Eindrücke von der veganfach 2016

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Puh, war sie anstrengend, die veganfach 2016. Und das für jemanden wie mich, die in der verwöhnten Position einer freiwilligen und interessierten Besucherin nur ein paar Stunden dort anwesend war. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie das für die knapp 130 Ausstellenden auf der größten internationalen veganen Messe  überhaupt gewesen sein muss.

Was ist die veganfach eigentlich?

Die veganfach ist die größte Messe, auf der ausschließlich vegane Produkte präsentiert werden und findet jedes Jahr in Köln statt. Die Palette der anwesenden Aussteller reicht von alteingesessenen Food- und Lifestyle-Riesen wie Keimling, Natumi und bianco über die neuen Stars der Szene (bedda, Oatly und Co.) bis hin zu den zahlreichen noch relativ unbekannten Start-Ups mit engagierten Markteroberungsplänen. Mit dabei sind regelmäßig ebenfalls viele Aussteller aus dem Ausland – schätzungsweise 26% der 130 Stände werden von ihnen unterhalten.

Zu finden gibt es auf der veganfach wirklich alles, was das vegane Herz begeht: Kosmetika, veganes Wohnen (relativ neu und da werden später noch ein paar Worte zu verloren werden) und – natürlich – Futter. Futter bis zum Umfallen. Aufstriche, Riegel, Smoothies, Nussmischungen, Marmelade, Tofu, veganer Döner auf die Hand, Burger, Pizza, Bier, Pflanzendrinks…die Palette scheint gegen unendlich zu tendieren. Die Zahl der Besucher übrigens auch. Zumindest am Samstagmittag.

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Erste Eindrücke von der veganfach

Mr. Grünzeug und ich sind allerfrühmorgendlichst aus dem Bett gestolpert, um möglichst früh am Samstagmorgen auf der Messe erscheinen zu können. Nachdem wir nach anderthalb Stunden Reisezeit endlich unseren fahrbaren Untersatz im meines Erachtens hochkomplizierten Parkleitsystem des Meesezentrums abgestellt hatten, zuckelten wir zügig durch die herbstliche Frische in Richtung Messehalle.

Karten gekauft (wir waren als Privatbesucher dort), Taschenkontrolle (mit der ich absolut nicht gerechnet hätte – aber wahrscheinlich war ich einfach bisher auf viel zu wenigen Messen) überstanden und schneller als ich gucken konnte, standen wir in der Halle 3.1., der Ausstellungshalle der veganfach.

Emsiges Bienentreiben schlug uns bereits um 11 Uhr morgens entgegen – so viele Menschen waren schon auf den Beinen, um diesen riesigen Betrieb am Laufen zu halten! Oder um ihn sich anzuschauen – denn auf die gute Idee, möglichst früh anzureisen, waren nicht nur die grünzeug’schen grauen Zellen gekommen.

Wir schauten links, wir schauten rechts, gerade aus und wieder zurück – wo um Himmels Willen sollten wir denn hier anfangen mit Gucken? Alles sah irgendwie spannend aus und ich hatte mir bereits im Auto geschworen, mir alles genauestens anzuschauen und viele Menschen in Gespräche über Verpackung zu verwickeln. Denn das das ein Problem werden würde, war mir bereits klar, als wir beide den Entschluss fassten, der größten Vegan-Messe überhaupt einen Besuch abzustatten. Also brauchten wir einen Plan. Der sah dann im Endeffekt so aus, dass wir uns von außen nach innen in rechteckigen Bahnen vorgearbeitet haben, im Kreissystem gewissermaßen (wenn die Ausstallungshalle denn kreisförmig angelegt gewesen wäre).

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Wir starteten beim Tee. Wunderbarer Einsteig, jubelte mein teeverrücktes Karma. Die wunderbaren Schalen von KEIKO musste ich auch aus allen erdenklichen Winkeln fotografieren – denn wenn ich wirklich eine Schwäche für Schnickschnack habe, dann sind es Schüsseln. Von der minimalistischen, keramikartigen und handgemachten Sorte. Ich liebe Schüsseln! (Trotzdem achte ich darauf, die magische Grenze von 6 Schüsseln in meinem Schrank nicht zu überschreiten – genau die richtige Menge, falls mal etwas mehr Besuch ansteht und genau richtig, damit es nicht zu viel wird.)

Das, was in die Schüsseln üblicherweise hineinkommt, ist mir aber mindestens genauso wichtig – und so sprachen wir mit Ulrich ganz lange über Zucker in Matcha-Drops, biozertifizierten Tee-Anbau und Verpackungsmüll. (Ihr sehr: Gleich zu Beginn unserer Route bin ich den ersten Menschen auf die Nerven gegangen – Mission zumindest ansatzweise bereits erfüllt.)

Die Unterhaltung mit Ulrich ergab (und das sollte sich noch oft bestätigen im Laufe des Tages), dass die Sache mit dem Verpackungsmüll eine ist, die gar nicht mal so einfach zu regeln – und erst recht nicht: zu lösen – ist: Es gilt nicht einfach, Plastik durch Glas zu ersretzen. Im Laufe des Tages fanden wir auch an mehreren anderen Ständen heraus (was wir aber auch schon vorher gelesen/gehört hatten), dass Glas unter anderem doch nicht so einen vorteilhaften CO2-Fußabdruck hinterlässt, wie wir uns das gerne wünschen würden – es kann lediglich ein gutes Ergebnis auf der Emissions-Skala erzielen, wenn es konsequent immer und immer wieder verwendet wird. Doch wer macht das heutzutage, wo alles auf einmaligen Konsum ausgelegt ist?

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Was uns schwer beeindruckt hat

Die Massen. Die Massen an Produkten, an Ständen, an Menschen. Was für ein unglaubliches Organisations-Mammut-Projekt! Ich finde es absolut beeindruckend, was da an Ressourcen mobilisiert wurde, um dieses Event möglich zu machen.

Denn abgesehen von den Produkten und ihen Präsentanten war das grüne Sofa im Zentrum der Messehalle mit einem durchlaufenden Programm belegt, das unter anderem vegane Berühmtheiten wie Björn Moschinski und Christan Vagedes gestalteten und in dem wirklich spannende Themen zur Sprache kamen (hier könnt ihr euch das komplette Programm der beiden Messetage ansehen).

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Es war also auch abgesehen von Produktpräsentation etwas los auf der veganfach. (Wir persönlich haben allerdings eher zweitrangig auf die Unterhaltungen auf dem grünen Sofa geachtet, da wir im Vorfeld entschieden hatten, viele der doch werbelastigen Programmpunkte zu skippen und zunächst die Ausstellung zu besuchen – und am Ende schlicht und ergreifend zu müde dazu waren. Nächstes Mal sollten wir das vielleicht ändern.)

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Was uns beschäftigt hat

Ich habe es bereits angerissen (und ihr habt es sicherlich auch schon vermutet): Verpackungsmüll. Das hat uns beschäftigt und wir haben im gesamten Zeitraum, in dem wir auf der Messe waren, genau hingeschaut und diesen Aspekt in unseren Unterhaltungen mit den Vertreter*innen der jeweiligen Firmen auch angesprochen.

Wir haben tolle Gespräche geführt – unter anderem mit dem bereits erwähnten Ulrich von KEIKO, aber auch mit einem Vertreter von Natumi (o Gott, ich habe deinen Namen vergessen, möge mir das verziehen sein – aber: Herzlichen Dank für die tolle halbe Stunde!) und mit Kathrin von pick a pea, die auch schon beim Green Blogger Meetup für die wirklich ausgezeichnete Verköstigung gesorgt hat.

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Was immer wieder gefallen ist bei allen Unterhaltungen, ist das Stichwort „Möglichkeit“. Es gibt noch keine Möglichkeit, hieß es immer wieder. Man forsche, man ist dran, die letzten Messen zum Thema haben Vielversprechendes zu bieten gehabt, da wird sich was tun, wir warten nur drauf – und dann stellen wir auf jeden Fall um.

Das ist weniger sarkastisch referiert, als es an dieser Stelle vielleicht rüberkommen mag. Besonders bei Natumi, dem zweitgrößten Pflanzendrinkhersteller Deutschlands, ist ein sehr reflektiertes Verständnis von Verpackung, Psychologie und den aktuellen Möglichkeiten vorhanden – auch, was die logistische Umsetzbarkeit betrifft.

Aber ein wenig Irritation schwang doch mit bei mir und Mr. Grünzeug: Kann das wirklich sein? Gibt der gesamte Verpackungsmarkt keine nachhaltigen Alternativen her? Ich habe vor der veganfach bereits bei mehreren Unternehmen ähnliche Fragen gestellt und dieselben Antworten erhalten. Im Moment potenziert sich die Ratlosigkeit bei uns und wir beide – Mr. Grünzeug und ich – werden auf jeden Fall Antworten auf diese Fragen suchen.

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Ein wenig traurig waren wir allerdings schon über die Tatsache, dass diese unglaublich vielen Probierstände (nach sechs Rohkostriegel-Anbietern habe ich aufgehört, zu zählen), an denen man die neusten Smoothie-Trends (aktuell versucht ein Chia-Drink-Startup auf den Markt zu kommen – in der Plastikflasche) und die hippsten herzhaften und süßen Leckereien (von denen die meisten wirklich das Label „Köstlichkeit“ verdient haben!) sehr häufig samt und sonders in Einweg-Plastikbechern oder Einweg-Geschirr serviert wurden. Ich möchte mir kein Urteil über die Organisation dieser Dinge anmaßen – ich habe davon herzlich wenig Ahnung  und ja, auch wir haben ab und zu zugegriffen und die ersten zwei Plastikbecher des letzten halben Jahres verbraucht – aber: Musste das sein?

Besonders positiv hervorgetan haben sich in diesem Zusammenhang übrigens Kathrin von pick a pea, die ihre Suppen in kleinen Porzellanschälchen serviert hat, und einige Rohkostriegel-Anbieter, die ihre Schätze in kleine Stückchen geschnitten auf Holzbrettchen oder in Bambusschälchen darboten. Es ging also scheinbar – warum haben das nicht mehr Aussteller so gehandhabt? Warum musste ich beim Konsum eines hypergesunden und die Umwelt schonenden Smoothies aus einem Gefäß trinken, das weder das eine noch das andere ist?

Wen wir kennengelernt haben

(Zumindest ein bisschen.)

Genug gemeckert – jedenfalls vorerst. Wir haben einige Punkte zu kritisieren und sind vermutlich auch ein wenig mit schärferen Argusaugen ausgetattet durch das Ständegewimmel auf der veganfach getigert als andere Besucher*innen – aber wir haben natürlich auch viele tolle Erfahrungen, Anregungen und Reize mitnehmen können.

Den grünzeug’schen Preis für ästhetische Produktpräsentation hat auf jeden Fall päx mit seinem wunderschönen Mini-Sammelsurium an Trockenobst und -gemüse errungen. Mit Gläsern kriegt man mich immer.

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Die „echte“ Verpackung der päx-Leckereien besteht aus einem Kraftpapier-Standbeutel, der innen mit Aluminium beschichtet ist. Noch nicht perfekt, aber auf dem Weg dorthin – für genauere Nachfragen blieb uns leider keine Zeit, da der Stand direkt nach unserem Erscheinen von kaufwütigen Kund*innen überrannt wurde und der nette Mensch an der Theke auf einmal viel zu tun bekam. Aber für ein schönes Foto hat es noch gereicht:

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Der Preis für das genialste Produkt – und den sympathischsten Chef ever – geht dafür an Phyto Treasures, bei denen uns das Chicza-Kaugimmi (das einzige überhaupt, das ohne Erdöl auskommt und vollkommen abbaubar ist!) wirklich umgehauen hat. 100% biologisch, abbaubar, fair und regenwaldschonend – 100 grüne Prozentpunkte! Und ein nettes Lächeln gab es obendrauf:

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Auch andere Artikel haben uns gefallen – vor allem, wenn sie in wiederverwertbare oder abbaubare Alternativen verpackt worden sind – Glasflaschen sind immer ganz besonders ästehtisch, finde ich (mit der Glas-Thematik aus ökologischer Perspektive muss ich mich aber demnächst noch einmal genauer befassen, das lässt mir jetzt wirklich keine Ruhe).

Ein weiterer unserer liebsten Stände (und hier haben wir dann auch ernsthaft mal etwas gekauft – das einzige auf der gesamten Messe): der des Kanne Brottrunk. Ich liebe den Brottrunk – nicht unbedingt, wie er zu verzehren empfohlen wird (0,1 l pro Mahlzeit pur), sondern schätze ihn zum Backen und für meine Joghurt-Herstellung (deren Versuche ich endlich einmal wieder aufnehmen muss). Ich glaube, nicht zuletzt aufgrund des so seltenen B12-Gehalts ist der Brottrunk ein äußerst wertvolles Lebensmittel, das unbedingt mehr Aufmerksamkeit verdient.

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Aber Kanne kann mehr als Brottrunk: Dieser Apfelsaft hier ist mit ihm angereichert – und unglaublich lecker! Verzehrsempfehlung – vor allem, weil das Etikett der Flasche nachher abgeschabt werden kann und dieselbe sich anschließend als Essig-/Ölspender oder als Salzstreuer (die Aufsätze von ChariTea passen perfekt!) verwenden lässt.

Weitere Impressionen von der veganfach

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal von einem Event so viele Fotos gemacht habe – wahrscheinlich noch überhaupt nicht. (Das Aussortieren am Ende war mit einigermaßen viel Aufwand verbunden, kann ich euch sagen.) Aber ein paar habe ich noch für euch:

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Non-food-Liebling für den Alltag war auf jeden Fall dieser Rucksack hier – bzw. einer seiner mindestens genauso schönen Kumpanen, die wir bei Corkando gefunden haben. Superweiches Kork, unglaublich schöne Stücke! Dummerweise brauchen wir aktuell keinen weiteren Reisebegleiter…

Wunderwunderwunderschön war auch die Living-Ecke von liv interior eingerichtet – für skandinavischen Charme bin ich immer zu begeistern (nicht zuletzt wegen seiner ruhigen und minimalistischen Ausstrahlung). Das Besondere an diesem Label: Alles ist rein vegan – in der Einrichtungsbranche ein wahres Unikat!

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Außerdem gab es noch viele, viele weitere Stände, Austeller und Produkte zu bestaunen – wobei sich die Produkpalette besonders im Foodbereich sehr stark um die erwähnten Rohkostriegel, Aufstriche (aller Couleur) und Käse-Ersatz konzentriert hat.

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Zwei wesentliche Trends haben die veganfach gekennzeichnet: Aussteller aus Osteuropa (Bulgarien zumeist) erkennen nach und nach die Chancen des nachhaltigen bzw. veganen Marktes (das ist ja leider nicht immer dasselbe) und bringen vermehrt ihre (wirklich leckeren) Produkte nach Deutschland.

Und: Algen. Algen sind das heimliche Thema der veganfach, das potenzielle Trendfood von morgen – auch, wenn es keiner ausspricht und sich die größte Menschentraube noch immer um Chia und Matcha sammelt. Aber immer wieder konnten wir Chlorella- und Spirulina-Produkte entdecken, die einen hochinteressanten Eindruck gemacht haben.

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Eine weitere Erkenntnis des Tages: Einer der Porsche unter den Mixern wird angesichts des Preises wahrscheinlich (so schnell) nicht bei uns einziehen. Ein sehnsüchtiges Auge drauf geworfen haben wir allerdings schon einmal.

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Fazit: Konsum auf Teufel komm‘ raus?

Mr. Grünzeug und ich haben den Tag auf der veganfach genossen, das muss auf jeden Fall festgehalten werden. Wir haben es genossen, uns treiben zu lassen von den Menschen, zu schauen, nachzufragen, in Kontakt mit Produkten und den Menschen dahinter zu kommen, herauszufinden, wie einige von ihnen ticken, was sie wirklich wollen. Die Maske der Anonymität zumindest ein bisschen zu lüften. Kurzum: Es hat uns Spaß gemacht, die Messe für genau das zu nutzen, für das Messen in der Regel so da sind: Zum Kontakteknüpfen, zum Schnuppern und Kennelernen – von Menschen und ihren Produkten.

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Die Messe hat uns aber auch mit zahlreichen Fragen im Kopf zurückgelassen und uns so einige Denkanstöße mit auf den Heimweg gegeben. Wir werden uns sicherlich noch einmal genauer mit einigen der vorgestellten Firmen auseinandersetzen – und mit der Frage, wie genau das jetzt eigentlich mit nachhaltigen Verpackungsmaterialien aussieht.

Aber – das müssen wir auch festhalten: Wir kamen wieder in diese Kopfknoten-Diskussion, die auch das zentrale Thema auf dem Green Blogger Meetup war: Kann Konsum nachhaltig sein? Wie viel müssen wir konsumieren, um nachhaltig zu leben? Wann ist es genug?

Ich möchte niemanden angreifen oder beleidigen – aber einige Augenblicke auf der veganfach haben mir gezeigt, dass Veganismus letzten Endes auch immer ein Geschäftsmodell ist und bleibt, das von jungen Existenzgründern im Sakko und medienaffinen Netwerkern schamlos ausgenutzt wird. So reflektiert einige der Aussteller an nachhaltige Themen herangegangen sind, so wenig Beschäftigung und letzten Endes auch so wenig Leidenschaft für die Idee einer wie auch immer gearteten besseren Welt hat man bei anderen vorgefunden. Dort roch es eigentlich nur nach Geld. Und das fanden wir beide sehr, sehr schade.

Und es stellt sich auch für den Konsumenten, die Konsumentin, die Frage, ob man eigentlich bei dem ganzen Ersatzprodukte-Zirkus mitmachen will – von einem gedankenlosen Konsumverhalten ins nächste stoplern möchte.

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Das schlimmste Beispiel stellte für mich ein Aussteller dar, der mit Express-Smoothies aus Mini-Gefrierbeuteln warb (nein, nicht Keimling – die finde ich klasse und das Bild wollte ich euch ganz unabhängig vom Text einfach noch gezeigt haben). Vorgeschnippelte Kartottenstückchen mit etwas zurechtgezupftem Salat und Apfelwürfeln grinsten mich aus einer 1-Portions-Hülle an. Man hätte ja so wenig Zeit und falls es mal knapp würde, könnte man sich so immer noch gesund ernähren, wurde mir miniplastikbeutelchen-schwenkend erklärt. Ich konnte es nicht fassen. Dieser Mensch meinte das ernst! Und schlimmer noch: Das wurde gekauft!

Was ich damit sagen möchte: Ich finde es toll, dass das vegane Bewusstsein, so möchte ich es einmal griffig nennen, wächst. Dass immer mehr Menschen sich damit auseinandersetzen und sich fragen, was eigentlich gut ist für uns und die Welt. Und was man anders machen könnte. Die veganfach hat viele solcher Menschen zusammengebracht und deshalb ist sie für mich mit Recht die wichtigste vegane Veranstaltung überhaupt und ich bin sehr froh, dass es sie gibt. Mal ganz abgesehen davon, dass sie wirklich perfekt organisiert war und sehr, sehr viel geboten hat.

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Aber: Ich würde mir wünschen, dass noch genauer geschaut werden würde – auf Massenkonsumentenseite genauso wie auf Anbieterseite. Der Konsument darf nicht nur konsumieren wollen auf Teufel komm‘ raus – mit dem glattgebügelten Gewissen, dass da jetzt „vegan“ draufsteht. Der Anbieter sollte aber – wenn er schon auf den veganen Markt will – etwas mehr bieten können als das dreißigtausendste Nussmischungspäckchen. Wir brauchen durchdachte Konzepte – und wo die noch nicht umsetzbar sind, zumindest Menschen, die voll dahinterstehen und nicht nur das große Geld wittern.

Ich bedanke mich für die vielen tollen Gespräche, die intressanten Anregungen und Kontakte und die Möglichkeit, dass solche Gedanken ausgetauscht werden können! Ich freue mich auf das nächste Mal! 

Warst du auf der veganfach? Wie hat es dir dort gefallen und was für Eindrücke hast du mitgenommen?

28 Comments

  1. Anni 8. November 2016

    Guten Morgen liebe Jenni!

    Wow – das ist gerade alles, was ich sagen kann. Ein absolut grandios geschriebener Bericht und ich fühlte mich total „mitgenommen“. Im positiven wie auch im negativen Sinn – denn deine Kritikpunkte treffen mich irgendwie auch direkt ins Herz. Ich kann unglaublich gut nachvollziehen, wie es euch ergangen sein muss, als man den x-ten Stand mit in Plastikverpackung verpackten Artikeln sieht… sicherlich legen wir Nachhaltigkeits-Blogger ein besonderes Augenmerk darauf, und da ist es wie bei Frauen mit Kinderwunsch: die sehen plötzlich nur noch andere Frauen mit Kinderwägen 😉
    Eigentlich dachte ich wie du auch, dass das alles Hand in Hand geht – die Beweggründe für eine vegane Lebensweise sind ja so oft ethisch bedingt und dann diesen Nachhaltigkeitsaspekt manchmal regelrecht zu ignorieren – das geht einfach nicht zusammen. Kann dich da absolut verstehen.
    Umso schöner, dass es auch positive Beispiele gibt! Menschen, die hinter Unternehmen stehen und sich wirklich Gedanken drum machen <3
    So oder so… ich habe deinen Bericht sehr sehr gerne gelesen und bin jetzt gerade etwas traurig, dass ich die Messe nicht live erleben konnte… wir haben es nur im Nachhinein gelesen, dass sie stattgefunden hat. Aber nächstes Jahr möchten wir sie definitiv besuchen.
    Ach und noch was: superschöne Bilder!! Und das in dem ganzen Messetreiben!
    Weil ich deinen Beitrag so toll finde, teile ich ihn auch gleich mal auf meiner Facebook-Seite! 🙂

    Liebe Grüße an dich,
    Anni 🙂

    Antworten
    • Jenni 9. November 2016

      Liebe Anni!

      Danke dir für deinen ausführlichen Kommentar!
      Ja, ein wenig war es schon schade, dass da weniger Wert auf den Nachhaltigkeitaspekt gelegt wurde als es wünschenswert wäre. Natürlich gehen wir da mit höheren Kritieren an die Sachen heran als viele andere Menschen (und vielleicht ist auch nicht immer gut und/oder berechtigt), aber mir schmerzt ein wenig das Herz, wenn ich so krass das Gefühl vermittelt bekomme, dass es letzten Endes nur darum geht, wieder irgendwie Profit zu machen. Und das Gefühl hatten wir leider bei so einigen Ständen dort. Ich möchte da niemandem etwas unterstellen (wir können uns ja auch irren und haben längst nicht mit allen gesprochen), aber ein negativer Beigeschmack bleibt.

      Nichtsdestotrotz ist es natürlich wirklich klasse, dass es das Event gibt und das möchte ich auch gar nicht infrage stellen. Vielleicht ist es aber auch genau das, was viele Besucher*innen brauchen, wenn sie dorthin kommen und vielleicht noch gar nicht in Berührung mit dem veganen Lebensstil gekommen sind: das Gefühl, auf nichts verzichten zu müssen. Die Frage ist, ob das als Fahnenschwenk-Argument immer das richtige ist.

      Ich freue mich auf jeden Fall, dass dir der Bericht gefallen hat und danke dir herzlich für das liebe Lob! 🙂

      Liebe Grüße
      Jenni

      Antworten
  2. Anni 8. November 2016

    Ach, und was ich noch vergessen habe: der Mixer ist ja ein Traum!!!

    Antworten
    • Jenni 9. November 2016

      Oh ja, das ist er wirklich. Ein ferner Traum zwar, aber immerhin! 😀

      Antworten
  3. Bianca 8. November 2016

    Liebe Jenni,

    mit Keks und Kaffee und deinem Artikel starte ich in den Tag – herrlich!

    Ich war am Freitag als Fachbesucher auf der Veganfach, da war es Gott sei Dank noch ziemlich ruhig. Kann ich dir/euch nur für’s nächste Mal empfehlen!

    Ich kann all das, was du schreibst so gut nachempfinden, obwohl du sicher schon einen Schritt weiter bist als ich – was Nachhaltigkeit angeht. Ich habe mich auch geärgert, auch diese Gespräche geführt, vor allem weil ich momentan aus eigenem beruflichem Interesse sehr im Thema „nachhaltige Verpackung“ stecke. Zu gern würde ich da mal mit dir persönlich drüber quatschen 🙂

    Ich hatte ein bisschen das Gefühl „wow, es gibt irgendwie alles, auch das was man gar nicht braucht“ es werden Produkte auf den Markt gebracht, nur weil sie sich gut verkaufen, nicht weil Leidenschaft, eine tolle Unternehmensphilosophie oder eine nachhaltige Vision dahinter steckt – es geht nur um Profit und das finde ich schade.

    So gern ich auch Rohkostriegel mag, das Angebot an Riegeln hat mich tatsächlich schon glatt etwas gelangweilt… Und ich muss zugeben von zwei Käsealternativen war ich höchst begeistert, aber ich bin auch einfach ein hoffnungsloser Käseliebhaber 😉

    Jetzt freue ich mich schon auf die Biofach im Februar. Wenn du es möglich machen kannst dafür nach Nürnberg zu reisen, du würdest es dort lieben!

    Ganz liebe Grüße und Danke für deinen tollen Bericht,

    Bianca

    Antworten
    • Jenni 9. November 2016

      Liebe Bianca,

      oh, was für eine tolle Vorstellung, dass du mit meinen Worten in den Tag startest – das freut mich sehr! 🙂

      Ja, wir hatten auch kurz überlegt, ob das für uns infrage käme, aber dann haben wir uns doch dagegen entschieden – zum einen aus Zeitgründen, zum anderen wollten wir die Messe „live“ und „richtig“ erleben. Letzteres haben wir dann ja auch. 😀

      Ich bin ein wenig erleichtert, dass wir nicht die Einzigen sind, die da ein bisschen Kritik anzubringen haben. Manchmal fühle ich mich deswegen schon ein wenig wie eine Miesmacherin – obwohl das absolut nicht so gemeint ist. Aber der schale Beigeschmack bei so einigen Ständen – sowohl, was die Brauchbarkeit der Produkte als auch, was die Firmenphilosophie (so denn überhaupt vorhanden) betrifft – bleibt und ich finde es wichtig, ihn zu kommunizieren.
      Vielleicht braucht die Masse das Ich-muss-auf-nichts-verzichten-Gefühl und der vegane Markt bedient genau das. Die Frage, die ich mir da immer wieder stelle, ist nur, ob man da ein Feuer nicht mit Benzin zu löschen versucht. Letzten Endes steckt dahinter dann ja auch wieder die Motivation zu Konsum, Konsum, Konsum. Der ja an sich nicht verkehrt ist – aber eben gezielt und in Maßen.

      Die Sache mit der nachhaltigen Verpackung finde ich ja hochspannend – ich würde mich auch sehr gerne mal mit dir darüber austauschen, das wäre sicherlich spannend!
      Danke, dass du mich auf die Biofach aufmerksam gemacht hast – die kannte ich bisher noch gar nicht! Ich habe auf der Seite aber gesehen, dass es gar nicht so einfach zu sein scheint, dort hineinzugelangen und man als Nichtangestellte*r eine Empfehlung von einem Aussteller oder Ähnliches vorweisen muss. Weißt du da mehr drüber? Denn neugierig wäre ich auf jeden Fall! 🙂

      Liebe Grüße
      Jenni

      Antworten
      • Bianca 9. November 2016

        Hallo Jenni,

        Nein nein, wir sind keine Miesmacher. Wir sind kritisch, ja. Aber nur so kann man etwas bewegen, verbessern – auch sich selbst!

        Wir sollten mal schauen, ob wir uns nicht mal in der Mitte irgendwo in nem netten Laden treffen könnten 🙂 das wäre toll!

        Die Biofach ist echt immer eins der Jahreshighlights! Freut mich sehr, dass ich dich da auf etwas Neues aufmerksam machen konnte.

        Ja, es sind nur Fachbesucher zugelassen, aber sooo kompliziert ist es auch nicht. Bisher konnte ich über meine Ausbildungsbetriebe rein und jetzt mit eigenem Gewerbeschein. Darüber kann ich dann natürlich auch Mitarbeiter mitnehmen (beispielsweise auch Journalisten/Blogger etc., die dann darüber berichten). Aber auch eine Einladung von einem Unternehmen, das dort ausstellt (es sind wirklich unheimlich viele) zu bekommen, ist nicht so schwierig. Jeder freut sich schließlich über gute Presse und mit einem Blog wie deinem sollte das kein Problem sein! Ansonsten hätte ich auch ein paar Kontakte.

        Ich kann nur gleich sagen, man muss definitiv mehrere Tage einplanen 🙂 Es gibt unwahrscheinlich viele Hallen, Aussteller aus der ganzen Welt. Es gibt so viel zu sehen, dass man es selbst in zwei vollen Tagen von morgens bis abends nicht schaffen kann. Aber es ist großartig, man kommt nochmal ganz anders ins Gespräch mit den Unternehmen!

        Hab einen schönen Abend,
        Bianca

        Antworten
        • Jenni 14. November 2016

          Liebe Bianca!

          Danke dir für die vielen zusätzlichen Informationen!
          Ich glaube, ich werde es auf jeden Fall einmal probieren, zur Biofach zu kommen – das klingt nämlich wirklich großartig und auf den zweiten Blick auch gar nicht mehr nach einem so unmachbaren Verfahren. 🙂
          Wir haben auch absolut kein Problem, solche Veranstaltungen dann mit einem spontanen Kurzurlaub zu verbinden – im Gegenteil, wir lieben solche Ausflüge!

          Bezüglich eines Treffens bin ich übrigens absolut deiner Meinung – darüber müssen wir uns auf jeden Fall einmal austauschen! Das würde mich auch sehr freuen! 🙂

          Liebe Grüße und hab‘ einen schönen Wochenstart!
          Jenni

          Antworten
  4. Sabrina 8. November 2016

    Danke für diese spannenden Eindrücke von der veganfach. Voll sieht es auch, sowohl bezogen auf die Besucher als auch die neuen Produkte. Mich erschlägt beides, deswegen meide ich Messen und große Veranstaltungen generell.

    Danke für die Infortmationen rund um Verpackungen, es ist spannend zu sehen, wie es auf diesem Gebiet weitergehen wird. Dass es für die Hersteller nicht immer einfach ist, kann ich mir gut vorstellen. Als Konsument kann ich zumindest kleine Riegel und Co. meiden, die gefühlt aus mehr Verpackung als Inhalt bestehen. Und natürlich auch vorverpackte Smothiepakete und ähnliches.

    Gerade deine Gedanken rund um das Thema Nachhaltigkeit kann ich sehr gut nachvollziehen, da ich mich mit ähnlichen beschäftige. Auch auf grünen Blogs wird Konsum zu oft als problemlos dargestellt und ich frage mich als Teil dieser Szene, wie hilfreich Produktvorstellungen wirklich sind und wann es zu viel wird. Es scheint immer mehr bezahlte Posts und zugeschickte Produkte zu geben, beides kann spannend sein, muss aber nicht nachhaltig sein. Wenn ein Bericht über ein nachhaltiges Unternehmen erst mal mit einer langen Flugreise des Bloggers verbunden ist, muss man sich schon fragen, was daran nachhaltig sein soll. Solche Fragen scheinen aber nicht immer erwünscht zu sein.

    Sabrina
    grün grün
    http://gruengruenblog.blogspot.de

    Antworten
    • Jenni 9. November 2016

      Liebe Sabrina,

      ja, das ist nicht immer einfach, die ganze Thematik um Nachhaltigkeit und Konsum und wann letzteres zu viel wird. Ich habe mir auch schon oft den Kopf darüber zerbrochen und ich glaube, da bin ich bei Weitem nicht die Einzige.

      Die Angelegenheit mit der Verpackung scheint wirklich nicht so easy zu sein, wie man das auf Konsumentenseite immer denkt – viele der Leute, mit denen ich gesprochen habe, wollen ernsthaft und aufrichtig nachhaltig verpacken, sehen aber aktuell noch keine Mittel (warentechnisch oder finanziell oder beides), um das auch in die Realität umzusetzen. Natürlich muss man bei solchen Aussagen auch immer kritisch bleiben (und das bleibe ich), aber interessieren würde es mich schon, was da in nächster Zeit kommt und wie weit die Entwicklung generell ist. Wir werden uns da (sofern das in nächster Zeit endlich mal in unseren Terminplan passt) mal näher mit befassen.

      Bezüglich nachhaltigen Blogs sehe ich das ähnlich wie du: Natürlich sind Kooperationen toll und wichtig (auch, um den Leser*innen tolle neue Projekte vorzustellen) und auch ich strecke gerne meine Fühler nach ihnen aus (auch, um letzten Endes ein bisschen Entschädigung für die viele Arbeit an dem Baby hier zu bekommen). Aber man muss sich wirklich immer genau fragen, was jetzt richtig und wichtig an der Stelle ist – und wann die fünftausendste Lotion vielleicht nicht dem Nachhaltigkeitsgedanken entspricht. Man kann nicht den einen Konsum durch den anderen ersetzen. Auf der anderen Seite wollen die meisten Menschen aber genau das – und da stellt sich die Frage, was schlimmer ist: Beim alten Konsumverhalten bleiben oder die Masse zum nachhaltigen, aber ebenso unbegrenzten Konsum hinführen? Ich hätte ja lieber beides: nachhaltig und weniger (wir müssen ja keine Eremiten werden). Aber das scheint aktuell leider noch utopisch zu sein.

      Danke dir für deinen reflektierten Kommentar!

      Liebe Grüße
      Jenni

      Antworten
  5. cookiesulrike 8. November 2016

    Maaaaannnn!!! Ich will sowas auch bei uns haben! Das sieht so toll aus, Jenni!

    Antworten
    • Jenni 9. November 2016

      Liebe Ulrike,

      das freut mich sehr! Schade, dass du nicht da warst, dann hätte man mal „in echt“ quatschen können. Aber das nächste Mal! 🙂

      Liebe Grüße
      Jenni

      Antworten
  6. Natalie 8. November 2016

    Liebe Jenni,

    ich habe es dir (glaube ich zumindest) schon gesagt, aber ich möchte das an dieser Stelle nochmal betonen: Ich freue mich jeden Morgen, wenn ich aufwache und du einen neuen Artikel veröffentlicht hast. Ich lese ihn meistens noch direkt im Bett, vor dem Aufstehen.
    Danke für diesen wundertollen Artikel und die großartigen Bilder! Wie auch Anni, habe ich das Gefühl, mit dir auf der veganfach gewesen zu sein.
    Ich habe mich ja ein kleines bisschen in die Teeschalen verliebt. (Ich bin wirklich ein absolutes Opfer, was Teegeschirr angeht)

    Deine Kritikpunkte kann ich sehr gut verstehen, da sie mich auch auf der Veggieworld begleitet haben. Wie viele Superfood-Schokoriegel brauchen wir noch? Und warum zur Hölle ist alles doppelt und dreifach in Plastik verpackt? Und wie gesund können Algen sein, wenn das ganze Meer voller Mikroplatik ist? (Oder werden die irgendwie in Extra-Becken „angebaut“? Ich muss zugeben, ich habe mich damit noch nicht so genau beschäftigt.)
    Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, wann es endlich gute Verpackungsalternativen geben wird. Bis dahin (und höchstwahrscheinlich auch darüber hinaus) halten wir uns unsere Unverpackt-Dates einfach heilig. 🙂

    Nochmal: Vielen, vielen Dank für den tollen Einblick in die Messe. Ich werde mich nachher mal eine Flasche Brottrunk in der Drogerie holen. Meine B12-Tabletten hab ich praktischerweise nämlich zu Hause liegen lassen.
    Hab einen wundervollen Tag!

    Liebe Grüße,
    Natalie

    Antworten
    • Jenni 9. November 2016

      Liebe Natalie!

      Ach, das sind wunderbar liebe Worte, die ich gar nicht oft genug lesen kann – danke dir! Das freut mich riesig!

      Ich bin auch so ein abolutes (Tee-)Schalenopfer und hätte sie am liebsten gleich mitgenommen, wenn Mr. Grünzeug (der in manchen Belangen sogar noch konsequenter ist als ich) mir nicht eingeredet hätte, dass ich sie nicht brauchte. Bzw. – vielleicht hat er auch einfach nur die Wahrheit gesagt. 😉

      Ja, manchmal frage ich mich wirklich, warum der Nachhaltigkeits-Gedanke bei so vielen Firmen zu kurz kommt. Und ob sie nicht merken, dass sich da etwas ziemlich eklatant widerspricht. Bezüglich der Algen: Da bin ich an einer Sache dran – kommt demnächst. 😉

      Mit dem Brottrunk machst du so absolut gar nichts falsch – und mit den Unverpackt-Dates liegen wir ebenfalls immer richtig, finde ich. Ich freue mich schon auf das nächste!

      Liebe Grüße
      Jenni

      Antworten
  7. Monika 8. November 2016

    Danke für den Bericht; dein Fazit trifft ziemlich genau das, was ich ebenfalls beobachte: Letztendlich wird eine gute Absicht, also tierlos zu essen, zu einer neuen Ware geschustert und in viel Plastik und mit viel Werbetamtam zu Geld gemacht. Man darf sich das gute Gefühl also wieder kaufen, auch wenn es de facto die Welt kein Stück besser macht.

    Wer sich interessant machen will, zieht sich einfach ein T Shirt mit einem süßen Viech an und kaut veganes Zeug aus dem Supermarkt – das kann es nicht sein.

    Die Frage bleibt und bewegt mich oft: Wie gelingt es, Verzicht sexy und attraktiv zu machen?

    Antworten
    • Jenni 9. November 2016

      Liebe Monika,

      ich danke dir für deine Rückmeldung und deinen reflektierten Kommentar!
      Ich sehe das ähnlich wie du – irgendwie ist da etwas gehörig schief gelaufen, wenn man den gesamten Markt betrachtet (jetzt nicht auf die veganfach speziell geschustert – denn ich glaube, diese ist als Messe unglaublich wichtig und ich finde es toll, dass es sie gibt).

      Es ist wieder der altbekannte Spagat zwischen immer mehr Konsum, dieses Mal aber unter dem Label des Veganismus und dem als Verzicht empfundenen Weniger, das viele Menschen leider immer noch nicht bereit sind, einmal für sich zu entdecken. Die Frage ist natürlich, ob der Markt das vorschreiben oder ob er auf die Bedürfnisse der Kund*innen reagieren muss/sollte. Mit letzterem kann man sich fein herausreden – aber auch die Einkäufer*innen reden sich (dieses Mal mit dem ersten Argument heraus). Man schiebt die Verantwortung hin und her und keiner will wirklich an der Wurzel was anpacken. Ich finde es schade, dass hier enfach nur der Schauplatz verlegt wurde vom Konventionellen zum gerade modernen Vegan. Und ich hoffe, dass noch viel mehr Menschen und Firmen erkennen, dass es da nicht aufhören darf – einige habe ich auf der veganfach schon getroffen und mich über jeden Einzelnen gefreut.

      Liebe Grüße
      Jenni

      Antworten
  8. healthylena 8. November 2016

    Das klingt echt nach einem wirklich spannenden Besuch! Super finde ich auch deine kritische Anmerkung zuletzt, da der Konsum natürlich nicht im Vordergrund stehen sollte. Schade, dass Köln nicht gerade um die Ecke liegt. Vielleicht nehme ich nächstes Jahr ja mal die Anreise auf mich 😉

    Liebe Grüße
    Lena | http://www.healthylena.de

    Antworten
    • Jenni 9. November 2016

      Liebe Lena!

      Oh ja, die veganfach war auf jeden Fall superspannend! Und ich freue mich auch schon auf das nächste Mal! 🙂
      Die Anreise lohnt sich auf jeden Fall, es gibt massig zu sehen und zu fragen und zu bestaunen! Vielleicht bist du ja nächstes Jahr dabei?

      Liebe Grüße
      Jenni

      Antworten
  9. Tabea 9. November 2016

    Messebesuche finde ich immer total anstrengend. Bisher war ich zwar nur auf Pferde- und Agrarmessen als Besucherin, aber die waren alle anstrengend, weil eben sooo viele Eindrücke auf einen einprasseln. Aber gerade das liebe ich an Messen so sehr 🙂
    Aber du hast schon recht… für die Aussteller muss das echt noch mal härter sein – denn die müssen ja die ganze Zeit versuchen, so viele Menschen wie irgendmöglich von ihren Angeboten zu überzeugen.

    Dass so viele ausländische Aussteller vertreten waren, finde ich echt interessant. Denn meist entwickeln Veganer ja (so kommt es mir zumindest vor) ein enormes Umweltbewusstsein, sodass sie versuchen, so regional wie möglich zu kaufen. Das stellt ja dann ausländische Produkte doch für eine kleine Hürde – zumal sich ja für die Kunden auch die Frage stellt, wo sie das Produkt überhaupt erhalten können. Supermärkte haben ja teilweise doch nicht das üppigste Sortiment…

    Die Besuchermengen verwundern mich aber nicht wirklich – Veganismus rückt halt immer mehr ins Bewusstsein und manche Nicht-Veganer zeigen ja auch trotzdem großes Interesse an diesem Lebensstil und wollen einfach nur ein bisschen neue Produkte kennen lernen 😉

    Ein System zu finden, wie ich die Stände auf Messen und Märkten anschaue, finde ich oft auch schwer genug 😉 Irgendwie habe ich immer Angst, dass mir etwas entgehen könnte, wenn ich nicht ÜBERALL mindestens ein Mal war.

    Was du da über Glasverpackungen in Erfahrung bringen konntest, finde ich sehr spannend. Ich habe ja bei Glas immer Angst, es aus Versehen kaputt zu machen…
    Aber irgendwie muss es doch eine Lösung geben, damit die Menschen sich mit einem Mehrwegsystem anfreunden, oder? Dieses ganze Plastik-Zeug ist wohl einfach zu günstig – wenn es teurer wäre als die Mehrweg-Gläser und -Flaschen, dann würde sicher viele Leute doch eher das Glas nehmen…
    Dass heutzutage noch keine Möglichkeiten vorhanden sind, kann ich mir einfach nicht vorstellen. Die Firmen haben doch nur Angst, Kunden dadurch zu verlieren, dass die ökologischen Verpackungen teurer werden, oder?

    Gerade auf Messen trifft man aber echt immer haufenweise Einweg-Becher und Geschirr an, das stimmt. Ich glaube, hat einfach niemand Lust, zu spülen (oder es sind auch gar nicht die Möglichkeiten dazu vorhanden, da man dann irre große Mengen bräuchte, um damit einen Tag durchzustehen, da man vor Ort nicht permanent eine Spüle zur Hand hat…). Aber schade ist das schon – und warum kann man dann nicht einfach nur Fingerfood ohne jegliche Verpackung auf großen Platten bereitstellen? Okay, bei Getränken wird es schwer… Da müssten die Besucher dann alle ihren Becher mitbringen und immer wieder zum Probieren an den Ständen füllen lassen.

    Von Brottrunk habe ich aber noch nie gehört. Was ist das denn?
    Dass im Foodbereich Rohkostriegel so sehr im Fokus waren, hätte mich wohl ein wenig traurig gemacht. Denn Riegel mag ich eher nicht so – ich backe lieber selbst (das ist dann auch nicht einzeln abgepackt ;)). Aber Käse und Aufstriche sind wohl so Dinge, wo viele angehenden Veganer ratlos sind, oder? Zumindest könnte ich mir das gut vorstellen, denn in meinem vegetarischen Leben kommt fast nur Käse und Ei aufs Brot – ganz selten mal Honig. Marmelade und Schokocreme sind ja doch so süß, dass ich die nicht mag… und ich kann mir daher gut vorstellen, dass veganer daher auf der Suche nach herzhaften Aufstrichen sind…

    Dass allerdings Osteuropa nun seine Produkte vegan bei uns vertreiben will, hätte ich nicht erwartet. Was bringen diese Hersteller den Spannendes mit?
    Algen haben ich noch nie gegessen – aber lassen die sich eigentlich auch bei uns züchten, sodass man sie nicht importieren müsste?

    Diese Profit“gier“ der Aussteller ist ja eigentlich selbstverständlich – denn sie müssen von irgendwas leben. Aber dennoch kann ich dir nur zustimmen, dass es sehr schade ist, dass Nachhaltigkeit mit Konsum eigentlich nicht vereinbar ist – eben, weil sie das auch nicht sein soll.
    Ersatzprodukte schrecken mich ja auch immer ab – entweder, ich finde das „Original“ gut, oder aber ich brauche auch keinen Ersatz dafür… Irgendwie habe ich da bei vielen Produkten nämlich das Gefühl, dass da noch mehr Chemie drin steckt als in den unveganen Varianten 🙁 Gerade das selbst Kochen macht Ernährung für mich zu etwas Schönem und Erfüllendem… und das kann einem eben kein fertiges Ersatzprodukt bieten.

    Liebe Grüße und danke für diesen ausführlichen und interessanten Bericht!

    Antworten
    • Jenni 11. November 2016

      Liebe Tabea,

      wow, deine Kommentare werden immer länger – das freut mich, danke dir! 🙂

      Deine Überlegungen zum Glas gehen auf jeden Fall in die richtige Richtung – viele Aussteller haben zwar damit argumentiert, dass der Markt noch nicht so weit sei, aber andere haben mir auch ganz transparent vermittelt, dass die Kund*innen ihre Produkte sonst nicht kaufen würden, da immer eine bestimmte Toleranzschwelle beim Preis besteht (auch, wenn das Bewusstsein herrscht, gutes Essen aus Bioproduktion zu kaufen) und dieser Preis mit einer Glasverpackung schlicht überschritten wird.

      Dass gerade auf veganen Messen solche Müllberge anfallen, finde ich ehrlich gesagt sehr schade – ich würde mir wünschen, dass auch hier ein bisschen weiter gedacht und gehandelt wird. Natürlich möchte ich mir da kein voreiliges Urteil anmaßen und ich kann auch nur aus meiner Perspektive sprechen, aber ich denke, dass solche Ansätze eigentlich umsetzbar sein müssten.

      Die Aussteller aus Osteuropa haben verschiedene Sachen mitgebracht – am deutlichsten erinnere ich mich aber an Kekse. Rohköstliche, aber auch „normale“, gebackene Kekse – einige davon gesünder, andere eher nicht so sehr. Ob das einen Trend darstellt oder auf der Messe nur Zufall war, kann ich allerdings nicht beantworten.

      Brottrunk ist etwas ganz Feines – fermentiertes Brot. Klingt eklig, ist aber unglaublich gesund und enthält viele Mirkonährstoffe für eine gesunde Verdauung. Hier findest du ein paar mehr Informationen dazu: https://www.kanne-brottrunk.de/de/mensch/kanne-brottrunk-fuer-menschen.php

      Ich möchte es ja auch gar nicht verurteilen, dass man als neuveganer Mensch Ersatzprodukte sucht – das habe ich ja immerhin auch getan (und auch heute liebe ich Pflanzenjoghurt und -milch, die ja streng genommen auch „Ersatz“ sind). Aber ich habe ein Problem damit, dass die Lebensmittelindustrie da einen sowohl für die Natur als auch für den Menschen absolut nicht nachhaltigen Weg wittert, eine Marktlücke zu stopfen und alle möglichen und unmöglichen Zutatenlisten kreiert, die meilenweit von einer gesunden Ernährung, wie sie ja häufig mit dem Veganismus in Verbindung gebracht wird, entfernt sind. Das ist so ein bisschen wie vom Regen in die Traufe kommen. Natürlich haben diese Firmen Wirtschaftsinteressen, gut und schön – aber auf wessen Kosten sollen diese wieder gehen? Und fällt das dann nicht verdächtig in den Bereich des Greenwashings?

      Wie gesagt: Viele Fragen, wenig Antworten – danke, dass du mit darüber nachdenkst!

      Liebe Grüße
      Jenni

      Antworten
      • Tabea 13. November 2016

        Haha, immer länger werden sie wohl nicht. Aber an dem Abend hatte ich eben seeehr viel Zeit, da mein Internet sich verabschiedete, sodass ich nur über mein mobiles Netz noch schnell deinen Artikel geladen haben und nicht noch mehr, um Daten zu sparen. Tja -und dann konnte ich eben sehr lange am Kommentar schreiben 😉

        Dass Osteuropa ausgerechnet Kekse mitbringt, hätte ich nicht gedacht. Kekse assoziiere ich komischerweise mit England und den Niederlanden – warum auch immer.
        Danke für den Link zum Brottrunk. Das schaue ich mir gern mal an, denn mit fermentieren Lebensmitteln wollte ich mich schon seit einer Weile mal auseinander setzen, aber vergesse es immer wieder…

        Gegen Ersatzprodukte an sich ist wirklich nichts zu sagen – das stimmt! Bei mir kommt es aber dennoch oft so rüber, als sei ich dieser Meinung, da ich immer zuerst an die ungesunden Dinge, wie etwa die Burgerpatties, Würstchen und schrecklich ungesunde Aufstriche, denken muss. Dann formuliere ich das immer viel zu allgemein… aber mein eigentliches Problem sind doch eher die ungesunden Zusätze, künstlicher Kram und Konservierer. Es sollte vielleicht echt mal mehr gesundes Fertig-Zeug die Supermärkte erobern, damit die Verbrauch auch zu diesen greifen können und eine ungesunde Ernährung nicht mehr auf die knappe Zeit schieben können… auch wenn selbst kochen für mich immer das Schönste bleiben wird 🙂
        Greenwashing trifft das, was einige vegane Hersteller betrieben, wohl bestens. Nur warum lassen sich davon so viele Veganer und auch nicht vegane, aber dennoch gesundheitsbewusste, Personen beirren? Die sollten doch so informiert sein, dass sie einen Bogen um diese fragwürdigen Produkte machen, oder?

        Liebe Grüße

        Antworten
  10. Sabine 11. November 2016

    Das sind so tolle, spannende Einblicke! Und ich bin echt schon wieder fasziniert von der Mühe, die du in deine Beiträge steckst, die müssen so zeitaufwendig sein! <3
    Leider war die Veggieworld bei uns an dem Wochenende, an dem ich in Köln war :/ Die Veganfach gibt es glaube ich gar nicht… Aber man kann eben auch nicht auf allen Hochzeiten tanzen.

    Antworten
    • Jenni 11. November 2016

      Liebe Sabine!

      Danke dir für deine lieben Worte – es freut mich, dass dir der Bericht gefällt! 🙂
      Ja, ich arbeite für einen Artikel schon so einige Stunden, bis er fertig wird. Aber das ist es mir wert – ich möchte immerhin Qualität liefern.

      Du hast recht – überall kann man nicht dabeisein. Ich tue mich manchmal auch schwer bei der Auswahl der vielen Messen, die ich noch zu besuchen gedenke. 😉
      Aber eines habe ich nicht so ganz verstanden: Was genau meinst du damit, dass es die veganfach nicht gibt? Ich bin gerade ein wenig verwirrt…

      Liebe Grüße
      Jenni

      Antworten
  11. andysparkles 13. November 2016

    Sehr schöne Eindrücke hast du da gesammelt -spannend!

    Antworten
    • Jenni 14. November 2016

      Danke dir – freut mich sehr, dass dir der Artikel gefällt! 🙂

      Liebe Grüße
      Jenni

      Antworten
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