Nein, Minimalismus wird nicht alle deine Probleme lösen (er ist trotzdem eine gute Idee)

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16. Januar 2019

Das Jahr hat gerade erst begonnen und unsere Vorsätze (falls wir überhaupt welche gefasst haben) sind noch taufrisch. Wir möchten uns verändern, jemand Neues werden – und wenn das nicht, dann zumindest unser altes Ich ein bisschen aufpolieren. Eine Möglichkeit, die derzeit schwer en vouge ist: Ausmisten, Minimalisieren, wegmitdemganzenzeug. Ob das  wirklich so gut ist, kommt auf die Motivation dahinter an.

Minimalist*in ist nicht gleich Minimalist*in

Der Steve-Jobs-Verschnitt: Digital Normad, hochflexibel

Ich schaue diese Dokumentation auf 3sat, unter anderem über einen Menschen (Cédric Waldburger), der nur noch bewundernswerte 64 Gegenstände besitzt, sein Leben im Drei-Monats-Takt akribisch durchplant, selbstverständlich Fitness-Apps nutzt und gekleidet ist wie Steve Jobs.

Waldburger hat (freiwillig) keine Wohnung mehr, sein Leben trägt er ständig mit sich im Handgepäck herum. Fast alles, was er besitzt, ist schwarz, seine Klimabilanz zählt sicherlich dazu: Der, der alles trackt, weiß natürlich, dass der Flughafen Zürich ihn jetzt schon zum 255. Mal empfängt – und dass anderthalbmal um die Erde innerhalb von vier Wochen, der 100. Flug pro Jahr, eigentlich ein bisschen viel ist.

Der Lebensstil des ortsunabhängigen Arbeitens erfordere aber das permanente Jetten um die Welt, erklären uns sowohl Waldburger als auch die Stimme aus dem Off. Es klingt ein bisschen wie: Naja, auf der einen Seite ist man ja schon ziemlich nachhaltig unterwegs, weil man besitzt ja wenig. Da gleichen die paar Flüge mehr das Karma-Konto höchstens aus.

Spätestens hier wird deutlich: Minimalismus, das ist kein Lebensstil, der automatisch nachhaltig ist. Und auch keiner, der mit dieser Motivation angefangen und durchgehalten wird.

Minimalismus geht auch nicht zwingend mit solchen flauschigen Begriffen wie Slow Living, Achtsamkeit und Wellness einher. Manchmal ist sogar das genaue Gegenteil der Fall.

Dann geht es nicht um größere Dinge wie Emissionen, Konsum oder Produktionsbedingungen in Drittländern. Oder um Entschleunigung und darum, einen Schritt zurückzutreten und einen Blick auf das große Ganze zu wagen.

Sondern einfach um das vielleicht ein kleines bisschen egozentrischere Ausleben des eigenen persönlichen Traumes. Nur dass die eigene Wunschvorstellung dann eben zufällig in zwei Rucksäcke passt und auf den ersten Blick nachhaltig ausschaut.

Quo vadis, homine?

Im Verlauf des Films rieselt es mir immer wieder den Rücken hinunter und bevor ich eine Idee davon habe, was genau mich an diesem Menschen so stört, dessen Ansichten ich eigentlich so gut nachvollziehen kann (schwimme ich doch immerhin selbst in der Minimalismus-Blase), wird in unregelmäßigen Abständen ein Dozent für Kulturvermittlung (Paolo Bianchi) eingeblendet, der unter anderem sowas sagt wie:

Fraglich sind die Aspekte des Individualismus und Narzissmus: Gibt es da ein Einsamkeits-Moment, das beflügelt? Ist das überhaupt sozialverträglich? Kann ich dann von meinem Ort aus noch kommunizieren – oder bin ich nur eine autonome Zelle, die nach Selbstverwirklichung sucht?

Dazu passt: Freundschaften werden danach geschlossen (und erhalten), wie viel man sich gegenseitig geben kann. Was kann ich von ihnen abgreifen, was bringen sie mir und was bringe ich ihnen? Als wären zwischenmenschliche Beziehungen auf die gegenseitige (womöglich am besten: messbare) Leistung von Entwicklungspotenzial herunterzubrechen.

Selbstverständlich wird der Körper täglich gestählt – er soll leistungsfähig, gesund und fit bleiben. An sich nichts Schlimmes, sogar etwas Erstebenswertes und Nachvollziehbares. Doch auch hier geht es vor allem um eine Sache: Kontrolle.

Minimalismus wird nicht alle deine Probleme lösen, Minimalismus Probleme, Probleme, Minimalismus Lifestyle, Minimalismus Probleme lösen, Minimalismus besserer Mensch, Minimalismus Optimierung, Minimalismus KontrolleDie schlimmste Angst ist für Waldburger konsequenterweise: eine Krankheit zu bekommen, die bedeuten würde, dass er sein Leben nicht mehr unter Kontrolle hätte.

Das Schlüsselwort für alle, die sich durchgeschüttelt sehen von einer Welt, die uns immer schwarzmalerischer und chaotischer präsentiert wird: Das Glück in der Kontrolle, der Kokon im Privaten, in dem alles nach unseren Regeln läuft, seien sie noch so extrem.

Die Welt ist komplex, unberechenbar, unüberschaubar. Ich brauche Sicherheit, Rituale, die mich abholen. Die Frage ist, ob das so etwas wie eine Ersatzhandlung ist, dass ich meine Pullover zur Würsten forme und einen Wurstsalat als Kleiderschrank habe. Da kann neben mir die Welt apokalyptisch untergehen – aber ich habe mein System, das mich beruhigt. (Paolo Bianchi)

Die Aufräum-Queen: Sauberes Zuhause, saubere Ehe, sauberes Familienleben

Die im neuen Jahr gestartete Netflix-Serie, in denen Kondo nicht nur die Häuser der ausgewählten Familien, sondern auch gleich deren Ehen und Eltern-Kind-Beziehungen rettet, wird derzeit heiß diskutiert. Zurecht.

Obwohl es bei Marie Kondo noch vergleichsweise “viele” Dinge in ihrem und dem Leben ihrer Klient*innen gibt, präsentiert sich Kontrolle auch hier als das oberste Ziel – zusammen mit ein paar antiquierten Geschlechtervorstellungen und dem Gedanken, dass Ordnung im physischen unmittelbar welche im psychischen Raum nach sich ziehen würde.

Leider ist das mehr als nur zu kurz gedacht – auch wenn ich selbst aus Erfahrung (fast) nur Positives davon berichten kann, den eigenen Besitzstand drastisch zu reduzieren. Das muss nicht immer so sein und ist längst nicht alles.

Insbesondere, Überraschung!, werden wir durch weniger Krempel nicht zu besseren Menschen. 

Diese Logik folgt nämlich auf dem Fuße der kapitalistischen Einstellung, nach der das Individuum sich vor allem erst einmal über den materiellen Besitz definiert. Nur eben jetzt über den, den es nicht (mehr) hat.

Es ist also nach der Ausmist-Aktion besser geworden, dieses Individuum.

Minimalismus wird nicht alle deine Probleme lösen, Minimalismus Probleme, Probleme, Minimalismus Lifestyle, Minimalismus Probleme lösen, Minimalismus besserer Mensch, Minimalismus Optimierung, Minimalismus KontrolleStrukturierter, effizienter, zeitsparender.

Vor allem die (Ehe-)Frau schafft nun ein noch größeres Pensum, zusätzlich zur Teilzeitstelle und Mutterarbeit ist nun auch noch das Haus spielend leicht immer in perfekter Ordnung – und der Lebenspartner höchst zufrieden mit seiner produktiven Gefährtin.

Schon klar, Reality-Shows brauchen auch ein gewisses Maß an Drama, aber muss es wirklich dieses innere Verzweifeln an sich selbst sein, dieses Hadern, einfach nicht genug Frau, nicht genug Mutter zu sein, statt dass es einfach mal knallt, weil die Frauen sagen: Verdammt nochmal, hilf endlich mit, ist doch auch dein Zuhause! (Edition F auf zett.de)

Noch nicht einmal durch die Hintertür, sondern right in your face wird da ein Frauenbild vermittelt, bei dem die 50er eifrig zum Hörer greifen und lautstark hineinbrüllen, dass sie es gerne zurückhätten.

Minimalismus im Dienst des Spätkapitalismus

Weniger besitzen, um mehr zu können – mehr zu arbeiten, eine bessere Ehefrau zu sein, mehr Familie, mehr Zeit erwirtschaften, um sie intelligent wieder auszugeben, mehr Investition in den perfekten Körper, der uns lange durchs Leben tragen wird.

Wenige sagen es explizit, aber: Minimalismus wird gerade zum Hype, weil er verspricht, für alle Lebenslagen die perfekte Lösung zu sein. Für alle Probleme gibt es dieselbe Antwort: Besitze weniger, damit du mehr sein kannst.

Was eigentlich?, möchte man fragen.

Und auch das wird nicht ausgesprochen, läuft derzeit aber leider viel zu oft im Subtext mit: ein besserer Mensch.

Im postkapitalistischen System ist der bessere Mensch immer noch der, der leistet, auf jeder Ebene.

Viel arbeiten, möglichst flexibel. Viel investieren in die Familie, leistungsfähigen Nachwuchs produzieren. Öl im Getriebe sein, kein Sand.

Nicht umsonst ist die Glücksforschung keine Angelegenheit von verträumten Philosoph*innen mehr, sondern eine wirtschaftspolitische, deren Erkenntnisse (vor allem soziale Beziehungen tragen zu unserem individuellen Glück bei) beispielsweise Konzerne wie die Deutsche Bahn, AOK oder DaimlerChrysler gerne dazu nutzen, um ihre Mitarbeiter*innen glücklicher zu machen. Denn glücklichere Menschen sind leistungsfähiger.

Denn Sand wären wir übrigens, wenn wir uns zusätzlich zu unserem materiellen Besitz in unseren eigenen vier Wänden mit größeren Fragen als “Macht mich das glücklich?” auseinandersetzen würden.

Minimalismus wird nicht alle deine Probleme lösen, Minimalismus Probleme, Probleme, Minimalismus Lifestyle, Minimalismus Probleme lösen, Minimalismus besserer Mensch, Minimalismus Optimierung, Minimalismus KontrolleZum Beispiel: Was kann ich tun, um die Erderwärmung zu stoppen? Wie kann ich mich engagieren, damit Frauen endlich gleichberechtigt sind? Und wie kann ich meine Energie dafür einsetzen, dass es Menschen und Tieren vor der Haustür und am anderen Ende der Welt besser geht als jetzt?

Doch Menschen wie Marie Kondo und Cédric Waldburger hören an dieser Stelle auf.

Und mit ihnen tausende (wenn nicht Millionen) Fans, die sich Idole wie sie zum Vorbild nehmen. Dabei wird es doch gerade jetzt richtig interessant.

Wir sind die erste Generation, die alles hatte, und wir haben gemerkt, das macht uns nicht glücklich. (Tanja Schindler, lebt in einem Tiny House auf 35 Quadratmetern)

Ja, verdammt, der ganze Krempel macht uns nicht glücklich.

Scheinversprechen und neu verkleidete Ammenmärchen aber auch nicht.

Glücklich werden wir, wenn wir etwas Sinnhaftes erschaffen. Etwas, von dem wir die diffuse Ahnung haben, dass es die Welt ein bisschen verändern kann. Und in der Regel geht das über die Frage, ob ich jetzt Wurstsalat im Kleiderschrank habe oder nicht, hinaus.

Der Wurstsalat kann ein Anfang sein. Aber es ist fatal, hier das Ende zu sehen.


*Most beautiful pictures by the one and only Sylvie, via Unsplash.

Weiterlesen: Bei A Hungry Mind gibt es einen guten Artikel zur Netflix-Serie von und mit Marie Kondo.

JENNI MARR
Wanderin im Geiste, mit der Nase im nächsten Buch, nie so ganz zuhause und doch immer da.
KOMMENTARE

Liebe Jenni,
bin erst seit ein paar Minuten auf deinem Blog hängengeblieben (obwohl ich eigentlich lernen müsste….) und bin sehr begeistert. Du stellst nicht einfach nur Trends dar oder machst sie mit, so wie es wohl schon etliche grüne/vegane Blogs vor dir getan haben. Du setzt dich wirklich kritisch und differenziert mit Themen auseinander und gibst Denkanstöße in die (meiner Ansicht nach) richtige Richtung. Es gelingt dir wirklich, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Danke dafür! (von jemandem, der sprachlich/philosophisch nicht ganz so begabt ist :D)

Liebe Grüße von deiner neuen Leserin,
Caro

Liebe Caro,
ich danke dir für die lieben Worte und freue mich riesig, dass du hier jetzt so gerne mitliest, dass du sogar das Lernen dabei vergisst! 😉
Es ist total schön, wenn man andere so sehr mit den eigenen Gedankengängen inspirieren kann und ich gebe mir Mühe, dass das auch zukünftig so differenziert und nachdenklich bleiben wird.

Liebe Grüße an dich und willkommen hier!
Jenni

Du fasst so toll in Worte, was mir in deutlich diffuserer Form auch immer mal wieder durch den Kopf geht… ich mag die Grundgedanken, die ich zumindest mit Minimalismus verbinde, sehr gerne: Ich möchte mich nicht durch meinen Besitz definieren (lassen). Wenn meine Umgebung (also vor allem die Wohnung, aber auch das Büro) strukturiert und klar ist, geht das bei mir auch oft mit einem klaren Kopf einher. Ich mag auch das Gefühl der Befreiung und der Kontrolle – meinen Kram zu ordnen, bedeutet in vielen Fällen für mich schon, Teile meines Lebens zu ordnen.
Aber: Wenn ich nur dann eine “richtige Minimalistin” bin, indem ich bestimmte Bedingungen erfülle (z.B. eine Maximalanzahl von Gegenständen, eine schwarz-weiße Capsule Wardrobe oder ein Tiny House bewohnen), dann definiere ich mich doch genauso über meine Gegenstände. Eben nur über die Abwesenheit oder die bestimmte Auswahl. Also das Gleiche in Grün.
Zudem habe ich grundsätzlich ein Problem mit vermeintlich einfachen Lösungen für alle (meistens eben gar nicht so einfachen) Fragen des Lebens. Ob es nun Religion, Yoga, Meditation, Minimalismus, oder Zero Waste ist – wenn mir jemand etwas als Allheilmittel und Weltformel verkaufen möchte, bin ich grundsätzlich erstmal skeptisch (sagte die Theologin, die direkt nach Abschluss des entsprechenden Studiums aus der Kirche austrat 😉 ).
Abgesehen davon schaue ich die Kondo-Serie auch gerade und komme wie so oft zu dem Schluss: Das, was mir daran gefällt, nehme ich mir als Anregung mit (den Grundgedanken, dass ich mich in meiner Umgebung und mit meinen Sachen wohl fühle). Das, was mir nicht gefällt, mache ich anders (nicht einfach alles wegwerfen und evtl. sogar neu kaufen, was mich gerade nicht glücklich macht / mich als Frau nicht als automatisch für Haushalt und Ordnung zuständig fühlen / über das reine Aufräumen hinaus als Ziel weniger Konsum und einen geringeren Ressourcenverbrauch ansetzen).

Liebe Katrin,
danke dir für deinen lieben Kommentar. Ich freue mich sehr, wenn der Artikel ein paar diffuse Gedanken konkretisieren konnte. 🙂
Was du bezüglich der Definition über Besitz und Dinge beschreibst, ist genau das, was mich an dieser Hardcore-Bewegung so stört: Im Prinzip ist es wirklich genau dasselbe in Grün. Und das Interessante ist, dass es so gut wie niemandem auffällt. Ich finde es sowieso schade, wenn man auch, wenn man etwas Gutes tun möchte (also Minimalismus mit einem wie auch immer nachhaltig gearteten Anspruch), es aus der Perspektive von manchen Menschen nie genug ist und man sich nicht “richtig” Minimalist*in nennen darf. Schade, denn so geht viel Potenzial für Veränderung durch Angst vor Unperfektion verloren (das gilt ja auch für viele andere Bereiche, wie Veganismus, Fair Fashion und so weiter).
Den Take-what-you-like-Gedanken mag ich sehr – ich glaube, das ist eine wunderbar pragmatische Art, mit der Serie (und generell dem Leben) umzugehen. Denn natürlich kann man abgesehen von dem, was zu kritisieren ist, auch eine Menge mitnehmen.
Danke dir für deine Anregungen! 🙂

Liebe Grüße
Jenni

So ein toller Artikel! Ich habe mir schon länger darüber Gedanken gemacht, wie differenziert wir den Minimalismus in Verbindung mit der Nachhaltigkeit sehen müssen.
Auch die Kon Mari Methode sehe ich als nicht nachhaltige Methode, da sie die Menschen eher dazu verleitet, Aussortiertes in den Müll zu schmeißen. Hat mich beim Gucken der Serie um ehrlich zu sein etwas bedrückt ^^

Liebe Grüße Cella❤️ | http://www.helloceline.de

Liebe Cella,
ich danke dir für deinen Kommentar und freue mich, dass dir der Artikel gefallen hat.
Ja, die Sache mit dem Gleich-Wegwerfen hat mich auch bedrückt, ehrlich gesagt. Das ist mir schon beim Lesen des Buches negativ aufgefallen – alles wegwerfen, Hauptsache aus den Augen und dann auch aus dem Sinn. Aber ihr Fokus ist ja auch nicht Nachhaltigkeit und das propagiert sie auch irgendwo – das muss man fairerweise dazusagen. Trotzdem bedenklich – gerade, weil es im Moment so viele Menschen erreicht.

Liebe Grüße
Jenni

Meine Liebe, du bringst es mal wieder wunderbar auf den Punkt. Und auch ich musste herzlich über den Wurstsalat lachen. Ich habe die Doku nicht gesehen, aber ich kann verstehen, warum es dir schwer gefallen ist, die Position des digitalen Nomaden zu verstehen. Mit fehlt da eindeutig die Fähigkeit (oder der Wille) zur Reflexion. Bloß weil ich mit meiner Arbeit nicht an einen bestimmten Ort gebunden bin, heißt das doch noch lange nicht, dass ich deshalb jede Woche meines Lebens woanders verbringen muss. Und gleichzeitig habe ich mich gefragt, was da eigentlich für ein inneres Loch klafft, das durch diese ganze Selbstoptimierung vermeintlich gefüllt werden muss. Im Grunde scheint das, was du in deinem Artikel beschreibst so eine Art Reverse-Ersatzbefriedigung zu Frustkäufen und Co. zu sein. Bloß dass jetzt halt, statt sinnlosen Scheiß zu kaufen, einfach alles blind rausgeschmissen wird.
*Rant over*
Danke für deine Worte, meine Liebe. Wenn ich gedanklich mal alle Stimmen zusammennehme, die ich bisher zur Kondo-Serie gehört habe, werde ich es mir wohl sparen, sie anzuschauen und meine Zeit lieber mit was Sinnvollerem verbringen. 😀
Fühl dich gedrückt <3

Meine Liebe,
ich danke dir für deinen Kommentar und kann eigentlich zu allem, was du geschrieben hast, nur Amenamenamen sagen.
Vor allem die Passage mit dem inneren Loch, das durch Selbstoptimierung gefüllt werden soll, gefällt mir ausgesprochen gut. Ich glaube, genau darum geht es eigentlich in dieser Form des Minimalismus.
(Rants sind übrigens eine sehr feine Sache. Ich mag Rants, wie du weißt. 😉 )
Ich glaube auch: Du kannst deine Zeit auf jeden Fall sinnvoller nutzen – da gibt es viele gute Alternativen zu!

Liebste Grüße an dich, mein Herz!
Jenni

Da sprichst du mir aus der Seele! Ich habe die 3Sat Doku auch gesehen und mir das gleiche gedacht. Minimalismus gut und schön, aber das gleicht für mich einem neurotischen Selbstoptimierungswahn, der für mich nichts Sinnliches, ästhetisches und genussvolles mehr hat, das für mich aber such zu einem guten Leben gehört. Auch die Bücher von Marie Kondo habe ich gelesen und fand es irgendwie unverantwortlich gute und gebrauchsfähige Gegenstände, die andere Menschen noch brauchen können, einfach wegzuwerfen. Den Weniger ist mehr Gedanke, gibt es ja schon lange. Erst kürzlich habe ich das uralte Buch von Wolfgang Schmidbauer zum gleichen Titel wieder gelesen. Es wurde erstmals 1972 veröffentlicht und ich finde es aktueller denn je. Eigentlich müsste es ja heißen, weniger kaufen, weniger verbrauchen und weniger verschwenden. Darauf liegt mein Fokus. Sich nicht mit allem einverstanden erklären was uns so aufgetischt wird als Neues Heilsversprechen zum Glück und Dinge kritisch zu hinterfragen, das finde ich enorm wichtig. Toll, dass es Menschen wie dich gibt, denen das gelingt. Liebe Grüße Barbara

Liebe Barbara,
ich danke dir für dein positives Feedback zum Artikel und freue mich, dass ich nicht die Einzige mit diesen Gedanken beim Schauen dieser Doku gewesen bin. Umso erstaunter war und bin ich nach wie vor, dass dieser Lebensstil nicht kommentiert oder dem nur sehr begrenzt ein Gegengewicht in der Doku gegeben wurde – man hatte beim Schauen irgendwie das Gefühl, die Produzent*innen würden sich mit dem Optimierungs-Modell identifizieren können. Da hätte ich mir ein bisschen mehr Einordnung und Reflexion gewünscht.
Beim Lesen der Bücher von Marie Kondo ist mir die Sache mit dem Wegwerfen auch sofort negativ aufgefallen. Da sollte schon mehr als deutlich werden, dass diese Form des Minimalismus vor allem an eine Person denkt: das um sich selbst kreisende Individuum. Und das muss auch so sein – sonst kann man ihn ja nicht vermarkten.
Danke dir auch für deine weiteren Anregungen!

Liebe Grüße
Jenni

Vielen lieben Dank dir für die schöne Rückmeldung!

Liebe Grüße
Jenni

Liebe Jenni,
danke für den grossartigen Artikel! Du hast es so sehr getroffen. Ich staune ja schon länger, wie es gelingt, gerade Minimalismus zu vermarkten – ein Widerspruch an sich… dieser Minimalismus ist irgendwie total materialistisch, weil man ständig mit Dingen beschäftigt ist, anstatt mit den lebenswerten Seiten des Lebens. Die Dinge machen uns nicht aus, das ist der entscheidende Punkt. Wir können sein, wer wir wollen, unabhängig von den Dingen, die uns umgeben oder nicht umgeben.

Ausgemistet hab ich auch schon viel, und ich kann es nur noch mit schlechtem Gewissen tun. Das Doofe ist ja, dass die aussortierten Dinge eben nicht unbedingt ein Zweitleben haben. Sie gammeln im Umsonstladen rum, im Laden der Caritas, werden in sogenannte Dritte-Welt-Länder verschickt, um dort die Märkte zu ruinieren, etc. Es gibt so wahnsinnig VIELE Dinge! Eigentlich müssten WIR die vorhandenen Dinge aufbrauchen, anstatt sie auszusortieren und das Aufbrauchen anderen zu überlassen – egal wie hässlich und unlieb das Aussortierte uns ist, und auch, obwohl nicht es zu unseren aktuellen Wohn- und Kleidungsstil passt. Unser Konsumverhalten ist vor allem das Problem, nicht die Dinge selbst.

Liebe Bettina,
ich danke dir für das liebe Lob und freue mich, dass dir der Artikel so gut gefallen hat!
Deiner Perspektive zum Vermarkten des Minimalismus kann ich persönlich nur zustimmen – mir geht es da genauso. Besonders den Punkt mit dem “Wir können sein, wer wir wollen, unabhängig von den Dingen, die uns umgeben oder nicht umgeben” finde ich sososo wichtig!
Bezüglich der Sache mit dem Aussortieren bin ich mir nicht so ganz sicher, ob ich überall mitgehen kann. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Dinge, die ich weggebe und spende, eigentlich immer dankbare und glückliche Weiterbenutzer*innen finden und eher nicht nutzlos in der Ecke liegen, wenn ich sie weggeben habe. Aber das ist vielleicht auch wirklich vom Standort (und natürlich auch von den Dingen selbst) abhängig.
Generell denke ich aber auch: Es gibt total viele Dinge – und die Maschine, immer mehr (und teilweise auch immer nutzlosere) Artikel zu produzieren, läuft und läuft und läuft immer weiter. Das ist schon echt schräg. Wir sind in allen Bereichen unseres Lebens übersatt und stopfen trotzdem immer weiter. Faszinierend schon fast in seiner Gruseligkeit.

Danke dir für die Anregungen!

Liebe Grüße
Jenni

Vielen Dank für diesen unglaublich intelligenten Artikel! Du triffst meiner Meinung nach mit vielen Aussagen den Nagel auf den Kopf. Ich verfolge das Thema Minimalismus auch gerade sehr interessiert und bin ganz deiner Meinung: Er ist nicht das Allheilmittel für alle Lebensbereiche, als das er mittlerweile gerne verkauft wird. Auch wenn ich selbst die Erfahrung gemacht habe, dass Ausmisten sehr befreiend sein kann, entwickelt sich der Trend gerade in eine sehr merkwürdige Richtung.

Liebe Sina,
ich danke dir für deine positive Rückmeldung und freue mich sehr, dass dir der Artikel so gut gefällt!
Die Entwicklung, die der Trend gerade nimmt (generell habe ich ja nichts gegen Trends, gerade im Umweltbereich, denn nur so können wir die Masse mobilisieren), finde ich auch hochproblematisch und musste das einfach mal thematisieren. Ich persönlich empfinde das Ausmisten auch als sehr befreiend und mag das damit einhergehende Kontroll-Gefühl. Aber darauf dürfen wir uns nicht beschränken, auch wenn das noch so verlockend ist. Die Welt da draußen mit all ihren Problemen ist alles andere als geordnet und auch, wenn wir einen berechtigten häuslichen Gegenpol dazu schaffen können und dürfen, sollten wir nicht vergessen, dass wir uns ebenfalls als Individuen nicht in der beschriebenen Einzelzelle durch eben diese Welt bewegen, sondern nur im Kollektiv leben können und dementsprechend auch mitverantwortlich sind.
Es wäre schön, wenn sich der Trendwind wieder in diese Richtung drehen würde. 🙂

Liebe Grüße an dich!
Jenni

Unglaublich guter und gelungener Artikel. Auf den Punkt gebracht. Spitze!

Hallo Dani,
danke dir für das schöne Feedback – es freut mich sehr, dass dir der Artikel so gut gefällt!

Liebe Grüße
Jenni

Danke für diesen wirklich guten, wichtigen Artikel. Ich sehe das absolut genauso!

Liebe Anna,
danke dir für dein positives Feedback!
Ich freue mich sehr, dass dir der Artikel gefallen hat.

Liebe Grüße
Jenni

Jenni, ich LIEBE deinen Artikel! Besser hätte man es nicht sagen können – ich freue mich außerdem, dass du den Wurstsalat ins Schlusswort aufgenommen hast, über das Zitat musste ich nämlich auch lachen. Es verbildlicht die Banalität der reinen Besitzreduktion so unbeschreiblich gut. Werde den Artikel später auf jeden Fall noch teilen!
xx Sabine

Liebe Sabine,
ach, lieben Dank dir für deine lieben Worte und den tollen Support!
Das bedeutet mir viel.
Den Wurstsalat fand ich zusammen mit dem apokalyptischen Weltuntergang auch ein wunderbares Bild und musste auch in der Doku sehr lachen, als er davon erzählte. Weil es einfach so unfassbar wahr ist. 😀
Liebe Grüße an dich!
Jenni

Liebe Jenni,

dein Artikel ist mir richtig unter die Haut gegangen und ich kann dir nur zustimmen.
Ich selbst habe mich erst letztes Jahr auf die Reise begeben mein Leben minimalistischer zu gestalten, ein wenig zu entrümpeln und mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Nach den ersten Wochen, wo einiges an Zeug aus meiner Wohnung geflogen ist, mein Adressbuch entrümpelt wurde und ich über meinen Fokus nachgedacht hatte, merkte ich zwar, dass es mir gut getan hatte. Aber nach kurzer Zeit verspürte ich wieder diese innere Unruhe, diesen Wunsch nach Veränderung, als wäre ich schlicht noch nicht fertig. Und hier kann ich dir nur wieder zustimmen, denn die einzige für mich logische Konsequenz war, meinen Blick nicht nur auf mich sondern auch auf die Welt zu richten. Was kann ich tun, in kleinen Schritten, um der Welt etwas zurück zu geben um im Einklang mit ihr zu leben. Und so bin ich auf deinem Blog gelandet und möchte dir an dieser Stelle einfach mal Danke sagen.

Herzlichst, Suzan

Liebe Suzan,
ich danke dir für deine Rückmeldung und freue mich sehr, dass der Artikel dir so gut gefallen hat.
Und wow!, was für ein liebes generelles Feedback! Danke dir dafür – es tut so gut zu lesen, dass die eigene Arbeit so wertgeschätzt wird. 🙂
Deine Entwicklung gewissermaßen vom physischen zum psychischen Minimalismus und dann zu anderen Aspekten im Leben kann ich sehr gut nachvollziehen – das ging (und geht mir nach wie vor) ähnlich.
Ich denke, Minimalismus und allgemein das Sich-Beschäftigen mit dem, was man hat und wer man sein will, kann eine sehr, sehr schöne und wichtige Erfahrung sein, die man auch gerne nur für sich selbst machen kann/darf/soll.
Aber die oben beschriebene Entwicklung finde ich sehr bedenklich, glaube ich doch, dass sie dem ursprünglichen Sinn der dahinter liegenden Philosophie zuwiderläuft. Und eben angesichts der derzeitigen (umwelt-)politischen Lage auch einfach höchst egoistisch ist.
Die Selbstzentrierung ist wichtig und kann ein produktiver Anfang sein – aber dann darf die Entwicklung eine neue Richtung nehmen.
Ich freue mich, dass du da so reflektiert rangehst.

Liebe Grüße an dich!
Jenni