Seit September 2019 verhüte ich nun mit dem Daysy Zykluscomputer und fühle mich nun endlich in der Lage, eine umfassende Review dazu zu verfassen. Ich habe mir damit bewusst sehr viel Zeit gelassen, weil ich mich genauer einlesen, das Gerät genauer kennenlernen und nicht zuletzt sehr sicher sein wollte, dass es auch wirklich hält, was es verspricht, ich also nicht schwanger werde. Letzteres ist nicht passiert und im Allgemeinen bin ich auf persönlicher Ebene auch sehr zufrieden mit der Daysy, weshalb ich sie euch nun etwas genauer vorstellen möchte. 

Anmerkung: Ich habe die Daysy als PR-Sample zum Testen erhalten, mein Bericht erfolgt allerdings kosten- und bedingungslos. Ich bin keine Expertin auf diesem Gebiet und teile mit euch meine persönlichen Erfahrungen und das, was ich durch eine intensive, nach bestem Wissen und Gewissen durchgeführte Recherche herausgefunden habe. 

Was ihr in diesem Bericht nicht lesen werdet: 

  • eine ausführliche Diskussion darüber, warum fast immer Menschen mit Uterus für Verhütung zuständig sind und eine lange Litanei, wie scheiße das eigentlich ist. (Es ist scheiße, aber darüber können wir woanders noch einmal ausführlicher sprechen, es würde hier schlicht den Rahmen sprengen.) 
  • eine Lobpreisung der Daysy (oder anderer Zykluscomputer) als einzig richtige Methode der Verhütung und die Verteufelung jeder hormonellen Methode. Verhütung ist so individuell wie es jeder Mensch mit Uterus ist und ich bin nicht in der Position, die Entscheidung anderer diesbezüglich zu bewerten. Ich schildere hier nur meine persönliche Geschichte. Und bitte auch darum, dass meine Entscheidung respektiert wird. 

Ein paar Hintergrundinformationen 

Meine Verhütungsgeschichte ist schnell erzählt: Mit 16 Jahren ab zur Frauenärztin und die erste Untersuchung überhaupt über sich ergehen lassen, damit ich am Ende zwischen Tür und Angel ein Pillen-Rezept in die Hand gedrückt bekomme – denn nur deswegen bin ich überhaupt hier. Ich habe Aussicht auf einen Freund, der ein bisschen länger als eine Nacht bei mir bleiben wird – und weil alle Welt die Pille nimmt, ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, mich einzureihen. Als ich das Rezept über den Apotheken-Tresen schiebe, fühle ich mich sehr erwachsen und zuckele kurz darauf mit einer unschuldig aussehenden rosaroten Packung mit Herzchen drauf nach Hause. 

Die nächsten Jahre (ich weiß nicht genau, wie viele) nehme ich jeden Tag pflichtbewusst die Pille, weil mensch das halt so macht. (Ehrlich gesagt, vergesse ich sie auch oft und dann ist das Herzrasen groß.) Irgendwann komme ich auf die Idee, mir den Beipackzettel durchzulesen. Uff. Ich verdränge, was ich gelesen habe und denke: Ja, so ist das halt mit Medikamenten. Was kann mir schon passieren? Wird schon gutgehen. In den darauffolgenden Monaten tauchen immer mal wieder Schnipsel in meinem Wahrnehmungsumfeld auf, in denen die Pille kritisch beleuchtet und Nebenwirkungen thematisiert werden und so langsam beäuge ich das Teil in der Blisterverpackung misstrauischer. 

Ich weiß nicht mehr, was den Ausschlag dafür gab, dass ich die Pille schlussendlich absetzte – die verringerte Libido, der Umstand, dass ich gar nicht mehr genau wusste, wie mein Körper eigentlich ohne Hormone arbeitet, die Liste an möglicherweise irgendwann eintretenden Nebenwirkungen oder die permanente finanzielle Investition, die ich irgendwann leid war. Wahrscheinlich führte eine Kombination aus allem dazu, dass ich auf Kondome umstieg bzw. umsteigen ließ. 

Dazu muss ich anmerken, dass ich lange Zeit in einer monogamen Partnerschaft gelebt und mich mit der Alternative erstmal sicher gefühlt habe. Hätte ich viele wechselnde Sexualpartner*innen gehabt, hätte ich wahrscheinlich hormonelle Verhütung mit Kondomen kombiniert, um ganz sicher zu gehen.

Irgendwann bin ich dann auf NFP (Natürliche Familienplanung) gestoßen und habe mich ein bisschen eingelesen. Das Konzept fand und finde ich sehr spannend, aber für meinen Alltag nicht geeignet: Ich bin derzeit zu zerstreut, um die Temperatur und den Zervixschleim genau zu messen bzw. zu beobachten und spezielle Diagramme wirklich akkurat zu führen. Ich brauche was, bei dem ich nicht so viel nachdenken muss. Womit wir auch schon bei der ersten wichtigen Frage wären. 

Was ist der Unterschied zwischen Daysy und NFP?

Bei beiden Methoden wird findet morgens eine Messung der basalen Körpertemperatur statt. Bei NFP werden zusätzlich der Zervixschleim und der Muttermund beobachtet und protokolliert (symptothermale Methode). Der Zervixschleim kann bei der Daysy optional eingetragen werden, ist aber kein Muss. Der Zykluscomputer berechnet nach 3-4 Zyklen anhand täglicher Messungen am Morgen und der Eingabe von Menstruationsdaten die fruchtbaren und unfruchtbaren Tage. Wenn der Eisprung vorbei ist, steigt die Temperatur an und daraus berechnet der (nach eigenen Aussagen) Daysy-eigene Algorithmus dann die entsprechenden fruchtbaren bzw. unfruchtbaren Tage. Daysy ist also ein Temperaturcomputer.

Im Gegensatz zu einem normalen Thermometer speichert Daysy die Temperatur- und Menstruationsdaten und generiert daraus über die Zeit ein persönliches Zyklusprofil. Vor seinem Hintergrund finden dann die Berechnungen über Fruchtbarkeit und Unfruchtbarkeit statt.

Wie funktioniert Daysy?

Daysy misst jeden Tag die Basaltemperatur: Jeden Morgen drückt mensch direkt nach dem Aufwachen und vor dem Aufstehen kurz den großen runden Knopf (Aktivierungstaste) in der Mitte, dann piept es einmal und Daysy wird wie ein Thermometer unter die Zunge gepackt, bis das blau kreisende Licht aufhört und es das nächste Mal piept. Dann zeigt der Zykluscomputer per Ampelsystem die fruchtbaren oder unfruchtbaren Tage an. Die Messung ist jeweils 24 Stunden gültig, beginnen kann mensch direkt, nachdem hormonelle Präparate abgesetzt wurden. (Allerdings darf die erste Blutung danach nicht als Menstruation eingetragen werden.) 

  • grün: unfruchtbar 
  • gelb: Daysy lernt oder es gibt Zyklusschwankungen 
  • rot: (wahrscheinlich) fruchtbar

Konkret funktioniert die Berechnung so: 

“Wenn die Benutzerinnen den Fertilitäts-Tracker weiter verwenden, verwendet der Algorithmus statistische Methoden und den bisherigen Zyklusverlauf, um den Fruchtbarkeitsstatus einer Benutzerin nach der Menstruation, aber vor dem Eisprung besser zu bestimmen. Ein anhaltender Anstieg der gleitenden durchschnittlichen BBT [Basaltemperatur] von mindestens 0,2-0,3 °C für mindestens zwei bis drei Kalendertage nach dem erwarteten Zeitpunkt des Eisprungs ist notwendig, damit der Algorithmus eine Temperaturverschiebung feststellt. Der Algorithmus vergleicht dann das vorhergesagte Datum mit dem berechneten Ovulationsdatum am Ende des Zyklus, um das Modell entsprechend zu aktualisieren, wie in Abbildung 2 dargestellt.” (Quelle)

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(Quelle)

Der Eisprung ist der Dreh- und Angelpunkt der Aufzeichnung – denn die Phase davor (5 Tage vorher und am Tag des Eisprungs) ist für Daysy die fruchtbare Phase, in der Menschen mit Uterus schwanger werden können. 

Auch nach der Menstruation fragt das Gerät: Sie wird nach dem Messen per langem Drücken auf dieselbe große Taste (es gibt nur eine, um Daysy zu bedienen) eingetragen. Nach ein paar Zyklen weiß Daysy ungefähr, wann sie stattfinden wird und zeigt mit einer lilafarbenen Markierung eine erwartete Eintragung an. 

Die App DaysyDay steht optional zur Verfügung, um einen Überblick über die Messungen und den Zyklusverlauf zu erhalten. Per Bluetooth kann sie mit dem Gerät synchronisiert werden. Da hakt es bei mir diesbezüglich gerne mal (ich muss die Daysy wiederholt an- und ausschalten, bis irgendwann eine Verbindung zustande kommt), aber das ist ein kleineres Übel. Die App ist allerdings nicht notwendig für den Gebrauch der Daysy.

Wie lange dauert es, bis die Messungen zuverlässig sind?

Im ersten Monat waren quasi alle Messungen bei mir gelb oder rot, nur ein paar grün. Ich hatte auch Monate, in denen kein einziger grüner Tag dabei war – das ist nach Herstellerangaben normal: Daysy soll ungefähr 3-4 Zyklen brauchen, um zuverlässigere Ergebnisse zu liefern. Bei mir hat das Gerät ab dem 5. Zyklus mehr grüne und weniger gelbe und rote Tage angezeigt.

Jetzt kommt auch direkt das Wichtigste: Wenn mensch einen regelmäßigen Zyklus zwischen 19 und 40 Tagen hat. 

Ist das nicht der Fall, ist Daysy quasi unbrauchbar, denn es werden sicherheitshalber fast nur gelbe und rote Tage angezeigt. Das gilt sowohl für sehr junge Menschen mit Uterus als auch für solche, die kurz vor der Menopause stehen oder aus anderen Gründen einen sehr unregelmäßigen Zyklus haben und/oder hormonell verhüten. Der Algorithmus (der nicht öffentlich einsehbar ist) kann bei starken Schwankungen keine (halbwegs) zuverlässigen Prognosen berechnen. 

Für mich persönlich hätte das noch bis vor wenigen Jahren bedeutet, dass ich Daysy nicht hätte nutzen können. Mittlerweile ist mein Zyklus regelmäßig, sodass eine Nutzung möglich ist (wie sicher das trotz allem ist, beleuchte ich weiter unten). 

Daysy sollte auch nicht benutzt werden, wenn eine Schwangerschaft unter allen Umständen ausgeschlossen werden soll – sei das aus Gründen des Lebensstils oder der Gesundheit. Die Hersteller geben das selbst ausdrücklich in der Gebrauchsanweisung an.  

Ist Daysy sicher? 

Es gibt nichts zu beschönigen: Zykluscomputer wie Daysy sind nicht so sicher wie die Pille. Die Pille hat einen Pearl-Index von 0,1 bis 0,9. (Der Pearl-Index gibt an, wie viele von 100 Frauen innerhalb eines Jahres mit der Verhütungsmethode schwanger werden.) Der von Zykluscomputern ist noch nicht sicher erforscht – denn bisher gibt es wenige Studien und leider sind einige von ihnen auch direkt von den Herstellern der Computer in Auftrag gegeben worden und in ihrer Durchführung mangelhaft. So wird unter anderem auch diese 2018 vom Daysy-Hersteller veröffentlichte Studie kritisiert, die Daten schöngerechnet zu haben, damit am Ende ein Pearl-Index von 0,8 herauskomme. Die Studie wurde nach einer Peer-Review (widerwillig) zurückgezogen

Ganz frisch ist im Februar 2021 eine neue “Daysy-Studie” erscheinen, die das Unternehmen ebenfalls in Auftrag gegeben hat. Sie bescheinigt dem Zykluscomputer eine “Gesamtgenauigkeit von 99,4% bei der Berechnung der unfruchtbaren (grünen) Tage”. Dort, wo der Algorithmus danebenliege (in 0,6% der Fälle), handele es sich in 50% der Fälle um Tage weit genug vor dem Eisprung und somit einer “minimalen Chance auf eine Schwangerschaft in diesem Zeitraum”. 

Die neue Studie wurde, soweit ich das gesehen habe, noch nicht einem Peer-Review-Verfahren unterzogen. Update 1. März: Nach Herstellerangaben hat es ein Peer-Review-Verfahren gegeben. Im Gegensatz zur früheren Studie wurden die Daten nicht per Fragebogen, sondern aus dem firmeninternen Datensatz erhoben. Dieser ist deutlich umfassender (über 5000 Personen vs. knapp 800 Personen) und es scheint so, als wären diesmal nicht willkürlich Personengruppen wegen zu zu wenig Nutzung des Geräts aus den Berechnungen ausgeschlossen worden (einer der Methodikfehler, die in der ersten Studie scharf kritisiert worden waren). Da ich allerdings keine Expertin auf diesem Gebiet bin, kann ich zur Validität dieser Studie nichts Abschließendes sagen. Ich werde warten müssen, bis das Peer-Review-Verfahren durch ist. 

Die Autor*innen der Studie selbst bilanzieren: 

“Die Daten zeigen, dass die Frauen in der Lage sind, das Gerät korrekt zu verwenden und ihre Temperatur konsistenter über ihren gesamten Zyklus hinweg zu messen, wodurch die Selbstwirksamkeit des Fertility Trackers mit der Zeit zunimmt. Die konsistente BBT-Messung liefert mehr Daten für eine bessere Leistung des Geräts und weniger undefinierte (gelbe) Tage durch Fertility Tracker. Die Analyse der Daten hat gezeigt, dass der vom Fertility Tracker verwendete Temperaturverschiebungsalgorithmus in der Lage ist, das fruchtbare Fenster mit sehr hoher Genauigkeit auszuschließen und die verschiedenen Phasen des Menstruationszyklus zu erkennen. Weitere Forschung ist erforderlich, um die Wirksamkeit des Geräts in einer prospektiven Studie zu untersuchen.” (Quelle)

Generell werden Zykluscomputer in Temperatur- und Hormoncomputer unterteilt. Die Angaben zum Pearl-Index schwanken teils erheblich, je nachdem, wo mensch nachschaut. Hier ist beispielsweise eine Angabe, die einen groben Pearl-Index von durchschnittlich 5 für Zykluscomputer festhält.

Das ist ein (deutlicher) Unterschied zur Pille – jedoch muss mensch dabei auch sagen, dass selten zwischen Temperatur- und Hormoncomputer differenziert wird. Hormoncomputer messen die Konzentration bestimmter Hormone im Urin und bestimmen daraus die fruchtbaren bzw. unfruchtbaren Tage. Sie gelten im Vergleich mit den Temperaturcomputern als deutlich unsicherer, da sie den Eisprung erst erkennen, wenn er unmittelbar bevorsteht – Spermien aber mehrere Tage im Körper überleben können. Hormoncomputer eignen sich daher ausdrücklich nicht für Verhütungs-Zwecke.  

Was eine genaue Angabe scheinbar derzeit außerdem erschwert, ist der Umstand, dass in eine Sicherheit mit und ohne Anwendungsfehler unterschieden werden muss – was in der Realität oft nicht passiert und/oder durcheinander geworfen wird. Eine Methode ist nur sicher, wenn sie auch korrekt angewandt wird. 

Anzumerken ist daher der Vollständigkeit halber, dass die NFP-Methode ebenfalls sehr unsicher sein kann, wenn sie von Menschen durchgeführt wird, die sich nicht entsprechend eingelesen haben und/oder eher locker (=undiszipliniert) an die Sache herangehen. 

Generell ist sowohl die Aussage, mit NFP als auch mit Zykluscomputer zu verhüten, falsch – denn die beiden Methoden eigenen sich nur zur Beobachtung des Zyklus. Aus den Ergebnissen kann dann abgeleitet werden, ob verhütet werden muss oder nicht. Ich nutze dafür nach wie vor das Kondom (für gelbe und rote Tage). Der Hersteller von Daysy schreibt selbst in der Gebrauchsanleitung: “Daysy ist keine Verhütung. Unsachgemäße Handhabung des Geräts kann eine ungewollte Schwangerschaft nach sich ziehen.” 

Was passiert mit meinen Daten? 

Aber was passiert eigentlich mit den Daten, die ich bereitwillig jeden Morgen dem Algorithmus zur Verfügung stelle – und was macht die App gegebenenfalls mit zusätzlichen sensiblen Informationen, die ich eintrage (Zervixschleim, wann ich Sex hatte und so weiter)?

Festzuhalten ist: Die Datenübermittlung ist der Bequemlichkeitstod, den ich sterben muss – ohne funktioniert das Gerät nicht.

Genauer anschauen möchte ich mir das trotzdem – nicht zuletzt, weil kürzlich bekannt wurde, dass zahlreiche Zyklus-Apps unter anderem sensible Daten an Facebook weiterleiten. Das Ziel: herausfinden, ob jemensch versucht, schwanger zu werden. Menschen, die wahrscheinlich bald ein Kind auf die Welt bringen, sind eine hochattraktive Kund*innenschaft, die mit geschickt platzierter Werbeeinblendung zum Kaufen verleitet werden soll.

Ein Blick in die Datenschutzerklärung der (optionalen) DaysyDay-App zeigt, dass die Daten für die Synchronisation von der App auf das Daysy-Gerät heruntergeladen und bis zur nächsten Synchronisation pseudonymisiert auf einem Server zwischengespeichert werden. Bei der nächsten Synchronisation werden die Daten auf der App gelöscht und mit dem neuen Datensatz überschrieben. “Personenbezogene Daten der betroffenen Person werden zudem gelöscht oder gesperrt, sobald der Zweck der Speicherung entfällt.” 

Die App schließt außerdem die Weitergabe der Daten an Dritte kategorisch aus (was andere Zyklus-Apps nicht tun) und gibt an, für werbliche oder anderweitige Zwecke vorher die Einwilligung und nötigen Informationen (welche Daten erhoben und wie lange sie gespeichert werden) abzufragen. Das klingt soweit gut.  

Und was ist mit den Daten auf dem Gerät selbst? Das Unternehmen gibt an, dass die Daten lokal auf der Daysy gespeichert werden und für die Berechnung kein automatisierter Abgleich mit den Servern erforderlich sei. Bei meiner Recherche habe ich nicht herausfinden können, dass Daysy bezüglich seines Datenschutzes negativ aufgefallen ist – scheinbar wird das Versprechen, sensibel mit den Daten umzugehen, eingehalten.  

Daysy: Pro und Contra 

Daysy ist für mich persönlich eine unkomplizierte Methode, meinen Zyklus im Auge zu behalten und zu wissen, wann ungeschützter Sex mit meinem Partner möglich ist. Ich habe nach der angegebenen Testphase in Kombination mit alternativen Methoden bei fruchtbaren/unsicheren Tagen (Kondome) positive Erfahrungen sammeln können, das bedeutet: Ich bin nicht ungewollt schwanger geworden. 

Was ich im Vergleich zur Pille außerdem zurückbekommen habe, ist ein feineres Körpergefühl – ich durchlebe die verschiedenen Zyklusphasen ganz anders als vorher. Auch mit den negativen Seiten: Die Krämpfe während der Menstruation haben sich deutlich verschlimmert. 

Pro Daysy:

  • unkomplizierte, zeitsparende Anwendung 
  • einfaches Ampel-System
  • verzeiht auch geringfügig fehlende Messungen 
  • zeigt im Zweifel mehr fruchtbare als unfruchtbare Tage an 
  • rentiert sich finanziell langfristig
  • hormonfrei und ohne Eingriff in den Körper
  • Batterie hält lange (bisher musste ich nur 1 Mal aufladen)
  • explizite Partner-App und generelle Einbeziehung der Partner*innen: Verhütung ist nicht nur Sache der Person mit Uterus

Contra Daysy: 

  • teure Erstanschaffung
  • Pearl-Index ist nicht abschließend geklärt 
  • ungenaue Angaben in den eigenen Studien 
  • nicht geeignet, wenn die Pille gerade erst abgesetzt wurde 
  • nicht bei starken Zyklusschwankungen geeignet
  • Ungenauigkeiten nach Alkoholkonsum oder wenig Schlaf
  • intransparenter Algorithmus (“Blackbox”)
  • teilweise irreführendes Marketing

Generell können wir zusammenfassen, dass eine Daysy vor allem für Menschen, für die eine Schwangerschaft nicht direkt das Ende der Welt bedeuten würde, geeignet ist. Hätte ich ein anderes Beziehungsmodell, wäre Single oder würde mit maximalstmöglicher Sicherheit eine Schwangerschaft vermeiden wollen, würde ich wahrscheinlich zusätzlich fast immer auf Kondome setzen und/oder über andere Verhütungsmethoden nachdenken. 

Für mich persönlich funktioniert diese Methode in meinen aktuellen Lebensumständen besser als NFP, da ich mir letzteres derzeit nicht fehlerfrei zutraue. Wer NFP fehlerfrei anwenden kann oder lernen möchte (was ich für mich nicht ausschließe), ist allerdings in puncto Sicherheit besser damit beraten, denn die Studienlage zu NFP und seiner Wirksamkeit ist deutlich valider als bei den Zykluscomputern

Verhalten des Unternehmens

Was ich außerdem anmerken möchte, ist, dass mir das Marketing-Verhalten von Daysy (das dahinterstehende Unternehmen ist übrigens die Valley Electronics AG aus der Schweiz) bezogen auf die letzten Jahre nicht gefällt. Wenn ich früher von den geschönten Daten der ersten Studie gewusst hätte (ich bin erst im Zuge der Recherche für diesen Artikel drauf gestoßen): Ich weiß nicht, ob ich mir eine Daysy gekauft hätte (wenn ich keine zur Verfügung gestellt bekommen hätte).

Ich habe außerdem beobachtet, dass Daysy derzeit sehr stark in den Sozialen Medien beworben wird – häufig werden dabei die Informationen auf der Website ungeprüft oder sehr verkürzt übernommen und ohne Einordnung irreführende Begriffe wie “hormonfreie Verhütung” verwendet. Das finde ich, gelinde gesagt, fahrlässig (Daysy ist keine Verhütung) – aber da liegt die Verantwortlichkeit nicht allein bei dem Unternehmen selbst. 

Im US-amerikanischen Raum gibt es seit Jahren um die inkorrekte Marketing-Terminologie Streit. Die Wissenschafts-Community ist außer sich, dass Daysy USA noch 2018 suggerierte, der Zykluscomputer sei der digitale Ersatz zur Pille. Die Kommunikation, die ich sowohl auf der deutschen Website als auch auf den beiliegenden Gebrauchsanweisungen gelesen habe, scheint hingegen deutlich differenzierter und vorsichtiger zu formulieren – es wird immer wieder betont, dass Daysy explizit keine Verhütung sei und die Vorsichtsmaßnahmen sowie Faktoren, bei denen Daysy nicht verwendet werden sollte, werden transparent und deutlich lesbar aufgelistet. Das erachte ich für sehr wichtig und ich persönlich habe mich vor dem Start mit Daysy durch das Durchlesen der beiliegenden Hefte gut informiert gefühlt. 

Abschließendes Fazit: 

Gerade erfüllt Daysy meine Bedürfnisse und sie funktioniert für mich so, wie sie soll. Ich bin mit dem Gerät an sich sehr zufrieden und bin der Ansicht, dass sie sich auch preislich mit der Zeit rentiert haben wird. Die wissenschaftlichen Hintergründe der Messmethode sind jedoch nicht klar, weshalb meine Erfahrung als persönliche Einzelerfahrung zu werten ist. Im Internet finden sich zwar sehr viele weitere positive Erfahrungsberichte (sowohl von Personen, die schwanger werden als auch von solchen, die das nicht werden möchten), dennoch steht eine unabhängige Untersuchung zur Sicherheit von Daysy noch aus. 

Vor allem das vergangene Marketingverhalten des dahinterstehenden Unternehmens ist als fragwürdig einzustufen, jedoch habe ich das vorsichtige Gefühl, dass zumindest im deutschsprachigen Raum aus diesen Fehlern gelernt wurde. Es bleibt ein differenziertes Fazit und keine unbedingte Empfehlung – denn das ist immer noch so individuell, dass ich sie (vor allem vor dem Forschungshintergrund und meiner fehlenden Expertise) nicht aussprechen kann und werde.

Habt ihr Erfahrungen mit Daysy gemacht oder plant ihr, euch eine anzuschaffen? Seid ihr vielleicht superglücklich mit NFP oder anderen (auch hormonellen) Methoden zur Zyklusüberwachung und/oder Verhütung? Schreibt mir gerne in die Kommentare – dabei bitte respektvoll bleiben, auch (oder gerade weil) wenn es sich um ein emotionales Thema handelt. 

JENNI MARR

Wanderin im Geiste, mit der Nase im nächsten Buch, nie so ganz zuhause und doch immer da.

KOMMENTARE

Hallo Jenni,

Also die NFP-Methode ist gar nicht aufwendiger. Ich mache es seit 13 Jahren und es gibt seit ein paar Jahren eine App. Interessant finde ich, dass nur 5 Tage vor dem Eisprung als Sicherheit genommen wird 🙂 bei NFP sind es 7.

Mal ‘ne Frage, warum schreibst Du Mensch mit Uterus?

Lieben Gruß
Birte

Hey Birte,

ich möchte auch gar nicht sagen, dass die Methode aufwändiger ist. 🙂
Nur für Menschen, die sich bisher damit nicht beschäftigt haben, kann die Hürde natürlich größer sein als sich mit der Daysy zu befassen. (Bei mir jedenfalls ist das so.) Wenn sie gut erlernt ist, ist sie sicherlich genauso normal in den Tagesablauf integriert wie das Zähneputzen, das möchte ich gar nicht bezweifeln.

Ich schreibe “Menschen mit Uterus”, weil nicht nur cis-Frauen (also Menschen, die bei der Geburt das biologische Geschlecht “weiblich” zugewiesen bekommen haben und sich auch so identifizieren) schwanger werden können, sondern alle Menschen, die einen Uterus haben – sich aber vielleicht gar nicht als Frau identifizieren.

Liebe Grüße an dich!
Jenni

Ein sehr interessanter und vor allem informativer Bericht! Eine Info wäre noch gut gewesen für ein abschließendes Bild. Was bedeutet teuer, was kostet das Gerät.
Danke dir

Hey Sabrina,

stimmt, das habe ich gar nicht erwähnt: Die Daysy kostet 300€ (299€, um genau zu sein) und daher will eine Anschaffung natürlich gut durchdacht sein.

Liebe Grüße!
Jenni

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