Anzeige: Ich wurde von Hamburg und dem Scandic Hotel Emporio eingeladen, ein Wochenende in der Hansestadt zu verbringen. Das Hotel wurde übernommen, außerdem gab es ein paar Gutscheine für kulturelle Aktivitäten. Den Rest haben wir selbst übernommen. 

Tag 1: Freitag, 9.7.2021

Eigentlich wollten wir frühmorgens losgefahren und mittags angekommen sein, sodass wir einen besonders entspannten Start in den ersten Mini-Urlaub seit über 1,5 Jahren haben würden. Das Schicksal der Paketzustellung für ein relativ teures Möbelstück hatte andere Pläne: Bis halb 4 Uhr nachmittags saßen wir auf heißen Kohlen an die Wohnung gekettet fest, als dann endlich die UPS-Erlösung samt neuer Kommode um die Ecke gebraust kam. Wir müssen aufgrund des sich ankündigenden Kükens doch mehr Dinge in der Wohnung ändern als wir dachten.

Dann also rein ins Auto und los! (S. ist im Allgemeinen leider kein Fan vom ÖPNV, wenn es ums außerstädtische Reisen geht und ich habe das Diskutieren aufgegeben.) Das Los währte bis zur Autobahn, die – natürlich – vom Pendler*innen- und dem allgemeinen Wochenende-Verkehr stark beansprucht wurde. Wir standen zwar nicht ewig lange im Stau, aber doch lange genug, um es spät werden zu lassen. 

Nachhaltigkeit im Scandic Hotel Emporio

Das weiche Bett im Scandic Emporio übte kurz nach der Ankunft abends dann eine magische Anziehungskraft auf mich aus – aber es wollte Nahrung besorgt werden, vor allem für S., der mit intermittierendem Fasten anfing, als das höchstens Ernährungsberater*innen ein Begriff war. Vorher aber: einchecken, sich das Zimmer, das eigentlich ein Loft ist und im achten Stock liegend einen atemberaubenden Blick über Hamburg bietet, genau anschauen und kurz Kraft an der im Zimmerpreis enthaltenen Minibar (Apfelschorle, Wasser von Viva con Agua, Bio-Limo, Carlsberger) tanken. 

Das Scandic gehört zur gleichnamigen schwedischen Hotelkette und ist in dem clean-minimalistischen Stil eingerichtet, den die meisten von uns mit Skandinavien verbinden. Es liegt direkt am Gänsemarkt, sodass viele touristische Sehenswürdigkeiten sowie auch Einkaufsviertel wie Schanze und Karoviertel gut zu Fuß zu erreichen sind. Auch weiter raus zu kommen, ist einfach: Direkt vor dem Hotel gibt es eine U-Bahn-Station, zur S-Bahn braucht es nur 10 Minuten zu Fuß. 

Das Scandic gibt es in Deutschland in Berlin, Frankfurt und Hamburg. Obwohl es nicht offensichtlich ist, ist Nachhaltigkeit mittlerweile zu einem wesentlichen Merkmal des Unternehmens geworden. Im Hotel können Fahrräder geliehen werden (wobei ich persönlich mich wahrscheinlich nicht in den Hamburger Verkehr trauen würde), es gibt kostenlose Stromtankstellen, keine einzeln eingepackte Produkte auf den Zimmern, die Minibar ist mit Flaschen überwiegend nachhaltiger Firmen bestückt. Die Räume selbst besitzen Echtholzboden und sind zu 90% recycelbar. 

Das Hotel läuft vollkommen mit Ökostrom, filtert sein eigenes Tafelwasser und verzichtet auf überflüssige Wäsche (deswegen gibt es im Restaurant keine Tischdecken). Eigenen Angaben zufolge soll die Tradition, durch ein am Boden liegendes Handtuch den Wunsch nach Handtuchwechsel anzuzeigen, auf einen Mitarbeiter des Scandic zurückgehen. 

Das Frühstück (ein sehr wichtiges Qualitätskriterium) findet in einer angenehmen Umgebung statt und hat sowohl für Allergiker*innen als auch für Veganer*innen einiges zu bieten: vegane Milchalternativen, eine eigene Ecke glutenfreier Produkte, pflanzliche Aufstriche, eigens zusammenstellbares Müsli in kleinen Gläsern anstatt in Einwegverpackungen, warme vegane Mahlzeiten. Bis zum Brötchen sind viele Produkte bio (rund 40% des Buffets) – die Kennzeichnung (bio, vegan) macht eine Orientierung einfach. Der Kaffee ist fair trade, gluten- und laktosefreie Produkte sind verfügbar. Das Einzige, was uns zunächst gefehlt hat, war Sojajoghurt, aber am Ende war das gar nicht so schlimm, denn wir sind sehr schnell satt geworden.

Die Zimmer werden nur gereinigt, wenn das explizit an der Rezeption angegeben wird, dasselbe gilt für das Auffüllen der Minibar. In der Toilette gibt es in den Art Rooms im 7. und 8. Stock Klopapier von Goldeimer, die in enger Partnerschaft mit der Welthungerhilfe und Viva con Agua arbeiten.

Letztere sind ohnehin omnipräsent im Scandic, genauso wie Wasser: Die Art Rooms und Floors in der siebten und achten Etage sind jeweils einem*einer Künstler*in gewidmet, welche die Räume selbst zum Thema Wasser gestaltet haben und deren Kunst zu erwerben ist – 50% der Erlöse gehen an Viva con Agua. Das Hotel unterstützt damit die Millentor Gallery, ein internationales Kunst-, Kultur- und Musikfestival für kreatives Engagement, das von Viva con Agua und dem FC St. Pauli initiiert wurde und jährlich stattfindet. 

Das Scandic ist außerdem durch Familienfreundlichkeit positiv aufgefallen. Kinder unter 15 Jahren residieren kostenlos, außerdem werden Kinder mit dem Igel-Maskottchen Sigge auch im Frühstücksbereich ausdrücklich willkommen geheißen und andere Gäste daran erinnert, dass kindliches Verhalten sehr normal und nicht zu unterdrücken ist. Es gibt Junior-Zimmer für Teenager, Familien- und Spielzimmer. 

Barrierefreiheit ist im Scandic, soweit wir das sehen konnten, fast überall gewährleistet – die Durchgänge sind breit, in den Aufzügen werden die Stockwerke angesagt und mit Brailleschrift ausgewiesen. Bei uns im Zimmer gab es in der Dusche eine allerdings Badewanne, die nicht ebenerdig ist. Nach eigenen Angaben gibt es allerdings spezielle barrierefreie Zimmer, die Kette scheint sich mit Menschen mit Behinderungen auseinandergesetzt zu haben

Darüber hinaus, nicht zu unterschätzen: Das Personal ist wirklich sehr, sehr freundlich und professionell.

Tag 2: Samstag, 10.7.2021

Am nächsten Tag sind wir um 6 Uhr aus den Federn gehüpft (das Bett im Scandic war noch angenehmer als gedacht), weil wir uns auf 7 Uhr für das Frühstück eingetragen hatten und dann möglichst schnell raus in die Stadt wollten. Wie gesagt: Das Frühstück hat so gut wie keine Wünsche vermissen lassen und uns lange satt gehalten. 

Als erstes haben wir unsere Lieblingsviertel, die Schanze und das Karoviertel, angesteuert. Wir lieben die Kreativität, die vielen kleinen Lädchen, in denen mensch immer etwas Besonderes findet, die gesamte Atmosphäre sehr. S. fühlt sich in den beiden Vierteln besonders wohl, weil viele Menschen hier aussehen wie er. Um diese Uhrzeit (9 Uhr morgens) haben samstags zwar so gut wie alle zu, aber wir genießen es, der Stadt, die wir als verschlafen wahrnehmen, langsam wachwerden zu sehen und schlendern durch die Straßen. Ein Ziel haben wir nicht, wir laufen in den Flohmarkt vor der Rindermarkthalle und stöbern uns durch schöne alte Dinge und Klimbim, bis wir merken, dass wir kein Bargeld dabei haben.

Irgendwann landen wir im Deathpresso, weil wir beschließen: Es braucht noch einen Kaffee (für S., für mich ist es ein erster Cappuccino seit langer Zeit, ich nehme die Sache mit dem Koffein sehr ernst) und bitte einen besonders starken. Der Name verspricht, diesen Wunsch zu erfüllen und tatsächlich ist S. sehr zufrieden mit seinem Hafer-Cappu. Die ersten Sonnenstrahlen wärmen uns und wir beginnen zaghaft zu hoffen, dass das Wochenende nicht so verregnet wird wie in der Wetter-App angekündigt. 

Schanze und Karoviertel 

Anschließend geht es gestärkt (und mit negativem Corona-Test / S. ist durchgeimpft) durch ein paar Läden, die uns interessant schienen – ganz neu dabei sind unter anderem Destinationen für Kinder- und Babysachen, zum Beispiel Zasa Kindersachen, der sich fast gegenüber des Deathpresso auf der Schanzenstraße befindet und eine süße Auswahl an Kinder- und Babykleidung sowie Spielzeug führt. Wir werden an dem Tag zwar nicht fündig, aber das heißt nichts.

Ins Kauf dich glücklich scheinen wir auch rein, weil es von außen so schön ausschaut. Die Kleidung ist für uns meist nicht interessant, weil wirklich viel Fast Fashion und viel Polyester oder andere Plastiksorten dabei sind, aber Deko-Gegenstände und Bücher schauen wir uns gerne an. 

Danach laufen wir wieder kreuz und quer durch die Straßen, wohin es uns gerade verschlägt (am schönsten kann mensch Städte durch Laufen entdecken, finde ich) – und irgendwann ist es dann auch schon wieder so spät, dass an Mittag zu denken ist, jedenfalls an einen kleinen Snack. Den bekommen wir bei Mamalicious: Ich bestelle einen großen Bagel und insgesamt finden sicher 2,5 Liter Flüssigkeiten den Weg in unsere Mägen – es ist doch wärmer und vor allem für mich anstrengender als gedacht. 

Und weil wir dann schon quasi in Altona sind und den Stadtteil auch einmal aus der Nähe gesehen haben möchten, laufen wir weiter, immer weiter Richtung Altonaer Altstadt. Die finden wir allerdings bei weitem nicht so interessant wie Schanze und Karoviertel: viele große Ketten, Läden, die wir in Münster und auch sonst überall finden, wenig Besonderes, das uns zum Verweilen einladen könnte. Wir spazieren trotzdem weiter, denn dafür sind wir ja auch hier: um einen Eindruck zu bekommen. 

Als uns die Füße wehtun, beschließen wir, per U-Bahn wieder zurück zur Schanze zu fahren – was sich als Herkulesaufgabe herausstellt, denn zum Zeitpunkt unseres Aufenthaltes lässt sich die Schanze aufgrund von Bauarbeiten nicht anfahren. Und die Auskünfte der Verkehrsunternehmen sind…dürftig. Die Plakate zeigen falsche Verbindungen an, die Mitarbeitenden schicken uns zwei Mal in die falschen Bahnen – und bevor wir entweder verzweifeln oder die Nerven ganz blank liegen (bei mir, S. ist die Ruhe selbst), fragen wir in der Reiseinformation der Deutschen Bahn nach. Dort bekommen wir dann endlich die richtige Auskunft und fahren heute und morgen stets bis zur Haltestelle “Schlump”, wenn wir zur Schanze möchten. Von dort sind es dann noch knapp 10 Minuten Fußweg. Die Bauarbeiten sollten allerdings ab nächstem Monat abgeschlossen sein, sodass das Reisen innerhalb Hamburgs sich dann wieder einfacher gestalten sollte. 

Wir haben es dann also geschafft und sind wieder im Schanzenviertel gelandet, das wir noch einmal ablaufen – ähnlich wie heute Morgen, aber diesmal gehen wir auch in einzelne Läden rein und schnuppern hier und da ein bisschen, zum Beispiel bei Mr. & Mrs. Green oder dem wunderschönen Fairrückt Geschmückt, in dem es hübschen Klimbim (eigene Aussage) zu kaufen gibt. Kurz vor Ladenschluss schaffen wir es zu faible and failure, wo unfassbar weiche und ästhetische Strickware teils per Hand hergestellt wird und ich mich ad hoc in ungefähr 10 Pullover verliebe. 

Durch die Bahnverzögerung sind wir mittlerweile schon ziemlich spät dran – die meisten Läden schließen zwischen 18 Uhr und 19 Uhr, sodass wir uns der Frage des Abendessens zuwenden, um nicht auch hier zu spät zu kommen. Schnell ist ein Favorit gefunden: Obwohl das Happenpappen uns auch dieses Mal wieder reizt, weil es letztes Mal so gut war, beschließen wir, etwas anderes auszuprobieren und machen uns auf in Richtung Apple & Eve

Dort müssen wir einen Moment auf einen Platz warten, denn wir möchten natürlich gerne draußen essen und gerade ist Abendessenzeit. Als die Menschen vor uns aber aufstehen, bieten sie uns ihren Erdnuss-Schoko-Kuchen an, den sie selbst nicht mehr schaffen und worüber wir uns sehr freuen. Eine warme Geste. Ich bestelle den Avocado-Salat mit Falafel und falle fast von der Bank, als ich das Prachtstück von Gericht sehe, das wenig später vor mir abgestellt wird. Wow! Gut, dass S. dabei ist – allein hätte ich diesen Berg sicherlich nicht geschafft. S. bestellt zusätzlich den Döner-Teller, mit dem er auch ausgesprochen zufrieden ist. Preis-Leistung ist hier mehr als in Ordnung – und alle, mit denen wir sprechen, sind authentisch nett, sodass wir uns sehr wohlfühlen. 

Abendprogramm: HafenCity 

Wir stehen rundgefuttert und sehr satt auf, um zum letzten Punkt für heute auf unserer Liste aufzubrechen: der HafenCity. Gerade jetzt, wo es langsam dunkel wird, die perfekte Adresse, um den Tag ausklingen zu lassen. Mit der U-Bahn fahren wir bis zur HafenCity Universität und betreten den Teil der HafenCity, der jetzt schon verschlafen im Halbdunkel liegt und spärlich besucht ist. Genau so möchten wir das haben – jedenfalls für heute. Wir spazieren ein wenig am Ufer entlang, setzen uns auf die Treppen und schauen den Lichtern der Gebäude und Hafenanlage beim Hellerwerden zu. (Seht ihr den T-Rex?) Das Wasser schmatzt, die Möwen kreischen vereinzelt und langsam legt sich Stille über den Ort. Das ist so beruhigend, dass wir fast einschlafen. Kein Wunder – wir sind heute ja auch über 38.000 Schritte gelaufen und früh aufgestanden. Schlafen kann ich momentan ohnehin immer und überall, daher lassen wir den romantischen Abend nicht allzu lang werden und machen uns bald auf den Weg in Richtung Hotel. Mit der U-Bahn ist es nicht weit und wir kommen direkt am Gänsemarkt raus, das ist sehr angenehm. Wir fallen in die Betten und schlafen fast sofort ein. 

Tag 3: Sonntag, 11.7.2021

Der Wecker klingelt wieder um 6 Uhr und heute fällt es deutlich schwerer, auch wirklich aufzustehen. Die Augen sind klein, die Glieder schwer, aber wir haben einiges vor. Also kurz gestreckt und unter die Dusche gehüpft. Früh zu frühstücken empfiehlt sich auch aus pandemischer Sicht, haben wir festgestellt: Ab 8 Uhr wird es dann doch relativ voll im Speisesaal und am Buffet, wobei selbstverständlich immer vonseiten des Hotels darauf geachtet wird, die Gäste*innen mit dem gebotenen Mindestabstand voneinander zu platzieren. 

Zunächst checken wir aus (Checkout ist bis 12 Uhr und da werden wir noch unterwegs sein) und bereiten alles vor, sodass wir nachher nur noch losdüsen müssen. Dann brechen wir auf gen Speicherstadt.

Die möchten wir uns dieses Mal nämlich unbedingt angeschaut haben – zuletzt war ich vor sehr, sehr langer Zeit hier. Auch heute sind wir wieder früh dran und können zuschauen, wie die Stadt sich den Schlaf aus den Augen reibt. Sonntags dauert das verständlicherweise noch länger als sonst, sodass die Straßen ruhig vor uns liegen. Was wir vorher nicht wussten: Die Speicherstadt gehört seit 2015 zum UNESCO Weltkulturerbe, als größtes Langerhausensemble der Welt. Wir schlendern ohne Ziel durch die Speicherstadt, sehen ein Rundfahrt-Schiff unter uns vorbeifahren (nächstes Mal buchen wir eine Rundfahrt, das ist sicherlich sehr spannend) und finden uns nach ein paar Runden vor dem Miniatur Wunderland wieder. Weil wir Freikarten gestellt bekommen haben, dauert die Entscheidung nicht lange: Lass uns doch mal reinschauen.

Das Miniatur Wunderland

Am Eingang müssen wir unsere Impf- und Testnachweise vorzeigen – denn es kommt nur rein, wer getestet, geimpft oder genesen ist. Ein übersichtliches Besucher*innen-Leitsystem auf dem Boden, das einer Straße nachempfunden ist, soll Staus und Gedränge verhindern. Das ist an sich auch eine gute Idee – in der Realität sind dann doch deutlich mehr Menschen da, als wir gedacht hatten und natürlich knubbelt es sich in einigen Ecken (um die wir dann einen Bogen machen). Dabei sind wir früh dran – als wir das Miniatur Wunderland nach anderthalb Stunden wieder verlassen, drängen deutlich größere Besucher*innenmassen herein. Wer sich aus pandemischen Gründen damit unwohl fühlt, sollte vielleicht mit dem Besuch warten. Wir haben ihn auch nur gewagt, weil die Inzidenzen noch vergleichsweise niedrig sind (auch wenn sie gerade wieder steigen). 

Das Miniatur Wunderland selbst ist ein Wunder, anders kann ich es nicht beschreiben. Ich bin begeistert, restlos begeistert. Früher war ich schon einmal hier, aber damals hatte ich noch kein Auge für die Kunstfertigkeit, die Details und die Arbeit, die dahintersteckt. Jetzt bin ich schwer beeindruckt von den riesigen Kulissen, den Lichtshows, den unzähligen Dioden und den mechanischen Bewegungen, die von den Besucher*innen per Knopfdruck ausgelöst werden können, von den Geschichten, die erzählt werden und den ironischen Kommentaren, die ab und zu darin versteckt sind. Hach, ich könnte stundenlang gucken, mit dem Gesicht ganz nahe an den Szenen, um ja auch nichts verpasst zu haben. 

Was mir in der Begeisterung allerdings auffiel und ich nicht unerwähnt lassen möchte, ist, dass gerade die Darstellung der USA stark als Western-Abenteuer romantisiert wird, es fällt das I-Wort. Da würde ich mir eine rassismuskritischere und sensiblere Herangehensweise wünschen – generell natürlich, weil Begriffe wie das I-Wort nie reproduziert werden sollten, aber auch, weil viele Kinder diese Ausstellung besuchen und auch hier wieder lernen, dass diese Darstellungen in Ordnung sind. 

Abgesehen davon hält das Miniatur Wunderland auf drei Stockwerken zahlreiche Highlights im Maßstab 1:87 bereit – der Flughafen gehört definitiv dazu, genauso wie die Mini-Elbphilharmonie, die sich auf Knopfdruck öffnet und schließt. Meine Favoriten sind die Schweiz mit ihren eindrucksvollen Gebirgsmassiven und Italien mit den pittoresken Gässchen und natürlich den venezianischen Kanälen. Auch S. kann sich kaum sattsehen und verwandelt sich vor meinen Augen in ein verzücktes Kind. Es ist rührend, vor allem, weil ich mich vermutlich genauso verhalte.  

Das Finale: Altonaer Balkon und Loki-Schmidt-Garten

Wir nähern uns dem Ende unseres Hamburg-Aufenthaltes. Als wir aus dem Miniatur Wunderland heraustreten, ist es gerade Mittag und wir überlegen, welchen von den favorisierten Punkten auf der Liste wir als finalen besuchen werden, bevor es dann wieder gen Heimat geht. Wir entscheiden uns für zwei: den Altonaer Balkon und den Loki-Schmidt-Garten

Der Altonaer Balkon ist eine Parklandschaft mit Aussicht auf die Nordelbe und das Dockland Office Building, von dem aus gut Fotos geschossen werden können. Mit der S-Bahn sind wir gut 10 Minuten unterwegs, weitere 10 müssen wir laufen, dann sind wir da. Pünktlich lässt sich die Sonne blicken und wärmt unsere Haut. Wir setzen uns auf eine der Bänke mit Blick auf das Dockland und lassen und bescheinen, bis wir leicht dösig werden. Der Balkon ist wunderbar entschleunigend. Eine Gruppe Rentner*innen auf Foto-Tour schaut vorbei, Kinder spielen und rennen kreischend umher, auf der Parkbank liest ein Mann Zeitung, Gruppen von Freund*innen sitzen auf Decken auf dem Rasen.

Eine Idylle mitten in der Großstadt. Letztere treibt meinen Puls trotz aller Liebe immer in die Höhe – einfach, weil so viel zu sehen und zu verarbeiten ist. Hier ist Reizarmut allgegenwärtig und wir genießen sie auch während des anschließenden Spaziergangs durch die Parklandschaft (mit Hundefreilaufzone). Überall stehen und liegen Grüppchen von Menschen zusammen und zelebrieren die Langsamkeit. Großartig. 

Der botanische Garten (Loki-Schmidt-Garten)

Als wir uns auf den Weg zum letzten Programmpunkt, dem Loki-Schmidt-Garten, machen, ahne ich noch nicht, dass ich mich sofort Hals über Kopf verlieben werde. “Garten” klingt klein und unaufgeregt und passt nicht so recht zu dem, was uns erwartet – erst, wenn mensch das “botanischer” davor setzt. Der Loki-Schmidt-Garten ist nämlich alles andere als ein netter Kräutergarten (wenngleich es auch Arznei-Kräuter zu bestaunen gibt): Auf 24 Hektar erstreckt sich ein Areal, vollgepackt mit Pflanzen aus unterschiedlichen Vegetationszonen. Ein Waldgebiet, mediterrane Ebenen, Bachlandschaften, ein japanischer Garten, ab und zu finden sich Info-Tafeln, die einzelne Pflanzen oder Bereiche genauer erklären und Hintergrundwissen vermitteln. Es ist ein Traum, der jetzt in den Sommermonaten natürlich in seiner ganzen Pracht erstrahlt. 

Am Eingang steht die Statue eines dicken Mannes, der in einen Apfel beißt und dessen rechte Hand abgeschnitten am Baum hängt: Adam. Die Tafel zu seinen Füßen lässt verlauten:

“Adam plündert sein Paradies – Dieser Adam ist kein Idealbild, denn er steht für die Menschheit, die im Begriff ist, das Gleichgewicht der Natur und sich selbst zu zerstören. Hier soll mahnend daran erinnert werden, dass ein Paradies zu verlieren ist.” (Waldemar Otto, 1982)

Obwohl ich die intendierte Botschaft gut und wichtig finde und glaube, dass sie ein wertvolles Motto ist, um einen botanischen Garten einzuführen bzw. auch, um seine Motivation zu erklären, halte ich die Umsetzung für semi gelungen. Denn ich frage mich, warum Dicksein mit einem aus dem Gleichgewicht gekommenen System gleichgesetzt wird. Das hat eine pathologisierende Komponente, welche die Assoziation dick = schlecht aktiviert und mindestens kritisierenswert ist. 

Eine wichtige Anmerkung: Wenn derzeit den Loki-Schmidt-Garten besuchen möchtet, müsst ihr euch auf dieser Website hier dafür anmelden, sonst kommt ihr nicht rein. Im Internet steht zwar auch, dass die Luca-App ginge, aber das ist in der Praxis vor dem Tor nicht der Fall. Das Anmelden geht sehr fix, die Bestätigungsnachricht müsst ihr vorne vorzeigen, dann könnt ihr bis zu 3 Stunden im Garten verbringen. Hunde dürfen nicht in den Garten.

Im botanischen Garten selbst bin ich aber nur begeistert. Unter anderem von dem Vorhandensein eines kleinen Ladens, der Snacks, Getränke und Eis verkauft sowie Sitzgelegenheiten (zum Verspeisen und Ausruhen) bereitstellt, sowie von den Toiletten. Beides brauche ich dringend und nachdem ich rundherum versorgt bin, geht es in Ruhe durch den Garten. Wir wissen gar nicht, wo anfangen und laufen kreuz und quer und immer der Nase nach. Hinter jeder Ecke warten noch schönere Arrangements als die bisher gesehenen und ich komme aus dem Staunen und Filmen und Fotografieren gar nicht mehr heraus. 

Wahrscheinlich könnten wir mindestens einen ganzen Tag damit verbringen, alles hier zu bestaunen, aber die Zeit ist uns leider nicht vergönnt. So begnügen wir uns mit ersten Eindrücken und nehmen uns fest vor, wiederzukommen.

Zum Schluss schauen wir noch im Café Nasch vorbei, das wir zufällig auf unserem letzten Weg gen Hotel entdecken und uns vom Ambiente her sofort anspricht. Dass auch noch alles vegan ist, gleicht der Kirsche auf dem Sahnehäubchen – vor allem, weil wir noch auf der Suche nach Snacks für die Heimfahrt sind. Wir bestellen einen Wrap und eine Portion Spinat-Börek – beides unfassbar lecker! 

Hamburg, haben wir festgestellt, ist immer wieder ein Fest – und es gibt noch so vieles, was wir in der Hansestadt noch nicht gesehen haben und der Entdeckung harrt. Das nächste Mal können wir dann wahrscheinlich dem Küken  die Alster zeigen.

Auf Wiedersehen und bis zum nächsten Mal! 

Hier geht es zum Hamburg-Bericht aus dem letzten Jahr mit noch mehr Tipps und Adressen. Infos zu Sehenswürdigkeiten und Futter-Lokalitäten sowie Aktivitäten in und um Hamburg gibt es auch auf der Seite der Hamburg Tourismus GmbH.

JENNI MARR

Wanderin im Geiste, mit der Nase im nächsten Buch, nie so ganz zuhause und doch immer da.

KOMMENTARE

[…] Although it’s not obvious, sustainability has now become a key feature of the company. For example, there are free electric charging stations, no individually wrapped products in the rooms, and the minibar is stocked with bottles from mostly sustainable companies. The hotel runs entirely on green electricity, filters its own table water, and does away with unnecessary linens (which is why there are no tablecloths in the restaurant). For more on all the sustainability measures, accessibility, art and the hotel, check out her blog. […]

Cookie Consent mit Real Cookie Banner