Plastic is not fantastic: Daten und Fakten aus dem aktuellen Plastikatlas

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5. Juli 2019

Zusammen mit dem BUND hat die Heinrich-Böll-Stiftung im Juni den Plastikatlas veröffentlicht – ein Dokument, in dem in 19 Kapiteln die umfassende Rolle, die Plastik in unserer Welt spielt und was es mit uns und dem Planeten macht, dargestellt wird.

Ich habe ihn mir (einigermaßen erschüttert) durchgelesen und möchte mit einige Fakten und Schaubilder teilen. (Zu sagen, es wäre nur das Wichtigste, würde der Sache nicht gerecht werden: Der Plastikatlas enthält vom ersten bis zum letzten Buchstaben nur Wichtiges.)

(Den Plastikatlas gibt es hier zum kostenfreien Selber-Lesen.) 

Wusstest du…

  • …dass Plastik eigentlich aus einem Abfallprodukt der chemischen Industrie (Chlor) hergestellt und erst in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts zur Weiterverarbeitung als separates Produkt entdeckt wurde?
  • nicht einmal 10% des jemals produzierten Plastiks (8,3 Milliarden Tonnen) recycelt worden sind?
  • …Mikroplastik nicht nur im Meer ein Thema ist, sondern auch für Binnengewässer und unsere Böden gefährlich ist (dort reichert sich zwischen 4- bis 23-mal mehr Plastik an)?
  • Deutschland der drittgrößte Exporteur von Plastikmüll ist?
  • …jedes Jahr weltweit über 400 Millionen Tonnen Plastik hergestellt werden?

Eine Welt ohne Plastikverschmutzung ist eine Vision, für die es sich lohnt zu streiten. Denn Plastik ist ein Thema, das jeden und jede von uns etwas angeht und bewegt. Wir haben gerade erst begon­nen, die gewaltigen Dimensionen dieser Krise zu begreifen. (Plastikatlas 2019, S. 6.)

Wegwerfmentalität: Einwegplastik

Noch in den Fünzigern verwendeten Menschen Plastik mit so viel Sorgfalt wie Glas oder Seide. (Plastikatlas 2019, S. 12)

Dass Plastik einmal so sorgfältig benutzt – und vor allem: wiederbenutzt – wurde wie Glas oder Seide, kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen.

Dabei ist die Wegwerfmentalität der Einwegverpackungen noch gar nicht so alt: Als Zäsur ist allgemein die Umstellung von Coca Cola von der berühmten Glasflasche auf Einweg-Plastikflaschen im Jahr 1978 anerkannt.

Von da an ging es bergauf mit dem Plastikkonsum – ein Boom setzte ein, der bis heute anhält, und sogar weiter wächst: Bis 2025 werden Verpackungen voraussichtlich der wichtigste Absatzmarkt für Plastikprodukte bleiben, wobei der Druck, immer neue Kunststoffarten mit immer neuen Eigenschaften zu produzieren, von der Industrie stetig erhöht wird. (32)

Die Wegwerfmentalität, und das ist spannend zu lesen, hängt eng mit der Entwicklung der westlichen Gesellschaften insgesamt und einem wesentlichen Faktor zusammen: Zeit.

Immer mehr Dinge müssen in endliche Zeitfenster gequetscht werden – und das führt zwangsweise dazu, dass Bequemlichkeit in vielen Lebensbereichen auf der einen und Zeitersparnis auf der anderen Seite der Gleichung stehen.

In den allermeisten Fällen bedeutet diese Zeitverknappung allerdings nichts Gutes – weder für die gehetzten Individuen noch für die Umwelt. Eine Beobachtung, die man überall machen kann: Sobald die Zeit über ein bestimmtes Maß gestrafft wird, geht das Ganze so gut wie immer in eine sehr unnachhaltige Richtung.

Globale Ungerechtigkeit

Bisher wurden seit 1950 rund 8,3 Milliarden Tonnen Plastik produziert – das entspricht mehr als einer Tonne Plastik für jeden Menschen auf dieser Erde.

Die Hauptproduzierenden und -konsumierenden sind China, Nordamerika und Westeuropa. Der Rest der Welt wird vor allem von den Plastikmüllmassen, die wir mangels Recycling-Ideen um den halben Globus schiffen, regelrecht erdrückt.

Im Plastikatlas wird an dieser Stelle davon gesprochen, dass die Mechanismen, die an dieser Stelle greifen, sehr starke Ähnlichkeit mit alten, kolonialen Strukturen haben. (30)

An dieser Stelle ist eine Differenzierung notwendig: Plastik an sich ist kein schlechter Werkstoff.

Im Gegenteil – es hat eine Menge Vorteile und einen wesentlichen Anteil daran, dass vor allem der globale Norden sich so entwickeln konnte wie bisher geschehen.

Was Plastik genau ausmacht und wo vor allem die gesundheitlichen Risiken liegen, liest du in diesem Artikel. 

Das Problem sind auch nicht die Plastikteile, die im Bausektor eingesetzt werden und dann mehrere Jahrzehnte ihren Dienst tun, dabei in den meisten Fällen auch noch Wartungsarbeiten, Energie und Kosten sparen (wobei auch hier eine immer weiter steigende Nachfrage zu beobachten ist, die die Plastikproduktion mit anfacht und vermutlich auf rund 600 Millionen Tonnen im Jahr 2050 katapultieren wird).

Das Problem sind vor allem die Einwegverpackungen, die rund ein Drittel des weltweit produzierten Plastiks ausmachen und eine extrem kurze Nutzungsdauer besitzen. Eine Plastiktüte wird zum Beispiel nur rund 20 Minuten genutzt, bevor sie im Müll landet, ein To-Go-Becher nur 15 Minuten.

40% aller produzierten Plastikprodukte sind spätestens nach einem Monat Müll.

Noch relativ unerforscht: Mikroplastik im Boden

Dass Plastikgegenstände sich nach und nach in immer kleinere Partikel (Mikroplastik / alle Partikel unter 5mm Größe) aufspalten, ist mittlerweile hinreichend bekannt. Dass dieser Vorgang nicht dasselbe ist wie organisches Abbauen (Plastik verschwindet nicht aus der Umwelt) und dementsprechend gerade ein riesiges Desaster in den Weltmeeren anrichtet, die Endstation von sämtlichen kontaminierten Flüssen und Bächen dieser Welt sind, ebenfalls.

Was mich allerdings sehr überrascht bis schockiert hat: Es gibt Hinweise darauf, dass die Kontamination mit Mikroplastik-Partikeln auch direkt vor unserer Nase in den (heimischen) Böden stattfindet – auf denen wir unter anderem unsere Lebensmittel anbauen.

Schätzungsweise landet rund ein Drittel der 400 jährlich produzierten Tonnen Plastik im Boden – das ist eine 4 bis 23-mal höhere Verschmutzung als in den Meeren.

Einen wesentlichen Beitrag dazu leistet der Klärschlamm, der in den meisten Fällen mit Mikroplastikpartikeln durchsetzt ist (die Richtwerte lassen derzeit bis zu 0,5% Fremdstoffe zu und bei der Bestimmung des Anteils werden auch nur Teile über 2mm berücksichtigt – das soll demnächst aber auf 1mm gesenkt werden) und mit dem die Felder gedüngt werden. (Das ist aus großen Klärwerken noch bis 2029 erlaubt.)

So gelangten im Jahr 2016 in Deutschland rund 9696 Tonnen Mikroplastik aus Klärschlamm auf die Felder.

Aber auch die Lebensmittelbranche, der Bio-Sektor nicht ausgenommen, trägt zur Plastikverschmutzung der Boden bei:

Bisher ist es möglich, Lebensmittel in der Verpackung zu schreddern, zu kompostieren oder zu vergären. Zukünftig ist vorgeschrieben, die Verpackungen von den Bioabfällen zu trennen. (Plastikatlas, S. 21)

Genauso wie der Wind, der Mikroplastik-Teile wahrscheinlich sogar bis hoch in die Alpen geweht hat.

Plastik in unserer Kleidung

Je mehr Geschwindigkeit (auch hier ist der Faktor Zeit wieder ausschlaggebend) die Textilindustrie vor allem im Bekleidungssektor aufnimmt, desto relevanter wird sie auch für die Bewertung von (Mikro-)Plastik in unserer Umwelt.

Denn: Mittlerweile machen Textilien (Industrie-Textilien eingerechnet) bereits rund 15% der globalen Plastikproduktion aus.

Polyamid, Polyester, Acryl oder Nylon – das alles sind Begriffe für Plastikfasern.

Im Jahr 2017 waren ungefähr 70 Prozent aller weltweit hergestellten Fasern synthetische Chemiefasern. Polyester hat mit 80 Prozent den höchsten Anteil an der Pro­duktion von Kunstfasern – und er steigt konstant. (Plastikatlas, S. 22.)

Die Probleme, die mit einer Erhöhung der Plastikproduktion im Bekleidungsbereich einhergehen, sind vielfältig: Auf der einen Seite haben wir eine massenhafte Ausbeutung und Gesundheitsgefährdung vor allem von Frauen und Kindern, die in der Textilindustrie beschäftigt sind.

Auf der anderen Seite steht das immer größer werdende Mikroplastik-Thema: Wenn Kleidung aus Plastikfasern gewaschen wird, gelangen Mikroplastik-Partikel in die Umwelt. Filter wie der Guppyfriend können diesbezüglich nur eine kosmetische Lösung für einen ökologisch sehr bewussten Teil der Bevölkerung sein, solange die Filteranlagen in den Klärwerken nicht fein genug zum Herausfiltern der kleinen Partikel sind. Und abgesehen davon: Das Mikroplastik ist in der Welt, ob herausgefiltert oder nicht, und muss irgendwie entsorgt werden.

Die Studienergebnis­se zu den Mengen der Partikel reichen von sechs Millionen Mikrofasern pro Waschgang von fünf Kilogramm bis zu 250 000 bei der Wäsche von nur einer Fleecejacke. (Plastikatlas, S. 22.)

Mit dem sich immer schneller drehenden Saison-Karussell produziert die Fast-Fashion-Industrie außerdem einen riesigen Berg Textilmüll, der manchmal direkt in den Hinterhöfen der Konzerne verbrannt wird, in den meisten Fällen (80%) aber so oder so nach kurzer Nutzungsdauer den Weg zur Müllverbrennungsanlage oder auf die Deponie antritt.

Plastik trägt zur Klimakrise bei

Bei der (medialen) Fokussierung vor allem auf die Mikroplastik-Problematik (ohne ihr die Relevanz absprechen zu wollen) wird ein wesentlicher Punkt oft vergessen: Plastik besteht in erster Linie aus Erdöl und Gas (99% fossile Rohstoffe) – und die Förderung dieses Rohstoffes setzt unfassbare Mengen an Treibhausgasen frei.

Da die Plastikproduktion sich bis 2050 aller Voraussicht nach noch einmal vervierfachen wird (nachdem sie sich in den letzten 20 Jahren bereits verdoppelt hat), wird ihr Anteil an den emittierten CO2e* bereits bei 56 Gigatonnen liegen.

*(e = Äquivalente / so werden die verschiedenen Arten der Treibhausgase miteinander vergleichbar gemacht) 

Das Budget, das wir zur Verfügung haben, beläuft sich auf maximal 570 Milliarden Tonnen CO2e.

Das bedeutet, dass allein die Plastikproduktion bereits bis zu 13% dieses Budgets verschlingen könnte.

Dabei haben wir ja noch Sektoren wie Stromerzeugung, Infrastruktur, Lebensmittelanbau und so weiter.

Unabhängig davon, dass Plastik also ganz materiell in der Umwelt (und in den Mägen von Tieren und Menschen) vorzufinden ist, ist das Material aus ganz unterschiedlichen Gründen ein Befeuerer der Erderhitzung.

Der Recycling-Mythos

Ein Thema, auf das der Plastikatlas immer wieder zurückkommt und das als Kernthema gelten kann, ist das Recycling von Plastik – beziehungsweise das So-gut-wie-Nicht-Vorhanden-Sein dessen.

Denn entgegen der allgemeinen Auffassung (und der medienwirksamen Kommunikation diverser befangener* Stellen) ist die Sache mit dem Wiederverwerten von Plastik zum einen einigermaßen kompliziert und technisch anspruchsvoll (vor allem, weil es selten in reiner Form, sondern als Materialgemisch auftritt). Und zum anderen wegen dieser Tatsache längst nicht in dem Ausmaß Realität, wie uns Konsumierenden verkauft wird.

*Befangen vor allem, weil der Lobbyismus in dieser Sparte floriert und die Grenzen zwischen Politik und Industrie nicht selten verschwimmen, auch und besonders in Einzelpersonen. 

Sprich: Die aktuellen und offiziellen Zahlen geben eine 45%-Recyclingquote in Deutschland an. Das ist aber falsch beziehungsweise nur die halbe Wahrheit.

Die ganze ist, dass diese Zahl sich nur auf die Menge des Materials bezieht, die bei den Recycling-Firmen angeliefert wird – nicht auf die Menge, die dann am Ende wirklich wieder aufbereitet wird.

Nimmt man die Gesamtmenge der anfallenden gebrauchten Kunststoff­produkte – im Fachjargon „Post-­Consumer“ genannt – als Grundlage, wird in Deutschland nur etwa 15,6 Prozent zu Rezyclat verarbeitet. (Plastikatlas, S. 37)

Der Großteil wird immer noch verbrannt – die Euphemismen dafür lauten “thermische Verwertung”, “Energie aus Abfall”, “Waste to Energy” oder “Ersatzbrennstoff (ESB)”.

Dabei entstehen unter anderem giftige Dämpfe, die von der Umwelt nicht abgebaut werden können und deswegen in Filtern gesammelt werden müssen.

Dioxine, Blei, Furane – diese Reststoffe müssen gleich Atommüll in unterirdischen Endlagern verstaut werden.

Auch die sind in absehbarer Zeit voll – und man weiß nach wie vor nicht: Wohin mit dem Plastikmüll?

 Bei jedem Recycling-Vorgang leidet die Qualität des Endprodukts (Downcycling) – neuwertiger Kunststoff kommt in nur 7,8% der Fälle als Output heraus. Nüchtern halten die Autor*innen des Plastikatlas fest:

Von einer Kreislaufwirtschaft kann kaum gesprochen werden. (Plastikatlas, S. 37)

An diesen Verhältnissen wird sich wenig ändern, solange die Herstellung von neuem Plastik aus Rohöl so billig und auch der Handel mit altem Plastik ein boomendes Geschäft bleibt.

Müllberge werden exportiert

Wie groß die Müllberge sind, die wir in Europa und auch global produzieren, ist vor allem klar geworden, als China als größter Abnehmermarkt für den Plastikabfall europäischer Länder im Januar 2018 gewissermaßen einen Einfuhrstopp einführte.

Einige andere asiatische Länder (Thailand, Vietnam) zogen wenig später temporär oder dauerhaft nach oder verschärften die Einfuhrbestimmungen drastisch (Malaysia). Unter anderem auch, weil ihre Häfen unter dem neuen Plastikmüll (teilweise gab es bis zu 70fache Einfuhrerhöhungen) litten und man der Masse an Müll nicht Herr werden konnte und wollte.

(Eigentlich hat China nur die Quote für die Verunreinigung des Mülls von 1,5% auf 0,5% gesenkt. Das hat aber schon gereicht – denn dieser Wert ist so gut wie nicht einzuhalten.)

System change, not climate change

 Europa ist der zweitgrößte Plastikproduzent der Welt nach China. (Plastikatlas, S. 28)

Dass wir als Verbrauchende schauen, so viel Plastik wie möglich zu vermeiden und so nachhaltig wie möglich zu konsumieren (und das bedeutet auch, Produkte möglichst lange im Lebenszyklus zu halten), ist eine Sache.

Eine völlig andere aber ist die politische und wirtschaftliche Dimension. 

Beide müssen unbedingt in einem Atemzug genannt beziehungsweise als schon fast ein Aspekt verstanden werden – denn sie hängen eng zusammen:

  • Die Industrie plant, die Kunststoffproduktion im kommenden Jahrzehnt um 40% zu steigern. (Ja, richtig gelesen.)
  • Politische Entscheidungen kommen unter anderem auch deshalb so langsam in Gang, weil Lobbyist*innen aus der Industrie nicht selten in den entscheidenden Ausschüssen sitzen bzw. Politiker*innen lukrative Nebentätigkeiten in der Industrie besitzen.
  • Lobbyist*innen stellen in der Regel ein Vielfaches mehr an Personal als NGOs und haben erheblich mehr finanzielle Mittel zur Verfügung, um ihre Interessen durchzusetzen.
  • So werden Regelungen ausgearbeitet, die nett klingen – aber meistens nur freiwillige Verpflichtungen sind (die dann nicht eingehalten werden). Die Ansätze, die verbindlich sind, wirken meist in einem begrenzten Rahmen und nicht auf internationaler Ebene.
  • Die meisten Abkommen legen ihren Schwerpunkt ohnehin auf das Recycling – und beschäftigen sich überhaupt nicht mit der Frage, wie generell weniger Müll an den Quellen produziert werden kann.

Einige wenige Unternehmen haben es so geschafft, den Fokus innerhalb der Plastikdebatte auf die (Wieder-)Verwertung des Endproduktes zu legen und ganz nebenbei den Konsumierenden die Verantwortung für den entstehenden Müll in die Schuhe zu schieben.

Der Grund ist simpel: Es geht um Geld.

Wenn die Unternehmen ihre Plastikproduktion zurückfahren müssten, würde das über kurz oder lang Einbußen bei den Einnahmen bedeuten. Und falls das nicht der Fall wäre, dann wären zumindest geringere Wachstumsraten sicher. Aussichten, die die wenigsten CEOs dieser Welt begeistern.

Also müssen (Einweg-)Plastikprodukte weiterhin als unverzichtbarer Bestanteil des menschlichen Alltags dargestellt und verkauft werden.

Sie verfolgen oft eine Doppelstrategie aus Lobby­ing und breit angelegter Werbung mit der eindeutigen Bot­schaft: Das Müllproblem lässt sich durch Recycling in den Griff bekommen.” (Plastikatlas, S.30.)

Bis 2030 sollen weitere 80 Millionen Euro in den Ausbau der Kunststoffproduktion fließen.

Sind die Produkte in der Welt, sind die Konzerne nach wie vor von der Rückführung befreit und können sich auf die Weiterproduktion neuer Güter konzentrieren. Dabei liegt genau hier doch das Problem.

Ein paar gute Aussichten + was zu tun ist

Neben den ganzen schlechten Nachrichten, die wie eine Armee an Damoklesschwertern über uns zu schweben scheinen, vermeldet der Plastikatlas insbesondere einen positiven Aspekt:

In den Köpfen der Menschen findet ein Umdenken statt – es bewegt sich etwas, und zwar von unten. 

Zahlreiche Initiativen, ehrenamtliche Organisationen, Demonstrationen, nachhaltige Läden mit unverpacktem Sortiment und eine wachsende Anzahl an #lesswaste- und #zerowaste -Posts in sozialen Netzwerken zeigt, dass den Menschen die Problematik nicht nur bewusst, sondern extrem wichtig geworden ist und schafft außerdem neue ästhetische Normen.

Man organisiert sich in Bewegungen, gibt (altes) Wissen weiter und versucht, den Wandel bottom-up noch rechtzeitig zu schaffen. Eine davon ist beispielsweise Break Free from Plastic (seit 2016), eine internationale Awareness-Bewegung zum Thema.

Die Zusammenschlüsse zeigen: Das Problem mit dem Plastik ist ein systemisches*, das an der Wurzel bekämpft werden muss – und nicht mit besserem Abfallmanagement.

*Genauso wie die Probleme Klimawandel, Feminismus und Gender, Kleidungindustrie, Ungerechtigkeiten gegenüber dem globalen Süden – alles hängt eng miteinander zusammen und lässt sich auf den Nenner “spätkapitalistisches System” bringen. 

So wird – langsam, aber sicher – auch der Druck auf die Politik größer.

Die reagiert: Erste Verbote und Gebühren werden erlassen, einzelne Einwegplastikartikel durch nachhaltigere Alternativen ersetzt.

Und auch, wenn das alles viel schneller gehen könnte und es nicht den Fakt aufwiegt, dass die Plastikindustrie in den nächsten Jahrzehnten noch mehr Plastik produzieren möchte: Noch nie war das Thema derart in der gesellschaftlichen und politischen Agenda vertreten, noch nie waren so viele Menschen so sensibilisiert für das Plastikproblem.

Und das darf Hoffnung machen.

Man muss nur begin­nen, in Frage zu stellen, was scheinbar schon immer so war. (Plastikatlas, S.47.)

Noch einmal der Hinweis: Hier gibt es den Plastikatlas in voller Länge zum kostenlosen Download.

Bilder: Unsplash / vor allem: Sylvie Tittel und Plastikatlas

JENNI MARR

Wanderin im Geiste, mit der Nase im nächsten Buch, nie so ganz zuhause und doch immer da.

KOMMENTARE

Danke für diesen ausführlichen Artikel, da ist einiges an wichtigem Wissen dabei, dass unbedingt geteilt gehört. Merci dafür!

Liebe Stefanie,
ich danke dir sehr für diese lieben Worte und freue mich, dass der Artikel dir weiterhelfen konnte!

Liebe Grüße an dich!
Jenni