Ich lese gerne, für mein Leben gerne, gefühlt, seit meine Augen die ersten Buchstaben und mein Gehirn den Sinn dahinter entschlüsseln konnte. Bis heute bin ich fasziniert von der Macht der Sprache, vor allem von der geschriebenen. Was wir damit anstellen und sagen, wie wir damit Denken ausdrücken, lernen und weitergeben können – allein dem wohnt schon eine Schönheit inne, die tatsächlich schwer mit Worten zu greifen ist.

Ich stelle deshalb ja auch regelmäßig meine liebsten Bücher zu unterschiedlichen Themen vor (zum Beispiel illustrierte Bücher aus der empowernden Kinderliteratur, aber auch einzelne, die mir besonders gut gefallen haben) und langsam schleichen sich die umfassenden Buchjahresrückblicke auf den Blog ein (hier und hier zuletzt).

Beschränkte Perspektiven: die Dominanz des Männlich-Weißen in der Literatur

Im Laufe vor allem der letzten beiden Jahre ist mir klar geworden, und ich habe mich ein bisschen erschreckt bei dieser Feststellung, dass der Großteil meiner bisherigen schulischen und universitären Ausbildung und dem Lesen, das dann parallel dazu stattfand, aus männlichen Autoren bestand. Männlichen, weißen, gebildeten und einigermaßen wohlhabenden Autoren zumeist. Ich habe Germanistik und Philosophie studiert und während man in der Germanistik (auch auf Bestreben vor allem von Professorinnen) immer mal wieder auch Autorinnen liest, ist das in der Philosophie so gut wie nie der Fall – sie ist nach wie vor eine fast ausschließliche Männerdomäne.

Diverse Literatur braucht man dort ohnehin nicht zu suchen, das verhält sich leider auch in der Germanistik ähnlich, jedenfalls nach meinen bisherigen Erfahrungen.



Mit diesen Voraussetzungen brauchte ich das Internet, damit mir klar wurde, dass es außer diesen doch recht beschränkten Perspektiven auf die Welt und wie sie sich zusammensetzt, von Gut und Falsch und allem, was dazwischenliegt, noch ziemlich viele weitere gibt, die gleichberechtigt existieren. Dass niemand die ultimative Wahrheit gepachtet hat und ob es sowas wie Objektivität überhaupt gibt, damit habe ich ganze Seminare und Vorlesungen zugebracht – geleitet von weißen Männern, die weiße Männer zitierten, während wir Texte von weißen Männern lasen. In der Rückschau wundere ich mich sehr, warum mir das nicht schon damals komisch vorgekommen war.

Erst im Laufe der letzten Jahre wurde mir klar, wie wenig ich eigentlich wusste. Das ist sehr beängstigend, auf den ersten Blick. Aber auch sehr ermutigend und neugierigmachend. Ich möchte andere Perspektiven sehen und nachvollziehen können, um zu verstehen, um mich und meine Position besser reflektieren zu können – sei es, indem ich starke weibliche Literatur lese, mit der ich mich identifizieren kann oder indem ich Autor*innen lese, deren Erfahrungshorizont und deren Schreiben (das bitte niemals in einen Topf werfen) mir zunächst entfernter erscheinen.

Und ich muss mich mit Emotionen auseinandersetzen, die unweigerlich damit einhergehen, wenn man ausgetretene Pfade verlässt – in mir selbst und in der Auseinandersetzung mit anderen Menschen: Verunsicherung, Angst, Scham, Schuld, Hilflosigkeit, Identifikation, Unverständnis, Erkenntnis – und nicht zuletzt eben auch am Ende die pure Freude am Sein und dem Ausdrückenkönnen dessen, was dieses Sein ausmacht, in allen Facetten.

Das ist häufig sehr, sehr schön und bereichert mich in meiner eigenen Entwicklung ungemein, vor allem, weil ich den Eindruck habe, durch sorgfältigere Literaturauswahl nicht nur viel zu lernen, sondern mich menschlich weiterzuentwickeln. Und das ist ein gutes Gefühl.



Literarische Diverse: ein Magazin für junge und vielfältige Literatur

Ich bin daher seit längerem gezielt auf der Suche nach Autor*innen, die schreiben, zuallererst erst einmal schreiben, denn das ist das Wichtigste, die Relevanz ergibt sich sehr häufig schon automatisch dadurch, dass Menschen, die jahrhundertelang nicht gehört wurden, endlich angemessen gewürdigt zu Wort kommen dürfen, geht aber in den meisten Fällen handwerklich noch weit darüber hinaus. Damit meine ich Frauen, Menschen mit nicht-binärer Geschlechtsidentität, BIPoC, Menschen, die nicht dem heteronormativen Spektrum entsprechen – also quasi alle, die ich, ohne es zu wissen, schon früher abseits vom heterosexuellen weißen Mann gerne gelesen hätte.

Und davon gibt es, es sollte nun wirklich nicht verwundern, sehr, sehr viele. Und sie machen Großartiges mit Worten.

Ein im doppelten Sinne junges Magazin, das mir kürzlich in meinem Instagram-Feed aufgefallen ist, ist die Literarische Diverse. Der Name brachte einiges zum Klingen bei mir und es dauerte nicht lange, bis ich die erste Ausgabe im Briefkasten hatte.

Ich las langsam, bedächtig, habe mir Zeit gelassen – zum einen, weil man sofort merkt, dass hier ganz viel Leidenschaft und Liebe drinsteckt und es sich fürchterlich falsch angefühlt hätte, das an einem Abend durchzukonsumieren. Und zum anderen, weil das gar nicht möglich gewesen wäre. Die Texte drehen sich in der ersten Ausgabe rund um dasselbe Thema – Engagement -, doch sie sind so facettenreich und individuell teilweise so dicht, dass ich sehr häufig nach dem Lesen eines Textes dasaß und eine Weile in die Luft gestarrt habe, um nachzudenken.

Und ich finde: Besser kann Literatur nicht wirken.


© Literarische Diverse


Interview mit Yasemin Altınay

Hinter Literarische Diverse steckt Yasemin Altınay, Verlagskauffrau und Studentin der Angewandten Literaturwissenschaft in Berlin. Auf @goldmond_liest schreibt sie über Bücher und teilt ästhetische Impressionen aus ihrem Leben.

Weil mich die Arbeit und die Passion, die hinter einem eigenen Magazin stecken, sehr fasziniert und das Konzept von Literarische Diverse sowieso, habe ich mich sehr gefreut, als Yasemin einem kleinen Interview zugestimmt hat, in dem wir über Literatur, Politik und das Magazin sprechen.


Was ist Literarische Diverse und wie ist das Projekt zu seinem Namen gekommen? 

Yasemin: Literarische Diverse ist ein Printmagazin für junge und vielfältige Literatur. Es versteht sich als sicherer Ort für mehr Raum und Sichtbarkeit von BIPoC und LGBTIQ+ Stimmen. Ich bin seit fast zehn Jahren in der Verlagsbranche tätig und habe, nachdem ich mehr Bewusstsein für fehlende Repräsentation der eben genannten Stimmen im deutschen Literaturbetrieb bekam, Lust gehabt, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, um diese sichtbarer zu machen. Meine große Leidenschaft ist das Publizieren von Literatur und mein Ziel, dass sich innerhalb dieses Raumes auch alle wohl und empowert fühlen.

Der Name kam eines Sommertages im Juli 2019, nachdem ich auf einer Diversity Konferenz war. Ich war motiviert von den Paneltalks und habe spontan in der Ringbahn ein Brainstorming gemacht, mit welchen Worten ich mich identifizieren kann, die sowohl Literatur und Diversität widerspiegeln. So kam ich auf Literarische Diverse und fing direkt an, das Projekt zu planen. Die Idee an sich habe ich schon länger, aber ohne Namen ist schwieriger, etwas anzupacken, finde ich.


Was war deine Motivation, genau dieses Magazin zu gründen?

Yasemin: Das waren wohl mehrere Aspekte, die es gefördert und da mitgespielt haben. Einmal meine Verlagsausbildung, die mir eine grundlegende Basis geschaffen hat. Während meines Bachelorstudiums Geschichte und Kultur des Vorderen Orients an der Freien Universität hatte ich mehr Zeit für mich, besuchte Genderkurse und bin generell politischer und sensibilisierter geworden. Literatur ist dabei stetig präsent geblieben. Ich habe schließlich einen schönen Loop gefunden und angefangen, Angewandte Literaturwissenschaft an der Freien Universität zu studieren. Ein Kurs zum Herausgeben eines Magazins sowie für Indesign Grundkenntnisse gaben mir zusätzliche Skills oder eben auch das nötige Selbstbewusstsein, das mir gefehlt hat, um es einfach mal selbst auszuprobieren. Außerdem sind es vor allem die politischen Verhältnisse, die mich darüber nachdenken ließen, was ich denn eigentlich für die Gesellschaft tun kann. Du merkst, es sind einige Faktoren, die mich an den Punkt gebracht haben, an dem ich gerade bin. Zum Glück!


© Literarische Diverse


Wie wird es von den Leuten aufgenommen?

Yasemin: Über meinen Literaturblog auf Instagram habe ich meinen Abonnenten von den Plänen erzählt und sie von Anfang an mitgenommen. Das fand ich sehr schön, weil ich somit auch kleine Schritte mit ihnen teilen und feiern konnte, und nicht erst das Endprodukt. Das war auch sehr wichtig für meinen persönlichen Prozess. Mir haben viele Leute mitgeteilt, dass sie durch mich sogar motiviert waren, endlich ein eigenes Projekt anzufangen, was ich sehr berührend fand. Es ist natürlich generell sehr schwierig, in dieser großen Verlagswelt überhaupt gesehen zu werden, vor allem als PoC. Die vielen lieben Nachrichten zeigen mir aber, dass es sehr gut angekommen ist, worüber ich mich sehr freue. Das gibt mir Kraft für die zweite Ausgabe, an die ich mich bald setze. Ich will nicht zu viel verraten, aber das Thema steht schon seit einiger Zeit.


Was ist Diversität für dich? 

Yasemin: Diversität ist für mich ein weit gefasster Begriff, mit dem ich auch persönliche Wünsche und Hoffnungen verbinde. Natürlich ist eine Gesellschaft generell schon divers, weil einfach so viele verschiedene Menschen miteinander leben. Der nächste Schritt ist dann aber das Zusammenleben, die Inklusion von allen und das gleichberechtigte Existieren dieser Verschiedenheiten auf allen Ebenen. Da sind wir noch lange von entfernt, da Diskriminierungen leider Alltag sind. Ich finde es auch immer wieder schade und befremdlich, wenn nicht betroffene Menschen keine Empathie für andere empfinden, egal bei welchem Thema. Für mich bedeutet Diversität also auch das Empfinden von Empathie und das Solidarisieren, vor allem auch öffentlich, wenn möglich. Ich sehe sehr viele Menschen, die ihre große Reichweite nicht genug nutzen. Wenn sich mehr Menschen zu verschiedenen Themen äußern würden, so wäre die Welt schon ein besserer Ort. Aber viele schweigen eben, wenn es für sie keinen Mehrwert gibt.



Ist das Managen eines eigenen Magazins neben dem Studium eine Herausforderung? Wie schaffst du das? 

Yasemin: Ganz ehrlich? So genau weiß ich es auch nicht. Ich glaube, es ist immer ein Setzen von Prioritäten. Wenn dir etwas wichtig ist, kannst du ohne Probleme soziale Aktivitäten zurückschrauben und dich nur um eine Sache kümmern. Das habe ich gemacht, aber irgendwann gemerkt, wie falsch das doch eigentlich ist. In dem Monat vor Druck der ersten Ausgabe habe ich nämlich außerdem zwei Hausarbeiten schreiben müssen. Das war schon sehr stressig, aber ich habe mir selbst den Anspruch gelegt, das Magazin vor Weihnachten erscheinen zu lassen. Die Hausarbeiten sind nicht sonderlich gut ausgefallen, und ich habe körperlich gemerkt und lernen müssen, dass Pausen sehr wichtig sind. Genauso wie Freund_innen treffen und weiter Sport zu machen, selbst wenn man denkt, man habe gerade keine Zeit dafür. Der kreative Prozess und die Konzentration leiden aber darunter, wenn man eine gewisse Balance nicht findet. Es ist schwierig, diese zu finden.


Wie hast du in so kurzer Zeit so eine große Reichweite mit deinem Magazin erreichen können? Wie findest du Menschen, die einen Teil zum Projekt beisteuern?

Yasemin: Ich habe mein Projekt irgendwann einfach online gestellt, nachdem ich ewig lange erstmal auf den richtigen Zeitpunkt gewartet habe. Den gibt es aber natürlich nicht. Nach und nach sind immer mehr Menschen dazugekommen. Das war unglaublich! In Berlin habe ich Sticker und Flyer sowie Plakate für den Open Call verteilt oder unseren Univerteiler genutzt. Dieses Mal werde ich es genauso machen. Die klassischen Printmedien nutze ich sehr gerne, denn man kann nicht erwarten, dass alle Instagram haben. Ich möchte trotzdem, dass es eine Chance gibt, offline von dem Magazin zu erfahren, denn an sich ist es ja auch erstmal ein Printprodukt. Ich habe in den letzten Monaten außerdem so viel unerwarteten Support erhalten und bin sehr dankbar für meine liebenswürdige Community.


© Literarische Diverse


Kommen wir jetzt zu deinen persönlichen literarischen Favoriten. Hast du eine bevorzugte Textgattung?

Yasemin: Nein, nicht unbedingt. Ich bin ein großer Fan von Gedichten, aber auch Kurzgeschichten und Interviews. Das Magazin soll ein schöner Mix aus mehreren Gattungen sein und ich bin somit offen für jegliche Art von Texten. Ob das jetzt ein Songtext ist oder ein Tagebucheintrag, ich denke, eine Vielfalt auch in den Textgattungen ist schön und abwechslungsreich. Es gefällt mir auch sehr, wenn ich nach mehreren Seiten Text kurz mit Fotografien oder Illustrationen durchatmen kann.


Sprache ist ja die Basis von Literatur – wie definierst du selbst Sprache?

Yasemin: Sprache kann einladend und warm sein – aber auch ausgrenzend und kalt. Sie ist stark, hat sehr viel Macht und kann Menschen zu Verzweiflungstaten bringen. Nicht umsonst gibt es Diskurse über eine inkludierende Sprache, die eben bis heute von einigen vehement ignoriert wird. Es ist auch immer die Frage, wer diese Sprache formt und wie wir gemeinsam mit dieser Sprache leben können.

Einen Beitrag in der aktuellen Ausgabe des Magazins fand ich zu diesem Thema sehr toll. Diana Canay schreibt in Mehr als ein Sprechverbot: «Warum wird sich so stark gewehrt, auf Wörter zu verzichten, von denen viele Betroffene sagen, dass sie verletzen? Warum wird es als störend empfunden, Menschen sichtbar zu machen, die sich nicht gesehen fühlen?» Wenn die Mehrheitsgesellschaft nicht mal bereit ist, Frauen* im Sprachgebrauch einzubauen, sind sie noch lange nicht so weit, ihren Wortschatz diskriminierungsfrei zu gestalten. Da muss noch sehr viel passieren, damit jüngere Generationen das vielleicht irgendwann auf natürliche Art und Weise in der Schule lernen, beispielsweise. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir alle irgendwann gleichberechtigt leben können. Zumindest ist Sprache ein wichtiger Faktor, der eben dazu beiträgt. In meiner Bubble gendern wir schon länger, sind sensibilisiert für diskriminierungsfreie Sprache und versuchen, unser Umfeld darauf aufmerksam zu machen, wenn etwas Problematisches geäußert wurde.



Literarische Diverse gibt ja BIPOC- und LGBTQ+ -Autor*innen eine Stimme. Was meinst du: Wer darf aktuell in der Gesellschaft sprechen und wer darf es nicht? Und was bedeutet das – für Individuen und für alle?

Yasemin: Die Frage ist vor allem nicht, wer schreiben kann und darf, sondern: Wer wird von einer breiten Masse gelesen? Wie viel Resonanz erhält der jeweilige Text, zum Beispiel auf Instagram oder in klassischen Medien? Und mit welchen Themen wird der, die Autor_in verlegt? Es kann nicht sein, dass Menschen nur verlegt werden, wenn sie sich mit bestimmten Themen auseinandersetzen, zum Beispiel Rassismus- oder Fluchterfahrung. Vor allem in der Belletristik darf das keine Voraussetzung sein. Ich höre auch vermehrt, dass BIPoC Autor_innen nicht gerne mit weißen Verlagen arbeiten möchten, weil einige einfach nicht sensibilisiert genug sind. Ich kann das absolut nachvollziehen. Der Literaturmarkt ist in dieser Hinsicht sehr ausbaufähig. Gerade deswegen möchte ich in Zukunft jenseits des Magazins auch Bücher verlegen, die Diversität ganz natürlich vertreten. Da kommen noch einige tolle Projekte, über die ich noch nicht zu viel verraten will.


Mit deinem Magazin präsentierst du ja nicht nur Autor*innen, die zu gesellschaftlichen Randgruppen gehören, sondern setzt ein politisches Statement. Ist Literatur Politik?

Yasemin: Auf jeden Fall. Ich merke vor allem in meinem Leseverhalten, wie sehr sich die Interessen da verschoben haben. Ich lese beispielsweise vermehrt Literatur Schwarzer Autor_innen, oder generell mehr vom Frauen*. Ich bin aufgewachsen mit typisch weißer Schulliteratur und frage mich, wieso man nicht schon da ein gewisses Feingefühl entwickelt und ein Augenmerk auf diversere Literatur legt. Außerdem ist auch hier wieder die Frage, wer wird verlegt? Gibt es Verlage, die Diversität vertreten oder es ganz außer Acht lassen? Wir können alle selber steuern, wen wir mit dem Kauf eines Buches unterstützen wollen und wen nicht. Literatur ist Politik, genauso wie alles andere Private Politik ist, ob man es nun will, oder nicht.


Wie blickst du auf die aktuellen gesellschaftspolitischen Entwicklungen? Überwiegt bei dir Sorge oder Hoffnung?

Yasemin: An manchen Tagen ist die Sorge größer, als die Hoffnung, das muss ich ehrlich zugeben. Es ist aber auch sehr schwer, bei all den Nachrichten nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Aber es ist auch einfacher als je zuvor, Verbündete zu finden und sich miteinander auszutauschen. Ich connecte mich an schlimmen Tagen mehr mit anderen, lasse alle Gefühle zu, und meistens geht es dann auch wieder. Die Kernaussage You are not alone in this der ersten Printausgabe, erinnert mich auch immer wieder daran, dass wir zusammen in dieser Situation sind. Letztendlich überwiegt und gewinnt die Hoffnung am Ende des Tages also.


© Literarische Diverse


Du dienst vielen mit Literarische Diverse als positives Beispiel, wie man einen Beitrag zu einer besseren, diverseren, gerechteren Gesellschaft leisten kann. Hast du irgendwelche Tipps, die du mit uns teilen kannst, wie auch wir einen solchen Beitrag leisten können?

Yasemin: Ich glaube, dass man nicht nur im Großen etwas für die Gesellschaft tun kann. Es sind auch die kleinen, alltäglichen Dinge, die wir nicht vergessen dürfen. Oftmals fühlt man eine gewisse Ohnmacht und das Gefühl, man könne gar nichts ändern, weil die Probleme so groß sind. Empathie und ein nettes Miteinander, ein Lächeln, wohlwollende Worte, der Austausch innerhalb einer Community. Ich glaube, es sind die kleinen Dinge, die eine Gesellschaft zu einer Besseren machen. Nichtsdestotrotz kann man sich natürlich in Vereinen engagieren, einer Partei beitreten, Workshops geben. Ich habe durch meine Arbeit mit Literarische Diverse viele Kontakte knüpfen können, mit denen auch einige Projekte anstehen. Das freut mich total und gibt mir Kraft.


Zu guter Letzt noch paar persönlichere Fragen. Wer oder was inspiriert dich?

Yasemin: All jene, die trotz Rückschlägen immer wieder aufstehen. Autor_innen, die Erfahrungen teilen und mich zum Nachdenken anregen. Gute Musik, immer! Meine liebsten Freund_innen. Und die Klischeeantwort, die aber einfach wahr ist: Reisen.


3 Dinge, für die du morgens aufstehst:

Yasemin: Liebe, Literatur & Natur.


Danke dir, Yasemin, für deine Zeit und ausführlichen Antworten!  

Es gibt noch viel zu tun und viel zu lernen und das Schöne ist, dass alle jederzeit damit anfangen können – Aktivismus muss nicht laut und groß und plakativ sein, er kennt viele Schattierungen und nicht zuletzt ist die Sprache auch hier wieder eine der mächtigsten Verbündeten.

Eine Grundvoraussetzung ist Neugier, Offenheit und ja: in gewisser Hinsicht auch die Demut, einzusehen, wie wenig man, vor allem, wenn man weiß ist, eigentlich weiß.


JENNI MARR

Wanderin im Geiste, mit der Nase im nächsten Buch, nie so ganz zuhause und doch immer da.

KOMMENTARE

[…] Auch ums Lesen ging es bei “Mehr als Grünzeug” – für mehr Diversität in der Literatur. […]