Nachdem ich vor etwas über einem Jahr den starken Wunsch verspürte, mich von unnützem Krempel zu trennen, meine Wohnung optisch und mein Inneres gefühlt leichter und freier zu gestalten, hat sich viel getan: Große und kleine Aktionen folgten aufeinander, mal zeitlich dicht gedrängt, mal mit viel Abstand zwischen den einzelnen Phasen. Aber zu Ende ist es noch lange nicht, das Projekt Ausmisten.

Man fängt an – und hört nicht wieder auf

Wer sich einmal näher mit den Gegenständen, die ihn oder sie umgeben, befasst und sich wirklich eindringlich gefragt hat, ob er oder sie das Ding da jetzt wirklich benötige und ob es essentiell für das eigene Leben sei, wird wissen: Hat dieser Prozess begonnen, ist er schwierig wieder aufzuhalten.

Das meint nicht, dass man süchtig nach Aussortieren, Wegwerfen, Spenden und so weiter werden muss (obwohl das zugegebenermaßen auch eine Begleiterscheinung sein kann, die sich mehr oder minder lange hält). Sondern vielmehr, dass sich ein einmal verändertes Verhältnis zum Besitz tief in die jeweilige Psyche eingräbt und dort verweilt. Das mag man positiv oder negativ finden – und es hängt sicherlich auch wesentlich von der Stoßrichtung dieser Veränderung ab, welche Bewertung getroffen wird.

Ich habe nun schon eine Weile keinen Zwischenbericht zum Ausmisten, Ausräumen und allem, was irgendwie damit zu tun hat, geschrieben – wer mir allerdings auf Instagram folgt, weiß, dass mich das Thema nach wie vor beschäftigt und ich zu den Personen gehöre, in denen nachhaltig (im doppelten Wortsinne) etwas verändert wurde in den letzten Monaten.

Regelmäßig laufe ich mit zu Spendendem zur Caritas, sodass ich dort mittlerweile ein bekanntes Gesicht bin. Das sage ich nicht, um Komplimente einzuheimsen, sondern weil es Realität ist und a) zeigt, wie lange so ein Prozess andauern kann, b) dass so eine lange Dauer menschlich ist und c) dass wir mit wenig Aufwand gute Dinge tun können.

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Auch nachdem ich die aus meiner Perspektive besten Anlaufstellen für Aussortiertes niedergeschrieben habe, bin ich nach wie vor ein riesengroßer Fan des Spendens.

Dafür gibt es vor allem zwei logische Gründe:

  • Es ist einfach: Die meisten Spendenstationen befinden sich direkt in der eigenen Stadt, idealerweise sogar zu Fuß erreichbar. Die Sachen müssen nicht monatelang im Keller herumstehen, sondern können sofort weitergegeben werden.
  • Es ist regional: Die Sachen bleiben (meistens jedenfalls und bei Organisationen wie Tafel, Caritas und Rotem Kreuz mit Sicherheit) in der eigenen Stadt und werden an Bedürftige vor Ort ausgegeben – und nicht durch das ganze Land oder womöglich über den halben Erdball gekarrt. Das wiederum hat den Vorteil, dass lokale Märkte anderswo nicht zerstört werden.

Abgesehen von der eigenen Bequemlichkeit und eventuellen eco-fairen Implikationen hat das Spenden (vor Ort) auch den großen Vorteil, dass man direkt die Dankbarkeit beim Übergeben der Sachen gezeigt bekommt. Nicht selten stehen die Bedürftigen, die sich in der Regel aus einer bunten Mischung Rentner*innen, Sozialhilfeempfänger*innen und Flüchtlingen zusammensetzen, bereits im Laden, wenn ich mit meinen Kartons voller Dinge anrücke. Diese Situationen sind mir manchmal ein wenig peinlich, befinde ich mich doch in einer Rolle der temporär sozial Bessergestellten und geben mir die warmen Blicke und milden Lachfalten zu verstehen, dass meine Gaben geschätzt werden. Es schleicht sich das Gefühl ein, dass man regelmäßig diffus verspürt (etwa, wenn man Bettelnde am Straßenrand sieht), in diesen Momenten allerdings konkret wird: Dass es irgendwie ungerecht ist, dass es solche Menschen am Rande der Gesellschaft geben muss, die auf Spenden angewiesen sind.

Nichtsdestotrotz ist es unabhängig vom gesellschaftskritischen Gedankengut, das sich durch ein paar Blicke ins Rollen bringen lässt, gerade diese stille Dankbarkeit (niemand bedankt sich persönlich und nicht mit Worten – aber das ist überhaupt nicht nötig) der Grund, weshalb es mich immer wieder zu dieser Abgabestelle direkt gegenüber der Dorfkirche (von der und ihrer verkörperten Institution man nun halten mag, was man will und mit der ich selbst auch nicht unbedingt ausschließlich positive Dinge verbinde) zieht.

Ich habe, zumindest für einen kleinen Augenblick, das Gefühl, etwas direkt vor meiner Haustür zum Guten verändert zu haben.

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Langfristig ausmisten: Mit einem Orkan ist es nicht getan

Wenn sich auch die örtliche Caritas über meine regelmäßigen (und mal größer, mal weniger groß) ausfallenden Spenden freut, so zeigen sie (die Spenden) doch auch, dass konsequentes und effektives Ausmisten kein Akt ist, den man in einem Monat über die Bühne bringt.

Das Vorarbeiten (wie ich es an dieser Stelle nennen möchte) kann zwar sehr wohl so wenig Zeit in Anspruch nehmen – wichtig ist allerdings das, was danach kommt.

Denn nachdem man im ganzen Haus wie ein Scanner durch die Gegend geflitzt ist und jedes Ding auf Tauglich- oder Untauglichkeit in den eigenen vier Wänden untersucht und bei Bedaf in neue Hände weitervermittelt (oder bei ganz schweren Fällen: dem Mülleimer anvertraut) hat, man das leichte Herz und die frischen Räume (die wie neu eingerichtet wirken) genossen und sich nach getaner Arbeit zur Ruhe gesetzt hat – kann genau dasselbe passieren, was nach einer exzessiven Diät die allerhäufigste Folge ist: Es gibt einen Jojo-Effekt.

(Jaja, der ist auch nicht wissenschaftlich bewiesen und Ernährungswissenschaflter*innen streiten, ob es ihn überhaupt gibt, aber wir übernehmen für diese Metapher einmal diesen zentralen Begriff.)

Und änhlich wie nach eben einer strikten Lebensmittelzufuhrregulierung stellen wir nach einiger Zeit fest, dass die im Eifer des guten Aussortierungs-und-Minimalismus-Willens aus dem Haushalt herausbeförderten Gegenstände irgendwie wieder den Weg in die Wohnung finden. Vielleicht in anderer Form, vielleicht in anderen Farben, vielleicht mit anderen Zwecken – aber sie sind da. Wie die erneuten Kilos auf der Waage.

Beides ist auf ein und dasselbe Problem zurückzuführen: Es fand keine langfristige Umstellung der Gewohnheiten statt.

Motivation ist immer gut, Anfangsmotivation besonders. Denn ohne sie findet keine Veränderung statt. Damit eine Veränderung aber auch nachhaltig funktionieren kann, bedarf es mehr als eines wilden Sturmes. Was die Kilos anbelangt, einer Ernährungsumstellung – und was die Dinge zuhause angeht, einer grundlegenden Auseinandersetzung mit den Mechanismen, die hinter dem Kaufen, Haben-Wollen und Besitzen stecken.

  • Warum kaufe ich? Ist es die Werbung, bin ich zu leicht zu beeinflussen? Will ich modern und “in” wirken? Oder muss ich mir selbst etwas beweisen – monetäre Möglichkeiten, freier Gestaltungswille meiner Freizeit und meiner dinglichen Ausstattung? Brauche ich Kompensation – mache ich Frustkäufe? Will ich etwas ersetzen durch Dinge – Liebe, Menschen, Tiere, Kommunikation?
  • Wie kaufe ich? Schnell, unbedacht, exzessiv? Mache ich Impuls-Käufe? Lasse ich mich von anderen Menschen (zum Beispiel beim gemeinsamen Schlendern durch die Stadt) mitreißen? Kann ich bewusste Entscheidungen treffen? Wenn nicht – woran liegt das?
  • Wo kaufe ich? Da, wo es billig zu haben ist, damit ich möglich viel Ding aus möglichst wenig Geld herausholen kann? Geht es mir um die Masse der Dinge, die ich habe? Oder will ich das Teuere, das Luxuriöse, das Auffällige? Wenn ja, warum?

Das sind nur ein paar Fragen – die Liste ließe sich individuell ergänzen (und wie ihr auch schon an den paar Ideen oben sehen könnt, laufen einzelene Teilbereiche fließend einander über).

Für mich persönlich ist es essentiell, sich diese Fragen zu stellen – und die Antworten, wenn nötig, schriftlich zu fixieren. Als ich mir selbst diese Fragen und mich selbst ihnen gestellt habe, erfuhr ich beispielsweise, dass viele meiner Kaufmuster darin wurzelten, dass ich zum einen aus einem einigermaßen prekären finanziellen Umfeld komme, in dem jeder Cent dreimal umgedreht wurde und daher immer die Gleichung im Kopf hatte, dass mehr Masse für dasselbe Geld gleich mehr Lebensqualität bedeute. Ganz gleich, wie diese Masse beschaffen sei.

Zum anderen wurde mir klar, dass Kaufen für mich Identitätssuche war: Als Heranwachsende wusste ich nicht, was ich wollte und probierte alle möglichen Dinge durch – manchmal auch nur phasenweise. Schnell blieben viele Dinge nach kurzer Nutzungsdauer ungeliebt in der Ecke liegen. Wie das nun einmal so ist. Das Problem an dieser Sache: Mittlerweile möchte die Werbung nicht, dass unsere Identitätssuche jemals abgeschlossen ist und lockt und ködert mit immer neuen potenziellen Selbstverwirklichungs- und Positionierungs-Dingen. Wir sind es, die wir uns vor Augen führen möchten, was wir eigentlich wollen – und wer wir sind und sein wollen.

Praktisch: Wie ich langfristig beim aufgeräumten Status bleibe

Es gibt – neben der ständigen Selbstreflexion und der tiefergehenden Analyse der eigenen Herkunft, Erziehung, Umwelteinflüsse und so weiter, die dann irgendwann in bestimmte Kauf-Verhaltenmuster mündeten –  ein paar Regeln, die ich mir selbst für den alltäglichen Gebrauch aufgestellt habe. Denn so erleuchtend die Selbst-Analysen auch sind, eines sind sie nicht: alltagstauglich. Was dabei zutage kommt, möchte man sich nicht jeden Tag vor Augen führen müssen, jedenfalls nicht in der Ausführlichkeit. Abgesehen davon, dass das Ganze auch einigermaßen zeitraubend sein kann.

  • Für jedes Ding, das reinkommt, geht mindestens ein anderes. Ein mittlerweile bekannter Slogan – unter anderem deshalb, weil er unglaublich simpel und effektiv ist. Da gibt es nichts zu überlegen – außer vielleicht, welches andere Dinge gehen muss. Aber das kann (und sollte) man sich vor der entsprechenden Anschaffung überlegen. Es kann auch eines aus einer ganz anderen Kategorie sein – wenn ich mir einen Tisch gekauft habe, kann ich dafür ein Buch aussortieren. Ziel dieser Übung ist weniger, sich selbst zu geißeln, als vielmehr den Überblick über den eigenen Besitz zu behalten und den Stellenwert, den die Dinge im eigenen persönlichen Wertesystem einnehmen, ständig zu hinterfragen.
  • Wenn ich ein Ding haben will, warte ich einen Monat, bevor ich es kaufe. Ich habe mindestens 10 Wunschlisten. Eine für sehr große Anschaffungen (PC, vielleicht irgendwann einmal eine Wohnung und solche Dinge), eine für kleine Anschaffungen im Rahmen bis 30€, eine für mittelgroße Anschaffungen und dann noch einzelne Unterteilungen in Lebensbereiche (Sport, Fotografie, Wohnen, Studium, Arbeit und so weiter). Auf diese wandert das entsprechende Wunsch-Ding (gerne mit Link und Preisangabe) und harrt dort 30 Tage aus. Wenn es mir so wichtig ist, weiß ich nach dieser Zeitspanne immer noch, dass ich es haben möchte – meistens allerdings habe ich es dann schon lange wieder vergessen.
  • Bevor ich kaufe, frage ich mich: Brauche ich das wirklich? Es ist wirklich banal, aber umso wichtiger, dieser Frage Raum zu geben. Denn oft reagieren wir unbewusst und ohne, dass wir merken, was wir da eigentlich machen, haben wir via PayPal Express hunderte Euro zum Fester rausgeschmissen. Im Extremfall, wobei Kleinvieh ja bekanntlich auch (viel) Mist machen kann. Bevor das passiert, liegt es nahe, doch einmal kurz in sich zu gehen und zu fragen, warum wir das eigentlich haben wollen. Habe ich nicht schon genug andere Dinge, die dieselbe Funktion erfüllen? Hat das Ding das Zeug zum Lieblingsobjekt? Falls nein und ja, wandert es auf die Wunschliste. Und bevor endgültig gekauft wird, stelle ich mir die Brauchen-Frage noch ein letztes Mal.

Es sind keine bahnbrechend neuen Ideen und auch keine, die nicht schon jemand anderes irgendwo aufgeschrieben hätte. Aber für mich funktionieren sie – und zwar genau in dieser Kombination – erstaunlich gut.

Für manche mag es ein wenig creepy erscheinen, dass ich immer ganz genau weiß, was bei mir Zuhause herumliegt (ich muss gestehen, dass einige Ecken des Kellers noch immer Überarbeitung bedürfen und ich in diesem Bereich noch nicht ganz so fit bin) – aber mir verschafft das eine ungeheure Erleichterung. Es gibt Übersicht und schafft Verlass: auf die Dinge, die garantiert da sind, wenn ich sie brauche und auf die, die sicherlich nicht da sind, wenn ich eine Schublade aufmache und nicht von einem Berg unnützen Zeugs mental erdrückt werden will.

Serdar hat unsere Strategie letztens beim konspirativen Abendessen schön auf den Punkt gebracht:

Alles, was jetzt ins Haus kommt, ist auf irgendeine Weise wertvoll.

Besser kann man es nicht beschreiben. Wir suchen aus, gezielt, kuratieren wie äußerst penible Museumsdirektor*innen – und das ist ein schönes Gefühl. Sich mit besonderen Dingen einzurichten.

Was sind eure Strategien, um langfristig erfolgreich auszumisten? Oder habt ihr noch keine für euch gefunden?

Bilder
Sämtlich via Unsplash

JENNI MARR

Wanderin im Geiste, mit der Nase im nächsten Buch, nie so ganz zuhause und doch immer da.

KOMMENTARE

“Brauche ich das wirklich?” ist auch meine Frage, wenn ich mir etwas kaufen will. Meistens ist es am Ende nämlich nur ein “haben wollen” und kein wirkliches “brauchen”. Seitdem ich mir bei jedem Teil diese Frage stelle, hat sich mein Besitzt schon drastisch reduziert, denn ich kaufe nur noch sehr selten etwas ein^^

Liebe Sonja,
ja, ich denke, das ist die Kernfrage, um die sich alles dreht und die man ins Zentrum des eigenen Konsums stellen sollte.
Ich freue mich sehr, dass das mit dem Reduzieren für dich so gut klappt und wünsche dir weiterhin viel Erfolg mit dem Projekt! 🙂

Liebe Grüße
Jenni

Liebe Jenni,

dein Beitrag kommt wie gerufen, denn mich überkommt gerade am Jahresanfang auch wieder der Drang alles auszumisten, was sich doch wieder angesammelt hat. Und den Keller haben wir uns immer noch nicht vorgenommen, ach…
Ich finde, du beschreibst sehr schön, wie sich bei dir wirklich nachhaltig etwas im Kopf verändert hat, das erlebe ich genau so und freue mich, dass wir auch heute, fast zwei Jahre nach meiner ersten gründlichen Ausmistaktion, immer noch immens davon profitieren. Klar kommt immer wieder mal was rein, aber insgesamt ist es frei, ordentlich und übersichtlich geblieben 🙂
Trotzdem gibt es Momente, da falle ich in alte Muster zurück und tätige den einen oder anderen Impulskauf – meistens Bücher, denen kann ich besonders schwer widerstehen 😉 Das mit der Wunschliste habe ich zwar schon öfter gelesen aber noch nie umgesetzt, das wäre doch mal ein verspäteter guter Vorsatz für 2018 😀

Liebe Grüße,
Elisabeth

Liebe Elisabeth,

ach, das mit den Büchern kenne ich gut!
Man kauft so schnell und so gerne neue – vor allem, weil man nicht warten kann und will, bis die entsprechenden Exemplare sich in den Büchereien oder auf dem Flohmarkt angesammelt haben! 😀

Der Keller ist auch so ein Ding, an das wir immer wieder ranmüssen – aber glücklicherweise sammelt sich da nicht mehr so viel an wie früher (auch das haben wir gut in den Griff bekommen). Nur wandert eben immer noch viel von oben nach unten – und das dann da wieder rauszuschaffen, dauert echt manchmal eine ganze Weile.

Die Sache mit der dauerhaften Veränderung habe ich auch so erlebt – mittlerweile ist alles viel ordentlicher und nicht so zugeramscht. Dafür stehen hier jetzt überall Pflanzen herum. 🙂

Liebe Grüße und viel Erfolg dir 2018 beim Ausmisten und bei allem anderen!
Jenni

Ich muss auch unbedingt bald mal wieder ausmisten! Ich kaufe schon so selten Neue Sachen und trotzdem hat sich in den letzten Jahren einiges angesammelt. Deine Tipps sind wirklich super ausführlich und tolle Reminder! Danke!

Liebe Mia,

ja, das geht meistens wirklich schneller, als man denken würde.
Ich wünsche dir viel Erfolg beim Ausmisten und Weitergeben! 🙂

Liebe Grüße
Jenni

Liebe Jenni,

ich habe heute zufällig deinen Blog entdeckt und muss sagen ich Liebe Deine Beiträge jetzt schon.
Ich habe vor 3 Jahren schon das erste Mal aussortiert. Es waren ja schließlich Geschenke und die kann man doch nicht weg schmeißen.
Ein Jahr später habe ich gemerkt, dass ich immer noch so viel Kram besitze was ich einfach nicht nutze. Kosmetik die schon abgelaufen war und Hosen die nicht mehr passen und die ich sogar, wenn ich rein gepasst hätte eh nicht mehr tragen würde, da mir die optisch überhaupt nicht mehr gefallen haben. Der Geschmack hat sich mit den Jahren doch einfach sehr verändert. Doch ein Jahr später befinde ich mich immer noch in dem Prozess und ich habe das Gefühl es wird auch noch länger dauern.
Ich tausche zurzeit viele Dinge aus, die mir einfach nicht mehr gefallen. Ich habe Z.B noch eine alte Poco kommode die schon total kaputt ist und die ich schon ewig austauschen wollte. Ich spare nun für eine neue die auch aus echtem Holz ist. Es gibt allerdings noch einiges was ich gerne austauschen würde….Also ganz mit dem kaufen kann ich dann doch nicht aufhören.
Allerdings mache ich mir natürlich viel mehr Gedanken darüber, was in meine Wohnung reinkommt und ich versuche auch Dinge zu kaufen die einfach Zeitloser sind. Ich bin oft dem Trend nachgegangen, fand etwas einen Monat total toll und frage mich jetzt, wie ich das nur jemals hätte kaufen können. Damit ich das vermeide habe ich alle Newsletter abbestellt, auch die tollen Instagram Fotos von schönen Wohnungen folge ich nicht mehr. Ich merke einfach, dass ich dann sofort wieder zum Kaufen verführt werde und alles haben muss.
Seit längerem Handhabe ich es auch so, dass wenn ich etwas Neues kaufe etwas Altes gehen muss.
Ich habe mir Z.B neue Glasuntersetzer aus Marmor gegönnt und neue Handtücher.
Dafür mussten die alten Glasuntersetzer weichen und auch alte Handtücher wurden gespendet.
Mein Freund fand das nicht so toll und meinte man könne ja nicht genug Handtücher haben, doch ich finde man brauch keine 6 Notfallhandtücher, falls ja mal ein Kühlschrank auslaufen könnte.
Schminke kaufe ich schon lange nicht mehr und wenn dann nur, wenn etwas aufgebraucht ist und eine Mascara reicht dann auch, man brauch keine 5 Stück wovon dann 3 eh schon ausgetrocknet sind.
Bei den Putzmitteln sieht es genauso aus, ich muss da noch einiges aufbrauchen (das stört mich am meisten). Habe oft alles doppelt und dreifach gehabt. Ich muss sagen dieses Gefühl, wenn etwas aufgebraucht wird, was man eh nicht mehr kaufen will ist der Wahnsinn (süchtig).
Ich freue mich auf weitere tolle Beiträge.
Liebe Grüße
Claire

Liebe Claire,

ich danke dir für deinen langen und detallierten Kommentar und freue mich, dass du deine Erfahrungen teilst. 🙂
Und natürlich danke ich dir auch für das so liebe Lob, das mich sehr freut – willkommen auf “Mehr als Grünzeug”!

Ich finde den Gedanken, Dinge, die wirklich schon abgeranzt sind oder mit denen man sich nicht mehr identifizieren kann, wegzugeben und ggf. durch etwas Neues zu ersetzen, nicht schlimm – im Gegenteil: So handhaben wir das auch. Für meinen Teil gibt es wenig Schlimmeres, als sich mit Dingen zu umgeben, die man nicht mag, weil sie einen abstoßen. Das unwohle Gefühl wird man nicht los, egal wie nachhaltig man sich diese Vorgehensweise redet. Und das kann ja auch irgendwo nicht Sinn der Sache sein. Da finde ich die sparsame Investition in langlebige, nachhaltig produzierte Dinge wesentlich sinnvoller. Aber eben auch das zusätzliche Aussortieren von Sachen, bei denen man weiß, dass sie eigentlich nun wirklich einigermaßen überflüssig sind. Ich glaube, ihr seid da auf einem sehr guten Weg. 🙂

Liebe Grüße und weiterhin viel Freude beim Um- und Neugestalten!
Jenni

Liebe Jenni,

ich danke Dir für deine Liebe Antwort.
Ich versuche, wenn ich schon etwas kaufe nun definitiv mehr auf die Nachhaltigkeit sowie die Langlebigkeit zu achten.
Allerdings werde ich jetzt auch nicht alles sofort austauschen. Das wäre in meinen Augen auch nicht wirklich nachhaltig.
Ich habe das Gefühl, dass ich seit dem aussortieren in einem riesigen Prozess stecke. Ich merke jetzt erst was mir wirklich gefällt und was nicht, auch wenn mich viele nun extrem langweilig finden, da ich das elegante schlichte und zeitlose schwarz allem bevorzuge. Doch bei der Farbe brauche ich mir nie Gedanken machen, sie passt einfach überall zu und auch in Jahren werde ich das noch mögen. Ich bin gespannt wie weit die Reise geht, dein Blog ist mir auf jedenfalls eine große Hilfe und Inspiration. Ich freue mich auf jeden weiteren Beitrag von Dir <3

Liebe “Mehr als Grünzeug” ich habe mir erlaubt dich für dein “Recognition Award” zu nominieren. https://krautundruebe.blog/2018/01/03/recognition-award/#more-9651
Ich freue mich, wenn du teilnimmst und deinerseits 15 neue Bloggerinnen nominierst 😉
Alles Liebe
Beate

Liebe Beate,

ich danke dir für die Nominierung, habe aber leider keine Zeit, mich an solchen Awards zu beteiligen.
Ich freue mich dennoch über die Auszeichnung – lieben Dank dir! 🙂

Herzliche Grüße
Jenni

Liebe Jenni,
toller Artikel, der sehr viel von diesem durchaus komplexen Thema zusammenfasst! Die beiden letzten Praxistipps befolge ich genau so! Und das “konspirative Abendessen” gefällt mir, vielleicht sollten wir das bei uns auch mal einführen 🙂
Ich habe allerdings immer etwas gemischte Gefühle, wenn ich über den Zusammenhang “Konsum und Werbung” stolpere. Einerseits macht Werbung ganz sicher viel mit unseren Köpfen (und Emotionen), wenig davon ist explizit gut. Ich kenne die Mechanismen ja berufsbedingt in- und auswendig. Aber ich denke, man kann weder den Wunsch nach Neuem, noch die anhaltende “Identitätsfindung” durch Besitz, allein der Werbung zuschreiben. Ich denke, beides gehört ein Stück weit zur menschlichen DNA und kann nie ganz ausgeschaltet werden (genau deshalb funktioniert das Locken auf Plakaten und Instagram ja so gut). Ich denke daran, wie ich zum Beispiel unregelmäßig Kochzeitschriften kaufe. Das ist irgendwie auch Werbung, der leckere Titel mit Trendfoods ist genauso ein Lifestyle-Versprechen wie die Anzeige einer Marke. Trotzdem kaufe ich das nicht, um “in” zu sein oder andere zu beeindrucken, sondern schlicht weil ich Lust verspüre, mal wieder einen anderen Geschmack kennenzulernen. Das halte ich für einen Ausdruck von Experimentierfreude, und ich denke, die verspürt jeder Mensch, der eine stärker, der andere weniger. Ist es mit Mode und Einrichtungsgegenständen nicht auch so, dass wir irgendwann (idealerweise erst sehr spät) selbst vom Lieblingspulli genug haben oder einfach mal wieder was anderes tragen wollen, allein der Abwechslung willen? Ziel sollte es wahrscheinlich sein, die Abwechslung auf andere, konsumunabhängigere Bereiche des Lebens zu verschieben, damit wir sie nicht mehr so sehr beim Besitz vermissen… kommt das hin?
xx Sabine

Liebe Sabine,

ich danke dir für dein ausführliches Feedback und deine klugen Gedanken zum Thema!
Ich glaube, du hast mit deiner Perspektive auch recht: Die Suche nach Identität ist sicherlich irgendwo auch im Menschen angelegt und es ist genau das, was die Werbung sich zunutze macht. Aber gleichzeitig in einem nie gekannten Ausmaß befeuert, wie ich finde. Auf der anderen Seite lernen wir ja auch erst durch Werbung “gute” Firmen und Labels kennen, die die Dinge anders anpacken (Stichwort auch hier wieder: Nachhaltigkeit). Insofern ist nicht alles schlecht und nicht immer zu verteufeln. Auch ich konsumiere in einem gewissen Maß gerne, das gebe ich gerne und offen zu. Alles andere wäre gelogen.

Dein Fazit finde ich aber sehr schön – es erinnert mich an dieses mittlerweile leider etwas ausgelutschte Zitat vom Momentesammeln anstelle von Dingen. Ich denke, das ist es im Endeffekt, was uns glücklich und die Welt langfristig besser machen würde, ja. 🙂

Liebe Grüße
Jenni

Liebe Jenni,
ja, das ist ein schwieriges Thema, das Ausmisten, denn ICH KÖNNTE ES DOCH NOCH BRAUCHEN!!!!
Das ist natürlich Blödsinn, aber genau der Grund dafür, wie du schreibst, warum wir die Sachen aufs Neue kaufen.
Wie wäre es mit folgender Strategie: Ich probiere aus, ob ich ohne XYZ zurecht komme: Ich stelle den Gegenstand weg, mache mir einen Termin im Handy-Kalender, damit er nach 1-2 Monaten piepst. Habe ich es vermisst? Nein? Dann kann es weg.
Nicht, als ob ich große Expertin wäre….. Die Mikrowelle steht seit 1,5 Jahren auf dem Dachboden *Hust*
Viele Grüße,
Izabella

Liebe Izabella,

oh ja – das Ich-könnte-es-noch-Brauchen ist eine große Hürde auf dem Weg zum effektiven Ausmisten, da gebe ich dir Recht. Deine Idee mit dem Wecker finde ich auch gut – mir persönlich ist das ein wenig zu umständlich, muss ich gestehen: Ich halte mich einfach an meine Giveaway-Kiste im Keller. Sobald die voll ist, kommen die Sachen, die drinliegen, weg – sofern ich sie nicht vermisst habe (was meistens der Fall ist). Das dauert meist auch 1-2 Monate (es sei denn, ich habe irgendeinen Ausmist-Schub), daher passt das ganz gut. 🙂

Liebe Grüße
Jenni

Liebe Jenni, das sind wirklich tolle Tipps und ein super Einblick, wie man es langfristig schaffen kann, nicht nach einer großen Ausmistaktion wieder Zeug anzuhäufen. Gerade den Tipp, für jedes Teil das kommt eins wegzugeben finde ich super.
Ich will auch versuchen, das zukünftig besser umzusetzen. Lieben Dank für diesen tollen Beitrag!
Viele Grüße aus dem verschneiten München,
Ela

Liebe Ela,

ich danke dir für deine lieben Worte und freue mich, dass ein paar gute Tipps für dich dabei sind.
Ich wünsche dir für 2018 alles Gute – auch im aufräumtechnischen Bereich! 🙂

Liebe Grüße aus dem regnerischen Münster!
Jenni

Hallo Jenni!

Das mit dem Warten ist wirklich gut. Da ich versuche, alles auf dem Gebrauchtmarkt zu bekommen, muss ich gezwungenermaßen warten. Und manchmal erledigt sich das mit der Zeit von selbst. Manchmal dauert es auch länger als einen Monat, bis ich das gewünschte Teil finde. Dann freue ich mich meist wirklich riesig darüber!

Herzlichen Glückwunsch zu Deinem erfolgreichen Entrümpelungsprojekt!

lg
Maria

Liebe Maria,

oh ja, ich kann das total nachempfinden, wie groß die Freude ist, wenn man nach so langem Warten dann doch endlich das erwünschte Teil in den Händen hat! Das geht uns mittlerweile auch regelmäßig so (wir versuchen vor allem Einrichtungs-Dinge gebraucht zu beziehen) – das Gefühl ist einmalig. Und die Schätzung der Dinge dadurch ungleich höher.
Danke dir für deine Glückwünsche – obwohl ich noch nicht das Gefühl habe, “fertig” zu sein. Aber das ist man ja nie… 😉

Liebe Grüße
Jenni

Ein schöner Artikel und schöne Gedanken. Ich bin auch in den letzten Wochen, vielleicht sogar Monaten, viel am ausmisten und du hast vollkommen recht – es ist ein Prozess. Ich empfinde es irgendwie als befreiend und es hat den positiven Nebeneffekt, dass ich wirklich weniger und vor allem bewusster kaufe. Zumindest meistens. Da du ja auch aus Münster kommst, ich bin übrigens ein großer Fan der ‘Give-Box’ am Schloßtheater. Vielleicht kennst du die ja auch. Gut erhaltene Sachen kann man auch super dort vorbeibringen.

Deine Idee mit den Listen bevor man neue Anschaffungen tätigt, egal ob große oder kleine, finde ich total super. Das werde ich auf alle Fälle mal umsetzen.

Liebe Ilka,

ich danke dir für deine lieben Worte und freue mich, dass dir der Artikel gefallen hat.
Es ist wirklich ein Prozess, der lange andauert, aber unfassbar befreit und den Kopf freimacht für neue Gedanken und das, was man selbst sein möchte. Diese Dinge gehen Hand in Hand, finde ich.
Give-Boxen finde ich auch total klasse – an der Hammerstraße gibt es ja auch eine schöne, die mir sehr gefällt. Organisatorisch komme ich dort selten vorbei, weil ich genauer gesagt in Greven wohne und dann erstmal meine ganzen abzugebenden Sachen per Zug und dann zu Fuß durch halb Münster schleppen müsste – aber wenn ich Kleinigkeiten habe, bringe ich sie dort ebenfalls gerne vorbei. 🙂

Liebe Grüße
Jenni

Ich finde dieses Thema unglaublich interessant! Ich habe früher auch total gerne ausgemistet und dieses befreiende Gefühl danach geliebt, allerdings habe ich damals noch nicht ganz verstanden, warum nach einem Jahr wieder so viel zum wegschmeißen da ist. Klar, damals war ich noch ein Kind und bin aus einigen Sachen einfach rausgewachsen oder meine Interessen haben sich weiter entwickelt, das ist noch ein bisschen was anderes. Aber heute bin ich mir meinem Konsum viel mehr bewusst und denke mehr darüber nach. Ich habe auch seit einem halben Jahr keine Klamotten oder sonstiges (nicht unbedingt notwendiges) gekauft und fühle mich damit wohl. Klar hätte ich gerne einen neuen Pulli, weil ich gefühlt jeden Tag das gleiche anziehe. Aber ich weiß, dass es auch mit 3 neuen Pullis genauso ist. Man hat ja nie genug zum anziehen, also versuche ich es einfach gar nicht erst 😀
Ausmisten müsste ich aber in der Tat unbedingt mal wieder. Mein Zimmer ist voll von Zeug, aber meine Zeit ist mir dafür gerade einfach zu schade… Mein Abi und mein Blog hat da erstmal eine höhere Priorität. Aber solange nicht noch mehr dazu kommt ist das auch erstmal gut. Ich denke, wenn ich aus Australien wiederkomme und ein Jahr mit einem Rucksack ausgekommen bin, wird es mir leicht fallen viele Dinge wegzugeben 🙂

Liebe Grüße
Pauline <3

http://www.mind-wanderer.com

Liebe Pauline,

ich danke dir für deinen ausführlichen Kommentar und freue mich, dass das ein Thema ist, das dich beschäftigt. Ich glaube, es ist gerade heutzutage enorm wichtig, sich mit den Dingen, die einen umgeben, auseinanderzusetzen und zu schauen, was man eigentlich wirklich haben möchte.
Deine Strategie, was Kleidung anbelangt, finde ich sehr vernünftig – wenn man sich umschaut, was es alles Schönes gibt, hat man wirklich theoretisch nie genug. Am Ende bleiben aber doch die wenigen Lieblingsteile, die immer und immer wieder getragen werden. So ist das bei mir auch und seitdem beschränke ich mich auch darauf. Manchmal werden einige sehr alte Sachen ausgetauscht, aber das war es dann auch. Oder neu gestrickt, seit neuestem. 😉

Prioritäten setzen ist auch ungeheuer wichtig – ich habe mir dann irgendwann einfach die Zeit genommen, weil ich es nicht mehr ausgehalten habe mit dem ganzen Kram um mich herum. Das hat viel Zeit und Energie gekostet, besonders zu Beginn. Aber wenn man erst einmal einen bestimmten Status erreicht hat, fällt das Halten (unter anderem mit den oben beschriebenen Strategien) wesentlich leichter.

Ich wünsche dir viel Freude und Erfolg jetzt schon für deine Rucksack-Reise! Das wird sicherlich superspannend! Sowas habe ich auch vor – mal schauen, wann ich es in die Tat umsetze… 🙂

Liebe Grüße
Jenni