Schneller, als ich gucken konnte, hat in diesem Jahr der Dezember angefangen und ich kann die Gespräche, in denen ich mich mit Gleichaltrigen darüber austausche, wie schnell auf einmal die Zeit vergeht und wie Recht unsere Eltern früher hatten, als sie meinten, das sei eine Frage des Alters, gar nicht mehr zählen.

Seit ungefähr 3 Jahren nehme ich mir immer wieder vor, das nächste Jahr aber wirklich vorbereitet zu sein. Auf Ostern, meinen Geburtstag und den Advent. Natürlich schaffe ich keines von dreien und meine Bewunderung für andere Medienmenschen, die ihren Kalender bis zu drei Monaten im Voraus fertig geplant und Inhalte vorproduziert haben, wächst kontinuierlich.

Vielleicht bin ich am Ende doch einer dieser Menschen, die am besten unter Druck, jedenfalls selbstinduziertem Druck, arbeiten können. Ich bin mir da nicht so sicher.

Mit der Weihnachtsbäckerei habe ich daher konsequenterweise erst am 1. Advent begonnen, obwohl ich schon seit drei Wochen mindestens Lust auf selbstgebackene Kekse und Stollen und überhaupt habe. Geklappt hat es zeitlich nicht und ich möchte mir das selbst, die ich begeisterte #slowliving-Hashtag-Nutzerin bin, gar nicht schönreden: Slow war das die letzten Wochen bei mir nicht so wirklich.



Das ist natürlich vor allem mir selbst geschuldet – da ich mein Leben sehr flexibel und frei planen kann – was ein sehr großes Privileg ist, das ich sehr genieße -, bin ich für alle Engpässe und Terminüberquellungen selbst verantwortlich.

Meist ist das großartig für mich und perfekt auf meine mentalen Bedürfnisse zugeschnitten – manchmal neige ich aber aufgrund meiner Persönlichkeitsstruktur dazu, mir zu viel Arbeit aufzuhalsen, so ganz freiwillig. Es gibt so viel, was ich noch umsetzen und so viel, zu dem ich noch etwas sagen und arbeiten möchte. Und dann muss ich selbst einsehen, dass auch mein Tag nur 24 Stunden hat und ich nicht immer 12 davon am Rechner kleben muss. Mein Bewusstsein dafür wächst glücklicherweise und ich spüre schneller als noch vor ein paar Jahren, wann meine persönlichen Grenzen überschritten werden (von anderen und von mir selbst).

Kreativität braucht Pausen, die Ideen benötigen manchmal ein bisschen Anlauf, bis sie den Sprung in den Kopf schaffen. Wenn gar nichts sonst hilft, sage ich mir diese Sätze immer wieder vor und widme mich dann guten Gewissens scheinbar sinnlosen Tätigkeiten.


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Wobei ich mich immer öfter ganz aktiv im Nichtstun übe, seitdem ich begriffen habe, dass mein schlechtes Gewissen diesbezüglich von der leistungsgeprägten Gesellschaft kommt, die mir einreden möchte, dass jede Minute meiner Existenz irgendwie mit einem aktiven Sinn gefüllt werden müsste (heißt: irgendeine Form von Arbeit – an meinen mentalen Fähigkeiten, meinem Wissen, meinem Körper, meinen Beziehungen, meinem Wohnungs-Interieur…). Nö, da habe ich keine Lust drauf. Meine persönliche Definition von Sinn schaut ein wenig anders aus, auch wenn ich nach wie vor gerne arbeite. Ich bin nicht Arbeit.

Soweit dazu.

Sich also Zeit zu nehmen für solche eigentlich müßigen Tätigkeiten wie Keksebacken, kann unter Umständen und paradoxerweise ein wenig dauern. Immerhin habe ich es am 1. Advent geschafft – und mir vorgenommen: Das wird nicht das letzte Mal in diesem Jahr gewesen sein, wirklich nicht.



Meine ersten Backergebnisse in diesem Jahr sind diese Ingwer-Kekse geworden, die ich zum ersten Mal vor etwas mehr als zwei Wochen auf einem Event mit Alnatura in Darmstadt im Kollektiv gebacken habe (es hat sehr viel Spaß gemacht – Eindrücke gibt es auf Instagram unter dem X-Mas-Highlight).

Das ursprüngliche Rezept ist nicht vegan, aber da fast alle Veganer*innen beim Event waren, haben wir es schon in veganer Version gebacken gehabt.  Auch diese Version habe ich jetzt noch einmal überarbeitet und meinen persönlichen Präferenzen angepasst – und zum Beispiel statt mit Agavendicksaft mit Honig gesüßt.

Meine Variante ist also streng genommen nicht vegan (ihr könnt natürlich das sirupartige Süßungsmittel eurer Wahl nutzen) – warum ich Honig aber bewusst und ausgewählt konsumiere, könnt ihr hier nachlesen.


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Das Rezept

(für 18 Ingwer-Kekse)

Zutaten:

  • 40g Ingwer-Wurzel, frisch (gibt es aus Deutschland nur von Oktober bis Dezember, also schnell sein!)
  • 150g Cashew-Mus / 2 EL, gehäuft
  • 130g Honig / 2 EL, gehäuft
  • 50g Apfelmark / 2 EL, gehäuft
  • 230g Dinkelmehl Type 630
  • 2 TL Weinstein-Backpulver
  • 1,5 TL Zimt

Zubereitung:

  • Den Ingwer fein reiben.
  • Gebt anschließend das Cashew-Mus, den Honig und das Apfelmark in eine Schüssel und vermengt es gut mit dem Schneebesen.
  • Vermengt in einer separaten Schüssel das Dinkelmehl mit dem Backpulver.
  • Rührt die Mischung anschließend  zusammen mit dem Zimt und dem Ingwer unter die Cashew-Mus-Mischung.
  • Verknetet alles zu einem feuchten, zusammenhängenden Teig. Er klebt ein wenig, aber das ist okay und soll so.
  • Heizt den Backofen auf 200°C Ober-/Unterhitze vor und legt ein Backblech mit Backpapier aus.
  • Formt mit angefeuchteten Händen walnussgroße Teig-Kugeln und legt sie mit etwas Abstand auf das Blech. Drückt sie anschließend etwas flach.
  • Backt eure Ingwer-Kekse auf der mittleren Schiene für 15 Minuten, bis sie gut aufgegangen und an der Oberfläche schön goldbraun geworden sind.
  • Herausnehmen, auskühlen lassen und bei Bedarf mit Kuvertüre verzieren.
  • Fertig!


Ich muss gestehen: Früher habe ich immer einen Bogen um Ingwer-Kekse gemacht, weil ich dachte, der Ingwer wäre so stark, dass mir die Kekse gar nicht schmecken könnten.

Nun habe ich momentan sowieso eine starke Ingwer-Phase und mag, entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten und sehr zu meiner eigenen Überraschung, alle möglichen Lebensmittel und Rezepte mit Ingwer sehr gerne – sodass auch Ingwer-Kekse bei mir auf äußerst große Begeisterung treffen.

Dennoch: Beim Ingwer kann man sich doch schnell verschätzen, was die Dosierung angeht. Gerade, wenn man diesbezüglich sensible Menschen um sich weiß. Doch auch diejenigen, die sonst eher nicht so für ingwerhaltige Dinge zu begeistern sind, bescheinigen:

Wow, richtig gut! Und da hätte doch noch ein Minibisschen mehr reingekonnt. So 50g statt 40g vielleicht? 



Die frische Ingwer-Wurzel, die ich jetzt noch im Kühlschrank habe, hätte ich also guten Gewissens doch noch in dem Teig verarbeiten können. Aber so habe ich noch eine andere Möglichkeit, sie einzusetzen – seitdem ich weiß, dass der Ingwer aus Deutschland so schwierig zu bekommen ist, bin ich doch vorsichtiger als vorher mit der Verwendung.

Mit den 40g Ingwer schmecken die Kekse leicht-würzig eben nach Ingwer, aber nicht zu stark. Das Cashew-Mus und der Honig bilden gute Gegenspieler beziehungsweise ergänzen die Hauptzutat gut – und sogar das Apfelmark, das vor allem als Ei-Ersatz fungiert, passt wunderbar in die Palette. Eine nussig-fruchtige Mischung.

Kurz hatte ich mit dem Gedanken gespielt, anstatt die Ingwer-Kekse mit Schokolade zu verzieren, direkt Schoko-Tropfen in den Teig einzubacken. Da habe ich mich in den bisherigen Versuchen gegen entschieden, aber ich glaube, das probiere ich noch aus – vielleicht auch mit weißer Schokolade..?



Eine Abwandlung zu diesem Ingwer-Rezept wäre, anstelle des Ingwer Organenschalenabrieb in den Teig zu geben – S. meint, das ist ein Rezept, das er sofort mit seiner Kindheit verbindet, weil die Mama genau diese Kekse regelmäßig gebacken hat. Steht auf der Liste für weitere Versuche, ich bin sehr gespannt, wie diese neue Variation werden wird.

Hier gibt es noch mehr (weihnachtliche) Keks-Inspiration!

Kommt gut in den Advent!

JENNI MARR

Wanderin im Geiste, mit der Nase im nächsten Buch, nie so ganz zuhause und doch immer da.

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