Plastik im Meer oder: Warum jetzt ein Wal in unserem Arbeitszimmer hängt

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Ich spaziere an meinem Lieblingsweg in meinen Lieblingsklamotten zu meiner Lieblingstageszeit (früher Abend) entlang. Eigentlich ist alles wie immer – nur ich bin anders, ein kleines bisschen. Ich schaue anders, habe einen distanzierten Blick. Sehe die Plastikschnipsel der Zigarettenpackung, den kaputten Luftballon im Gras liegen. Und frage mich, was eigentlich so schwierig daran ist, seinen Müll nicht überall fallen zu lassen.

Weniger Plastik ist Meer – ein Tag mit dem WDC in Frankfurt

Spätestens seitdem der WDC mich zusammen mit einigen anderen Blogger*innen (unter anderem Mia, Justine, Elisabeth, Lena, Julia und Anna und Leonie) zu einem Workshop nach Frankfurt geladen hatte, auf dem es genau um dieses Thema – Plastik – ging, hat sich da etwas verändert mit meinem Blick.

Ich meine: Vorher habe ich auch schon sehr sensibel auf alles, was mit Plastik zu tun hatte, reagiert und war bereits einigermaßen informiert, belesen, Dokumentations-gebildet und dachte dementsprechend, bereits viel zu wissen über das Thema.

Vielleicht war das auch in der Tat der Fall – aber spätestens der Vortrag vom WDC über das Ausmaß von Plastik im Meer und dessen Folgen haben, insbesondere aufgrund der zahlreichen, knallharten und schwer nachvollziehbaren Fakten, dazu geführt, dass ein neuer, erneuerter und tiefgehender Denkprozess in Gang gesetzt wurde, der bis zum heutigen Tag nachhallt und mir die möglichen Konsequenzen jede meiner alltäglichen Handlungen wie eine unsichtbare Liste vor Augen hält.

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Zahlen, Zahlen, Zahlen…

Vorausgeschickt sei, dass der WDC als Organisation, die sich dem Schutz von Walen und Delphinen verschrieben hat, das Thema Plastik natürlich in erster Linie aus der Perspektive beleuchtet, die im Zusammenhang mit diesen Meeressäugern steht.

(Andere Perspektiven wurden im Verlauf des Tages von den anderen Workshop-Beiträgen zum Thema und den daraus resultierenden Diskussionsrunden eingenommen.)

Aber selbst, wenn man sich lediglich auf diesen Fokus beschränkt: Die Nummern, faktisch aneinandergereiht, brechen selbst wie eine Tsunamiwelle über einen herein und lassen einem, so schnell aufeinanderfolgend präsentiert, kaum Luft zum Atmen.

  • 80% des Mülls, der im Meer landet, stammt von uns Landbewohnern. Und 80% davon ist Plastik.
  • Im Jahr 2050 wird es – wenn es so weiter geht – mehr Plastik im Meer geben als Fische.
  • Durch die Meeresströmungen wird das Plastik in den Meeren zu riesigen Strudeln zusammengetrieben – der bekannteste ist der Great Pacific Garbage Patch, der derzeit eine Fäche so groß wie Mitteleuropa bedeckt.
  • Man schätzt, dass ca. 200 Millionen Tonnen Plastik in unseren Ozeanen treiben.
  • Aktuell sind rund 700 Arten von Meeresbewohnern durch Plastikmüll bedroht, weil sie sich in ihm verfangen oder die kleinen Teile mit Nahrung verwechseln.
  • Die Tiere, die Plastik essen, sterben mit vollem Magen an Hunger oder leben noch so lange, um am Ende auf unseren Tellern zu landen – Mikroplastik inklusive.

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Das große Problem: Mikroplastik

200 Millionen Tonnen Plastikmüll im Meer. Der jetzt schon da und nicht abbaubar ist. Das ist eine ungeheuer große Summe, die man sich nicht vorstellen kann, selbst wenn man sich noch so viel Mühe gäbe. 200 Millionen Tonnen.

Abgesehen von dieser irrsinnig hohen Zahl – auch die zweite Tatsache neben der Menge, die das Plastik im Meer zu so einem großen Problem macht, ist schwer fassbar: Plastik ist nicht abbaubar.

Was einmal im Meer ist, bleibt auch dort. Es sei denn, wir holen es wieder heraus.

Während sich so gewohnte Dinge wie Bananenschalen (2-3 Wochen), Papier (5-10 Wochen) und andere Objekte unseres täglichen Lebens manchmal sogar vor unseren Augen zersetzen und wir ihre Vergänglichkeit positiv wie negativ andauernd vor Augen haben (und manchmal sogar dagegen ankämpfen müssen), bleibt Plastik unheimlicherweise immer da, wenn es einmal geschaffen wurde.

Es ist eine gruselige Vorstellung – aber: Jedes einzelne Plastikteil, das jemals produziert wurde, ist heute immer noch da. In veränderter Form vielleicht, aber es ist noch hier. Es hat sich nicht abgebaut und es wird auch so schnell nicht von der Erde verschwinden – weil es nämlich (noch) keine Mikroorganismen gibt, die diese Verbindungen zersetzen könnten.

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Stattdessen wird die Sonne als Zersetzungsmotor der ungeliebten und unnützen Plastikhinterlassenschaften des Menschen auf und in dem Meer aktiv: Durch ihre Strahlung zersetzt sich das Plastik im Meer in immer und immer kleinere Partikel – das Mikroplastik.

90% des Plastikmülls in den Meeren kann dem Mikroplastik zugerechnet werden. Die meisten Stücke sind kleiner als ein Fingernagel.

Aber: Nur, weil wir es eventuell nicht mehr sehen, heißt das nicht, dass es nicht mehr da ist. Oder dass es nicht gefährlich wäre – ganz im Gegenteil: Je kleiner das Plastik wird, umso bedrohlicher wird es – für die Tiere, ganze Ökosysteme und auch für den Menschen.

Wale und Delphine verheddern sich in alten Fischernetzen, die sie auf den Grund ziehen, sodass sie nicht mehr zum Luftholen auftauchen können und langsam ersticken. Oder sie schneiden so tief ins Fleisch, dass sie schwere Wunden verursachen, die die Tiere furchtbar quälen.

Nicht nur Meeressäuger, auch andere Tiere, die im und vom Meer leben, verwechseln die kleinen, bunten Plastikteile mit Nahrung – wir kennen die Bilder von den Seevögeln mit den Bäuchen voller Plastikstücke, die an Mangelernährung gestorben sind.

 

Ein weiteres Problem bei der Zersetzung der Plastikstücke durch die Sonne: Durch dieses Verfahen werden hochgiftige Stoffe freigesetzt (unter anderem DDP und PCB), die sich in den Meereslebewesen anreichern und über die Fettschichten irgendwann wieder beim Menschen landen, der diese Tiere verspeist.

Wir. Sind. Verantwortlich.

Das klingt alles sehr schrecklich, aber dennoch sehr abstrakt. Das Meer ist weit weg, Ozeane sowieso und wir bekommen die Auswirkungen, die es so ganz real im echten Leben gibt, nur mit, wenn wir mal in Thaliland Urlaub machen und uns über zugemüllte Strände ärgern.

Das Problem an diesem Plastik-Problem: Wir sind uns in den allermeisten Fällen der Verantwortung, die wir genau für diese Sachen tragen, die da so weit weg von uns passieren und so abstrakt sind, gar nicht bewusst.

Das an sich kann man uns nicht zum Vorwurf machen – wohl aber, nicht dazulernen zu wollen (das Fünfte von oben). Wir können uns – im Zeitalter umfassender Informationsmöglichkeiten und der Präsenz, die das Thema „Plastik im Meer“ mittlerweile auch in den Medien einnimmt, die der Öffentlichkeit sehr zugänglich sind – nicht mehr vor unserer Verantwortung drücken.

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Wir sind mitverantwortlich für die Müllberge an Thailands Stränden – denn es ist unser Müll, der sich auf die weite Reise durch die Weltmeere macht, um am Ende dort anzukommen, wo die Menschen nicht mehr wissen, wohin damit und ihn aus lauter Verzweiflung einfach per Lagerfeuer verbrennen.

Wir sind verantwortlich für den Great Pacific Garbage Patch. Wir sind verantwortlich für die düstere Prognose und ihr eventuelles Eintreten: 2050. Mehr Plastik als Fische im Meer.

Kann man sich das vorstellen? Will man das?

Ich weiß nicht, wie es euch geht – aber bei solchen Zukunftsszenarien, die nun wirklich nicht aus irgendeinem Hollywoodfilm, über den ich mich – in meine Kissen zurückgelehnt – bequem-distanziert lustig machen kann, stammen, läuft es mir kalt den Rücken hinunter. Und am liebsten würde ich – ganz ehrlich – heulen.

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(Anmerkung: Es sind sogar 2,8 Milliarden Coffee-to-go-Becher. Leider.)

Tatsache ist nämlich: Wir in Deutschland sind Europas Spitzenreiter in Sachen Plastikmüllproduktion. Satte 11,7 Millionen Tonnen davon verursachen wir pro Jahr. Bezüglich der Plastikproduktion weltweit liegen wir übrigens auf Platz 5 (hinter NAFTA – also USA, Kanada und Mexiko – China, den restlichen asiatischen Ländern außer Japan, und dem Mittleren Osten und Afrika, welche sich ebenfalls einen Platz teilen).

Und – besonders delikat: Der Rhein, unser liebster Fluss, gehört gleichzeitig zu den am stärksten durch Mikroplastik verseuchten Gewässern der Welt.

Alles, was in diesem (und allen anderen) Fluss landet, gelangt früher oder später auch ins Meer. Und wenn es erst einmal da drin ist, ist es (jedenfalls nach bisherigem Stand der Technik und den aktuellen Anstrengungen, die diesbezüglich unternommen werden) so gut wie unmöglich, es dort wieder herauszubekommen.

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Was wir tun können, um zu weniger neuem Plastik im Meer beizutragen

Was wir demzufolge am besten tun sollten, um ein bisschen daran mitzuwirken, dass die Meere nicht weiterhin jeden Tag mit Tonnen von Plastikmüll verseucht werden, ist demzufolge: diesen Plastikmüll erst gar nicht entstehen zu lassen. Denn was gar nicht da ist, kann auch nicht irgendwas verseuchen.

So weit, so logisch.

Praktisch gesehen bedeutet das, dass wir uns wieder ein wenig auf die Zeiten besinnen dürfen, in denen es noch nicht alles fertig abgepackt überall gegeben hat und in denen man nicht einmal wusste, was eine Plastiktüte überhaupt ist. Jutebeutel, Mehrwegbecher, Einmachglas – die Grundausstattung der modern-urbanen Hipsters sollte diejenige von jedem und jeder von uns sein.

Und zwar eine, auf die wir stolz sind. Denn jede Entscheidung gegen eine Plastikalternative und für eine aus Baumwolle, Edelstahl, Porzellan oder whatever ist eine für unsere Meere. Und was gibt es bitte Cooleres, als den Enkel*innen später erzählen zu können (in einer hoffentlich meeresträchtigen Zukunft), dass wir mitgewirkt haben am Schutz der schönen und gleichzeitig so wichtigen Wasserflächen? Wenig.

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Umweltheldentum fängt bei jedem und jeder von uns an – direkt Zuhause. In der Waschmaschine (gegen die Sache mit dem Mikroplastik in synthetischer Kleidung gibt es übrigens ganz neu diesen Beutel hier), in der Küche (hallo, Unverpacktladen!), im Bad, unterwegs. Überall können wir die richtigen und nachhaltig-meeresschützenden Entscheidungen treffen. Und das ist gar nicht so schwierig.

Denken wir einfach an 200 Millionen Tonnen Plastik. Und dieser Fitzel, den du da gerade fallen gelassen hast, trägt dazu bei, dass es bald 201 Millionen Tonnen sind. Willst du das?

Achso – du willst immer noch wissen, warum ein Wal in unserem Arbeitszimmer hängt? Weil wir ein Walposter gekauft haben – von Gretas Schwester. Dort wird pro Poster 1 Euro an den WDC gespendet. Gleichzeitig ist es eine ästhetische Mahnung an uns: So wundervolles Leben – und so bedroht; durch uns. Ihr könnt aber auch direkt beim WDC selbst im Shop nachschauen – dort gibt’s auch ein waliges Poster. Und noch viele andere schöne und gleichzeitig nützliche (im doppelten Sinn: für euch und den Verein) Dinge zu erwerben. Oder ihr werdet Wal- und Delphinpate und unterstützt damit die Arbeit des WDC.

Weiterführende Informationen

18 Comments

  1. Ela 11. Juli 2017

    Ein super spannender Artikel, der das eindringliche Thema perfekt zusammenfasst. Danke Jenni!!
    Liebe Grüße,
    Ela

    Antworten
    • Jenni 12. Juli 2017

      Liebe Ela,

      vielen Dank für deine lieben Worte!
      Es freut mich sehr, dass der Artikel dir gefällt!

      Liebe Grüße
      Jenni

      Antworten
  2. Ulli 11. Juli 2017

    Danke für diesen hochinformativen Artikel!

    Antworten
    • Jenni 12. Juli 2017

      Liebe Ulli,

      sehr gerne!
      Es freut mich, dass er dir so gut gefallen hat!

      Liebe Grüße
      Jenni

      Antworten
  3. Nikola 11. Juli 2017

    Vielen Dank für diesen tollen Beitrag, der das Plastikproblem sehr sehr anschaulich macht! Danke!

    Antworten
    • Jenni 12. Juli 2017

      Liebe Nikola,

      danke dir für dein liebes Feedback – es freut mich sehr, dass der Artikel dir etwas mitgeben konnte!

      Liebe Grüße
      Jenni

      Antworten
  4. Julia 11. Juli 2017

    Hallo liebe Jenni,
    danke für diesen tollen und so unglaublich wichtigen Beitrag! Ich lese deinen Blog sehr gerne und muss sagen, du hast hier mal wieder den Nagel auf den Kopf getroffen: Jedes. Teil. Zählt. Ich halte meinen Plastikverbrauch so gering wie möglich und mache in diesem Monat auch beim plasticfree july mit (eine wirklich großartige Aktion!). Ich finde es toll, wie du den Zusammenhang zwischen ‚ach, das ist doch nur ein Kaffeebecher‘ und den realen Auswirkungen auf unsere Umwelt mit den harten und erschreckenden Fakten herstellst. Ich wohne am oben erwähnten schönen Rhein und bin jedes Mal erschrocken darüber, dass gerade im Sommer z.T. kaum noch Grünfläche an den Ufern zu erkennen ist, weil die Leute nach ihren Grillpartys ihren Abfall auf den Wiesen liegen lassen. Ich werde jedes Mal richtig wütend und frage mich, was daran so schwer ist, seinen Abfall in die Tonne zu werfen (von den Möglichkeiten, seine Grillparty möglichst verpackungs- und müllfrei zu gestalten mal ganz abgesehen).
    Also in diesem Sinne: Vielen vielen Dank für deinen tollen Artikel, ich hatte an einigen Stellen wirklich Gänsehaut.
    Ganz herzliche Grüße aus Mainz,
    Julia

    Antworten
    • Jenni 12. Juli 2017

      Liebe Julia,

      ich danke dir für deine warmen Worte – es bedeutet mir viel, dass du immer wieder gerne hierherkommst und liest! Danke dir!

      Du hast recht: Der plasticfree july ist eine wirklich tolle Aktion!
      Aktuell habe ich leider nicht die Zeit, umfassend daran teilzunehmen und mir für jeden Tag etwas auszudenken (was ich sehr gerne getan hätte), aber ich teile einfach weiterhin meine plastikfreien Botschaften, wie ich das sonst auch immer mache. 🙂

      Oh ja! Ich finde, vor allem im Sommer, wo zahlreiche Outdoor-Aktivitäten stattfinden, merkt man ganz besonders, wie gedankenlos leider manche Menschen mit Müll umgehen und ihn einfach irgednwo liegen lassen in der Annahme, irgendwer räume ihn schon weg. Leider ist das meistens der Wind, der diese Aufgabe erledigt. Und wo der diesen Müll dann wieder ablädt, ist ungewiss. Meistens leider in den Flüssen…

      Ich glaube auch, dass hier noch viel, viel Arbeit zu tun ist – und Vermeidung von Plastik (es muss ja nicht einmal zu 100% sein, da das sowieso einigermaßen utoptisch ist) die beste Herangehensweise darstellt.

      Liebe Grüße
      Jenni

      Antworten
  5. Tabea 11. Juli 2017

    Mh… Über Lieblingstageszeiten habe ich noch nie bewusst nachgedacht… früher war das sicher die Zeit zwischen 23 und 3 Uhr, wo ich am Wochenende regelmäßig tolle Chatgespräche führen konnte… aber jetzt? Ich laufe zwar immer noch gern nachts draußen rum, aber nur in Ausnahmefällen, da mir mein Schlaf so wichtig ist. Die frühen Morgenstunden mag ich da wohl im Moment am meisten, denn da fällt es mir einfach leicht, produktiv und kreativ zu sein.

    Weißt du was? Deine Müll-Frage stelle ich mir auch oft, dafür brauche ich nicht mal einen wundervollen Strand. Schon hier im Feld oder im Park macht es mich echt traurig, wenn ich den ganzen Müll sehe… und manchmal hebe ich inzwischen sogar Dosen und Flaschen auf, um sie in den nächsten Mülleimer zu bringen (oder den im Geschäft zum Recycling abzugeben). Aber allen Müll kann ich einfach nicht mitnehmen, da ich meine Hände meist nutzen will, um auf dem Handy zu tippen, während ich laufe.

    Dass der WDC so einen Workshop gemacht hat, ist ja echt cool. Da wäre ich auch gerne dabei gewesen.

    Die Zahlen sind ja was Plastik angeht echt grausam zu lesen… und das nicht nur für umweltbewusste Menschen, schätze ich. Denn das Plastik in der Umwelt schlecht ist, ist ja inzwischen wohl bei jedem angekommen – nur das leider viele Menschen noch keine Konsequenzen aus ihrem Wissen ziehen.

    Woher kommen denn die restlichen 20 % des Mülls, die nicht von den Landbewohnern stammen? Tiere können doch keinen Müll machen… oder ist damit alles gemeint, was während der Schifffahrt einfach „über Bord geworfen“ wird?

    Dass es solche Haufen aus Plastik gibt, wusste ich gar nicht… kann man da Erde drauf kippen und so Lebensraum schaffen? 😉 Nein… irgendwie grausam, dass es sowas überhaupt gibt.

    700 bedrohte Arten sind eine Menge… wie viele gibt es denn, die vom Plastik (und anderem Müll) gar keinen Schaden nehmen? Mh… und wie würde es uns Menschen in einer Welt ohne Plastik gehen…? Würden manche Leiden dann wesentlich seltener auftreten? Ach Mensch, dein Post tritt in mir wieder unzählige Fragen los.

    Meinst du, man könnte die Meere (und ihre Lebewesen) ein bisschen retten, indem man die Müllberge wieder an Land holt und schaut, was noch wiederverwertet werden kann?
    Ansonsten müsste man echt mal so einen Microorganismus „erfinden“ bzw. züchten, der das auffuttern kann. Aber da ist das Risiko, dass auch das „gewollte“ Plastik oder andere Werkstoffe zersetzt werden könnten von diesem Organismus wohl zu groß, um sowas wirklich entwickeln zu wollen. Ich hab da mal einen Psychothriller gelesen, wo so ein Virus die gesamte Menschheit aufgefressen hat, der eigentlich nur Müll in Energie verwandeln sollte – nur ein armer Mensch hat überlebt und wurde dann verrückt, weil er zu einsam war.

    Dass Sonne aus Plastik Microplastik macht, wusste ich noch nicht. Ich dachte, dass wäre ein mechanischer Prozess und Microplastik käme hautsächlich aus Kosmetik… aber nun bin ich ja Dank dir schlauer geworden 🙂

    Eigentlich ist es ja nicht nur problematisch, dass die Gifte sich in den Tieren ansammeln, weil die Menschen das dann essen (weil wir ja auch aufhören können, Meeresfische zu essen), sondern auch, weil die Tiere darunter sicher leiden. Wer weiß, ob sie davon sowas wie Krebs bekommen? Oder Stoffwechselstörungen? Unfruchtbarkeit und Hormonstörungen? Das wäre doch alles möglich und noch viel schlimmer, als wenn man die Fische wegen der Gifte nicht mehr konsumieren kann/sollte. Das Wohl der Tiere zu Lebzeiten sollte wichtiger sein als ihre Funktion als Nahrung für den Menschen!

    Leider muss auch ich zugeben, dass es in meinem Haushalt zu viel Plastikmüll gibt… Obst und Gemüse kann ich einfach nicht ohne kaufen, da mir die Möglichkeiten fehlen… und auch bei Nudeln, Schokolade und sowas ist eben Plastik dabei, wenn auch Mengenmäßig wesentlich weniger, da ich solches Zeug weniger oft esse. Aber immerhin kaufe ich kein Wasser in Flaschen und keine to-go-Getränke. Da bin ich seeehr konsequent. Und Plastiktüten nehme ich auch nie an – gibt ja Rucksäcke und Stofftaschen.
    Das mit der Kleidung hatte ich zwar bereits vor Jahren gelesen, aber irgendwie fehlt mir da die Alternative, denn Flies bietet einfach Tragekomfort und trocknet schnell. Baumwolle kriege ich hier im Winter nicht trocken… und was zählt eigentlich alles zur synthetischen Kleidung?

    Der Tipp mit dem Wäschebeutel leuchtet mir nicht ein… dann ist das Plastik doch im Beutel und wird sicher irgendwann irgendwie auch da raus kommen und dann im Wasser landen, oder?

    Ganz aus meinem Alltag mag ich Plastik aber nicht verbannen, da es so praktisch ist. Dosen aus dem Zeug sind einfach leichter als Metall. Bei Gebrauchsgegenständen ist Plastik dafür für mich noch okay – nur Müll will ich eben vermeiden.

    Liebe Grüße und danke für die vielen Denkanstöße 🙂

    Antworten
    • Jenni 12. Juli 2017

      Liebe Tabea,

      meine Güte – deine Kommentare sind immer wieder der Wahnsinn!
      Danke dir für deine Zeit und deine vielen guten Gedanken! <3

      Die frühen Morgenstunden mag ich auch sehr gerne - nach dem frühen Abend sind die direkt meine zweitliebste Tageszeit. Ich mag generell Übergangszeiten gerne, in denen nichts fix und alles möglich scheint.

      Ich denke, es ist schon sehr vorbildlich, dass du überhaupt Müll aufsammelst und mitnimmst - allerdings reicht es ja auch aus, den einfach in den nächsten Mülleimer zu werfen, der ja meistens nur ein paar Schritte (und genau das ist ja zum Wahnsinnigwerden!) entfernt ist. Niemand kann den ganzen Müll, den andere Menschen fallenlassen, ehrenamtlich beseitigen und das kann ja auch nicht Sinn der Sache sein. Aber anfangen können wir - und wie gesagt: Jedes Teil, das nicht in die Meere gelangt, ist ein kleiner Sieg.

      Die anderen 20% sind, soweit ich weiß, in der Tat die Müllberge, die von den Schiffen (illegal) entsorgt werden. Da sollen jetzt die Kontrollen angezogen werden (neue Wiegeverfahren der Containerschiffe und solche Dinge), damit das weniger wird. Aber im Moment ist es immer noch ein beträchtlicher Teil, der einfach ins Meer gekippt wird. Natürliche Müllklappe und so.

      Ich bin mir nicht sicher, aber ich glaube, es wird im Moment in der Tat so ein Mikroorganismus versucht zu züchten. Aber ich will hier auch keine Märchen verbreiten - die dann solche grusligen Assoziatioen wie bei deinem Thriller hervorrufen... 😀
      Da müsste ich mich noch einmal genauer informieren.

      Schaden tut das Plastik den Meeresbewohnern auf jeden Fall!
      Schau dir mal Plastic Planet an - da wird das sehr genau beschrieben.
      Alternativ kannst du dir (auch bezüglich der gesundheitlichen Auswirkungen auf den Menschen) noch einmal einen älteren Artikel von mir durchlesen: https://mehralsgruenzeug.com/gesundheitsgefahr-plastik/

      „Das Wohl der Tiere zu Lebzeiten sollte wichtiger sein als ihre Funktion als Nahrung für den Menschen!“ – Das hast du toll gesagt!

      Du weißt ja, wie ich bezüglich Plastikvermeidung stehe: Jeder Schritt ist einer in die richtige Richtung und solange du dich damit beschäftigst und versuchst, es besser zu machen, machst du es genau richtig. Jeder und jede nach seinen und ihren Möglichkeiten.
      Nicht jede*r kann mit einem Unverpacktladen in der Stadt gesegnet sein (obwohl ich hoffe, dass das bald der Fall sein wird).

      Die Sache mit dem Mikroplastik in der Kleidung ist eine, die sich auch näher zu untersuchen lohnte. Ist auf die Liste der Artikel, die noch zu schreiben sind, gesetzt. 😉
      Ich bin mal gespannt, wann ich dazu komme.

      Die Sache mit dem Wäschebeutel ist insofern sinnvoll, als dass das Mikroplastik nicht einfach in die Kanalisation und von da in die Flüsse (die Filter sind nicht so gut, dass die kleinen Teilchen aufgefangen werden könnten) gelangt, sondern sich im Beutel zu Klumpen festsetzt, die man dann hinausnehmen und wenigstens über den Gelben Sack oder Restmüll entsorgen kann. Das ist dann immer noch Plastik, ja – aber wenigstens keines, das bald im Meer landet. Auf der verlinkten Seite kann man das sehr gut nachvollziehen.

      Liebe Grüße
      Jenni

      Antworten
      • Tabea 15. Juli 2017

        Geniale Blogposts, so wie du sie immer schreibst, verdienen eben auch Kommentare, die mehr sind als „toller Post“ 😉 Ich schreibe die echt gerne, wenn Beiträge mich begeistern können.

        Mülleimer sind bei uns im Feld leider gar nicht verbreitet – da kann ich eine Stunde laufen und mir begegnet nur ein einziger, der auch noch sehr versteckt ist. (Ist natürlich kein Problem, sobald man ihn ein Mal entdeckt hat, aber allgemein doof, weil Leute ihn vielleicht übersehen.)
        Im Park geht das Müll aufheben daher echt besser, aber da liegt auch viel weniger rum.

        Wow – das Schiffe solche Mengen entsorgen, ist ja erschreckend. Bestimmt so eine Rechnung ala „Müll weg = weniger Gewicht = weniger Treibstoff = billig“.
        Da bin ich mal gespannt, ob das mit dem Wiegen Abhilfe schafft – ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass Schiffe echt konsequent gewogen werden nach jeder Be- und vor jeder Entladung.

        Plastic Planet kenne ich schon – letztens erst erneut geschaut. Und auch deinen anderen Artikel habe ich bereits gelesen – mir ist also durchaus bewusst, dass das Plastik den Tieren schadet – und genau deswegen finde ich es so schlimm, wenn die Menschen den Fokus auf Mikroplastik in IHRER Nahrung legen, obwohl auch die Tiere darunter selbst leiden.

        Haha – jetzt habe ich mich gerade echt gefragt, wen du da zitierst, bevor ich gelesen habe, dass das aus meinem Kommentar stammt. Vielleicht schreibe ich mir die Formulierung besser auf 😉

        Auf den Artikel über Microplastik in Kleidung bin ich jetzt aber gespannt! Aber wenn das Plastik sich in diesen Waschbeuteln zu Klumpen formt, dann leuchtet mir deren Sinnhaftigkeit ein 🙂

        Liebe Grüße

        Antworten
  6. Eve 11. Juli 2017

    Liebe Jenni,

    es ist einfach furchtbar, was wir Menschen dieser Erde antun und vor allem, aus welchen Motiven. Aber ich tröste mich wirklich ganz banal damit, dass wir ein lächerlicher Furz in der Geschichte dieser Erde sein werden und sie uns sowas von überdauert und biologisch abbaut.

    Natürlich ist das kein Grund, jetzt verantwortungslos zu leben. Das wollte ich damit nicht sagen. Denn Tiere und Menschen leiden unter diesen Zuständen und das ist verdammt kacke. Aber ich meine, es wird einfach erträglicher, wenn man sich vor Augen hält, dass dieser menschliche Wahnsinn irgendwann vorbei ist. Also in ferner Zukunft. Ich werde wahrscheinlich angeekelt vor dieser Welt sterben.

    Das klingt jetzt irgendwie so düster. Aber dein Artikel hat mich einfach wieder daran erinnert, dass diese Welt derbe abgefuckt ist. Wir dürfen dennoch nicht vergessen, dass sie auch viel Gutes für uns bereithält – die Liebe. Ich denke, nur deswegen halten wir das hier alles aus, hehe.

    In diesem Sinne die allerliebsten Grüße und eine schöne Woche.
    Eve von http://www.eveblogazine.com

    Antworten
    • Jenni 12. Juli 2017

      Liebe Eve,

      du hast recht – das klingt in der Tat etwas düster. Aber ich kann es dir absolut nachfühlen – solche Gedanken sind nahe, wenn man sich die oben genannten (und weitere) Fakten so richtig zu Herzen gehen lässt.
      Da überkommen mich manchmal auch Zweifel an dem Ganzen, was wir hier treiben und frage mich ernsthaft, warum alles so verdammt schlimm sein muss.

      Ich hoffe sehr, dass – sollten wir von dieser Erde verschwinden – diese sich soweit erholen wird, als hätte es uns nie gegeben. Kennst du das Buch „Die Welt ohne uns“ von Alan Weisman? Genau das wird da verhandelt – ein sehr spannender Einblick in die Macht der Natur, nur zu empfehlen!

      Liebe Grüße und dir ebenfalls eine schöne Restwoche!
      Jenni

      Antworten
  7. AVEC QUATRE 15. Juli 2017

    Hach liebe Jenni, ich danke dir für diesen sehr gut geschriebenen Artikel. Du weißt ich bin da voll bei dir und ich weine ebenfalls, wenn ich über all diese Unachtsamkeit nachdenke. Ich hoffe so sehr, dass wir Menschen endlich mal anfangen zusammenzuhalten um diesen wundervollen Planeten gemeinsam zu retten. Es könnte so einfach sein…

    Liebste Grüße
    Rebecca

    Antworten
    • Jenni 17. Juli 2017

      Liebe Rebecca,

      ja, dass du da sehr engagiert bist und dir das Ganze ebenfalls ein Thema ist, weiß ich in der Tat und ich finde das ganz, ganz klasse!

      Du hast recht – es könnte wirklich so einfach sein. Wenn nicht Geld alles regieren würde. Wahrscheinlich muss Nachhaltigkeit einfach profitabel werden, bevor der große Umschwung kommt. Und das bedeutet: Die Konsument*innen müssen vorangehen, damit die Firmen nachziehen…

      Liebe Grüße
      Jenni

      Antworten
  8. Mira Nograsek 16. Juli 2017

    Liebe Jenni,
    ganz großartiger, informativer Artikel. Die Hard-Facts kannte ich bis dato tatsächlich auch noch nicht. Wo ich mir aber immer noch extrem schwer tue ist auf Strohhalme zu verzichten. Gerade im Ausland, wo man dann vielleicht doch nicht so einwandfrei mit der Kommunikation ist, ist es fast unmöglich ihn nicht zu bekommen. Letztens bekam ich sogar zwei(!) Stohhalme für einen einzigen Caipirinha. Was soll das? Vielleicht sollte ich mir ein Schild basteln oder so… Oder hast du da einen besonderen Trick? Bier statt Caipirinha?
    Alles Liebe,
    Mira

    Antworten
    • Jenni 17. Juli 2017

      Liebe Mira,

      danke dir für deinen lieben Kommentar!

      Das mit den Strohhalmen ist tatsächlich eine ganz eigene Angelegenheit…
      Ich habe immer einen eigenen aus Edelstahl dabei (meistens sogar zwei, damit ich meiner Begleitung, sofern sie keinen eigenen hat, ebenfalls einen andrehen kann) und nehme den dann, um in Restaurants zu trinken.
      Ich versuche auch immer, den Stohhalm direkt bei der Bestellung abzubestellen – aber das vergisst man manchmal, vor allem, wenn man länger nicht mehr draußen essen war. Das ist eine Baustelle, an der ich für mich auch noch arbeiten muss, weil ich mich auch immer wieder über mitgebrachte Plastikhalme ärgere. Deshalb schärfe ich mir jedes Mal, bevor ich irgendwo hingehe, ein, ja nicht zu vergessen, den Strohhalm abzubestellen und baue auf mein Kurzzeitgedächtnis. 😀
      Und mit der Zeit wird das dann zur Routine. Und jedes Mal, wenn ich doch einen Plastikhalm vorgesetzt bekomme, ist mir das eine umso deutlichere Lektion, beim nächsten Mal besser darauf zu achten.

      Liebe Grüße
      Jenni

      Antworten
  9. Natalie 18. Juli 2017

    Liebe Jenni,

    ach, ich könnte gerade auch schon wieder echt heulen. Die Zahlen sind wirklich erschreckend! Ich versuche gerade, in meiner Familie (jetzt wo ich einmal hier bin), ein bisschen mehr Bewusstsein für Müllproblematik einzuführen. Das ist leider gar nicht so leicht, weil hier Plastik so krass im Alltag verankert ist. (Beim Einkaufen packt fast jeder sein Obst und Gemüse nochmal extra in eine Plastiktüte.)
    Am Samstag konnte ich aber schon einen kleinen Erfolg verbuchen: Mama wollte abgepackten Bulgursalat für ihre Arbeit kaufen und ich hab ihr stattdessen angeboten, eine ganze Schüssel zu machen, aus der sie dann die ganze Woche was mitnehmen kann. Ich glaube, hier ist noch ein bisschen Hilfe zur Selbsthilfe in Sachen Fertigfutter-Selbstvorbereitung angesagt. 😀

    Die Idee mit dem Strohhalm ist total klasse! Und der Wäschebeutel erst! Es ist toll, dass es so viele Menschen gibt, die sich Gedanken machen und mit guten Ideen daher kommen, die uns helfen, nicht nur nachzudenken, sondern auch wirklich zu handeln.
    Und bald kriege ich es auch hin, immer einen Extra-Jutebeutel dabei zu haben, wenn ich unterwegs bin.

    Liebe Grüße,
    Natalie

    Antworten

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