Black Friday – ein schwarzer Tag für Mensch und Umwelt + diese Labels machen es besser

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25. November 2019

Der Black Friday naht mit großen Schritten und in einigen Stores der digitalen wie analogen Welt haben die Rabatt-Schlachten bereits begonnen.

Und eigentlich habe ich – ehrlicherweise – gar keinen Raum, dazu jetzt noch einen umfassenden Artikel zu schreiben, denn die Zeit zum Jahresende hin und vor allem vor Weihnachten ist eine, in der besonders viele Aufgaben auf Erledigung warten – insbesondere, wenn man IrgendwasmitMedien macht.

Aber ich kann diesen Tag einfach nicht unkommentiert lassen. Jahr für Jahr regt er mich mehr auf und Jahr für Jahr erscheint er mir noch sinnloser als vorher und ich begreife nicht, wie sich so ein Auswuchs eines rundherum falschen Systems eigentlich halten kann (obwohl ich es rational betrachtet, natürlich weiß – aber das sind zwei verschiedene Paar Schuhe).

Aber von vorne.


Was ist der Black Friday?

Der Freitag nach Thanksgiving ist in den USA der Freitag nach Thanksgiving und seit den 60ern der traditionell-familiäre Start in die Weihnachtszeit. Das meint vor allem: in die Weihnachtseinkaufsaison.

Der Name kann daher rühren, dass die Menschenmassen auf den Straßen und in den Einkaufszentren aus der Entfernung wie eine einzige schwarze Masse erscheinen. Dies könnte auch eine Anspielung auf das Chaos nach dem Börsencrash von 1929 sein, als viele Menschen noch ihre Ersparnisse in letzter Minute von den Banken zu retten versuchten und daher ebenso chaotisch und massenweise umherliefen. (Wikipedia)

Der Black Friday gilt als der umsatzstärkste Tag im Jahr und als Indikator für den anschließenden Umsatz im Weihnachtsgeschäft. Seit Online-Shopping immer beliebter geworden ist, bieten viele Läden ihre Rabatte vor allem online an – und haben mit dem Cyber Monday, der auf das Black-Friday-Wochenende folgt, noch einen Tag mit Extra-Rabatt-Schlachten drangehangen.

In den USA wurden am Black Friday 2018 nur im Online-Handel rund 4,8 Milliarden US-Dollar ausgegeben – am Cyber Monday waren es nochmal rund 6 Milliarden Dollar. (Quelle)

Mittlerweile hat sich das lange Wochenende noch einmal nach vorne verschoben und einzelne Händler starten mit Black Weeks oder Cyber Weeks bereits am 25.11. oder noch früher.



Seit 2013 gibt es den Black Friday auch in Deutschland (begonnen hat übrigens Apple damit) und mittlerweile ist der Begriff auch hierzulande so ziemlich allen Menschen bekannt.

Hier rechnet man für dieses Jahr mit einem Umsatz von rund 3,1 Milliarden Euro für das Black-Friday-Wochenende.

Einer Umfrage von Statista vom September 2019 unter 1000 in Deutschland lebenden Menschen zeigt: knapp 44% der Befragten möchten am Black Friday einkaufen.

Jede Person erwirbt im Schnitt rund 4 Produkte und gibt 211€ aus am Black Friday. Insgesamt stieg in Deutschland der Konsum am Schwarzen Freitag um rund 2418% im Vergleich zu einem regulären Handelstag an. 


Modekonsum am Black Friday

Dass sich das Konsumrad generell immer schneller dreht, ist kein Geheimnis – dass das auch für den Fashion-Bereich gilt, erst recht nicht: Spätestens seit der vielbeachteten Detox-Kampagne von Greenpeace wissen die meisten, dass wir viel zu viel Kleidung kaufen, besitzen und am Ende doch nicht tragen.

Ein bisschen konkreter:

  • Seit der Jahrtausendwende kaufen die Menschen mehr als doppelt so viele Kleidungsstücke und tragen sie nur die Hälfte der Zeit.
  • In Deutschland sind rund 5,2 Milliarden Stücke in den Kleiderschränken – und 40% davon werden selten oder gar nicht genutzt.
  • Polyester ist überall: Mehr als 60% der heute produzierten Kleidung enthält Plastik aus Rohöl, das nicht abbaubar ist. Meistens kommt es in Verbindung mit anderen Stoffen vor, sodass sich die Kleidung schwer oder gar nicht recyceln lässt und nur noch als Putzlappen oder Dämm-Material taugt. (Quelle)
  • Waschmaschinen spülen in Europa täglich 30.000 Tonnen Kunststoff-Fasern (Mikroplastik) in die Seen und Flüsse, die dann am Ende im Meer landen. (Aktuell wird an einer Erfindung von Mikroplastik-Sieben für Waschmaschinen geforscht.)

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Und gerade Kleidung wird am Black Friday am häufigsten gekauft. Zwar gefolgt von Elektronik – aber dahinter kommen wieder Schuhe, Schmuck und Kosmetik.

Fast Fashion, bei der ohnehin eine Ausverkauf-Saison die nächste jagt (die immer kreativere Namen bekommen), schlägt am Black Friday noch einmal vollends mit Rabatten, Sales und Geschenk-Aktionen alles, was man aus dem Weihnachtsgeschäft so rausschlagen kann, raus. Und konditioniert ganz nebenbei und in voller Offensichtlichkeit die Kund*innen auf unverschämt und bei genauerer Betrachtung: nicht mögliche Tiefpreise.

(Wie die Preise im Laufe der letzten Jahrzehnte immer weiter gesunken sind und wir uns an Schnäppchen nach Schnäppchen gewöhnt haben, zeigt dieser Artikel der ZEIT sehr schön.) 

Da wird dann häufig mit dem Vertrauen und der Loyalität, die die Händler*innen den Kund*innen entgegenbringen würden, argumentiert. Man wolle sich bedanken für Treue. Aha.

Ich frage mich, was für eine merkwürdige Form des Dankes das ist: ein System, das sowieso schon auf allen Löchern pfeift, auf Übererhitzung zu kurbeln, auf Teufel komm’ raus noch einmal alles zu aktivieren – bevor das Bilanzjahr zu Ende geht und dann doch wieder nur die Summe zählt, die unterm schwarzen Strich der Bruttopreisgeldführung steht.

Ein vorgeschobener Dank, Zuckerlollis mit Giftschicht ummantelt.

Was Fast Fashion für die Menschen und die Umwelt bedeutet, habe ich hier schon einmal ausführlicher beleuchtet. 



Black Friday – ja oder nein?

Wenn man das alles weiß, liegt die Alternative nahe: nichts kaufen. Generell weniger konsumieren, am Black Friday aus Prinzip aber sowieso drauf verzichten.

Als Gegenbewegung hat sich daher der Kauf-nix-Tag seit 1992…naja, etabliert wäre ein bisschen zu viel gesagt, denn dass es diesen Tag überhaupt gibt, weiß so gut wie niemand. Der Name ist jedenfalls Programm und für alle, die nicht gerade einen neuen Kühlschrank oder eine Waschmaschine oder gefütterte Winterstiefel für die wirklich, wirklich krass kalten Tage in diesem Jahr (kommen die noch?) brauchen, eine gute Lösung, um dem vielleicht ausufernden Konsumwunsch im eigenen Hirn einen effektiven Riegel vorzuschieben.

Für alle, die allerdings wirklich ein Teil brauchen – und ich habe da vor allem Elektrogeräte im Sinn, die man sich idealerweise nicht jeden Monat neu kauft und die sehr viel Budget verschlingen können – kann der Black Friday eine gute Gelegenheit sein, eben den erwähnten Waschmaschinen-Kauf doch in die Tat umzusetzen.

Das ist auch eine sozioökonomische Frage: Verzichten können vor allem jene, die generell nicht so sehr aufs Geld schauen müssen. Angewiesen auf Sale-Aktionen sind allerdings immer mehr Menschen (Schere zwischen Arm und Reich, Wegfall der Mittelschicht). Deswegen finde ich es persönlich zu kurz gedacht, Konsum am Black Friday per se zu verteufeln. Verzicht muss man sich unter gewissen Umständen auch leisten können – wir sprachen darüber.

Es ist wie fast immer: in Maßen kann Kaufen am Black Friday sinnvoll sein. Wenn das investierte Geld (immerhin, wie wir gesehen haben, durchschnittlich über 200€) dann auch noch den Firmen zugute kommt, die eben nicht Fast-Fashion-mäßig Mensch und Planeten zugrunde richten, wäre das der maximal beste Outcome von einem Tag, über den ansonsten eher nicht so viel Positives zu berichten ist.



(Dabei immer beachten: Man spart bei konventionellen Händler*innen natürlich in der Regel bei weitem nicht so viel ein, wie sie uns Glauben machen möchten.)

Labels und Organisationen, die es besser machen

hej hej mats: White Monday

Abgesehen vom Kauf-nix-Tag hat in den letzten Jahren auch der White Monday (er ist heute) als Gegenbewegung zum Black Friday nach Deutschland gefunden. Ursprünglich kommt er aus Schweden – das Label hejhej mats, das nachhaltige Yogamatten und Yoga Wear vertreibt, verhilft dem White Monday in Deutschland zu steigender Popularität.

Wir wollen, dass du dir die Zeit und das Bewusstsein nimmst ausgewogene Konsumentscheidungen zu treffen. Das heißt, dass du mit Herz und Verstand die Dinge auswählst, die du in deinem Leben nutzt. Nimm dir Zeit darüber nachzudenken, was für dich richtig und wichtig bei einem Produkt ist. Wie nutzt du dieses Produkt und wer außer dir selbst wird durch die Nutzung noch beeinflusst?

Wir wollen dir die Strategien der Kreislaufwirtschaft an die Hand geben, um ganzheitliche  Entscheidungen zu den materiellen Dingen in deinem Leben zu ermöglichen. Deswegen ist der White Monday der Montag vor dem Black Friday. Wir möchten schon vor dem Tag des Massenkonsums präsent sein, um dich an alternative Möglichkeiten zu erinnern und die Message Reuse, Repair und Rent zu verbreiten. Lass dich inspirieren und entdecke ganzheitliche und spannende neue Konzepte, um Konsumgüter zu fertigen, zur Verfügung zu stellen und ihre Lebensdauer zu erhalten. (hej hej mats)



recolution: Spenden an Fridays for Future und Hanseatic Help

Das Hamburger Fair Fashion Label recolution möchte in der Woche rund um den Black Friday ebenfalls auf bewussteren Konsum aufmerksam machen – und hat dafür sogar ein eigenes Shirt aus Lagerbeständen designed, das sich kritisch mit dem angekurbelten Massenkonsum auseinandersetzt. No more bad buys ist der Claim – keine Käufe mehr, die sinnlos auf Kosten von Mensch und Umwelt gehen. Der Preis ist einfach zu hoch.

Wir sind nicht bereit, ihn zu zahlen. Wir feiern keine schwarzen Freitage, die unsere Ressourcen rauben. Wir sind in der Verantwortung. Unsere Kaufentscheidung hat Gewicht. Jede einzelne. Nicht zu konsumieren oder besser zu konsumieren. Fair Fashion, Upcycling, Urban Gardening, Green Mobility, Eco Travel, Support Your Locals – es gibt sinnvolle Alternativen. Nutze sie. Und gib mit jedem Kauf deine Stimme ab: für Denken in Kreisläufen, Nachhaltigkeit und kommende Generationen. #NoMoreBadBuys (recolution)

Pro verkauftem Shirt oder Hoodie gehen 10€ an Fridays For Future – und das Design ist auch über diese Woche, in der der Konsum mehr als sonst im Fokus steht, hinaus tragbar und wichtig.

Trotzdem macht recolution einen Sale (Green Friday Sale) und begründet: Wir brauchen Platz im Lager – weil nur zwei Kollektionen pro Jahr und die mit einer Vorlaufzeit von jeweils 18 Monaten produziert werden. Sodass man nicht immer gut planen kann – wird es einen regnerischen Sommer geben oder einen warmen Winter? Wie verkaufen sich Randgrößen dieses Mal?

Der Unterschied zum konventionellen Sale am Black Friday: Die Produkte werden nicht extra produziert, um dann zu Schleuderpreisen verkauft werden zu können (im Fast-Fashion-Bereich wird teilweise nur für Sales produziert – die Stücke sollen gar nicht zu einem wie auch immer definierten Ladenpreis verkauft werden).

Pro zwei verkauften Stücken aus dem Green Friday Sale wird ein Kleidungsstück an den Hamburger Verein Hanseatic Help gespendet.


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LOVECO: Spenden an Jyoti Fair Works

Der Berliner Fair Fashion Store LOVECO spendet 100% der generierten Umsätze vom Black Friday bis einschließlich Cyber Monday (also vom 29.11. bis zum 2.12.) an das Fair Fashion Label Jyoti Fair Works.

Dazu zählen alle Einnahmen online sowie aus den drei Offline-Stores. Die Spenden werden genutzt, um in den indischen Nähwerkstätten Gesundheitschecks und Weiterbildungen für die Beschäftigten anzubieten und Reparaturen an den Gebäuden vorzunehmen.


Organic Basics: Wildblumen pflanzen

Für jede getätigte Bestellung am Black Friday möchte das Unterwäsche-Label Organic Basics 50 Quadratmeter Wildblumenwiese für die Bienen pflanzen.


Christliche Initiative Romero (CIR): #poppenstattshoppen

Okay, der Kampagnen-Hashtag ist gewöhnungsbedürftig. Aber die Sache, wie eigentlich immer bei der Christlichen Initiative Romero (CIR), eine gute: Um dem Konsumrausch des Black Friday einzudämmen, möchte die CIR dem ständigen Immer-Neu das bewährte Hab-ich-schon entgegensetzen. Jede*r kann auf Social Media mitmachen.

Lieblingsteile, die man schon im Schrank hat, immer wieder neu kombinieren und dabei zeigen, wie viel Spaß es machen kann, sich Teile bewusst auszusuchen, die dann im Laufe der Zeit zu absoluten Lieblingen werden. Und naja…man kann seine Zeit auch sinnvoller verbringen, als stundenlang in Online Shops herumzuhängen. #poppenstattshoppen eben.



Das kannst du außerdem tun: auf die Straße gehen

Viele Labels finden an dieser Stelle keine gesonderte Erwähnung, weil sie nämlich entweder keinen Sale machen, aus Prinzip. Oder auf die Straße gehen. Oder beides.

Dass der Black Friday in diesem Jahr auf einen weiteren großen internationalen Klimastreik fällt, könnte kaum ironischer sein und die Spannungen, denen die Gesellschaft und mit ihr wir alle bei der Konsum-Frage ausgesetzt sind, nicht deutlicher zutage treten.

Man hat den deutlichen Eindruck: Da prallen an einem Tag zwei gegensätzliche Systemvorstellungen aufeinander.

Ein altes, offensichtlich überholtes System, das in den letzten Zügen liegt und einen dramatischen Höhepunkt nach dem anderen feiern will, solange das noch geht. Und ein neues, zukunftsgerichtetes, das alles ändern möchte, weil die Alternative keine lebenswerte für alle Menschen auf diesem Planeten ist. Und die “Zu-welcher-Seite-gehörst-du”-Frage steht wie der rosa Elefant im Raum.

#klimastreik #neustartklima 

Ich werde mich diesen Black Friday für den Klimastreik entscheiden. Wobei das eine das andere wie im Fall der Waschmaschine ja nicht ausschließen muss. Ich brauche nur gerade keine Elektronik und sehe meinen Platz am 29. November auf der Straße. Und du? 

Für alle, die noch nicht wissen, wie sie ihre Arbeitskolleg*innen oder Freund*innen motivieren sollen, auf die Straße zu gehen, hat Soulbottles ein ziemlich cooles Klimastreik Kit entwickelt – inklusive Slogans für jene, die nicht mehr wissen, was sie eigentlich noch alles auf ihre Plakate schreiben sollen. 


Outfit Details: 

T-Shirt: recolution (PR-Sample)

Shirt: Armedangels

Culotte: Armedangels 

Schuhe: Veja

Kette: Sister the Brand

Ohrringe: Unknown, via Mit Ecken und Kanten 

JENNI MARR

Wanderin im Geiste, mit der Nase im nächsten Buch, nie so ganz zuhause und doch immer da.

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