Das bringt Minimalismus: Wie mich das Weniger verändert hat

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14. Februar 2017

Seit die Initialzündung eingesetzt hat, die unseren Haushalt von einer von Sammelleidenschaft geprägten, kunterbunten, semi-chaotischen Bude in eine irgendwie immer ordentliche und sich stetig weiter verändernde Ruheoase verwandelt hat, ist Einiges passiert. Vor allem mit uns selbst.

Wie jetzt: Minimalisten – wir?!

Wir haben uns lange nichts Abwegigeres vorstellen können, als Minimalisten zu werden. Wirklich nicht. Nicht, dass wir der Strömung eine ablehnende Haltung entgegengebracht oder sie in irgendeiner Art und Weise verteufelt hätten – wir haben und schlicht nicht damit befasst, weil sie nicht auf unserem gewohnsheitsgeprägten und -bestimmenden Radar auftauchte.

Viel zu beschäftigt damit, den ganz gewöhnlichen Otto-Normalverbraucher-Haushalt aufrecht zu erhalten, schwammen wir – aus heutiger Perspektive: durchaus ferngesteuert – durch unsere Tage, Wochen und Monate.

Konvention war unsere Maxime, Materialismus unsere Normalität, Supermarkt, Billigschwede und Tierprodukte unser Alltag. Wir waren normal, um es in einem Wort – das durchaus neutral gemeint ist – zu formulieren.

Heute sind wir sicherlich keine besseren Menschen in dem Sinne, dass wir auf einmal moralische Erleuchtung erlangt hätten und uns nun berechtigterweise über den eben skizzierten “Durchschnittsmenschen” erheben könnten, in welcher Beziehung auch immer. Wir sind nicht fortgeschrittener, über unseren Köpfen wurden keine Glühbirnen comichaft entzündet, wir haben nicht vom Quell der unendlichen Weisheit getrunken.

Wir haben uns einfach hingesetzt – und nachgedacht. Ein bisschen zumindest.

Wie eins zum anderen führte

Den Anfang machte der sich doch sehr abrupt vom Vegetarismus zum Veganismus wandelnde Sinn meiner Wenigkeit (den ich mit aller Konsequenz durchzog, dazu aber in einem anderen Artikel mehr). Ich hatte ein Buch gelesen (dieses hier), das im Prinzip die längst überfällige Attacke auf mein lädiertes Gewissen, der lang ersehnte Schlag ins Gesicht war und mich über Nacht meine eigentlich schon längst im Innern gefassten Vorsätze in die Tat umsetzen ließ.

Nach einiger Eingewöhnungszeit, die durchaus nicht reibungslos verlief, reduzierten sich die Tierprodukte, die sich in unserem Haushalt finden ließen immer weiter, bis sie irgendwann bei Null angekommen waren. Und unser Bedürfnis danach ebenfalls.

Greenhorns: Hallo, Lifestyle-Veganismus!

Nun stürzten wir uns – wie das so ist bei allen Dingen, die neu und spannend und aufregend sind, mit aller Wucht in den Veganismus hinein. Weniger auf halsstarrig-unentspannt-dogmatischer als vielmehr auf konsumorientierter Ebene: Die heilsversprechende Welt der unendlichen Ersatzprodukte tat sich vor uns auf – und wir badeten im Fluss des Nicht-verzichten-Müssens.

Das führte dazu, dass zwar kein Tier faktisch mehr den Weg in unseren Kühlschrank fand, dieser aber irgendwie nach wie vor ziemlich bunt, schrill und vollgestopft mit allen möglichen und unmöglichen verarbeiteten Lebensmitteln war. Wir hatten eigentlich nur, stellten wir langsam, aber sicher fest, unseren Konsum verlagert. War das besser? So, wie wir “besser” nun – nach immer fortwährendem Nachdenken – verstanden?

Konsum vs. nachhaltiger Konsum

Denn schleichend hatten sich immer mehr Kriterien in unser Leben geschlichen, die zur Richtlinien desselben wurden: Wir erkannten (bzw. richtiger: ließen den Gedanken zu und diesem Taten folgen), dass Fair besser ist als Konventionell, dass tropische Früchte mitten im Winter nicht unbedingt sein müssen und dass natürliche Lebensmittel doch irgendwie viel spannender sind als fertig Abgepacktes, das gewissermaßen schon auf den Löffel schielt, sobald die Verpackung entfernt ist.

Und weil sich in der Küche – wie wahrscheinlich in vielen Haushalten – das Angelpunktzentrum unseres Lebens befand (um ein Wortmonster zu schaffen, das die Superlativität der Bedeutung dieses Raumes passend greifen kann), waren unsere Antennen für Neukalibrierung dort besonders empfindlich. Wie furchtbar das Gefühl war, nach jedem Einkauf Berge von Plastikverpackungen zu produzieren und die erstandenen Lebensmittel scheinheilig in fancy Gläser abzufüllen, habe ich euch hier ja schon erzählt.

Als wir dann begriffen hatten, dass es so nicht weitergehen konnte, war unser erster Ansatz, in der Küche umzudenken. Konkret: Unverpackt einzukaufen, uns mit Jutebeuteln einzudecken, eine Biobox zu bestellen. Und ganz wichtig: Nur noch das zu kaufen, was wir auch wirklich brauchen würden. Wir erkannten, dass es nicht das Richtige war (zumindest für uns), eine Form des Konsums einfach durch eine andere zu ersetzen.

Diese letzte Idee sollte ihre Schlagkraft erweisen und sich im Laufe der Zeit auf sämtliche unserer Lebensbereiche erstrecken. Denn einmal angeschubst, kennt die Maschine im Kopf kein Halten mehr und rattert und knattert und quietscht fröhlich vor sich hin.

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Minimalisieren: Raus mit dem Krempel!

Von da war es zur genauen Inspizierung der über Jahre gemeinsamen Wohnens angesammelten Gegenstände nicht mehr weit – und von dort aus nur noch ein Katzensprung zur Generalüberholung des gesamten Hausstandes.

Ich weiß nicht, wie viele Kartons voller Kleidung, wie viele Säcke Bücher und wie viele Kisten voller Krimskrams aller Art wir an die Tafel, das Rote Kreuz und den Bücherschrank gespendet oder einfach an die Straße zum Mitnehmen gestellt haben. Vielleicht hätte ich zählen sollen – das wäre für einen drastischen optischen Vergleich sicherlich schön gewesen.

Doch ich war viel zu beschäftigt damit, die materielle Schlacke, die die Luft zum Atmen und die Unbeschwertheit in unserer Wohnung so sehr reduzierte, abzuwerfen, dass ich daran gar keinen Gedanken verschwendete.

Ausmisten – jedenfalls in dieser Radikalität – ist janusköpfig. Es ist auf der einen Seite unglaublich belastend, weil körperlich anstrengend – und auf der anderen Seite habe ich selten etwas Befreienderes erlebt.

Das bringt Minimalismus

Was hat uns das ganze Minimalisieren – das nun noch längst nicht abgeschlossen ist – eigentlich gebracht? Viel, sehr viel. Es hat sich in einer Weise auf unser Leben ausgewirkt, die man schon fast als umkremplerisch beschreiben kann.

Platz!

Ziemlich trivial, aber ja: Wir könnten nun ohne mit der Wimper zu zucken wieder in unsere ehemalige schnuckelige 60-Quadratmeter-Wohnung rückeinziehen und hätten sicherlich noch immer mehr als genug Platz.

Kein Krimskrams mehr, der die Reale verstopft, den Blick einfängt und um den man kompliziert drumherumwischen (oder auch nicht) muss. Kein wöchentliches Geächze, weil man nicht weiß, wohin mit den gerade geshoppten neuen Liebhabereien. Keine Unordnung, die sich nicht innerhalb von zehn Minuten beseitigen ließe.

Kurzum: Wir. Haben. Platz.

Manchmal bin ich immer noch ganz verliebt in unsere neuen alten Räume, die nun trotz Alter des Hauses und trotz dessen, dass die Wohnung nicht meinem persönlichen Living-Traum entspricht, durch das Weniger wie verwandelt aussehen. Ein bisschen so, als hätten sie ihr Hochzeitskleid angezogen.

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Was will ich eigentlich? Stilfindung und Identitätsneuentdeckung

Das Reduzieren bringt aber noch einen ganz anderen, mindestens ebenso wesentlichen Vorteil mit sich, der natürlich eng an den ersten gekoppelt ist: Man weiß auf einmal, was man will. Findet seinen eigenen Stil. Zumindest ging mir das so – und die Folgen dieser Entdeckung halten bis heute an.

Das Problem mit dem Vielbesitzen ist nämlich nicht nur, dass die Gegenstände physischen Platz wegnehmen, sondern dass sie das auf der psychischen Ebene genauso tun. Das beduetet konkret: Durch die unglaubliche Überflutung mit den Massen an Dingen, die irgendwie alle nicht zueinander passen, im Affekt gekauft und für singulär, aber nicht kollektiv schön befunden wurden, konnte sich bei mir kein richtiger Stil in dem Sinne entwickeln, dass ich wirklich wusste, was ich eigentlich will.

Wie ich mich kleiden, wie ich meine Wohnung gestalten möchte. Welchen Stil ich meinem Leben zugrundelegen möchte und was das eigentlich über mich aussagt. Das sind Dinge, über die ich mir bisher herzlich wenig Gedanken gemacht hatte – ich kaufte einfach das, was man so von der Werbung als kaufenswert eingetrichtert bekommen hatte. Woraus sich ein irrsinniger Mix aus Farben, Stilen, Mustern, Schattierungen, angedeuteten Ich-Entwürfen, die aber nie zu Ende gedacht wurden, ergab. Ein Chaos.

Als wir begannen, die überflüssigen Dinge radikal rauszuschmeißen, stellte sich die erwähnte Freiheit/Erleichterung nicht nur aufgrund des räumlichen Platzes ein: Mit jedem Teil, von dem ich mich trennte, weil ich wusste, dass es (aus welchen Gründen auch immer) nicht (mehr) zu mir gehörte, mich nicht mehr ausmachte, ich mich also nicht mit ihm identifizieren konnte – mit jedem dieser aussortierten Teile wusste ich automatisch ein bisschen mehr darüber, wie ich mich zukünfig entwerfen wollte und wer ich eigentlich war. Identifikation durch Ablehnung – das älteste aller Spiele griff auch hier.

Es war ein bisschen so, als hätten die Gegenstände nicht nur die Räume unserer Wohnung, sondern auch diejenigen meiner Seele zugestellt gehabt.

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Konzentration auf das Wesentliche

Die letzte und aus den anderen Dingen resultierende Wirkung, die eine Hinwendung zum Minimalismus für uns gehabt hat, ist die Konzentration auf das Wesentliche – in allen Lebensbereichen.

Das beginnt beim simplen Durch-den-Raum-Schauen, das dem Auge auf einmal so viel leichter fällt, weil entsprechender Platz nicht voller bunter, durcheinandergewürfelter Farbkleckse ist, und endet bei einer allgemeinen Entspanntheit, was Kaufen, Nicht-Kaufen, Aufbrauchen und das Leben generell betrifft.

Wir müssen nicht mehr jeden Samstag in die Shoppingmeile laufen und uns mit Klamotten eindecken, um uns gut zu fühlen. Stattdessen nutzen wir die Zeit für uns, lesen ein gutes Buch, schreiben oder verbringen Zeit zusammen.

Wir stressen uns nicht, weil wir Gegenstand xy bei dieser oder jenen Person gesehen haben (oder in der Werbung – die wir übrigens kaum noch konsumieren) nun ebenfalls unbedingt und sofort haben müssen. Müssen wir nicht.

Wir müssen auch nicht zwingend einkaufen gehen, wenn wir da jetzt keine Lust drauf haben. Dann gehen wir eben morgen. Wir sind kreativer geworden – Kartoffeln sind schließlich immer im Haus. Mach’ was aus dem, was da ist. Streng’ deinen Kopf an.

Entspannung

Es ist eine grundlegende Ich-muss-erstmal-gar-nichts-Erleichterung, die uns der Minimalismus beschert hat. Ein bisschen (viel) mehr Lebensqualität, obwohl wir nicht über Nacht Millionäre oder Erben geworden sind. Ein bisschen mehr Zufriedenheit mit uns und dem Leben.

Hast du ähnliche Erfahrungen mit dem Minimalismus machen können?

P.S.: Der Einfachheit halber habe ich in diesem Artikel stets von uns als “Minimalisten” gesprochen. Ich weiß nicht, ob es überhaupt eine allgemeingültige Definition des Begriffs gibt – aber wir möchten uns nicht prinzipiell auf ein Label festlegen, das nun an uns kleben soll wie die sprichwörtliche Fliege am Honig. Wir sind keine 100-Dinge-Besitzer, keine Konsum-Asketen. Wir achten nur ein bisschen drauf, was wir tun – und dafür hat sich im Diskurs der Begriff des “Minimalisten” eingebürgert, den wir hier darum ebenfalls nutzen.

JENNI MARR
Wanderin im Geiste, mit der Nase im nächsten Buch, nie so ganz zuhause und doch immer da.
KOMMENTARE

[…] ist das mehr als nur zu kurz gedacht – auch wenn ich selbst aus Erfahrung (fast) nur Positives davon berichten kann, den eigenen Besitzstand drastisch zu reduzieren. Das muss nicht immer so sein und ist längst nicht […]

[…] die jetzt meinen Alltag bestimmen: Brauche ich das wirklich? Wo kommt das Produkt her? Wie ist die Verpackung? Gibt es das auch nachhaltiger? Welcher Konzern […]

[…] wir umfassend aussortiert haben (wir sind übrigens immer noch dabei), haben wir den freien Raum, den wir auch durch das […]

[…] Du schreibst in einem deiner Blogposts darüber, wie der Minimalismus dich verändert hat, und dass du nicht immer minimalistisch gelebt hast. Ich habe den Eindruck, viele Leute tun sich […]

[…] die Minimalists gestoßen oder hast hier ein paar Blogartikel zum Thema durchstöbert (vielleicht diesen hier? oder diesen? oder den?) – und jetzt bist du hochmotiviert, hast das Gefühl, du müsstest […]

[…] will – so einrichtungstechnisch. Vorher war mir das im Chaos der vielen Gegenstände (mehr dazu hier) gar nicht so richtig klar – erst, nachdem sich der Nebel aus Mustern, Klimbim und Farben […]

[…] Hier geht’s zum Artikel -> „Das bringt Minimalismus: Wie mich das Weniger verändert hat“ – Jenni von mehral… […]

Liebe Jenni,
ENDLICH habe ich Zeit zum Lesen gefunden!!!

Hach – ich kann mir gut vorstellen, wie wenig ihr euch das mit dem Minimalismus früher vorstellen konntet. Bei mir war es ja nicht anders und in Besitz sah ich irgendwie immer nur das positive: “Falls ich es mal brauchen kann, ist es schon im Haus” oder “Das erinnert mich an…”

Schön ist aber, dass ihr euch doch weiterentwickelt habt und dabei aber keinesfalls herabschauend auf die Normalbürger geworden seid!

Seid ihr eigentlich gemeinsam zum Veganismus konvertiert oder warst du anfangs allein und dein Herr Grünzeug ist allmählich immer mehr nachgezogen?

Viele andere Schritte deiner Entwicklung habe ich jedoch auch an mir erleben können… vor allem in den letzten 2 Jahren hat sich da bei mir einiges getan.

Das Problem mit dem Plastik ist mir zwar inzwischen durchaus bewusst, allerdings habe ich für mich noch keine Alternativen gefunden. Das ist hier in der Kleinstadt wirklich nicht so einfach, da es kaum was ohne Plastik zu kaufen gibt und Bio schon gar nicht.
Interessanterweise habe ich aber bei der Kleidung als erstes gemerkt, dass ich unnötige Käufe vermeiden sollte… das passierte nämlich schon vor 3 Jahren.

Was das Ausmisten angeht, ist bei mir schon einiges von zu Hause ausgezogen oder hat den Besitzer gewechselt. Die Tafel hat Unmengen von Büchern bekommen, meine Schwester einige Kleidungsstücke, Freundinnen die Deko und Kosmetik, die ich nur besitze, weil irgendwer der Meinung war, sie mir zum Geburtstag/Weihnachten schenken zu müssen, obwohl ich sowas ja NIE benutze.
Das einzige, was ich wirklich noch viel zu viel besitze, sind Tassen. Die habe ich früher gesammelt, weswegen ich mich ungern von welchen trenne, da ich sie alle liebe. Ich bräuchte aber einfach eine Verwendung.. ein paar im Küchenschrank und weitere als Stiftehalter auf dem Schreibtisch – mind. 15 Stück suchen aber noch Arbeit 😉 Hast du eine Idee?
Befreit hat mich das Aussortieren aber auch IMMER!

Platz habe ich eigentlich auch genug – nur in den Küchenschränken und dem Kühlschrank nicht. Da habe ich irgendwie doch gern Vorräte und die Single-Küche mit 1,5m Breite bietet einfach keinen Stauraum… und meine Kommode ist auch nur 35cm tief, sodass da nicht mal Bratpfannen rein passen 😉

Dass man eher weiß, was man wirklich braucht und was einen glücklich macht, stimmt wirklich. Ich blättere auch oft durch die Werbung und merke, dass sie mich völlig kalt lässt, obwohl ich früher quasi jede Woche viele Dinge sah, die ich haben wollte.

Und übrigens: Kartoffeln habe ich auch IMMER. Genau wie Nüsse, Mehl, Nudeln und Haferflocken. Und Bohnen und Quark müssen auch immer da sein .

Liebe Grüße

Liebe Tabea,

ich freue mich immer über deine ausführlichen Kommentare, weißt du das? Das ist so schön, wenn man merkt, dass sich da jemand wirklich viel Zeit genommen und nachgedacht hat, was er/sie schreibt. (Nicht, dass die meisten anderen das hier nicht auch tun würden – aber ich wollte dir das gerne einmal sagen.)

Ja, dieses “Oh, DAS kann ich aber mit Sicherheit irgendwann noch einmal gebrauchen” ist wirklich extrem gefährlich, wenn man auch nur ansatzweise weiterkommen möchte mit Ausmisten und Aufräumen. Irgendwie denkt man das nämlich von jedem zweiten Teil und nach stundenlangem Hin und Her hat man dann am Ende doch so gar nichts ausrangiert. Glücklicherweise haben wir diesen Punkt aktuell gut überwunden und denken anders. Es klingt mittlerweile abgedroschen, aber: Das Mindset macht’s. Da ist wirklich was dran.

Mr. Grünzeug hat nach und nach immer mehr nachgezogen, was den Veganismus, aber auch, was nachhaltiges Leben generell anbelangt. Dazu gibt es aber noch einen ausführlichen Artikel demnächst – da werden wir nämlich andauernd drauf angesprochen. 🙂

Ich glaube, Tassenliebe ist weit verbreitet – ich bin schon in so vielen Küchen gewesen und immer hatten die meisten Leute am allermeisten Tassen. Mit allem möglichen Druck drauf, in allen möglichen Farben, Formen und mit allen möglichen Erinnerungen behaftet. Aber das finde ich auch nicht schlimm – es ist doch vollkommen okay, wenn man diese Dinge so sehr liebt und sich dabei selbst gut genug reflektiert, um zu wissen, dass es sich nicht um reines Rauschkaufen handelt. 🙂
Ich würde – glaube ich – einige der Tassen noch zu Mini-Blumentöpfen umfunktionieren. Eine einzelne Sukkulente oder eine Blumenzwiebel macht sich sehr fein in einer Tasse.

Die Sache mit der Singleküche kennen wir auch sehr gut – wir haben drei Jahre zusammen mit einer gewohnt und damals war das echt eine Herausforderung. Wenn wir Vorräte hamstern, dann machen wir das nämlich auch gerne in der Küche. 😉

Liebe Grüße
Jenni

Ja, das du dich freust, dass weiß ich inzwischen – aber mindestens genauso freue ich mich über solche Antworten von dir. Deswegen macht das Kommentieren auch viel mehr Spaß als bei vielen anderen Bloggern 😉

Auf den Post über Serdan (Ohje, hoffentlich habe ich mir den Namen richtig gemerkt?) freue ich mich total und ich kann mir gut vorstellen, dass das sehr viele interessiert. Im Moment wirkt es ja so, als würdet ihr beide voll hinter diesem Lebensstil stehen und fragt man sich ja dann doch, ob einer Vorreiter war und es beim anderen erst später kam.

Die Idee mit den Blumentöpfchen aus den Tassen kam mir auch schon, aber ich habe nicht mal eine Fensterbank, auf der die Pflänzlein stehen könnten. Was Stellfläche angeht, ist die Wohnung eher schlecht bestückt…

Ich schätze, Vorräte in der Küche hat fast jeder im Überfluss… Immerhin sind wir dann alle für eventuelle Katastrophen gut gerüstet und verhungern nicht 😉

Liebe Grüße

Liebe Jenni,
das ist mal wieder ein wirklich toller Artikel! Du fasst das ganze Thema so schön zusammen und bringst vieles auf den Punkt. Ich finde den Ansatz ganz richtig, dass man etwas über sich herausfindet, wenn man sieht, was man besitzt. Nicht, dass man mit weniger Besitz weniger werden würde, aber man kann besser ein Bild von sich gestalten, dass zu einem passt.
Liebe Grüße!
Julia

Liebe Julia,

ich danke dir für deine lieben Worte und freue mich sehr, dass du wieder ein bisschen was mitnehmen konntest von meinen Worten.
Und ich kann dir das nur zurückgeben: Du hast meinen ganzen 1000-nochwas-Wörter-Beitrag gerade in zwei Sätzen zusammengefasst! 😉
Ich muss gestehen, dass das für mich die gravierendste Erfahrung war: Dass ich durch das Weniger gelernt habe, auf mich selbst zu schauen. Ein bisschen so, als würde man die Schichten einer Zwiebel abpellen und dann irgendwann zum Kern vorstoßen.

Liebe Grüße
Jenni

Liebe Jenni,
das ist mal wieder ein enorm kluger Artikel! Da hast du mir ein paar Worte aus dem Mund genommen und ein paar andere noch besser ausgedrückt als ich sie bisher hätte erklären können. Anscheinend können wir das gegenseitig ganz gut 😉
Fast noch besser als den ganzen Artikel finde ich aber den letzten Absatz – super Schachzug. Mich nervt mein selbstaufgedrücktes Label “Minimalistin” manchmal. Nicht, weil ich es nicht einhalten könnte oder mir selbst Druck machen würde, dass ich dieses und jenes erfüllen müsste, um mich so nennen zu “dürfen”. Sondern einfach, weil ich sooo oft halbentschuldigende oder halbdistanzierte Kommentare bekomme, die mit “Ich bin keine Minimalistin, aber..” beginnen. Ja Mensch, musst du ja auch nicht! Da wird dann manchmal meine eigentliche Idee, dass es für uns alle nur um ein gewisses Bewusstsein geht, von diesem sperrigen Begriff eingezäunt.
xx

Liebe Sabine,

ja, es scheint ganz so, als hätten wir da eine gute Balance gefunden. 😉

Freut mich, dass dir gerade diese gewissermaßen im Nachhinein eingeschobene Anmerkung so gut gefällt – ich wollte sie unbedingt noch loswerden, aber nicht mitten in den Text hineinquetschen. Denn ich finde auch: Mit den Labeln ist das so eine Sache. Dahinter verbergen sich Assoziationen, die mich in den Köpfen anderer Menschen vermutlich ganz anders darstellen, als ich wirklich bin. Und das möchte ich unbedingt vermeiden.

Ich sehe das ganz genauso wie du: Es geht um ein gewisses Bewusstsein, sich selbst, der Umwelt und seinem Verhalten gegenüber, das vielleicht auch in gewissen Konsequenzen münden kann (oder sollte). Es geht aber nicht darum, eine magische Grenze festzulegen, wer nun dazugehört zum erleuchtet-asketischen Minimalistenkreis und wer nicht.
Das Anfangen ist das Wichtigste. 🙂

Liebe Grüße
Jenni

Liebe Jenni, ersteinmal vielen Dank dafür, dass du dir die Zeit genommen hast und mir diesen lieben Kommentar dagelassen hast. Genau so sehe ich das auch und gerade deswegen veröffentliche ich ab und an meine Gedanken hier. Wie soll man wissen, was dahintersteckt, wenn keiner drüber schreibt? Aber ich habe auch schon einiges an Gegenwind gesehen – getroffene Hunde bellen halt und dann kommt in der Facebook-Gruppe auch mal die Frage: “Wieso jammern momentan alle auf ihren Blogs rum?”. Ich lese mir sowas gar nicht mehr durch; es interessiert mich einfach nicht mehr. Man muss da glaube ich – gerade als Blogger – sehr differenzieren, was man sich antut und was nicht. Ich lebe glücklicher, wenn ich nicht immer lese, was andere wieder negatives schreiben. Und ja, das mit der Authentizität merke ich auch immer mehr. Und ich finde es sooo schade. Naja…Aber wir ändern das nicht. Ich bin einfach gespannt, wie sich die Bloggerszene in DE entwickelt. Warten wir’s mal ab. Vielen Dank nochmal, Jenni.

Liebe Grüße
Christina

Liebe Christina,

ich danke dir ebenfalls für deinen ausführlichen Kommentar!

Ich finde es auch wichtig, seine eigene Meinung und seine Ansichten zu einem bestimmten Thema klar und deutlich zu vertreten. Das ist immerhin der Kernaspekt von Authentizität und ich denke, gerade als Bloggende sollte man diesen nicht aus dem Blick verlieren.
Dass andere Menschen das nicht hören und lesen möchten, kann ich gut nachvollziehen – aber Probleme verschwinden nicht, wenn man über sie schweigt. Im Gegenteil – daher finde ich deinen Artikel so wichtig.

Ich bin auch sehr gespannt, in welche Richtung das alles laufen wird und wünsche dir auf jeden Fall weiterhin ganz viel Erfolg!

Liebe Grüße
Jenni

Hey Jenni!

Wieder ein so toller und pointierter Artikel! Ich habe es mit dem Minimalismus übrigens genau so erlebt wie du. Erst kam der Platz in den Schränken, dann im Kopf und dann die neuen Ideen.

Früher hatte ich immer so ein Mangelgefühl. All die schönen Kleider die ich mir nicht leisten konnte, die toll eingerichteten Wohnungen die die anderen haben, die schicken Frisuren und Nägel… Und das obwohl meine Wohnung aus allen Nähten platzte.
Heute weiß ich, dass ich mir im Grunde alles kaufen kann, was ich haben will. Nur halt nicht sofort 😉 Witzig ist, dass ich jetzt gar nicht mehr so viel haben will. Ich mag meinen Nicht-Konsum manchmal sogar viel mehr.

Ich glaube, Minimalismus braucht keine Zahl. Ob man nun 10.000, 1.000 oder 100 Dinge besitzt, sagt nichts darüber aus, ob man Minimalist ist. Wenn man minimalistisch lebt, weiß man es 😉

Kennst du eigentlich das Unterforum “Günstig Kochen, günstig Leben” auf Chefkoch.de? Dort gibt es die Kaufdiät, die mich vor 2,5 Jahren eingefangen hat. Da begann meine Auseinandersetzung mit Wollen, Brauchen, Notwendigkeiten, Nutzen, Wertigkeit…

So, genug geplaudert. Schönen Tag wünsch ich dir!
Liebe Grüße!

Liebe Sarah,

danke dir für deinen lieben Kommentar und deine eigenen Erfahrungen!
Ich kenne dieses Mangelgefühl, von dem ich hier ja auch schon so oft geschrieben habe, auch – und die Paradoxie, dass man doch eigentlich ebenfalls in einem vollgestellten Haus lebt. Und wenn man das Geld, das man für den ganzen Schnickschnack ausgegeben hat, gespart hätte…dann wäre man vermutlich schon lange am schönen Leben, wie man sich das idealerweise vorstellt, angelangt. Nur braucht es manchmal eine kleine Weile, bis man zu dieser Erkenntnis gekommen ist. 😉

Ich finde daher dein Mantra sehr schön: Man kann sich alles leisten – die Frage ist nur, wann. Und ob man es dann überhaupt noch will. Ich glaube, Geduld ist eine wichtige Sache, wenn es darum geht, sich langfristig ein schönes Leben aufzubauen – in welchem Bereich auch immer.

Liebe Grüße
Jenni

Liebe Jenni,

du hast wirklich eine erstaunliche Gabe – du triffst meine aktuelle Gedankenwelt immer auf den Punkt. Nur, dass ich dir noch weit hinterher hinke 😉 Aktuell lese ich dieses gehypte Magic Cleaning Buch – ich bin skeptisch und vieles kann ich so nicht übernehmen, aber das wichtigste, der Anstoss zum Ändern, den hat das Buch bei mir gegeben.

Danke für den schönen, inspirierenden Text!

Liebe Grüße
Angie

Liebe Angie,

dann ist alles perfekt – genau so soll es ja im Idealfall auch sein! 🙂
Nein, im Ernst: Ich freue mich, dir immer mal wieder ein paar Gedankenanstöße mitgeben zu können – das ist ein wunderbares Gefühl.

Das Buch habe ich auch (schon) gelesen und muss gestehen, dass auch meine Reaktion darauf zwiespältig ausfällt. Ich muss endlich einmal die Rezension zu Ende schreiben, die schon seit Ewigkeiten angefangen im Entwurf-Ordner liegt…

Liebe Grüße
Jenni

Da bin ich sehr gespannt auf deine Rezension! Ich hab es jetzt fast durch und es ist schon ein seltsames kleines Büchlein – das mag aber auch an den kulturellen Unterschieden zwischen Japan und Europa liegen. Insgesamt habe ich aber das Gefühl die paar Leitsätze zu wissen reicht schon und dazu kann man auch einen Blogbeitrag über ihre Methode lesen. Bin ich froh, dass ich mir das Buch als E-Book gekauft habe, so steht wenigstens nicht noch ein Buch im Regal 😉

Liebe Grüße
Angie

Ach du Liebe, wieder ein so wunderbarer Text in dem ich mich auch so selbst erkennen konnte. 🙂 Bei uns lief es ja ähnlich bzw. eher bei mir, der Mann hat von Haus aus deutlich weniger, als ich es je hatte. *g*

Du schaffst es immer wieder mich so unglaublich zu inspirieren, das ist so irre schön! DANKE!

Liebe Franzi,

das freut mich aber ungemein – und ist ein Kompliment, dass ich ohne Weiteres zurückgeben kann! 🙂

Liebe Grüße
Jenni