[Anzeige] Zwei Tage in Bremerhaven: Resteessen im ATLANTIC Hotel Sail City

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22. März 2019

Ich war schon lange nicht mehr im Norden. Mit ihm verbinden mich widersprüchliche Erinnerungen an zu viel Wind und kristallklare Meerluft, an den Geruch von Salzwasser, permanent kalte Nasen und das Schmatzen von Watt.

Und in Bremerhaven war ich noch nie.

Wie nah das Meer ist!

Zeit, das zu ändern, beschloss ich, als eine Anfrage vom ATLANTIC Hotel Sail City in meinem Posteingang eintrudelte. Darin ging es um ein Thema, das mich persönlich schon lange beschäftigt: Lebensmittelverschwendung. Beziehungsweise um das Vermeiden ebendieser.

Ich bin immer sehr interessiert daran, was große Unternehmen sich vornehmen und tatsächlich umsetzen, wenn es um Entwicklungen im nachhaltigen Bereich geht. Denn so sehr ich so ziemlich alle Indie-Labels und mit Leidenschaft geführten kleinen Betriebe liebe und unterstützen möchte, so sehr muss ich mir selbst auch immer wieder eingestehen: Ohne die Großen geht es nicht, wenn wir in absehbarer Zeit sowas wie Ergebnisse sehen wollen in puncto Emissions-Verringerung und Ressourcen-Einsparung.

Und nicht alle Großen sind automatisch die Bösen (woran ich ziemlich lange selbst geglaubt habe, zugegebenermaßen). Da gibt es viele Grauschattierungen.

Also: Lebensmittel-Retten. Da bin ich dabei! 

Und wie soll das konkret aussehen?

Zusammen mit der Organisation United Against Waste hat das Hotel einen Abend organisiert, der unter dem plakativ-provokanten Titel Resteessen Menschen aus den unterschiedlichsten Professionen versammelt hat.

Das gemeinsame Anliegen: Nachhaltigkeit. Vor allem selbstredend im Lebensmittel-Bereich, einem Sektor, in dem in den Industrieländern generell noch wahnsinnig viel Optimierungs-Potential steckt.

Sympathisch an dem Ansatz die innewohnende Entspanntheit, die auch den ganzen Abend begleitete: Wir tasten uns heran an das Thema und sind nicht perfekt, aber wir schauen ganz ehrlich, was wir machen können. Und das ist schonmal deutlich mehr als viele andere denken und tun.

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Wir reisen also an – und ich möchte der Transparenz halber betonen, dass wir das per Auto getan haben, weil es sich aufgrund privater Umstände nicht anders organisieren ließ und wir am Ende des Tages auch nur Menschen sind, leider oder Gottseidank. #fürmehrrealitätbeiökobloggern

Und wir staunten nicht schlecht: Bremerhaven liegt gerade einmal geschlagene 2 Stunden von Münster entfernt! Das Meer ist so nah, und doch hatten wir bisher die Möglichkeit, die sich direkt vor unserer Nase auftat, übersehen und ungenutzt beiseite gelassen. Ich schämte mich für diese Tatsache fast so sehr wie für das Brettern über die Autobahn.

Dabei ist das Reisen etwas, das wir zukünftig nicht nur generell, sondern im Speziellen eben auch regional(er) leben möchten: In Deutschland und Umgebung gibt es so viel zu entdecken, manchmal sogar direkt vor der eigenen Haustür. Und sich das immer wieder bewusst zu machen, ist wunderschön.

Nachhaltigkeit ist ein Prozess

Ein Satz, der mir bis jetzt noch in den Ohren nachhallt: Nachhaltigkeit ist ein Prozess. Ich glaube, das erste Mal habe ich ihn in den zwei Tagen von Hoteldirektor Tim Oberdieck im Gespräch gehört. Und er bringt die Ausrichtung des ATLANTIC Hotel Sail City, das bezüglich der nachhaltigen Ausrichtung des gesamten Hauses innerhalb der ATLANTIC-Gruppe eine Vorreiter-Funktion einnimmt, perfekt auf den Punkt.

Der Anspruch – das erfahren wir relativ früh – ist nicht, alles perfekt zu machen. Dann müsste man (vor allem als Großunternehmen, das sehr viele teilweise sehr fixierte Prozesse innehat) gar nicht erst antreten.

Man schaut, was man machen kann – dabei immer den Spagat zwischen Nachhaltigkeit, technisch-architektonischer Machbarkeit und Kund*innen-Zufriedenheit im Blick. In den detaillierten Gesprächen, die wir in den zwei Besuchstagen durchgehend führen, wird mehr als deutlich, wie tricky das sein kann.

Es gibt immer mehr als eine Perspektive und ich lerne einmal mehr, meine Erwartungen / Ansprüche im Zaum zu halten. 

Von guter Umsetzung und Verbesserungsvorschlägen

So gibt es (das fällt uns als Heavy User sofort auf) einen papier- und plastikkartenlosen Weg, sich ins hotelinterne W-Lan einzuwählen. Wir sind happy.

Weniger happy sind wir über die kleinen, einzeln verpackten Gadgets, die wir im Zimmer finden – und die zwar sicherlich nett im Sinne des Kundenservices gemeint, aber sicherlich nicht unbedingt nachhaltig sind: Die Packung Gummibärchen auf dem Kissen und die Care-Box im Badezimmer mit jeweils einzeln verpackten Ohrenstäbchen, Abschminkpads und anderen kleinen Helfern des kosmetischen Bedarfs müssen – zumindest unserem Anspruch nach – nicht unbedingt vorhanden sein.

Wiederum positiv aufgefallen sind uns die wenigen Kosmetik-Produkte, die nicht nur öko-zertifiziert sind, sondern auch in relativ großen Tuben daherkommen. Und die Shampoo-Duschgel-Tube in der Dusche ist sogar nur zu 3/4 voll. Was bedeutet: Nicht bei jedem neuen Gast wird sofort alles ausgetauscht – sondern erst, wenn die Produkte wirklich leer sind. Keine Selbstverständlichkeit.

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Die Mülleimer auf den Zimmern haben zwar drei Fächer für die sachgemäße Trennung von Abfällen, die schon allein durch ihre Anwesenheit an das moralische Gewissen der Besucher*innen appellieren. Aber: Es gibt kein Beschriftungssystem, keine Legende – sodass man als Besucher komplett im Dunkeln steht und nicht weiß, in welchen Bereich denn jetzt die Brötchentüte vom Bäcker oder irgendeine andere Kleinigkeit einzuordnen ist. Oder wird am Ende doch wieder alles in einen großen Sack geschüttet? (Natürlich nicht.)

Wir melden diese (und andere Dinge, dazu kommen wir gleich) im direkten Gespräch dem Hoteldirektor zurück, der ehrlich interessiert an unserem Feedback ist und uns die bisherigen Überlegungen zu den einzelnen Punkten schildert: Die Gummibärchen und die Care-Box seien Standard (eine Vorgabe nach DEHOGA-Klassifizierung) in allen ATLANTIC Hotels (wir erinnern uns: die anderen Häuser der Gruppe sind nicht auf Nachhaltigkeit ausgerichtet – obwohl auch hier immer mehr Impulse umgesetzt werden) und solche Dinge können erst in einem Hotel separat geändert werden, wenn sie einmal durch eine übergreifende Abstimmung zentral durchgewunken wurden. Bei den Mülleimern wollte man den Gästen die Wahl lassen und dachte, das sei bequemer. Dass das sich schlicht überfordernd anfühlen kann, der Gedanke kam bei der Einrichtung gar nicht auf. 

Es sind diese Kleinigkeiten, die wir abklopfen und uns sofort auffallen – aber gerade sie machen in Summe den großen Unterschied aus, gerade bei einem Hotelbetrieb.

(Für Bremerhaven bei Nacht sind wir übrigens ganz früh morgens wie von der Tarantel gestochen aus dem Bett gesprungen. Der Sonnenaufgang hat das vollends entschädigt. Der Blick aus dem Zimmer war unbeschreiblich schön.)

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Lebensmittelverschwendung: hard facts

  • In Deutschland werden rund 18 Millionen Tonnen Lebensmittel pro Tag (!) weggeworfen.
  • In LKW-Längen gerechnet macht das eine Strecke von Bremerhaven bis Peking und wieder halb zurück.
  • 40-50% der produzierten Lebensmittel erreichen den menschlichen Magen nicht, sondern landen im Müll.
  • Den Löwenanteil an der Verschwendung haben private Haushalte mit rund 7,2 Millionen Tonnen weggeworfenen Lebensmitteln pro Jahr inne.
  • Aber: Rund 1,9 Millionen Tonnen jährlich fallen im sogenannten Großverbraucher-Bereich (Gastronomie und Hotellerie) an. 50% davon wären vermeidbar.

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Die Vereinten Nationen haben es sich angesichts dieser unfassbaren Verschwendung (und den ca. 1 Milliarde hungernden Menschen auf der anderen Seite dieser Medaille*) zum Ziel gesetzt, die globale Lebensmittelverschwendung bis 2030 um 50% zu reduzieren.

Dass das Ganze nicht nur eine ethische, sondern auch eine ökologische und ökonomische Dimension hat, leuchtet unmittelbar ein.

So fließen allein 820 Liter Wasser, bis ein Kilo Äpfel geerntet ist. Rund 1.610 Liter Wasser sind es, bis ein Kilogramm Brot entstanden ist. Für ein Kilogramm Käse sind es mehr als 5.060 Liter. Für die gleiche Menge Rindfleisch sogar rund 15.420 Liter. (Zu gut für die Tonne)

Gerade letztere ist nicht selten die Motivation, sich den eigenen Lebensmittelabfall einmal genauer anzuschauen. Denn: Man könnte das Geld auch einfach so aus dem Fenster werfen. Oder anzünden.

*Deren Hunger nicht, wie oft behauptet, mit zu wenig Lebensmitteln zusammenhängt – sondern mit ungerechter Verteilung. Wir haben genug Essen, um 10 Milliarden und mehr Menschen zu ernähren. 

Doch wir werden zunehmend bewusster, was die Wahl unserer Lebensmittel und den Umgang damit betrifft – darauf deutet jedenfalls eine von dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in Auftrag gegebene Studie vom Meinungsforschungsinstitut forsa hin: 84% der 1000 Befragten sieht eine wesentliche Säule der weltweit gesicherten Ernährung in der Vermeidung von Lebensmittelabfällen.

So kann Lebensmittel-Retten gehen: das Resteessen

Mein Magen ist leer und zieht sich hungrig zusammen, als wir nach dem obligatorischen Small Talk zusammen mit Inga von Zero Waste Deutschland am ästhetisch mehr als ansprechenden Tisch Platz nehmen.

(Ich habe mich übrigens ganz arg gefreut, Inga in Bremerhaven endlich kennenzulernen, denn wir stehen Dank Instagram schon eine Weile in Kontakt und irgendwie hat’s dann auch in echt richtig gut gepasst. Schaut unbedingt bei Zero Waste Deutschland vorbei, der Community-Plattform für Leben mit weniger Müll!) 

Es sind rund 60 Teilnehmer*innen aus allen Sparten da, die etwas mit Lebensmitteln und / oder Nachhaltigkeit zu tun haben können: Vertreter*innen von Tiefkühlprodukte-Firmen, Journalist*innen, Filmemacher*innen, Köchen*innen, Landwirt*innen…und natürlich wir, irgendwo zwischen Journalist*innen und einem vollkommen neuen Berufsfeld angesiedelt.

Das Event ist dementsprechend auch nicht nur als Sensibilisierungs- und Aufklärungs-, sondern auch als Netzwerk-Veranstaltung konzipiert.

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Das Resteessen heißt natürlich vor allem aus PR-Gründen so und besteht aus einem mehrgängigen Dinner, bei dem die Argusaugen des Küchenchefs sicherlich mehr als sonst darüber wachen, dass alles haargenau so abläuft wie es geplant war.

Gut zu wissen: Das Konzept des Resteessens wird auch außerhalb als Event verkauft, das bedeutet: Man kann so einen Abend für seine eigenen Zwecke buchen.

Das ATLANTIC Hotel Sail City ist 2014 dem Verein United Against Waste beigetreten, um sich strukturiert mit der Lebensmittelverschwendung im eigenen Haus auseinanderzusetzen.

Eine der ersten Maßnahmen war die Einführung von durchsichtigen Abfallbehältern in der Küche, die darüber hinaus nach einem speziellen System organisiert sind:

Es gibt jeweils einen Behälter für Überproduktion, Tellerrücklauf (also das, was beim Essen auf den Tellern übrig bleibt), überschrittenes Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) und Produktionsabfall.

Früher, erklärt Küchenchef Dominik Flettner (Mitte im Bild), hatte man überhaupt keine Ahnung, was man da eigentlich alles weggeworfen hat in der Küche – aus dem einfachen Grund, dass die Behälter undurchsichtig waren.

Die Umstellung auf das differenzierte Abfall-Trennungs-System sei wie ein Augenöffner gewesen und habe allen Beteiligten die Reflexion über die produzierte Abfallmenge deutlich erleichtert.

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Wenn sich im Behälter mit dem Tellerrücklauf am Ende eines Essens im Hotel zu viel Abfall befindet, weiß die Crew in der Küche: Hier waren die Portionen zu groß. Beim nächsten Mal können wir weniger auf die Teller packen beziehungsweise die Auslagen beim Buffet kleiner halten.

Das Ganze war mit wenigen Kosten verbunden und erstaunlich effektiv. Da die Behälter vor und nach jedem Essen akkurat gewogen werden und die Entwicklung der Abfallmengen tabellarisch festgehalten werden, ist eine genaue Justierung der entsprechenden Stellschrauben anhand faktisch vorliegender Zahlen möglich.

Direktor Tim Oberdieck berichtet außerdem davon, dass diese Praxis des abendlichen Reste-Wiegens unter den Köchen einen Challenge-artigen Charakter angenommen habe und sich alle darum reißen würden, wessen Behälter am Ende des Tages am wenigsten wiegen und wer am meisten Müll eingespart haben würde.

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2017 wurde beispielsweise die erste Messung durch United Against Waste vorgenommen – zu dem Zeitpunkt wurden pro Gast und Mahlzeit 136g Lebensmittelabfälle festgehalten. Ein paar Wochen später förderte eine erneute Messung nur noch 108g Lebensmittelabfälle pro Gast und Mahlzeit zutage.

Das ist eine Einsparung, die beim Individuum vielleicht nicht dramatisch sein mag, in einem Hotelbetrieb hochgerechnet auf die Besucher*innen-Zahlen allerdings am Ende einen deutlichen Unterschied macht.

Laut Direktor Tim Oberdieck war und ist das größte Einsparpotenzial beim Frühstücks-Buffet vorhanden: Bisher wurden allein hier 32,5% der Lebensmittelabfälle durch kleinere Auslagen und weniger Auswahl bei den einzelnen Posten vermieden.

Außerdem wurden die Größen der Lebensmittel verringert: Als zu viele Brötchen beim Frühstücks-Buffet nicht vollständig aufgegessen wurden, ging das Küchenteam dazu über, deren Größe von 50g pro Stück auf 30g zu reduzieren – mit dem gewünschten Effekt, dass der Tellerrücklauf sich nochmals verringerte. (Bei Würsten wurde dasselbe Prinzip angewandt.) 

Reste wiederverwenden

Aber wie schaut das Kochen mit Resten denn jetzt nun genau aus?

Dass Befürchtung, dass die einzelnen Gänge irgendwie langweilig anzuschauen und irgendwie improvisiert wirken würden, einigermaßen aus der Luft gegriffen wäre, war uns bereits vor Beginn des Abends klar.

Was uns dann aber serviert wurde, waren Gerichte, denen man die Lebensmittelabfallvermeidungskomponente überhaupt nicht angemerkt hat.

  • Gang 1: Bruschetta mit Salat und frittierten Kartoffelschalen
  • Gang 2: Klare Gemüse-Suppe aus Karottenschalen
  • Gang 3: Gemüse-Ratatouille mit Tofu
  • Gang 4: Sorbet mit Früchten

Was uns positiv aufgefallen ist: Für uns als Veganer*innen wurde separat gekocht (außer uns waren noch 2-3 weitere Personen der insgesamt 60 Teilnehmer*innen vegan) – und das mit großer Mühe und ohne dass uns das unschöne Gefühl einer Extrawurstattitüde vermittelt wurde.

Im Gegenteil: Wir hatten den Eindruck, dass viele Anwesende durchaus ehrlich interessiert an unserer Ernährungsweise waren, wohingegen natürlich auch beim Resteessen viel Fleisch und andere tierische Produkte verarbeitet wurden.

Da besteht natürlich die berechtigte Frage (die Inga und ich auch untereinander erörtert haben) ob und inwiefern es für uns jeweils gerechtfertigt ist, tierische Produkte, die vor dem Müll gerettet wurden, zu konsumieren. Auf gesundheitlicher, tierethischer und ökonomischer Ebene lassen sich wahrscheinlich gute Pro- und Contra-Argumente für unterschiedlichste Perspektiven finden. Mein Standpunkt aktuell: Tierische Produkte (solange es sich nicht um Honig oder Milch / Butter in Gebäck handelt) bekomme ich irgendwie aufgrund einer mentalen Schranke im Kopf nicht herunter – weshalb sich die Frage der Konsumption an dieser Stelle für mich erübrigt. Aber da gibt es auch andere, genauso berechtigte Positionen.

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Am Ende des Resteessens sind die Bäuche voll und die Gespräche angeregt und doch gleichzeitig schleppend, wie sie nur nach einer guten Mahlzeit sein können.

Natürlich werden auch (und gerade!) heute die Tellerrückläufe genau gewogen – und das Ergebnis überrascht sogar den Küchenchef: 60 Personen haben während eines 4-gängigen Menüs 5,3kg Lebensmittelabfälle produziert. Das entspricht 88g pro Person. Zu erwarten gewesen wäre ein Rücklauf von ungefähr 250g pro Gast.

Nachhaltigkeit muss nicht teuer sein

Die Entscheidung, dem Hotel, das sich als charakteristisches Segel über den Hafen erhebt, einen Nachhaltigkeit-Schwerpunkt zu verpassen, war nicht nur eine, die aus persönlicher Überzeugung für eine nachhaltige Zukunft getroffen wurde.

Direktor Tim Oberdieck (der übrigens BLW studiert hat und von Haus aus alles haargenau durchkalkuliert) kommuniziert ganz offen: Nachhaltigkeit im Allgemeinen und Lebensmittelrest-Reduktion im Besonderen spart eine ganze Menge Geld. Jährlich lässt sich da ein fünfstelliger Betrag ohne große Mühe einsparen.

Nachhaltigkeit ist eben nicht teuer. Es kommt auf die Umsetzung an. Wenn wir in einem Bereich weniger Geld ausgeben – zum Beispiel bei den Lebensmitteln durch Wiederverwertung Geld einsparen, können wir das anderswo quersubventionierten und beispielsweise teureres, ökologisches Toilettenpapier kaufen. Ökonomie und Ökologie passen gut zusammen. (Direktor Tim Oberdieck) 

Der Schlüssel: Kommunikation

Was sowohl der Küchenchef als auch der Direktor beim Resteessen und beim anschließenden Gespräch am nächsten Tag immer wieder betonen: Eine umfassende Umstellung auf Nachhaltigkeit in einem Hotel ist nur mit der vollen Unterstützung des gesamten Teams umsetzbar.

Alle sind gefragt, durch die kleinen und großen Ideen von möglichst vielen Leuten kann das Konzept nach und nach verfeinert und in seiner aktuellen Form überhaupt aufrecht erhalten werden.

Wir mussten die Mitarbeiter mitnehmen und die Pyramide umdrehen. (Tim Oberdieck)

Die Bereitschaft der gesamten Belegschaft, umzulernen (vor allem in der Küche) und eingefahrene Prozesse vollkommen neu zu denken, macht einen wesentlichen Baustein des Erfolgs aus.

Das geht natürlich nur schrittweise und nicht von heute auf morgen. Und das ist vollkommen okay so.

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Kritisch ist an dieser Stelle auch die Kommunikation mit den Gästen und der Spagat zwischen dem, was erwartet wird und dem, was in einem einigermaßen der Nachhaltigkeit verschriebenen Rahmen geleistet werden kann.

Denn viele der Gäste, die im ATLANTIC Hotel Sail City absteigen, sind Geschäftsleute, die gewisse Dinge voraussetzen und/oder aufgrund von einem scheinbar reduzierten Angebot irritiert sind. Da ist es dann die Aufgabe des Teams, transparent zu kommunizieren: In der Regel werden Dinge, die explizit gewünscht werden, im Einzelfall organisiert – das gehört zum Service. Durch das generelle Nicht-zur-Verfügung-Stellen wird im Voraus jedoch schon viel Müll vermieden.

Nachhaltigkeit bei ATLANTIC Hotel Sail City

Doch wie sieht das nachhaltige Konzept des Hotels abgesehen von den Bemühungen im Lebensmittel-Bereich konkret aus?

Am nächsten Morgen (nach einem guten Frühstück am bereits erwähnten Buffet) haben wir die Gelegenheit, den Direktor persönlich auszufragen und erhaschen ein paar zusätzliche Blicke hinter die Kulissen.

  • Da das Hotel 2008 gebaut wurde, als der Schwerpunkt noch nicht auf dem Thema Nachhaltigkeit lag, haben nachhaltige Maßnahmen Grenzen, die durch die Architektur vorgegeben sind. So sind Solaranlagen oder vertikale Windanlagen nicht realisierbar, obwohl der Wunsch im Team durchaus vorhanden ist.
  • Auf den Zimmern finden sich keine gedruckten Zeitungen, alle Print-Abos wurden vom Hotel abbestellt. Wer Zeitungen lesen möchte, kann sich an der Rezeption versorgen lassen oder alternativ mit der digitalen Media Box mehr als 500 Zeitungen für die Dauer des Aufenthalts kostenlos lesen.
  • Listen, die zur Organisation von hotelinternen Abläufen früher andauernd ausgedruckt wurden, liegen jetzt als laminierte Blätter vor, die mit wasserlöslichem Stift immer wieder neu beschrieben werden.
  •  Die alten, sehr energie-intensiven Küchengeräte wurden durch Infrarot-Geräte ersetzt, die durch die enorme Energie-Effizienz nur 2-3 Stunden anstatt 8-10 Stunden pro Tag in Betrieb sein müssen.
  • Durch diese und andere Optimierungen konnte das Hotel im Zeitraum von 2012 bis 2017 rund 110 000 kWh Energie einsparen.
  • Seit letztem Jahr wird das Hotel zu 100% mit zertifiziertem Ökostrom betrieben. Tim Oberdieck betont mehrfach, dass der entgegen der Erwartungen nicht teurer ist als konventioneller Strom.
  • Für die Marketing-Materialien arbeitet das Hotel mit einer lokalen, ökologischen Druckerei aus Bremen zusammen.
  • Das Frühstücks-Buffet wird komplett verpackungsfrei (bezogen auf Plastik) ausgerichtet. Ein Beispiel: Man hat extra eine (optisch auffällige) Buttermaschine angeschafft, die die Butter für jeden Gast nach Bedarf portioniert und so die vielen kleinen Verpackungen, die vorher zum Frischhalten notwendig waren, überflüssig macht.
  • Zum Reinigen der Zimmer wird unter anderem ein Reinigungsmittel, auf Mikroorganismen-Basis verwendet (wer nachgooglen möchte: der Hersteller heißt Probisa). Regelmäßige, unangekündigte Prüfungen mit Abklatschproben weisen nach, dass diese Reinigungsmethode genauso gut funktioniert wie vorher diejenige mit Chemiekeulen.
  • Das verwendete Waschmittel ist noch konventionell, allerdings rechnet die regionale Wäscherei, mit der das Hotel kooperiert, die CO2-Bilanz für die Waschleistung aus, die dann im Betrieb versucht wird zu kompensieren.
  • Die Spülmaschine in der Küche wird mit einem ökologischen Mittel betrieben, der Ofen muss gemäß EU-Hygiene-Standards mit chemischen Mitteln gereinigt werden.
  •  In der Küche wird Regionalität vor Bio gesetzt und daher die Zusammenarbeit mit Lieferanten direkt vor der Haustür besonders groß geschrieben.
  • Das bereits erwähnte Toilettenpapier ist von Santino Black (Cradle-to-Cradle- und FSC-zertifiziert).
  •  In den Garagen gibt es eine Zapfsäule für E-Autos von Tesla und eine Säule für andere E-Autos. Mit dem generierten Gewinn wurde ein Hybrid (Audi e-tron) als Firmenwagen angeschafft.
  •  Wenn die Lieferware aus Deutschland stammt, wird darauf geachtet, dass sie mit Mehrwegkisten angeliefert wird.
  • Die Gläser mit dem Honig, der auf dem Hoteldach mit eigenen Bienenstöcken produziert wird, werden immer wieder verwendet. (Das Konzept des Bienenstocks auf dem Dach wird, da sehr erfolgreich, auch von den anderen Häusern der ATLANTIC-Gruppe übernommen. In Zusammenarbeit mit Bee-Rent (ebenfalls aus Bremen) stehen jetzt auch auf anderen Hotels Bienenstöcke auf den Dächern.)
  • Auf den Zimmern gibt es keine Minibar mehr – im Foyer steht eine hotelübergreifende Minibar, von der man sich Snacks und Getränke mit aufs Zimmer nehmen kann.

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Veränderung ist ein Prozess

Natürlich gab es bei allen lobenswerten Aspekten auch Dinge, die uns – wie erwähnt – nicht so positiv aufgefallen sind. Es hat uns sehr gefreut, dass eine direkte Kommunikation dieser Gedanken uns möglich und ehrliches Interesse vorhanden war, gerade im Bereich Nachhaltigkeit nochmals Input von einer ganz neuen Seite zu erhalten.

So haben wir uns beispielsweise kollektiv an der Kaffee-Kapsel-Maschine auf den Zimmern gestört. Direktor Tim Oberdieck betont allerdings, dass gerade hier  Entwicklungs- und Optimierungsbedarf besteht und mehrere Varianten ausprobiert wurden, um die ideale Balance zwischen Kund*innenzufriedenheit und Nachhaltigkeit zu finden. Die Kapseln sind jetzt immerhin aus recyceltem Kunststoff, während sie früher aus normalem Plastik waren.

An diesem Punkt ist man allerdings auf der einen Seite bewusst den Bedürfnissen der Gäste entgegengekommen. Auf der anderen gibt es diese Maschine mit diesen Kapseln in allen ATLANTIC Hotels und es bestehen bindende Verträge  mit den Herstellern, aus denen ein einzelnes Haus nicht so einfach austreten kann.

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Aber es kann Vorbild für die Hotelbranche allgemein und die anderen Häuser der ATLANTIC-Gruppe im Speziellen sein. Und aktuell vor allem mit ökonomischen Vorteilen und den Geschichten, die durch die nachhaltige Ausrichtung des Segels in Bremerhaven generiert werden, überzeugen.

Irgendwo muss man anfangen. 

*Anmerkung: Und das können wir relativ einfach bei uns selbst. (Wir erinnern uns: Private Haushalte haben einen Löwenanteil an der jährlichen Lebensmittelverschwendung.) Darum wird es hier bald einen Folge-Artikel zum dazu geben, wie Lebensmittelabfälle zuhause vermieden werden können. 

Stippvisite im Klimahaus

Direkt an das ATLANTIC Hotel Sail City grenzend ist das Klimahaus, Bremerhavens vielleicht bedeutendste Attraktion neben dem Ein-/Auswandererhaus (das sich ebenfalls in direkter Nachbarschaft zum Hotel am Hafen befindet).

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Bedingt durch die relativ kurze geplante Aufenthaltszeitspanne war uns bereits von vornherein klar, dass der Plan, beide Gebäude an einem Tag zu besuchen, im besten Falle utopisch genannt werden konnte.

So beschränkte sich der Ausflug am zweiten Tag auf das, was für unsere Reise zunächst erst einmal am interessantesten war: das Klimahaus. (Im Vorfeld hatte ich bereis zahlreiche Nachrichten dazu bekommen, die mir einen Besuch dringend ans Herz legten.)

Direktor Tim Oberdieck befand zwar, dass man eigentlich eine Jahreskarte zum vollständigen Durchdringen des Klimahauses benötigen würde, empfahl uns dennoch wärmstens, zumindest einen ersten Eindruck zu gewinnen (und stattete uns mit den entsprechenden Freikarten aus). 

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Was ist das Klimahaus?

Kurz zur Einordnung: Das Klimahaus ist ein Gebäude, in dem man fünf Klimazonen in acht Ländern durchwandern kann.

Die Reise, aufwändig gestaltet durch eine Vielzahl von Interaktionselementen, Dokumentarfilmen, Grafiken und nicht zuletzt authentischen klimatischen Bedingungen in den jeweiligen Räumlichkeiten, beginnt und endet in Bremerhaven, das auf dem 8. Lägengrad Ost liegt, und führt entlang dieses Längengrades einmal rund um den Globus.

Dabei werden die Geschichten von einzelnen Personen aus den vorgestellten Ländern erzählt, man bekommt Einblicke in Alltag und Denken, teilweise (obwohl natürlich stark selektiert) sehr privater Natur.

Das Rahmen-Narrativ ist die Reise von Axel Werner, die er extra für das Klimahaus zum Material-Sammeln angetreten ist. Seine Stationen der Weltreise bilden die Eckpunkte und die Aufnahmen von ihm und seinem Team sind Löwenzahn-mäßig die Basis der Ausstellung.

(Die ist mit rund 11.500 Quadratmetern übrigens wirklich groß.)

  • Schweiz (Isenthal / Familie Infanger)
  • Sardinien (Seneghe)
  • Niger (Nanak / Mariam, Tuareg)
  • Kamerun (Ikenge / Chief Alexander)
  • Antarktis (Königin-Maud-Land)
  • Samoa (Satitoa / Vaniah und Foua)
  • Alaska (Gambell / Steven und Taylor)
  • Hallig Lageneß (Jutta)
  • Bremerhaven

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Das Klimahaus hat natürlich ganz dezidiert einen Bildungsauftrag und soll vor allem der jüngeren Generation die Vielfalt auf diesem Planeten näherbringen, sowohl klimatischer als auch menschlicher Natur. Und selbst ein einigermaßen zügiges Durchlaufen hat gezeigt: Das ist eindrucksvoll gelungen (auch wenn ich persönlich ehrlich gesagt gut auf die rund 1000 ausgestellten Tiere in den unterschiedlichen Bereichen hätte verzichten können).

Und obwohl die Reise (man läuft wirklich die ganze Zeit über Stunden durch kunstvolle Landschaftsnachbildungen) an der Oberfläche spielerisch gehalten ist, kommen auch wissbegierige große Kinder auf ihre Kosten: Überall gibt es Infotafeln, Schaubilder und wissenschaftlich fundierte Informationen zu finden, so viele, dass einem nach spätestens einer Stunde der Kopf schwirrt.

(Zu Beginn der Reise wird einem daher sinnigerweise auch ans Herz gelegt, sich auf ein Land, das einen besonders interessiert, zu konzentrieren, damit man dort intensiv eintauchen kann.) 

Mit dem Klimawandel beschäftigt man sich in der Ausstellung mit einer ebensolchen Selbstverständlichkeit wie mit den Fragen um Palmöl und Regenwaldzerstörung oder der globalen Industrialisierung und der Verschmutzung der Meere durch (Mikro-)Plastik.

265 Millionen Tonnen Plastik werden nach Angaben des Verbandes der Plastikproduzenten jedes Jahr produziert, rund 4-12 Millionen Tonnen gelangen nach Schätzungen von Wissenschaftlern in die Ozeane. Die Hälfte dieses Mülls versinkt, ein geringer Teil wird an den Stränden der Weltmeere angespült, während ein Drittel das offene Meer erreicht – und sich dort inmitten riesiger Wirbel aus Meeresströmungen sammelt.

Das Beispielen aller Sinne (es gibt zusätzlich zu den visuellen Reizen viele Geräusche, manchmal Stimmengewirr in der Luft, die so riecht, wie vermutlich das jeweils bereiste Land, man spürt Trockenheit auf der Haut und Eiseskälte in der Antarktis) sorgt dafür, dass die Botschaften nachdrücklich im Gedächtnis bleiben.

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Allerdings muss ich bei aller Begeisterung für die neuen Welten, die sich da sprichwörtlich vor mir auftaten, auch sagen, dass irgendwo natürlich wieder ein etwas faler Beigeschmack bleibt – vielleicht einer, der etwas überkorrekt ist und zu durchproblematisiert, aber dennoch vorhanden.

Und dann sitze ich da in dieser Jurte, nein: in dieser Nachbildung einer Jurte, die bei aller gewollten Genauigkeit und Authentizitätsvermittlung eben genau das nie sein kann: authentisch und frage mich, ob das anstößig ist, moralisch vertretbar, während ich ein Bein über das andere drapiere und den Rücken durchstrecke für das Foto, mich dieser Lebensrealität marginalisierter Menschen als Kulisse zu bedienen, in die ich reinstolpere und aus der ich so schnell wieder verschwinden kann wie ich gekommen bin. (aus dem Prosabuch)

Wo hört Lernen auf, wo fängt privilegierter Voyeurismus an? Ich weiß es nicht, aber es beschäftigt mich. 

Fazit und Ausblick

Nach Ende der Fischerei-Tradition möchte Bremerhaven sein Image aufbessern, neue und vor allem junge Menschen in die Stadt an der Weser ziehen, attraktiv sein und etwas bieten.

Der Weg, den man wählt, ist derjenige über Kultur und Nachhaltigkeit: allein im Dreieck um das ATLANTIC Hotel Sail City lässt sich (nicht nur vom Hotel selbst) eine Menge lernen. Und dabei haben wir es nicht ein mal in das Auswanderer-Haus geschafft, das in Aufwändigkeit und Intensität sicherlich noch einmal genauso viel Zeit in Anspruch genommen hätte wie das Klimahaus.

Bremerhaven möchte Geschichten erzählen – und die gibt es an diesem Ort genauso qualitativ und zahlreich wie überall sonst.

Man muss sie nur sehen (wollen) – und dann den Mut und die Ausdauer haben, sie zu vermitteln, notfalls auch unvollständig und unperfekt.

(Einige haben mich gefragt, ob ich wiederkommen werde. Auf jeden Fall! Ich habe vergessen, mich in Science-Fiction-Welten zu verlieren und bin noch nicht in die USA ausgewandert.)

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Wichtige Adressen zum Informieren über Lebensmittelverschwendung in Deutschland

Transparenz: Diese Reise wurde in freundlicher Zusammenarbeit mit dem ATLANTIC Hotel Sail City ermöglicht.

JENNI MARR
Wanderin im Geiste, mit der Nase im nächsten Buch, nie so ganz zuhause und doch immer da.
KOMMENTARE

[…] Wenn du noch mehr lesen willst zu diesem Thema, dann schau auch einmal bei Jenni von Mehralsgrünzeug vorbei, sie war mit Inga vor Ort und hat auf ihrem Blog auch ausführlich berichtet von dem […]

Liebe Jenni,
danke für den ausführlichen und mühevoll aufbereiteten Artikel! Ich glaube, ich werde mir demnächst auch mal das Klimahaus anschauen!
xx Sabine

Liebe Sabine,
danke dir für deine liebe Rückmeldung!
Es war mir ein Anliegen, das alles so differenziert wie möglich wiederzugeben und ich freue mich, wenn das gelungen ist. 🙂
Das Klimahaus ist definitiv nicht nur einen Besuch wert – sowas Spannendes habe ich schon lange nicht mehr von innen gesehen, muss ich sagen.

Liebe Grüße an dich!
Jenni

oh ha. Was für ein informativer Artikel. Total spannend was du alles erlebt und erfahren hast. Vielen vielen Dank für die vielen Einblicke in das Hotel, in eure Reise und die vielen informativen Fakten zum Thema Lebensmittelverschwendung in Deutschland. Es ist echt erschreckend wie viel wir immernoch wegwerfen.
Das bedeutet für mich:
– Immer mehr darauf achten wie viel/was ich einkaufe.
– Genau planen wann ich was essen will und mir eine Einkaufsliste schreiben.
– Reste verwerten und nicht wegwerfen/ verschimmeln lassen.
– In Restaurants meinen Teller leer essen bzw. um eine kleinere Portion bitten.
Und hoffen dass ich damit einen kleinen Beitrag leisten kann um die Lebensmittelverschwendung zu minimieren.
Vielen Dank für deine vielen Einblicke!
Liebe Grüße, Christine

Liebe Christine,
ich freue mich sehr, dass der Artikel dir gefallen hat!
Die Reise war wirklich sehr, sehr spannend und mir hat der Austausch mit den vielen Menschen viel gebracht, vor allem neue Perspektiven.
Ich finde das Ausmaß der Lebensmittelverschwendung persönlich auch mehr als erschreckend und versuche für mich, so gut es geht, die Dinge umzusetzen, die du angesprochen hast. Und zusätzlich auch Produkte, die im Supermarkt / Biomarkt in der MHD-Ecke liegen, zu retten und Konzepte wie Sirplus oder andere Retterboxen zu unterstützen. Wir können alle unseren Beitrag leisten – wobei es letzten Endes nur die großen Veränderungen reißen werden, aber auch die müssen irgendwo beginnen.

Liebe Grüße an dich!
Jenni

Wow! Was für ein interessanter Artikel und ein toller Einblick hinter die Kulissen 🙂 Ohne die Großen geht es wahrscheinlich wirklich nicht. Umso schöner, dass viele Firmen das Thema mittlerweile für sich entdeckt haben – auch wenn einige es möglicherweise mehr aus Marketinggründen nutzen;) Die Bemühungen hier finde ich auf jeden Fall beeindruckend. Wäre doch toll, wenn das Schule macht:) Und vielen Dank für den Begriff “privilegierter Voyeurismus”, von dem ich nie wusste, dass er mir gefehlt hat:) Tatsächlich beschreibt er mein ambivalentes Verhältnis zu Reisen in “ärmere” Gebiete ziemlich gut.

Liebe Maren,
ich danke dir für deine positive Rückmeldung und freue mich, dass dir der Blick hinter die Kulissen gefallen hat! Mir persönlich hat er auch noch einmal ganz neue Perspektiven eröffnet und ich musste feststellen, dass viele Dinge gar nicht so einfach gemacht sind, wie ich sie mir vorher vorgestellt hatte. Das war definitiv eine sehr wertvolle Erfahrung.
Ich würde mir auch wünschen, dass eine solche Haltung Schule macht und sich noch mehr Menschen wirklich intensiv mit dem auseinandersetzen, was ihren ökologischen Impact ausmacht. Vor allem, wenn es sich um solche großen Organisationen / Verbände etc. handelt. Ohne sie geht es wirklich nicht.

Sehr gerne – ich freu mich, dass ich dir bei der Wortfindung helfen konnte. 😉
Mir persönlich bereitet sowas auch immer Kopfschmerzen und ich bin noch nicht zu einer abschließenden Antwort auf meine Gedanken gekommen. Aber ich lerne weiter. Das ist die Hauptsache, denke ich.

Liebe Grüße an dich!
Jenni