich den Sachverhalt, dass gerade das, was dem Menschen als gesund verkauft wird, auch hier versteckte Risiken in sich birgt, die die meisten von uns (mich eingeschlossen!) sich im alltäglichen Stress-Dschungel gar nicht vor Augen führen. Sinnvoll ist ein reflektierter Umgang mit dem alltäglichen Reinigungsmittel daher allemal.

“Denn in herkömmlichen Zahnpasten sind bis zu 100 verschiedene Chemikalien enthalten […].”

Und so schnell wie ich dutzende Seiten über die schädlichen Inhaltsstoffe konventioneller Zahncremes gefunden habe, so wenig habe ich etwas über die schädlichen Nebenwirkungen der DIY-Zahnpasta finden können. Ich kann mir ehrlich gesagt, auch keine herleiten. Daher dürfen wir diese tolle vegane, gesunde, umweltschonende und günstige Zahnpasta als ernsthafte Alternative zu unserer bisherigen betrachten.

Das folgende Rezept habe ich in den Grundzügen von Zora von foolfashion übernommen und auf meine Bedürfnisse angepasst.

Ihr braucht:

  • 1 EL Kokosöl
  • 1,5 EL Natron
  • 1 TL getrocknete Minze (kann ersetzt werden durch ästherisches Öl – sieht dann auch besser aus)
  • 1 TL Stevia besser: Birkenzucker (Xylit)

So geht’s:

  1. Erhitzt das Kokosöl, sodass es flüssig wird.
  2. Rührt nun das Natron, die Minze und den Birkenzucker ein.
  3. Füllt eure Zahnpastamischung in ein kleines Glas und lasst sie abkühlen. Während des Kühlprozesses solltet ihr immer mal wieder kurz umrühren, damit die einzelnen Komponenten sich nicht wieder voneinander trennen und ihr am Ende eine homogene Masse habt.
  4. Eure Zahnpasta ist fertig, wenn das Kokosöl wieder fest geworden ist. Lasst euch nicht davon irritieren, wenn das eine Weile dauern sollte – es hängt mitunter stark von der jeweiligen Raumtemperatur ab, wann das Kokosöl wieder fest wird. Ich habe meine Paste über Nacht vollständig abkühlen lassen, sodass ich sie direkt am nächsten Morgen benutzen konnte.

Tipp: Falls das Kokosöl im Raumtemperatur-Zustand schon weich genug zum Vermischen ist, braucht ihr es nicht extra zu erhitzen. Vermengt dann einfach alle Zutaten zu einer homogenen Mischung. Der Vorteil dabei: Ihr braucht nicht endlos lange warten, bis die flüssige Masse erkaltet ist und eure Paste ist immer weich und nicht allzu bröselig.

Die Anwendung

Haltbarkeit

Von der selbstgemachten Zahnpasta braucht ihr nicht viel für ein Mal Putzen – für mich hat die Menge auf dem Löffel oben auf dem Bild ausgereicht. Wie lange diese Portion, die ihr dort seht, hält, kann ich aktuell noch nicht sagen, werde den Bericht aber aktualisieren, sobald die Paste aufgebraucht ist.

Die oben abgebildete Portion, die ihr nach meinem Rezept herausbekommt, reicht etwa für eine Woche Zähneputzen (2-3 Mal täglich mit einer erbsengroßen Menge). Vom Kosten-Nutzen-Verhältnis ist das aus meiner Perspektive ein weiterer Pluspunkt für das Zahnpasta-Selbermachen.

Gefühl

Dass die selbstgemachte Zahnpasta sich anders im Mund anfühlt, ist angesichts sämtlicher fehlender Schäumungs-, Geschmacks- und Konservierungsmittel klar. Zunächst einmal bildet sich kein zahnpastatypischer weißer Schaum; das Putzen bleibt eine relativ wässrige Angelegenheit. Zu Beginn mag das etwas ungewohnt sein, aber ich denke, mit der Zeit kann man sich damit anfreunden.

Nach der Reinigung fühlen sich die Zähne angenehm sauber und weich an (ein bisschen wie nach einem Zahnarzt-Besuch). Auch die Lippen bekommen durch das Kokosöl ein schönes weiches Gefühl.

Zunächst hatte ich etwas Sorge, dass die Minzblättchen zwischen den Zähnen hängen bleiben könnten oder sich sonst irgendwie unangenehm bemerkbar machen würden – doch das Gegenteil war der Fall: Sie sorgten für ein angenehm sauberes Mundgefühl und ließen sich nach dem Putzen problemlos ausspülen.

Geschmack

Die selbstgemachte Zahnpasta schmeckt in erster Linie nach dem Kokosöl und ist etwas salzig. Der Minzgeschmack rangiert eher im Hintergrund, ist aber dennoch herauszuschmecken. Einige Rezepturen bieten alternativ zu meinen getrockneten Minzblättchen die Verwendung von ätherischen Ölen (bis zu 20 Tropfen pro Rezeptur) zur Geschmacksintensivierung an. Allerdings habe ich gelesen, dass auch hier keine Geschmacksexplosionen zu erwarten sind. Aber mal ehrlich: Wenn wir ein kulinarisches Highlight anstreben, gehen wir eher in die Küche als ins Bad, oder?

Fazit:

Keine 10 Minuten Arbeit – und ihr habt eure grüne, vegane, selbstgemachte Zahnpasta!

(Die eventuell etwas längere Abkühlzeit nicht mitgerechnet.)

Was gibt es für gute Argumente gegen das Ausprobieren dieses einfachen und schnell umgesetzten Rezeptes? Richtig: keine. Ich lege euch darum dringend ans Herz, es einmal mit dieser selbstgemachten Zahnpasta zu versuchen. Euren Zähnen und der Umwelt zuliebe.

P.S.: Ihr solltet von der Zahnpasta nicht zu viel auf einmal herstellen – die fehlenden Konservierungsstoffe bewirken, dass sie nicht allzu lange haltbar ist. Daher lieber kleine Mengen machen, die ihr relativ zügig aufbraucht.

Macht ihr eure Zahnpasta auch selbst?

Welche Rezepte benutzt ihr?

Vegane Zahnpasta

JENNI MARR

Wanderin im Geiste, mit der Nase im nächsten Buch, nie so ganz zuhause und doch immer da.

KOMMENTARE

Liebe Jenni,
danke für den interessanten Beitrag. Das einzige, was ich mich gerade frage ist ob das Natron nicht die Zähne angreift oder so?
Liebe Grüße
Kassandra

Liebe Kassandra,

ich freue mich, dass dir der Beitrag gefallen hat und du ein paar Anregungen mitnehmen konntest.
Das Natron greift die Zähne nicht an, soweit ich weiß, sondern unterstützt die natürliche Mundhygiene. Wichtig ist, dass du das Pulver nimmst und es gut anfeuchtest, damit die schmirgelnde Wirkung verlorengeht. Wenn du dir unsicher bist, kannst du mit der Dosierung zunächst ein wenig sparsamer sein und dich etwas herantasten. Meistens findet man nach einiger Zeit heraus, wie das Putzen am besten für einen selbst funktioniert. 🙂

Liebe Grüße
Jenni

hallo meine liebe:) ich mache meine zahnpasta seit ca. anfang des jahres selbst:) …ich mische kokosöl, xylit, aktivkohle, natron, pfefferminzöl, ein bissel heilerde rein:) für das genaue rezept kannst du gerne mal auf meinen blog lebenslichtpfade.wordpress.com/2016/08/11/besondere-pflegeprodukte-fuer-dich-und-deine-gesundheit schauen:)
freue mich auf deinen besuch.
alles liebe lisa

Liebe Lisa!
Dein Rezept für selbstgemachte Zahnpasta klingt auch sehr gut!
Es gibt – so habe ich mittlerweile herausgefunden – ja viele, viele unterscheidliche Rezepte und jeder und jede macht sie ein bisschen anders. 🙂
Ich schaue gerne bei dir vorbei, danke, dass du den Link dagelassen hast!

Liebe Grüße
Jenni

[…] Grundrezept ist eigentlich das gleiche wie auf Jennis Blog ( Mehr als Grünzeug! ) Ich hab es nur leicht abgeändert. Für meine Zahnpasta habe ich folgendes […]

Gerne doch, wenn du nichts dagegen hast verlinke ich deinen Beitrag zur veganen Zahnpasta und deren Herstellung auf meinem Blog, wenn ich über beide Erfahrungen berichte.

Klar, das darfst du gerne machen. Wie gesagt: Ich bin gespannt. 🙂

Liebe Grüße
Jenni

Und ich erst 😉 bis bald …liebste Grüße Mia

Danke, dass du mich auf das Rezept aufmerksam gemacht hast. Werd mir das ganze morgen mal zusammen mixen und dann auf jeden Fall davon berichten. Hab zwar keine Minze da, aber ich denke es wird auch erstmal ohne gehen 🙂

P.S. Ich werd das Ölziehen demnächst mal ausprobieren, obwohl ich mir eigentlich auch nicht vorstellen kann, dass ich das so lange im Mund behalten kann 😀

Herzlich gerne. Ich bin gespannt auf deine Erfahrungen. 🙂

Ja, das geht auch sehr gut ohne Minze. Ich nutze sie nur für den leichten Geschmack, den die trockenen Blätter geben. Alternativ kannst du auch lebensmittelechtes ätherisches Öl verwenden, falls dir aromatischer Geschmack wichtig ist.

Oh, da bist du mutig – magst du auch hier berichten, ob das Experiment von Erfolg gekrönt war? Vielleicht traue ich mich dann auch endlich einmal… 😉

Liebe Grüße!
Jenni

“Mit dem Ungewohnten geht der Durchschnittsmensch ja erst einmal folgendermaßen um: misstrauisch und Sicherheitsabstand wahrend. Zum eigenen Schutz, versteht sich. Man kann ja heutzutage gar nicht mehr vorsichtig genug sein.”

Bei dem Absatz musste ich richtig schmunzeln. Du hast es echt perfekt auf den Punkt gebracht! Genau so ist es!

Ich habe mich bisher auch noch nicht an eine selbstgemachte Zahnpasta rangewagt, aber das kommt auf jeden Fall auf meine Liste 😉

Liebe Grüße
Lena | http://www.healthylena.de

Vielen Dank für deine netten Worte. 🙂
Ich glaube, es hängt wirklich viel von Gewohnheiten ab – aber sobald man beginnt, seine eingefahrenen Verhaltensweisen zu reflektieren, kann man sich neue zu eigen machen. “Bessere” Gewohnheiten sozusagen. 😉

Ich freue mich, dich zu einem Selbstmach-Zahnpasta-Versuch motiviert zu haben. Berichte von deinen Resultaten, ja? 🙂

Liebe Grüße
Jenni

Liebe Jenni,

ein sehr guter Beitrag! Also ich werde es nach Deinem Rezept versuchen. Ich bin gespannt. ????

Liebe Grüße

Claudia

Danke. Es freut mich, dass du es nochmal mit der selbstgemachten Zahnpasta probieren möchtest und ich bin sehr neugierig auf deine Erfahrungen damit. 🙂

Liebe Grüße
Jenni

Schönes Rezept. Und dannach noch eine ganz einfach Mundspülung:
Einen halben Teelöffel Xylit 2 Minuten im Mund bewegen und dann ausspucken, danach eine halbe Stunde nichts trinken.

Genau – das wäre die perfekte Mundreinigung. Vielen Dank für deine Ergänzung! 🙂
Wie einfach es doch ist, mit wenigen Zutaten die konventionellen Produkte effektiv und günstig zu ersetzen!

Liebe Grüße
Jenni

Das klingt ja echt easy peasy, muss ich unbedingt ausprobieren! Zahnpasta war bisher immer eins der Dinge, von denen ich dachte, dass man da kaum drumherum kommt, Plastik-Verpackungsmüll zu erzeugen, aber das scheint mal eine echte Alternative zu sein. 🙂

Ja, das sehe ich mittlerweile auch so. Ich bin sehr zufrieden mit dieser grünen Alternative und kann dir ein Ausprobieren auf jeden Fall ans Herz legen. 🙂
Es ist so einfach und schnell gemacht – ich bin erstaunt darüber, dass ich nicht eher darauf gekommen bin. Und ich habe wieder etwas Wichtiges über Medienmanipulation gelernt: Das, was uns als gesund und wichtig verkauft wird und die Mehrheit dementsprechend tagtäglich benutzt, muss noch lange nicht das Beste sein. 😉

Ich mache meine Zahnpasta bis jetzt noch nicht selbst, werde das wohl aber bald mal ausprobieren! 🙂 Ich würde statt Stevia allerdings Xylit (Birkenzucker) nehmen. Ich weiß nicht, ob du das kennst. Klingt chemisch, ist aber natürlich und sehr sehr gut für die Zähne: schützt vor Karies, reduziert Plaque und verbessert allgemein die Zahngesundheit 🙂

Freut mich, dass du die vegane Zahnpasta demnächst auch mal probieren möchtest! Ich glaube, das ist eine ernsthafte Alternative zur gekauften.
Danke für den Tipp – Birkenzucker kenne ich und eine kurze Google-Recherche hat mir verraten, dass meine nächste Zahnpasta definitiv mit Xylit gemacht wird. 😉 Ich werde das im Rezept sofort anpassen. 🙂

Dachte ich mir doch, dass dich das überzeugt! 😀