Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mittlerweile bin ich wieder in dem Status der Pandemie angekommen, in dem ich Bananenbrot und auch ganz normales Brot backe. Demnächst habe ich vor, meinen eigenen Sauerteig anzusetzen, die Kresse macht es sich auch bereits auf der Fensterbank gemütlich. 

Dabei möchte ich nicht den Eindruck erwecken, vor Begeisterungsfähigkeit und Tatendrang nur so zu strotzen – ich krieche die meiste Zeit durch die Tage und alles ist schwer und nur noch anstrengend. Mütend, so nennen wir das heute und ja, das trifft es am besten. Aber ich muss auch fernab vom Tippen auf Bildschirmen und Tastaturen meine Hände irgendwie beschäftigt halten, sonst geht es mir noch schlechter. Also wieder Brot und Kresse und Zimmerpflanzen, natürlich. 

Ich muss vorwegschicken, dass ich keine Profi-Person im Brotbacken bin. Also: Ich backe zwar schon seit 7 Jahren (?) mein Brot selbst und kaufe nur sehr selten beim Bäcker – aber ich bin nicht so professionell unterwegs wie beispielsweise dezidierte Brotbackblogs. Für manche Feinheiten haben mir bisher zugegebenermaßen Zeit und Geduld gefehlt. Was ich aber sehr schätze, ist Sauerteigbrot – und wenn ich gerade keinen eigenen Sauerteig zuhause habe, ist ein Ansatz, den es im Bioladen gibt, auch fein für mich. 

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Und da ich – nicht nur in einer Pandemie – fürs Selbermachen zu begeistern bin, habe ich schon länger vorgehabt, mir mein eigenes Mehl zu mahlen. Jetzt habe ich eine Handmühle* (mir war wichtig, dass sie nicht elektrisch betrieben wird, weil ich nicht noch ein strombetriebenes Gerät haben wollte) zuhause und damit kürzlich mein erstes Brot gebacken (dieses 6-Korn-Brot hier). Dazu habe ich mir ein Kilo 6-Korn-Mischung gekauft und nach der korrekten Einstellung des Mahlgrads fleißig losgemahlen.

Spoiler: Es dauert doch eine Weile, bis mensch etwas mehr als ein halbes Kilo Mehl produziert hat. Ich habe – aber ich bin auch Anfängerin – rund 20 Minuten gebraucht. Effizienz ist natürlich etwas anderes. Später habe ich herausgefunden, dass mein Modell vor allem für die schnelle eigene Herstellung von Frühstücksmüsli ideal und also eher nicht auf größere Mengen Mehl ausgelegt ist. Ich glaube in meinem aktuellen Optimismus aber, dass mich das nicht davon abhalten wird, weiterhin Brot mit selbst gemahlenem Mehl – das in der Qualität auf jeden Fall mit dem Dinkelvollkornmehl aus dem Bioladen mithalten kann (bei fein eingestellter Stufe) – zu backen. Die Freude am Selbermachen ist bei mir schlicht zu groß.

Fairerweise muss ich anmerken, dass mensch (obwohl es eigentlich naheliegt) nicht unbedingt mit dem Selbermahlen spart. Da kommt es ein wenig drauf an, welche Preiskategorie mensch mit welcher vergleicht. Wenn wir beispielsweise Mehle und Körner in kleineren Packungen um die 1kg nehmen, dann kostet ein Kilo 6-Korn-Mischung beispielsweise 3€ und ein Kilo Dinkelvollkornmehl 3,79€. Der Unterschied ist nicht so wahnsinnig groß und ob eine halbe Stunde Kurbeln 79 Cent wert ist, muss jede*r für sich selbst entscheiden. Deutlich preiswerter wird es, je größer die Gebinde Getreide werden, die wir kaufen: Hier gibt es beispielsweise 25kg Bio-Weizen zu einem Kilopreis von 1,44€. Da Getreide sich sehr lange hält, kann das auf Dauer eine lohnenswerte Investition sein.

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Wie dem auch sei – das Mehl gelingt wunderbar und das Brot ebenfalls. Anbei also das Rezept für ein sehr einfaches 6-Korn-Brot, das ihr mit und ohne eigenes gemahlenes Mehl machen könnt. Als Sauerteig-Gut habe ich dieses hier von Fontaine verwendet, das ihr manchmal im Bioladen finden könnt. Auch in einigen Supermärkten habe ich schon Bio-Sauerteig-Gut bei den Backwaren gesehen. Alternativ geht aber mindestens genauso gut natürlich auch euer eigener Sauerteig. (Bald habe ich selbst welchen!)

Einfaches 6-Korn-Brot

Ein vollmundiges Brot mit Sauerteig, das einfach gelingt und nicht allzu lange gehen muss.
Zubereitung50 Min.
Gehzeit3 Stdn.
Gericht Abendessen, Brot, Frühstück
Keyword Brot, Körner, Sauerteig
Portionen 1 Laib

ZUTATEN

  • 650 g Vollkornmehl (Ich habe das Mehl aus der 6-Korn-Mischung genommen, aber Dinkelvollkornmehl geht genauso gut.)
  • 1 TL Salz
  • 10 g Hefe (trocken)
  • 350 ml Wasser (warm)
  • 1 EL Zucker
  • 80 g Natursauerteig

ZUBEREITUNG

  • Löst die Hefe zusammen mit dem Zucker in dem warmen Wasser auf und stellt alles kurz beiseite.
  • Gebt das Mehl und das Salz in eine große Schüssel und rührt beides gut zusammen.
  • Fügt nun den Natursauerteig und die Hefe-Mischung hinzu und verknetet alles zu einem zusammenhängenden Teig. Er sollte nicht zu feucht sein - falls er das ist, noch ein wenig Mehl zugeben.
  • Formt einen runden Laib, gebt ihn in ein Gärkörbchen und schneidet ihn an der Oberfläche leicht ein.
  • Lasst den Teig 2-3 Stunden in einer warmen Umgebung gehen.
  • Heizt den Backofen auf 200°C Ober-/Unterhitze vor und besprüht den aufgegangenen Laib mit etwas Wasser an der Oberfläche.
  • Gebt den Laib in den Ofen und lasst ihn für die nächsten 45-50 Minuten backen (vorzugsweise auf einem Pizzastein).
  • Herausholen, leicht abkühlen lassen und die ersten Scheiben noch warm genießen!
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Was die Gehzeit anbelangt: Ruhig ein wenig länger als kürzer gehen lassen, das mögen Brote immer besonders gern. Normalerweise sollte der Teig vom 6-Korn-Brot sein Volumen um ein Drittel bis die Hälfte verdoppelt haben. 

Mein liebster Tipp: Die warmen Brotscheiben mit Salz, Pfeffer und Frühlingszwiebeln mehr oder weniger direkt aus dem Ofen genießen. Es gibt wenig Köstlicheres (außer vielleicht das Bestreichen des warmen Brotes mit Haselnuss-Nougat-Creme). 

Das 6-Korn-Brot an sich ist relativ kompakt und hat eine Krume mit wenig Luft – also nicht so, wie viele von uns das von gekauftem Brot kennen. Ich persönlich mag das sehr, sehr gerne, weil ich dann nicht das Gefühl habe, einen halben Liter Luft mitzuessen und das Brot mich auch effektiver sättigt, aber das ist natürlich im doppelten Sinn Geschmacksache.

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Ihr könnt das Brot auch wunderbar mit Dinkelvollkornmehl (gekauft) backen – das funktioniert genauso gut. Ein weiterer Tipp: Falls ihr Mohn mögt, geben 2 Handvoll Mohn noch ein zusätzlich feines Aroma und haptische Freude.

Ich bin jedenfalls gespannt, was von meinen Brotback- und Sauerteigvorsätzen in ein paar Wochen übrig und vor allem umgesetzt worden sein wird – wenn ich in der Pandemie etwas gelernt habe, dann nicht allzu langfristige Pläne zu schmieden. Auch und gerade, wenn es um die eigenen Kraftreserven und Kapazitäten geht. Denn auch zum Brotbacken und Teigpflegen muss mensch sich erstmal aufraffen in diesen Zeiten. 

Ich hoffe, es geht euch gut! 


Transparenz: Die Mühle habe ich im Rahmen einer Kooperation von Waschbär erhalten. Ein Blogartikel war in dieser Kooperation nicht enthalten. 

JENNI MARR

Wanderin im Geiste, mit der Nase im nächsten Buch, nie so ganz zuhause und doch immer da.

KOMMENTARE

[…] hat mich mittlerweile viele Dinge neu ausprobieren und lernen lassen. Ich schrieb kürzlich vom Sauerteigbrotthema, das ich wieder mit Verve bearbeite (ähnliches gilt für Bananenbrote und Kuchen jeglicher Art). […]

Perfekt! Ich habe gerade von jemandem Sauerteigansatz bekommen, will mal meine Trockenhefe aufbrauchen und habe Mohn gekauft, für den Fall damit etwas backen zu wollen. Bisher wusste ich nicht was 😀
Da werde ich mein erstes Sauerteigbrot wohl mit diesem Rezept backen! 🙂

Hey Lou,
das passt ja wirklich wunderbar, was für ein Zufall! 😀

Ich mag dieses Brot wahnsinnig gerne und mache mir gleich auch noch einmal einen neuen Teig, auf dass heute Abend frisches Brot da sein werde.

Ich hoffe, das Rezept gelingt dir (bei Brot ist das manchmal ein bisschen tricky) – melde dich gern!

Liebe Grüße
Jenni

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