Spätestens, als vor ein paar Monaten Corona um die Ecke kam und die aktuelle Zeitrechnung in Vor und Danach einteilte, wurde mir wieder schmerzlich bewusst, was für ein Luxus plastikfreies Einkaufen im Alltag eigentlich ist: Wenn man nicht gerade einen Unverpacktladen in der Nähe hat, ist es für viele Menschen nicht gerade einfach, so plastikfrei einzukaufen, wie sie das womöglich gerne hätten. 

Ich jedenfalls habe im Zuge der Selbstisolation deutlich mehr Plastik verbraucht als sonst – weil ich vermieden habe, mit dem Auto (immerhin eine halbe Stunde und nicht besonders umweltfreundlich) oder den öffentlichen Nahverkehrsmitteln in die Stadt zu fahren und vor Ort meine Einkäufe im Bioladen erledigte. 

Da gibt es leider (noch?) keine unverpackte Station, sodass außer dem Obst und dem Gemüse, das ich ohnehin von der wöchentlichen Gemüsekiste beziehe, fast alles eingepackt war. Einige Unternehmen, die Spielberger Mühle zum Beispiel, verzichten seit einiger Zeit auf Plastikverpackungen und nutzen nur noch Papier – aber auch das ist ja nicht zwangsweise die beste Lösung. Das Problem ist: Oft gibt es noch keine beste Lösung für das Dilemma. 

Unverpackt einkaufen: online und mit Mehrwegsystem

Aber es gibt mehrere Möglichkeiten, den Status Quo herauszufordern. Eine von ihnen ist das Start-up Unverpackt für Alle, das die Kernbotschaft schon im Namen trägt: Plastikfreies Einkaufen soll nicht nur in den großen Städten, sondern für alle Menschen zugänglich sein – und das am besten ohne zusätzliches Hin- und Hergekarre von Gläsern quer durch die Republik (was auch wieder unnötig viele Emissionen verursachen würde). 

Über den Onlineshop können bequem Grundnahrungsmittel, Nüsse, Hülsenfrüchte, Trockenobst, Tee und Kräuter und Körner und Saaten bestellt werden. Geliefert werden die Produkte so minimalistisch wie möglich: in einem Verbundkarton aus Graspapier, der aus Verpackungsspargründen nur Bestellmengen von 6, 12 oder 18 Posten zulässt. 

Die Lebensmittel selbst werden in einem klassischen Mehrweg-Joghurtglas geliefert, das viele von uns mit beliebten Molkereiprodukte-Marken in Verbindung bringen. Der Knackpunkt: Nachdem ich die Produkte aufgebraucht habe, muss ich die Gläser nicht wieder per Post wegschicken. Sondern kann sie in Geschäften vor Ort abgeben und so das ohnehin schon existierende Pfandsystem nutzen. 

Wie genau das alles funktioniert, wie nachhaltig Unverpackt für Alle wirklich ist und was noch Herausforderungen sind, hat mir Vanessa aus dem Team erklärt.

Interview mit Vanessa von Unverpackt für Alle

Was ist Unverpackt für Alle und wer steckt dahinter? 

Vanessa: Ganz einfach ausgedrückt, bietet Unverpackt für Alle Lebensmittel (und bald weit mehr) im umweltfreundlichen Pfandglas an. Das ist aber noch nicht alles: Wir arbeiten ganzheitlich nachhaltig – achten also auf jeden Schritt in der Wertschöpfungskette und hinterfragen den Status Quo der heutigen Konsumkultur. 

Hinter UFA steckt Leonhard, der letztes Jahr die Idee hatte und sie auch gleich umgesetzt hat. Mittlerweile sind wir ein neunköpfiges Team, das sich in Berlin über das letzte halbe Jahr zusammengefunden hat. Wir leben unsere Vision von der Zukunft nicht nur mit dem was wir machen, sondern auch darin, wie wir das tun und mit wem: Wir verstehen uns nicht nur als “Unternehmen”, sondern als Aktivist:innen. Im gesamten Team arbeiten wir vor allem mit dem Prinzip learning by doing – niemand von uns hat das studiert oder vorher professionell in dem Bereich gearbeitet, den wir jetzt gerade übernehmen.

Wie definiert ihr bei Unverpackt für Alle den Begriff Nachhaltigkeit

Vanessa: Nachhaltigkeit bedeutet für uns ein verantwortungsvolles Handeln. Im Sinne unserer Natur, den natürlichen Rhythmen der Menschen, Tiere und Pflanzen. Es gibt nichts Wichtigeres als ein gesundes Leben – das gilt für die Gesundheit unseres Planeten genauso wie für die Gesundheit der Menschen. Beides gehört zusammen. Deshalb sind wir so wählerisch bei unseren Lieferanten und gestalten jeden unserer Schritte so nachhaltig wie nur möglich. 

rechts: Leonhard, Gründer © Unverpackt für Alle

Welche Maßnahmen trefft ihr, um Unverpackt für Alle so nachhaltig wie möglich zu betreiben? 

Vanessa: Wir suchen unsere Rohstofflieferanten selbst und mit viel Aufwand und Anspruch aus. Wir beziehen nach Möglichkeit fair gehandelte Ware bei Produkten aus dem fernen Ausland und Demeter- oder Bioland-zertifizierte Ware bei allen Produkten, die aus Deutschland und Europa stammen. Die meisten unserer Rohstoffe werden unter strengen “Social Standards” gehandelt, das heißt, dass wir sicher sein können, dass unsere Lebensmittel von Betrieben kommen, die faire und hygienische Arbeitsbedingungen voraussetzen. Dazu gehört unter anderem ein diskriminierungsfreier Arbeitsalltag mit nicht mehr als 8 Stunden pro Tag, Pausenräumen, Familienfreundlichkeit, vertraglich festgehaltenen Rechten, sowie ein gesetzlicher Mindestlohn. 

Unser Etikett ist lebensmittelecht, mit veganen Farben bedruckt (herkömmliche Druckfarben werden auf Erdölbasis hergestellt) und hält mit wasserbasiertem Kleber am Glas. Der Deckel, den wir verwenden, ist ein Blueseal-Deckel (am blauen Dichtring zu erkennen) und frei von Weichmachern und PVC. Wir versenden ausschließlich in Karton, der zu 100% aus Gras besteht und der in allen Bereichen um ein Vielfaches nachhaltiger ist als Karton aus Holz: 97% weniger Energie, 75% weniger CO2 und 3.000% weniger Wasserverbrauch! Unsere Produktion läuft zudem komplett über Ökostrom. 

Auch menschlich und hinsichtlich der Arbeitskultur leben wir nachhaltig: Arbeitszeiten und Orte sind flexibel und den Bedürfnissen entsprechend gestaltbar – manchmal sogar dem Rhythmus des Mondes oder den Planeten angepasst! Bei uns zählen nicht die Zertifikate, die jemand mitbringt, sondern die Einstellung und Motivation, die Liebe und Hingabe zu unserer Vision. Bald arbeiten wir im Team außerdem mit Menschen mit Beeinträchtigung zusammen, die genauso motiviert sind, etwas Sinnvolles zu tun wie wir.

Euer Projekt hat ein sehr erfolgreiches Crowdfunding hinter sich. Habt ihr mit so viel Interesse gerechnet? 

Vanessa: Wir waren auf jeden Fall positiv überrascht! Dass es so viel Unterstützung gibt, hätten wir nicht erwartet. Es ist unglaublich schön zu sehen, dass die Menschen für diese Idee bereit sind. 

Im Zentrum von Unverpackt für Alle steht das “Unverpacktglas”. Was ist das Besondere an ihm? 

Vanessa: Das Glas ist nichts Neues: Es ist ein gelebtes Pfandglas und deshalb so cool. Wir haben ihm einen Namen gegeben, damit die Neugier und Aufmerksamkeit der Menschen für Mehrwegverpackungen wächst. Uns geht es um ein nachhaltiges Umdenken. Pfand und Mehrweg sind in Deutschland absolut nichts Unbekanntes, das Prinzip ist aber verloren gegangen beziehungsweise das Potenzial dieses Systems wurde bisher noch nie ganz genutzt. Das Besondere an dem Glas ist, dass es ein Mehrwegglas ist, das bundesweit bei jedem Supermarkt gegen Pfand am Leergutautomaten abgegeben werden kann. Es ist Teil eines Kreislaufs, wird etliche Male benutzt und gibt keine schädlichen Stoffe an die Umwelt oder die Lebensmittel ab.

Woher bezieht ihr die Unverpacktgläser? Sind sie bereits im Kreislauf etabliert oder müssen sie neu produziert werden? 

Vanessa: Anfangs mussten wir neue Gläser kaufen und in den Pool einfließen lassen, bevor wir uns daraus schon benutzte Gläser nehmen konnten. Was wir an den Bio-Großhandel an Kisten und Gläsern liefern, nehmen wir auch zurück. In den seltensten Fällen bekommen wir unsere eingebrachten Gläser oder Pfandkisten zurück. Auch wenn die Reinigung unserer Gläser sehr viel einfacher ist, freuen wir uns darüber, dass das System so gut funktioniert und keine Unterschiede zwischen der Herkunft der Gläser gemacht wird. Auch Gläser von konventionellen Herstellern finden den Weg in unsere Reinigung. 

Also sind nicht nur Endkonsument*innen die Zielgruppe, sondern auch Unternehmen? Inwiefern wird das schon genutzt und was sind eure Pläne in dieser Richtung? 

Vanessa: Richtig. Durch unseren bundesweiten Versand können wir Privathaushalten unverpacktes Einkaufen flächendeckend ermöglichen. Doch wir konzentrieren uns vor allem auf kleinere Bio-Fachhändler. Die großen Bio-Ketten vertreten nicht mehr das, was wir mit Bio verbinden. Umso wichtiger ist für uns, die kleinen Läden zu unterstützen und insbesondere  in der Anfangsphase mit gleichgesinnten Menschen zu arbeiten. 

Wir sind bereits in ABO-Kisten, Hofläden und auch verschieden großen Bio-Märkten zu finden. Sobald wir etwas Luft haben, möchten wir auch möglichst viele Unternehmen beliefern, um so auch den Büroalltag plastikfrei zu gestalten. 

Habt ihr vor, mit den Unverpacktläden bundesweit zusammenzuarbeiten?

Vanessa: Ja, unbedingt! Wir freuen uns sehr über Kooperationen mit Unverpacktläden und kleinen Hofläden! In einigen sind wir auch schon zu finden und die Anfragen werden immer mehr. 

Woher kommen eure Produkte und welche Kriterien legt ihr bei der Auswahl eurer Lieferanten an? 

Vanessa: Bisher haben wir 13 verschiedene Lieferanten. Wir beziehen ausschließlich von bio-zertifizierten Lieferanten und achten dabei auch auf die Herkunft und die Transportarten. Ein wichtiges Kriterium für uns ist natürlich auch die Art der Verpackung, mit der wir beliefert werden. Unsere Auswahl erfolgt also vor allem nach Kriterien sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit, aber auch dem Geschmack. Wir wollen Genuss und Nachhaltigkeit zusammenbringen und für alle zugänglich machen. Deshalb suchen wir ausführlich und lange nach den für uns stimmigsten und besten Rohstoffen.

Könnt ihr die Lieferketten, vor allem bei exotischen Produkten, genau nachvollziehen? 

Vanessa: Ja, da wir mit erfahrenen Importeuren arbeiten, die nach eigenen Social Standards handeln. Die werden sehr ernst genommen und immer wieder kontrolliert. So entstehen langfristige Partnerschaften zu Höfen und Erzeugern, die ebenfalls diese Philosophie vertreten. Wir haben auch teilweise direkten Kontakt zu Projekten, die unter anderem über Fairtrade oder Fair for Life zertifiziert sind. So wird auch von anderen Instanzen die soziale Nachhaltigkeit sichergestellt. 

Wie kommen die Produkte ins Glas – und fallen im Hintergrund viele Verpackungen an? 

Vanessa: Die Gläser werden derzeit per Hand befüllt und von kleinen Maschinen etikettiert. Wie die Produkte bei uns ankommen, ist eine gute und wichtige Frage. Wir haben das Gefühl, dass darüber sehr wenig gesprochen wird in der Unverpackt-Szene. Das möchten wir gerne ändern und damit transparent umgehen, nur so können wir auch in diesem Bereich eine Veränderung mitgestalten. Denn natürlich ist unverpackt zu sein eine Herausforderung, wenn um einen herum fast alle Betriebe und Lebensmittelmarken auf Einwegpackungen setzen. Es ist nicht nötig, so zu tun, als wenn dabei  alles perfekt und makellos läuft. Wie gesagt: Wir versuchen, möglichst ohne Einwegverpackung beziehungsweise verpackungsreduziert beliefert zu werden, aber das liegt nicht immer in unserer Hand. Unser Trockenobst kommt aus hygienischen Gründen in Kartons mit Plastikschutz. Die Produkte werden bereits in den Herkunftsländern so verpackt, somit haben die allermeisten Anbieter von Trockenobst die gleiche Transportverpackung. 

Unser Kaffee kommt in Mehrwegboxen, alle anderen Produkte in großen Papiersäcken. Ab einer gewissen Größe (1 Tonne) können wir dann Mehrweg-Bigbags beziehen und somit diese Produkte dann auch ganz ohne Einwegtransportverpackung anbieten. Wir sind auf jeden Fall auf einem guten Weg und entschlossen, eines Tages komplett mit Mehrweg beliefert zu werden. Dafür muss sich am gesamten Logistik- und Verpackungssystem einiges verändern. Deshalb ist es wichtig, dass so viele wie möglich mitmachen und sich dafür einsetzen. Die Umweltauswirkungen, die uns alle betreffen sind zu groß, um ignoriert zu werden. 

Was wären aus eurer Perspektive Stellschrauben, die im System geändert werden müssten und wie könnte man das umsetzen?

Vanessa: Das Pfandsystem muss subventioniert werden. So wie erneuerbare Energien beispielsweise. Ganz konkret müssen Maschinen und Anschaffungskosten gefördert werden. Plastik als Erst-in-Verkehr-Bringer in Umlauf zu bringen, müsste im neuem Verpackungsgesetz noch wesentlich höher besteuert werden. Was weiterhin wichtig ist: Alle Lebensmittelhändler müssen Pfand zurücknehmen – nicht nur die, die es in Umlauf bringen. 

Habt ihr am Anfang darüber nachgedacht, statt Glas Papiertüten zu nutzen und habt ihr das emissionstechnisch gegengerechnet? 

Nein, auf keinen Fall. Die Idee war von Anfang an, das Mehrwegglas zu nutzen. Abgesehen davon, dass Papiertüten fast aussließlich als Einwegpackung genutzt werden können und somit ökologisch einfach nicht so nachhaltig sind wie eine Mehrwegverpackung, müssen sie aus Holz hergestellt werden. Dafür sind Bäume uns zu wichtig für das Ökosystem. Die Erhaltung der Urwälder ist derzeit mindestens genauso wichtig wie die Vermeidung von Plastikmüll. 

Wie begegnet ihr dem Argument, dass der Transport von Glas auch viele Emissionen verursacht – vor allem, wenn es wegen einer Onlinebestellung durch halb oder ganz Deutschland transportiert wird? 

Vanessa: Für uns ist glasklar (haha), dass der Schaden, den Plastik bisher auf der Erde verursacht hat und weiterhin verursacht, diese Frage eigentlich erübrigt. Natürlich schweben unsere Gläser nicht von der Produktion zum Wohnort unserer Kunden – aber im Vergleich zu den Emissionen und den extremen Umweltschäden, die bei der Herstellung von Plastik durch Erdöl und dessen Transportwege bis in Produktionsstätten entstehen, ist das gar nichts. Anders formuliert: Von der Erdölquelle bis hin zur Entsorgung hat Plastik oft eine Reise um den halben Globus hinter sich, an die oft nicht gedacht wird. Wird ein Supermarkt beliefert, wird nur das Pfand wieder mitgenommen. Auf der Rücktour ist im LKW also noch ausreichend Platz für weiteres Mehrwegglas. Somit würden bestehende Touren effektiver genutzt. Durch das Pfand würde zwar das Gewicht des LKW zunehmen, aber nicht in einem Ausmaß, dass es zu einem deutlich erhöhten CO2-Verbrauch kommen würde. Hinzu kommen die Emissionen, die durch die häufige Verwendung der Gläser und die für die Umwelt unschädliche Entsorgung eingespart werden. In naher Zukunft kommen wir ohnehin nicht um nachhaltigere Wege des Transports herum. 

Wie genau lasst ihr die Gläser reinigen und wisst ihr, wie viele Emissionen das verursacht? Mit welchen Reinigungsmitteln wird gereinigt?

Die Gläser werden in einer Industrie-Spülmaschine mit biologisch abbaubarem Spülmittel gereinigt. Vor allem der heiße Spülgang ist bei der Reinigung entscheidend: So verbrauchen wir weniger Spülmittel und die Gläser trocknen schnell. Unsere Produktion wird zu 100% durch Ökostrom betrieben. Die Emissionen, die durch die Reinigung entstehen, gehen also fast gegen 0.

Wisst ihr, wie viele Emissionen euer Unternehmen produziert? Welche Methoden zum Monitoring nutzt ihr? 

Vanessa: Dieses Thema sind wir noch nicht angegangen. Da wir uns jede Woche weiterentwickeln, können wir noch keine beständigen Aussagen zu dieser Thematik machen. Wir machen das Mögliche und haben jeden Schritt genau im Auge. Viele Firmen gleichen ihre Emissionen bereits aus, das kommt uns zugute: Unser Versand wird ausgeglichen, ebenso unsere Druckerzeugnisse, wir verwenden ausschließlich Ökostrom und kommen mit den Öffis oder dem Rad zur Arbeit. Keine*r von uns besitzt ein Auto, aus Überzeugung. An einigen Stellen müssen wir uns aber dennoch weiter entwickeln. Unsere Deckel werden zum Beispiel noch nicht ausgeglichen, genauso die Rückführung vom Pfand. Das wird sich aber noch dieses Jahr ändern. 

Was muss sich aus eurer Perspektive im wahrsten Wortsinn nachhaltig ändern, damit Einwegplastikverpackungen effektiv reduziert werden können?

Vanessa: Das Angebot an bezahlbaren Produkten im Mehrwegglas! Das kann sich ändern, indem Produktionsstraßen von Maschinenherstellern angeboten werden. In möglichst vielen Varianten, damit auch kleinere Manufakturen oder Betriebe nicht ausgeschlossen werden. Dasselbe gilt für Produkte unterschiedlicher Beschaffenheit: Ob Viskosität (flüssiges & dickflüssiges) oder Temperatur, der Teufel steckt oft im Detail, wenn es um die Umsetzung geht. Zudem benötigen wir angemessene Reinigungsmöglichkeiten, vielleicht auch über Dienstleister. Wir sind flexibel und möchten gerne Pionierarbeit leisten, doch die Erkenntnisse müssen sehr viel skalierbarer aufbereitet werden. Die Rücknahme vom Pfand ist schon ganz gut, aber sicherlich ist auch das noch verbesserungswürdig.  

Könnt ihr Angaben zu dem Preisverhältnis machen – seit ihr wesentlich teurer oder sogar günstiger als zum Beispiel Produkte aus dem Bioladen / Biosupermarkt? 

Für die Qualität, die wir anbieten, haben wir tatsächlich günstige Preise. Auch weil ein Glas mit Deckel, Reinigung und Transport sehr viel teurer ist als eine Plastikverpackung. Ca. 70 Cent vom Preis sind allein die Verpackung. 

Was sind aktuelle Pläne für “Unverpackt für Alle”? Woran arbeitet ihr gerade? 

Vanessa: Wir arbeiten gerade vor allem daran, unsere Produktion nachhaltig und effektiv auszubauen, bundesweit im Einzelhandel verfügbar zu sein und unser Sortiment weitreichend zu erweitern. Wir haben also reichlich zu tun. 😉 Deshalb freuen wir uns momentan besonders über jede einzelne Online-Bestellung, das unterstützt uns sehr! 

Vielen Dank dir für deine ehrlichen und ausführlichen Antworten, Vanessa! 

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich bin nach wie vor sehr angetan von der Idee, die Mehrwegproblematik mit den Systemen, die schon da sind, anzugehen und finde die Arbeit von Unverpackt für Alle einen interessanten und wichtigen Schritt in die richtige Richtung. 

Sympathisch ist vor allem auch, dass Unperfektheiten zugestanden und transparent gemacht werden, manche systemischer, andere organisatorischer Natur – von einigen Herausforderungen, vor denen man im Verpackungsgeschäft steht, wusste ich bisher auch noch nichts und habe allein aus diesem Interview wieder eine Menge gelernt. Ich bin gespannt, wie sich Unverpackt für Alle entwickeln wird und verfolge das auf jeden Fall weiter.

Und um ehrlich zu sein: Auf die Möglichkeit, Mehrweggläser für Unverpacktes überall wieder abgeben zu können, habe ich seit einiger Zeit wirklich gewartet. 


Unverpackt für Alle könnt ihr hier finden: 

JENNI MARR

Wanderin im Geiste, mit der Nase im nächsten Buch, nie so ganz zuhause und doch immer da.

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