Die Sache mit dem Glück oder: Warum ich auch 2020 nicht zur besten Version meiner selbst werde

  /  
19. Januar 2020

Obwohl ich versuche, mich vor diesen Anzeigen, die sofort ans Selbstbewusstsein gehen und das auch vorsätzlich wollen, abzuschirmen und das meistens auch gut klappt, bekomme ich ihn dennoch mit: diesen Hype, der zu Jahresbeginn (manchmal auch schon direkt am Tag nach dem letzten Weihnachtsfeiertag) einsetzt.

Aus dem neuen Jahr das Volle, am besten das Übervolle rausholen. Schlanker werden, natürlich. Fitter werden, durchsetzungsstärker im Wettbewerb der immer Schönen und Besten. Kündigen, auf Weltreise gehen, der eigenen inneren Passion folgen, das große Glück finden, in der Liebe, aber vor allem tief in sich selbst drin.

An sich sind das vorbildliche Ziele, gegen die niemand prinzipiell etwas einzuwenden hat, Lebenundlebenlassen. Und ich kenne die schönen Gefühle beim Weg zu neuen Zielen und nach dem Erreichen dieser so gut – vor allem, wenn sie meine Persönlichkeit oder äußere Erscheinung betreffen. Die Welt fühlt sich anders an, wenn man ein neues Skill zum Zeitsparen erfolgreich in den Alltag integriert, die 5kg, die die ganze Zeit genervt haben, endlich losgeworden oder sich in einem spezifischen Bereich neues Wissen angeeignet hat. Ein bisschen so, als könnte man sie aus den Angeln heben – oder hätte zumindest ein höheres Level im Videospiel namens Leben erreicht.



Doch im Gegensatz zur Story im Videospiel (wenn wir nicht gerade Open World oder Spiele spielen, bei denen die Quests immer wieder respawnen) schlägt das Leben normalerweise keinen narrativen Bogen. Will heißen: Es ist zwar irgendwann zu Ende, dann aber so richtig existenziell (Tod), danach kommt nichts mehr (wenn wir beim Atheismus bleiben) – und bis dahin können und sollen wir immer weiter lernen (lebenslanges Lernen) und uns immer weiter verbessern, optisch wie physisch. Es gibt keine Phase des Ausruhens, der Daseinszweck ist nicht irgendwann (Lösung der Quests, Rettung der Welt) erfüllt – im Gegenteil: Gerade dieser Zweck ist nicht so richtig definiert und deshalb Freiwild für alle möglichen und unmöglichen Deutungen sowie Menschen, die uns mit beliebige Zwecke andichten wollen, verpackt für gewöhnlich in das Geschenkpapier des Lebenssinns.

Und der Jahresbeginn ist Hochkonjunktur der Jagd.

Warum Vorsätze wie “Dieses Jahr nehme ich endlich ab” quasi fast zum Scheitern verurteilt sind (zu unkonkret, nicht an einen festen Zeitraum gebunden) und wir nicht mehr darüber diskutieren müssen, wie durchschaubar und geldverschwenderisch Ich-mach-dich-krass-Programme sind, erleben Coachings, Bücher und Kurse zur Persönlichkeitsverbesserung und Glücksfindung im neuen Jahr (und gefühlten, wenn auch faktisch nicht ganz korrekten neuen Jahrzehnt sowieso) mindestens einen genauso starken, aber viel weniger diskutierten, Aufschwung.


Ich habe mich im letzten Jahr bei den Fashion Changers schon in einem Artikel darüber ausgelassen, was ich von speziellen Anbieter*innen solcher Programme halte, möchte das aber hier noch einmal und mit einem anderen Bezug sowie neuem Lektürehintergrund wiederholen. Man kann das Thema auch einfach nicht oft genug besprechen. Grundlage des Artikels sind neben eigenen Gedanken und Erkenntnissen vor allem Überlegungen aus Cederström/Spicer: “Das Wellness-Syndrom” und Cabanas/Illouz: “Das Glücksdiktat” (genaue Literaturangaben am Ende des Textes). 



Der Status Quo: der Glücksmarkt

Es gibt, soweit ich weiß, keine validen Daten dazu, wie viele Ratgeber-Bücher, -Artikel, -Seminare, -Coachings und -Videos auf dieser Welt sich mit dem Thema Persönlichkeitsentwicklung beschäftigen. Ich denke, es sind viele, sehr viele. Ich hacke “Persönlichkeitsentwicklung” in die Suchmaschine meiner Wahl (Ecosia) ein und bekomme 597.000 Ergebnisse. “Glück” liefert 10.300.000 Ergebnisse, der sechste Treffer deklariert: Glück ist kein Zufall, Wege zum Glück (gibt’s hier!).

Dass beide Felder starke Überschneidungen aufweisen, sehe ich sofort, als mir durchgehend Websiten, die sich mit Psychologie befassen, vorgeschlagen werden. Nicht zufällig habe ich beide Begriffe direkt hintereinander eingegeben und ebenfalls nicht zufällig sind sie in unserer Wahrnehmung so eng miteinander verbunden, dass sie nicht selten sogar als Synonyme gebraucht werden.

Dass ich auf Psychologieseiten lande beim Suchen, ist ja jetzt auch irgendwie logisch und nicht groß verwunderlich – in welchen Themenbereich sollten die beiden Begriffe sonst fallen? Mir fällt zum Beispiel die Philosophie ein.


Was ist Glück eigentlich?

Das Wichtigste zuerst: Die Frage, die seit über 2000 Jahren sämtliche gelehrte (und so ziemlich alle anderen) Menschen umtreibt, hat so viele Antworten gefunden, dass man getrost festhalten kann: Es gibt keine objektive Definition dessen, was Glück ist. Und alle, die etwas anderes behaupten, darf man mit einer großen Portion Skepsis begegnen.

Das gilt nicht nur für die großen Ziele im Leben (also die Idee, dass Tätigkeit xy oder Lebensstil yz direkt zum Glück führen würde), sondern auch für den emotionalen Zustand des Glücks an sich: Es ist zu hinterfragen, ob es, entgegen der verkitschten Behauptungen in Poesie, Film und Fernsehen, so etwas wie einen reinen Glückszustand auf emotionaler Ebene  überhaupt gibt.

Dafür jedenfalls machen sich Cabanas und Illouz stark und kritisieren die Grundprämisse, die hinter aller Couleur von Persönlichkeitsverbesserungsangeboten steckt: Gefühle treten nicht separiert auf, wir fühlen nie nur Freude oder nur Hass oder nur Erleichterung, sondern immer eine Mischung aus verschiedenen Emotionen, die unterschiedlich stark vertreten sein können. Beispiele: “Man kann gleichzeitig traurig und erleichtert sein, wenn ein Angehöriger nach einer langen und schmerzhaften Krankheit stirbt, so wie man bei einem Ladendiebstahl eine Mischung aus Erregung und Schuldgefühlen verspüren kann oder beim Anschauen eines Horrorfilms eine Mischung aus Grauen und Genuss.” (182)

Angebote aus dem Feld der Persönlichkeitsentwicklung gehen aber fast (!) unisono von Folgendem aus: Es gibt verschiedene Emotionen, die wir an unterschiedlichen Anlässen fühlen – und es gibt welche, die gut und welche, die schlecht sind. Weshalb die guten zu bevorzugen sind (unter anderem auch, weil die Menschen naturgemäß danach streben) und die negativen (und alles, was sie auslösen könnte) vermieden werden müssen.



Wissenschaftliches Fundament: Positive Psychologie und Glücksforschung

Zurück zum Treffer bei Ecosia: Glück ist kein Zufall – Wege zum Glück. Die Seite listet die wichtigsten Erkenntnisse eines Forschungsfeldes auf, auf die sich das bunte Potpourri aus Coaches, Trainern, Guides, Seminaren spiritueller und weniger spiritueller Art stützt: die Glücksforschung.

Sie ist auch die Quelle für oben genannte Prämisse – die mit den positiven und negativen Gefühlen.

Ihr Begriff ist in den letzten Jahren im Internet enorm populär geworden – die Idee, dass Glück erforschter, quantifizierbar und dementsprechend messbar wäre, hat ja auch etwas sehr Verlockendes, geht damit nicht zuletzt der Wunsch einher: Es gibt den einen Weg zum Glück, und die Wissenschaft hat die Antwort, wie er aussieht. Schluss mit der nervigen, zehrenden individualisierten Suche, es gibt schließlich ein Glücksrezept!

Ich muss gestehen, dass ich vor ein paar Jahren, als ich noch ein wenig unbewanderter in diesen Dingen war und mir noch nicht so viele Gedanken um die systemischen Zusammenhänge gemacht habe, genauso auf die Postulate der Glücksforschung hereingefallen bin – unter anderem, weil sie eben “Forschung” heißt und im Gewand der Wissenschaft (Positive Psychologie) daherkommt.


Religiöse Ursprünge

Es lohnt sich allerdings, genauer hinzuschauen, woher diese Wissenschaft (die Cabanas und Illouz ohne viel Federlesens als “Pseudowissenschaft” [17] bezeichnen) eigentlich kommt und wo die Triebfedern ihres enormen Erfolgs liegen.

Die Glücksforschung oder Positive Psychologie (PP) ist im Verlauf der letzten Jahre zu enormem Einfluss in der Psychologie gelangt – zu so großem, dass oft die vielen problematischen Implikationen, die sie methodologisch, individuell und politisch mit sich bringt, übersehen werden. Aber dazu kommen wir gleich.

Zunächst: Die Wurzeln dieser Strömung liegen Cederström und Spicer zufolge bereits im Calvinismus des 18. Jahrhunderts – die Leitmaximen waren “Selbstprüfung und harte Arbeit” (84). Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Calvinismus von der Neugeist-Bewegung (“einer merkwürdigen Mischung aus Emersons Naturanbetung, Swedenborgs Mystik und einer Prise Hinduismus”, 85) abgelöst. Diese Bewegung begriff Menschen als mit göttlicher Geisteskraft gesegnet, die alles überwinden könnte (sogar Krankheiten seien mit bloßer Willenskraft heilbar). Doch wie das häufig so ist: Eine Strömung geht selten nahtlos und vollkommen in eine andere über bzw. in ihr auf und so fand sich vor allem das Element der stetigen inneren Selbstprüfung des Menschen als heilige Pflicht auch in der Neugeist-Bewegung wieder.

Positive Ursachen bedingen positive Wirkungen, negative Impulse zeitigen negative Umstände. Wer seine schöpferischen Fähigkeiten missbraucht, erleidet Schaden, wer anderen Übles will, zieht selber Übel auf sich. Nur wer im guten, helfenden Sinne wirkt, befindet sich in Übereinstimmung mit dem Willen des Kosmos, seine Kräfte werden potenziert und wirken bereichernd auf ihn zurück.

Jeder Mensch hat das Recht auf Gesundheit, Wohlstand und Glück. Armut, Krankheit und Leid sind keine Tugenden, sondern Ausdruck mangelbehafteten Bewusstseins. Durch eine grundsätzliche Änderung des Denkens und Glaubens ändern sich zwangsläufig auch die Lebensverhältnisse.

Der Mensch ist demnach was er denkt und glaubt. Ein Wandel im Denken und Glauben bewirkt somit auch einen Wandel der äußeren Umstände (Geist und Materie stehen in Wechselwirkung, wobei nach der Neugeistlehre nachhaltig schlechte Lebensbedingungen nur auf hartnäckigen Überzeugungen beruhen). (Quelle)



Diese Essenz hat sich bis heute in der Positiven Psychologie erhalten und wir kennen sie alle in Form von motivierenden Spruchbildern oder Captions auf Instagram und seitenlangen Blogbeiträgen dazu, warum man “es” schaffen kann, wenn man nur wirklich will und hart genug an sich arbeitet. Die Abstammungslinie ist sehr stringent.

Wer schon immer einen komischen Beigeschmack beim Lesen dieser Postulate hatte, dem*der dürfte jetzt demnach noch ein Stückchen mulmiger zumute geworden sein. Denn die Vermutung, die Positive Psychologie habe sich von ihren religiösen Wurzeln distanziert, darf ein frommer Gedanke bleiben, wie Cabanas und Illouz beleuchten: Begriffe wie “Erleuchtung”, “Offenbarung”, “Traum” und zahlreiche religiöse Metaphern und Anspielungen sowie fehlende Abgrenzung des eigentlichen Forschungsgegenstandes finden sich in zahlreichen Publikationen der Positiven Psychologie – nicht zuletzt von einem ihrer Gründerväter, Martin Seligman, der in Glücksfaktor und immer wieder in Interviews erklärt, warum “glückliche Menschen länger leben”:

Ich habe die Positive Psychologie nicht gewählt, sie hat mich gerufen. […] Die Positive Psychologie hat mich gerufen, so wie Moses aus dem brennenden Busch gerufen wurde. (26)

Two weeks later I had an epiphany. It changed my life, and I hope it’s changed the course of psychology. (Quelle)

Das hier beschreibt den (nicht ganz bescheidenen) Gründungsmythos der Positiven Psychologie. Wenn sie nicht als Wissenschaft gelabelt wäre, hätte ich persönlich nach dem Lesen dieser Zeilen den Verdacht, es handelte sich um eine gerade aus der Taufe gehobene Sekte. Derartige Erweckungserlebnisse und Träume sowie Vorsehungen scheint Seligman öfter zu haben, jedenfalls ist die religiöse Rhetorik fester Bestandteil seiner Arbeit. Das darf aus unterschiedlichsten Gründen, nicht zuletzt aus methodologischer Perspektive, stutzig machen.

(Seligman selbst wird darüber hinaus nachgesagt, der Alt-Right-Bewegung nahezustehen.) 


Glück, Streben nach Glück, Glücklicher werden, glücklich sein, Positive Psychologie, Sinnsuche, Glück Sinn des Lebens, Glück suchen


Was wird da überhaupt geforscht – und wie?

Obwohl sich die Positive Psychologie als Wissenschaft verstanden wissen will, fehlen sowohl eine klare Abgrenzung zu anderen wissenschaftlichen Feldern als auch valide Forschungsergebnisse (obwohl die Glücksforschung das selbstredend stets anders darstellt).

Der Rosinenpickerei aus evolutionären, psychologischen, neurologischen und philosophischen Behauptungen und Konzepten fehlte es an Stimmigkeit und klaren Grenzen. Es schien sich eher um eine Absichtserklärung zu handeln als um ein solides wissenschaftliches Projekt. (Cabanas/Illouz, 27)

Nicht nur der merkwürdige Mix, der als theoretisches Fundament herhalten soll und den wir auch in zahlreichen Seminaren, Büchern und Live-Sessions selbsternannter Coaches finden (ich hatte mich, wie gesagt, im Beitrag für die Fashion Changers lang und breit darüber ausgelassen) stößt auf Kritik: Auch die Ergebnisse der Positiven Psychologie werden immer wieder angezweifelt, weil ihnen zum einen idealistische Prämissen vorangestellt und zum anderen ungenaue Messmethoden sowie sogar Datenfälschung zugrundeliegen.

Diese Prämissen, die wir als fortlaufendes Narrativ in Film, Fernsehen, Popkultur immer wieder finden, sind:

  • Es gibt positive und negative Gefühle. Wir fühlen sie weitestgehend in Reinform und streben von Natur aus einen positiven Zustand an (s.o.). Glücklich sein zu wollen, ist die Natur des Menschen. 
  • Glück ist der Schlüssel zum Erfolg. Sei’ glücklich und alles wird sich finden. (Wir erinnern uns an den religiösen Background des Ganzen.)
  • Glück ist eine Frage der inneren Einstellung des Individuums – Lebensumstände und andere äußere Faktoren wie Einkommen, Bildungsniveau oder sozialer Status haben keinen oder nur sehr geringen Einfluss auf das Glück (10% laut Seligman).
  • Deshalb gilt: Jede*r kann glücklich werden. Und: Jede*r kann erfolgreich werden. 

Das alles sind Postulate, die mittlerweile so tief in die DNA unserer Kultur eingedrungen sind, dass wir sie kaum mehr hinterfragen. Vom Tellerwäscher-zum-Millionär-Geschichten kommen nicht mehr so plakativ daher wie früher, beherrschen aber immer noch das Narrativ des sozialen Aufstiegs: Arbeite hart genug und du wirst es schaffen. Nice side-effect: Du musst erstmal nichts weiter tun als an deiner mentalen Ausrichtung zu arbeiten. Wie bequem.

Die Kritikpunkte an der Methodologie der Studien stellen sich wie folgt dar:

  • Es ist nicht klar, ob sich Glücksmaße zwischen Individuen überhaupt vergleichen und so standardisierbare (nationale wie internationale) Aussagen treffen lassen.
  • Genauso unklar ist, inwieweit man überhaupt Ländervergleiche wie “Bhutan ist das glücklichste Land der Welt” anstellen kann: Die OECD warnt eindringlich davor, solche Rankings zu erstellen. Unter anderem aufgrund mangelhafter Studiendesigns, geringer Proband*innengruppen und eingeschränkter Antwortmöglichkeiten bei den entsprechenden Tests.
  • Die Tests, die auf die reine Zahleneinschätzung von Proband*innen zum Zustand ihres Glücks beruhen (auf einer Skala von 1-10), schränken die Antwortmöglichkeiten extrem ein – vor allem bezogen auf so ein komplexes Feld wie das der Emotionen ist dieses Vorgehen fatal für die Ergebnisse: “Das ist ein erhebliches Problem, denn in diesem Sinne ‘geschlossene’ Fragen begünstigen nicht nur die Neigung mancher Forscher, ihre Vorurteile zu bestätigen, sondern führen zur Ignoranz gegenüber wichtigen Informationen bei politischen Entscheidungen.” (Cabanas/Illouz, 57.). Mehrere Studien, unter anderem diese hier, kommen zum selben Ergebnis.


Die politische Dimension: Erziehung zu angepassten Bürger*innen

Diese ungenaue Forschungs-Vorgehensweise, gepaart mit den ideologischen Prämissen, spielt dem derzeit im globalen Norden vorherrschenden und von ihm in alle Welt importierten Wirtschaftssystem verblüffenderweise perfekt in die Hände: Wenn alle Verantwortung für mein Leben bei mir selbst liegt, sind Umwelt, Sozialisierung und Politik fein raus.

Wenn es nicht so läuft, wie ich mir das vorstelle – egal, ob in der Liebe, im Job, der Familie oder im Freundeskreis oder bei der Selbstverwirklichung -, dann bin ich halt einfach nicht fleißig genug, arbeite nicht ausreichend daran, mich in den Flow zu bringen, meine Fähigkeiten zu entdecken und zu stärken und an meinem Glück zu arbeiten. Wie alles, so ist auch das Glück als individuelle Arbeitsleistung zu verstehen, das ergibt sich direkt aus seiner vermeintlichen Vermessung. Spätkapitalismus likes this. Very much.

Diese Feststellung gilt gleichermaßen für die Vertreter der Positiven Psychologie wie für die Glücksökonomen, die viel von ihrer kulturellen Macht, wissenschaftlichen Autorität und gesellschaftlichen Wirkung einer Fähigkeit verdanken: Sie behandeln all das, was die individualistische, utilitaristische und therapeutische Weltanschauung des Neoliberalismus für Individuen wie für Gesellschaften als wahr und wünschenswert voraussetzt, als allgemein gültige Tatsachen. (Cabanas/Illouz, 97.)

Aus diesen konstruierten Tatsachen, die erstmal so harmlos daherkommen, leiten sich schwerwiegende politische Konsequenzen ab, für die die modernen Glücksschatzsuchenden (zu ihnen gehört übrigens auch die Achtsamkeits-Bewegung) seit langem kritisiert werden.

Es findet nicht nur die beschriebene Verantwortungsübertragung von Gesellschaft und Staat auf das Individuum statt und dementsprechend eine Ablenkung von den eigentlich prekären innenpolitischen Zuständen, die wir zu einem wesentlichem Teil der spätkapitalistischen Wirtschaftsweise zu verdanken haben. Dasselbe passiert auch im globalen Maßstab – und dient unter anderem als Rechtfertigung für die aktuellen postkolonialen Verhältnisse im globalen Süden.

Ihren jüngsten Studien zufolge zeigt die Analyse großer Datenmengen, dass Einkommensungleichheit und Kapitalkonzentration in einem positiven Verhältnis zu Glück und wirtschaftlichem Fortschritt stünden, zumal in Entwicklungsländern. Dies widerspricht der Überzeugung anderer Ökonomen, dass eine soziale Grundsicherung, Umverteilung und Gleichheit unverzichtbar sind für gesellschaftlichen Wohlstand, für Würde, Anerkennung und Lebensqualität. Doch den Glücksökonomen zufolge zieht soziale Ungleichheit anscheinend nicht Missgunst, sondern einen ‘Hoffnungsfaktor’ nach sich, durch den die Armen den Erfolg der Reichen als Vorboten eigener Chancen wahrnehmen. Sie sehen in ihm angeblich einen Anreiz, der ihnen Hoffnung macht und ihr Glücksniveau hebt, was wiederum die Motivation fördert, sich für den eigenen Erfolg einzusetzen. […] Je größer die Ungleichheit, behauptet die neue Glücksökonomie, umso größer wird das Glück der Individuen werden, weil ihnen ja mehr Chancen vor Augen stehen. […] Die politischen Konsequenzen solcher Behauptungen für den Kampf gegen Ungleichheit scheinen klar: Es sollte ihn besser nicht geben. (Cabanas/Illouz, 62.)

Was muss man dazu noch sagen? Auf die Gefahr hin, in Klischees abzurutschen: Ich sehe alte, weiße, wohlgenährte Männer in Chefsesseln sich breit grinsend die Hände reiben.

(Die Wirtschaft, es wundert nicht, liebt die Positive Psychologie.)



Das Hamsterrad: Mehr Leid als alles andere

Es ist wahrscheinlich noch nicht ausreichend herausgearbeitet worden, deswegen möchte ich es noch einmal ausdrücklich betonen: Die Positive Psychologie zielt nicht darauf ab, psychische Probleme zu beheben oder Menschen in schwierigen Lebenssituationen Werkzeuge zum Meistern an die Hand zu geben. Ihr es geht darum, den Markt all’ derer zu erschließen, die nicht pathologisiert werden können: also die Gesunden zu erreichen. Um ihnen Seminare, Coachings, technische Hilfsmittel und Bücher zu verkaufen.

„It is not about correcting what’s wrong – it is about building what’s right.“ (Martin Seligman)

Schließlich gibt es niemals ein “Gut genug” – auch ein glücklicher Mensch kann immer noch glücklicher werden. Und Seligman und Co. wissen ganz genau, wie man dahin kommt.

What’s missing is the question of whether psychologists can make people lastingly happier. That is, can we apply the same kind of scientific method to get cumulative, replicable interventions? I’m interested in psychological ones, but an obvious question applies to pharmacology — not to take people from -8 to -5, but to take people from +2 to +6. (Seligman im Interview)

Wenn es denn wenigstens helfen würde!

Man darf selbstredend nicht alle Angebote und Menschen in einen Topf werfen und weder mir noch anderen Kritiker*innen (die zitierten eingeschlossen) geht es darum, das zu tun. Nicht alle Angebote sind mentaler Wasserdampf und nicht alle Coaches sind Scharlatane. Einige wissen sicherlich nicht einmal, in welcher Tradition sie handeln und arbeiten und/oder glauben wirklich an das, was sie da erzählen und verkaufen. Dennoch: Es gibt ernstzunehmende Hinweise darauf, dass das ständige Optimieren, das jetzt bis in die letzten Winkel unserer Psyche vorgedrungen ist, genau das Gegenteil von dem bewirkt, was die Vertreter*innen der Positiven Psychologie die ganze Zeit behaupten: Menschen werden unglücklicher. 

Was eigentlich von selbst einleuchten sollte, wird natürlich auch erforscht (also, ernstzunehmend wissenschaftlich): Wer sich andauernd mit sich selbst und der individuellen Glückssteigerung beschäftigt, kapselt sich früher oder später (mehr oder weniger) von der Außenwelt ab – und wenn die dann ihre naturgemäße Aufmerksamkeit erfordert, wird sie als anstrengend, überfordernd und man selbst als unfähig, in ihr zu bestehen, wahrgenommen. Das kenne ich auch aus eigener und der Beobachtung von Personen, die mir nahestehen, von denen einige ähnlich sensibel ausgerichtet sind wie ich: Soziale Interaktionsfähigkeit rostet schneller ein als einem lieb ist und muss fortwährend trainiert werden.

Bleibt man dem zu lange fern und beschäftigt sich nur mit seinem flauschigen Mikrokosmos, können Depressionen und soziale Phobien die Folge sein (Cabanas/Illouz, 83f.). Das sind in der Regel keine Phasen, die nach zwei Wochen wieder gegessen sind – aktuell muss ich miterleben, wie mir nahe Personen seit Jahren versuchen, aus dieser selbstgeschaffenen Isolation auszubrechen, kreuzunglücklich damit sind und es ohne professionelle Hilfe nicht schaffen. Die viel beschworene Comfort Zone (die ihre Berechtigung hat, vollkommen – aber eben in Grenzen) wird so zum Gefängnis.

Die Behauptungen der Positiven Psychologie stehen ebenso im Gegensatz zu zahlreichen soziologischen Studien, die einen Zusammenhang zwischen dem zunehmenden Individualismus und steigenden Depression- und Selbstmordraten in Industriegesellschaften wie in Entwicklungsländern herstellen. (Cabanas/Illouz, 85.).

(Anmerkung an dieser Stelle: Ich weiß nicht, ob hier nur unglücklich übersetzt wurde und wie der Begriff im Originaltext lautet, aber: “Entwicklungsland” ist nicht politisch korrekt. Besser: “globaler Süden”.)

Das Unglücklichwerden im Zuge der zunehmenden Selbstbeschäftigung kann auch mit einem anderen Mechanismus zusammenhängen, auf dem die Positive Psychologie wesentlich aufbaut (gerade schon angesprochen): Man kann immer noch glücklicher werden. Werbung, Film und Fernsehen und catchy Instagram-Profile machen es vor: Es muss doch noch besser gehen. Ich muss das gar nicht lange ausführen mit dem Vergleichen, das das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit ist, denke ich. Kennen wir alle.



Wir stoßen unweigerlich an die Grenzen unseres individuell Machbaren, determiniert unter anderem von sozialer Schicht und den damit einhergehenden Privilegien, die immer unterschiedliche (und unfaire) Startbedingungen schaffen. Mag eine Glücksformel oder Hollywood sagen, was sie wollen: Für die einen liegt das Glück sprichwörtlich auf der Straße, für andere nicht. Und keine harte Arbeit an mir selbst wird an diesen strukturellen Ungleichheiten irgendwas ändern.

Die “Glücksdoktrin” spiegelt und befeuert die aktuelle Einzelgänger*innen-Gesellschaften des globalen Nordens insofern, als dass auf das Glück fokussierte Menschen nicht nur dazu tendieren, über kurz oder lang unglücklich zu werden. Sie sind auch deutlich weniger emphatisch als Menschen, die negativ konnotierte Gefühle zulassen und anerkennen. Das ist auf den ersten Blick kontraintuitiv und widerspricht dem Narrativ von glücklichen Menschen, die andere mit ihrem Glück anstecken und es teilen wollen. Und zeigt, wie mächtig diese Geschichten sind.

Der Blick nach innen ist eher Teil des Problems als Teil der Lösung. (Cabanas/Illouz, 88.).

Das sollte an sich zu denken geben – umso mehr aber, als dass Achtsamkeit als Unterrichtsfach langsam, aber sicher Einzug in Bildungsinstitutionen hält: In England gibt es scheinbar bereits über 300 Grundschulen, die Achtsamkeit lehren sollen.

Die Vertreter*innen der Positiven Psychologie machen auch keinen Hehl daraus, dass sie derzeit vor allem in Schulen und Hirne von Kindern streben:

Im Fokus der aktuellen Positiven Psychologie stehen Familien und Schulen im Fokus. Wie können wir früh den Grundstein legen für ein gelingendes Leben? Was fördert die Entwicklung von Kindern zu gesunden, leistungsfähigen, glücklichen Erwachsenen? Martin Seligman hat weiterhin den Anspruch, die Welt zu verändern. Sein Ziel ist es, Erziehung und Schule zu verändern und er ist nach wie vor an bahnbrechenden Projekten beteiligt wie dem Schulentwicklungsprojekt in Peru, in dem mehrere zehntausend Schüler auf Basis Positiver Psychologie unterrichtet werden. Für die Zukunft spannt er den Rahmen sogar noch größer: Wie würde eine Religion ohne das Konzept des Leidens und der Sünde aussehen? (Quelle)

(Man beachte die besondere Hervorhebung der wissenschaftlichen Leistung – die Positive Psychologie ist randvoll mit Begriffen wie “bahnbrechend”, “wegweisend”, “progressiv” und “umwälzend” – sowie den automatischen Bezug zur Leistungsgesellschaft und zur Religion. Es geht alles Hand in Hand.)

Das wird extrem begeistert aufgenommen und auch für Deutschland und sowieso die ganze Welt gefordert – aus nachvollziehbaren Gründen. Es ist jedoch eine gute Idee, sich zu fragen, was da eigentlich gelehrt werden soll (Achtsamkeit, Stressabbau und, Achtung: Emotionsregulation) und in welchem größeren Zusammenhang das steht. Mehr Entschleunigung, mehr Glück, mehr bewusstes Handeln, vor allem in dieser schnelllebigen Welt – das klingt erstmal gut, wir alle sehnen uns danach. Sollten aber aufpassen, dass genau diese Sehnsucht nicht ausgenutzt wird, um eine ziemlich schwere, auf ziemlich wackligen Füßen stehende Wirtschaft zu befeuern.

(Dazu passt auch: So harmlos, wie die Positive Psychologie sich gibt, ist sie nicht. Die American Psychological Association (APA), deren Vorsitzender  unter anderem Martin Seligman war, unterstützt die CIA bei der Entwicklung menschenrechtsverletzender Verhörmethoden, der sogenannten “Weißen Folter”.)



Die Konsequenz: Ich werde keine “beste Version”

Ich werde also auch dieses Jahr keine beste Version von mir selbst und ich werde meinem Glück nicht hinterherrennen. Aus vielen, vielen Gründen, von denen längst nicht alle in diesem Artikel Platz gefunden haben, aber irgendwann muss ich auch mal zum Ende kommen.

Alle Emotionen sind berechtigt und wichtig, dürfen gelebt und zugelassen werden. Sind essentiell für unsere eigene psychische Gesundheit, für ein gesundes Miteinander und für politischen Wandel: So ziemlich alle Fortschritte in Gleichheitsfragen, Menschenrechten, im Feminismus und der Öko-Bewegung werden erreicht, weil Menschen wütend sind – eine Emotion, die in der Positiven Psychologie negativ bewertet wird.

Ist ja auch praktisch: Wenn wir alle mit uns selbst und unserer glücklichen kleinen Welt beschäftigt sind, haben wir keinen wirklichen Antrieb, da draußen (dieses Draußen, das uns dann sowieso immer fremder wird) zu verändern. In welche Richtung denn auch? Ist ja alles schon fein so, wie es ist.

Wahrheit und Glück passen nicht zusammen – die Wahrheit ist schmerzlich, sie bringt Instabilität, sie stört den Ablauf unseres alltäglichen Lebens. (ZEIT)

Und das ist gut so.

Ich bleibe wütend und traurig und melancholisch und alles zusammen, gemischt mit glücklich, erleichtert, entspannt, liebend, manchmal alles irgendwie zugleich und schaffe es trotzdem oder gerade deswegen, eigene und fremde Grenzen zu wahren und hoffentlich nicht nur auf der Welt gewesen zu sein, um das Beste für mich in dieser kurzen Zeit rauszuholen.


Literaturangaben und weiterführende Links

(1) Cederström, Carl und Spicer, André: Das Wellness-Syndrom. Die Glücksdoktrin und der perfekte Mensch. Edition Tiamat: Berlin 2016. 

(2) Cabanas, Edgar und Illouz, Eva: Das Glücksdiktat und wie es unser Leben beherrscht. Suhrkamp: Berlin 2019. 

(3) Are most people happy? Exploring the of subjective well-being ratings. (Study) 

(4) OECD Guidelines on measuring objective well-beings 

(5) Not As Good as You Think? Trait Positive Emotion Is Associated with Increased Self-Reported Empathy but Decreased Empathic Performance (Study) 

(6) Mayring, Philipp: Zur Kritik der Positiven Psychologie. 

(7) “Kritisches Denken wird abgeblockt.” Coaching unter Ideologieverdacht.

(8) Steinmeyer, Georg: Die Gedanken sind nicht frei. Coaching: Eine Kritik. 

(9) Glück? Nein danke! 


Dieser Artikel hat dir gefallen und du möchtest meine Arbeit mit einer Spende unterstützen? 

JENNI MARR

Wanderin im Geiste, mit der Nase im nächsten Buch, nie so ganz zuhause und doch immer da.

KOMMENTARE

Hallo Jenni,
im großen und ganzen stimme ich dir zu. Was ich mich jedoch bei aller kritischen Betrachtung frage ist, hast du selbst je therapeutische Hilfe für dich selbst als sinnvoll erachtet?
Denn du berichtest über viele problematische Ereignisse. Darunter deinen Burnout und auch einem Trauma. Doch bei dir liest es sich so als wäre professionelle Hilfe für dich nicht relevant.
Ich finde das ehrlich gesagt verantwortungslos. Denn es suggeriert professionelle Hilfe anzunehmen wäre schlecht oder gar man überwinde solche Dinge einfach von selbst. Bei dir reichen einfach ein paar Atemübungen und etwas Natur und schon ist alles im Lot.

Hallo Maria,
ich habe gerade eine Weile überlegt, ob ich darauf antworte, denn eigentlich möchte ich das gar nicht. Denn dein Kommentar enthält mehrere problematische (um nicht zu sagen: grenzüberschreitende) Annahmen:

a) Ich war nie / bin nicht in Therapie. Meine Frage: Woher möchtest du das wissen? Ich teile bei weitem nicht alles aus meinem Leben – und eine therapeutische Behandlung ist derart privat, dass ich darüber keine Blogposts verfassen werde oder würde.

b) Du unterstellst, ermessen zu können, was in meinem Leben passiert ist und was dafür die richtige Antwort/Lösung ist. Das ist problematisch, weil siehe a) – und weil es für unterschiedliche Menschen unterschiedliche Lösungen gibt. (Womit ich Therapien nicht in Abrede stellen möchte – ich denke, viel mehr Menschen als bisher sollten eine machen.)

c) Woher nimmst du die Behauptung, bei mir wären mit “Atemübungen und etwas Natur alles wieder im Lot”? Ich habe nie irgendwelche Atemübungen propagiert und nehme im Gegenteil seit einiger Zeit die Esoterik-Szene, auf die du dich zu beziehen scheinst, in meinen Artikeln (in diesem hier zum Beispiel) auseinander. Mir so eine Fahrlässigkeit zu unterstellen, ist irgendwie absurd.

Long story short: Über Dinge, die man nicht wissen kann, sollte man vielleicht nicht urteilen – vor allem nicht, wenn sie das Privateste einer Person betreffen.

Liebe Grüße
Jenni

Für mich ist das ein Widerspruch einerseits mit diesen Themen offen zu sein und dann andererseits zu sagen therapeutische Hilfe angenommen zu haben sei privat.
Das wirkt auf mich etwas seltsam. Denn bislang habe ich das bei noch keinem erlebt, der je solche Probleme hatte zu sagen, dass man ne Esstörung hatte und dafür dann in therapeutischer Behandlung war.

Alles Gute

Hallo Maria,
das ist jetzt wiederum ein ganz anderer, deutlich konstruktiverer Ton im Gegensatz zur ersten Nachricht, die leider nur eine Aneinanderreihung von Unterstellungen war.

Ich möchte das ein wenig ausführen:

Ich habe immer mal wieder verschiedene Hinweise auf unterschiedliche Probleme, die ich zu beackern hatte und habe, fallen gelassen und bin bei dem Burn-Out- und dem Sensibilitäts-Thema auch in die Tiefe gegangen – etwas, das ich heute nicht mehr machen würde, wenn ich ehrlich bin, weil meine Grenzen sich über die Jahre verschoben haben. Ich lasse es trotzdem online, weil es zu meiner Entwicklung dazugehört.

Bei den anderen Dingen lasse ich, wie gesagt, Anmerkungen in Textform fallen, die fast Allgemeinplätze sind (leider), bin da aber eher nicht “offen”, finde ich, sondern behalte sehr viel für mich und das möchte ich auch weiterhin so handhaben.

Mein Problem mit deiner ersten Nachricht war/ist, dass du viele Vermutungen/ Unterstellungen ohne Grundlage getroffen hast, ohne konstruktiv oder immerhin höflich zu bleiben – was bei solchen Themen aus meiner Perspektive doch sehr angebracht ist. Da ich viele solcher Kommentaren bekomme, bin ich da mittlerweile ziemlich angefasst (und es ist auch ein Grund, weshalb ich meine Grenzen enger ziehe).

Aber um die Neugier zu stillen: Über die Jahre habe ich punktuell therapeutische Hilfe in Anspruch genommen, viel aber durch private Unterstützung und eigene Entwicklung klären können. Das ist nicht für alle machbar, für mich jedoch ein fruchtbarer Weg (auch Therapeut*innen überrascht das immer wieder). Eine umfassende Therapie ziehe ich trotzdem für die Zukunft in Betracht – nicht, weil ich schrecklich leide oder anderweitig nicht zurechtkommen würde, sondern weil ich denke, dass es für sehr viele Menschen eine gute Sache ist und mir persönlich helfen wird. Dennoch werde ich nicht groß ausbreiten, wenn ich damit beginnen werde. Nicht, weil es für mich ein Stigma ist (es gehört dringend abgeschafft), sondern weil ich da, wie gesagt, meine Grenzen verschoben habe.

Liebe Grüße
Jenni

Hallo,
Danke dass du darauf doch geantwortet hast. Ich habe eAsperger, deshalb kommt manches was ich sage manchmal, auch im Alltag, schroffer rüber als es gemeint ist.
Danke für deine Antwort. Und alles Gute bei einer Therapie.

Liebe Maria,
danke dir für die guten Wünsche und für die Erklärung – das lässt mich die Dinge natürlich anders beurteilen.

Liebe Grüße
Jenni

Hallo,
ich verstehen jetzt nicht was daran grenzüberschreitend sein soll.
Du berichtest ja sehr offen über deine psychischen Probleme, daher frage ich mich was nun zu persönlich daran sein soll zu fragen ob du therapeutische Hilfe in Erwägung gezogen hast. Für mich geht das eher Hand in Hand. Einerseits offen zu sagen man einen Burnout gehabt ist okay, aber professionelle Hilfe anzunehmen wiederum privat. Klingt für mich nicht plausibel.
Und an manchen Stellen berichtedt du dass du ein und wieder ausatmest um dich zu beruhigen.
Klar kennt man dich nicht, deshalb beziehe ich mich auf das von dir Geschriebene.

[…] Womöglich diesen positiven Output dann auch noch als kapitalismuskritisch zu labeln, wo es doch zum kleinen Einmaleins des Kapitalismus gehört, ständig nach dem bestmöglichen Dreh, d…. […]

[…] FOLLOW ME PREV Die Sache mit dem Glück oder: Warum ich auch 2020 nicht zur besten Version meiner selbst werde […]