Zu sagen, Rhabarber wäre derzeit in aller Munde, würde eine sehr ausgeleierte Essensmetapher bedienen und vielleicht darüber hinaus sogar noch nicht einmal der Wahrheit entsprechen. Denn obwohl wir gerade ein Saison-Hoch des Rhabarbers feiern, habe ich von der Euphorie, die dieses Hoch begleitet, bisher noch nirgendwo besonders viel mitbekommen.

Das liegt vielleicht daran, dass in meinem Umfeld nicht so sonderlich viele Rhabarber-Fans zu finden sind und zum anderen wahrscheinlich auch daran, dass saisonale Ernährung inklusive der damit verbundenen Besuche beim Wochenmarkt bei den meisten meiner Bekannten eher nicht so en vouge ist. Leider. (Bei meinen Freund*innen wiederum sieht das grundlegend anders aus.) 

Vielleicht wisst ihr bereits, dass ich mittlerweile vom obligatorischen Wochenmarktbesuch samstagvormittags auf eine wöchentlich gelieferte Biokiste vom Biohof aus einem Dorf nebenan umgestiegen bin. (Genauer: auf diese hier.)

Zum einen,  weil ich das zeitmanagement-mäßig nicht immer so hinbekomme, wie ich das möchte (morgens brauche ich viel Vorlaufzeit, bis ein Tag starten kann, die ich mit Schreiben und Lesen verbringe und generell eher weniger unter vielen, vielen Menschen) – und manchmal auch einfach zu bequem bin, um einen Marktbesuch am Mittwoch (den zweiten Markttag in der Woche) in meinen vollen Terminkalender zu schieben und mich damit ein Stück weit unflexibel zu machen.

Wenn ich mich dann doch für einen Besuch auf dem Markt entscheide, dann passiert das aus voller Muße und Laune heraus – und nicht, weil der Kühlschrank bedrohlich leer gähnt und ich das jetzt noch zwischen die ganzen anderen Dinge, die ich eigentlich heute erledigen wollte, schieben muss.

Das ist eine sehr schöne Garantie dafür, dass Märkte ihre besondere Anziehungskraft auf mich nie verlieren und immer mit dem Besonderen des Schlendern und Zeitlassens und Neugierig-Seins konnotiert sein werden.

In meiner Biokiste jedenfalls befindet sich im Moment mit schöner Regelmäßigkeit ganz viel Rhabarber – der, wie ich gestern zufällig las, kein Obst, sondern ein Gemüse ist und mich immer an Rhabarberkuchen aus meiner Kindheit oder an Rhabarber-Marmelade denken lässt.

Viel zu lange – habe ich festgestellt – habe ich schon keinen Kompott mehr aus Rhabarber gemacht. Und was lässt sich damit besser anstellen, als Schnecken zu füllen?

Rhabarber-Schnecken also mussten diesen Frühsommer unbedingt den Weg auf unseren Küchentisch, unsere Picknickdecke und hierhin finden. Vorhang auf!

Zutaten

(Für 15 Schnecken)

Für den Teig:

125 ml Mandelmilch
250g Sojajoghurt, natur (ich nehme den von Sojade)
2 TL Trockenhefe
1 EL Kokosblütenzucker
3 EL Mandelmus, dunkel
1 TL Kardamom, gemahlen
1 TL Salz
250g Dinkelvollkornmehl
450g Dinkelmehl Typ 630
2 EL Apfelmark
100g Mandelsplitter oder -blättchen (ich habe hier Blättchen genommen)

Für die Füllung:

600g Rhabarber
1 TL Vanille, gemahlen
250 Agavendicksaft (Honig oder Dattelsirup gehen auch prima)
1 EL Kokosblütenzucker
3-4 Handvoll Mandelsplitter oder -blättchen

Für die Vanille-Creme:

400ml Mandelmilch
2 EL Kartoffelstärke + 4 EL Wasser
1 TL Vanille, gemahlen
1 TL Zitronenschale, gerieben
3 EL Agavendicksaft (wer es nicht so süß mag: 2 EL reichen aus)
optional: 2 TL Rote-Bete-Pulver (oder -Saft) / für die Farbe

Zubereitung

Der Teig: 

  • Erwärmt die Mandelmilch kurz (aber nicht zu heiß werden lassen!) und löst dann den Kokosblütenzucker und die Hefe darin auf. Stellt das erstmal beiseite und lasst die Hefe für ca. 10-15 Minuten gehen.
  • Vermengt die trockenen Zutaten für den Teig in einer großen Schüssel.
  • Gebt nun die feuchten Zutaten (Apfelmark, Sojajoghurt, Mandelmus) und die Hefe-Mischung dazu und verrührt alles zu einem zusammenhängenden Teig.
  • Knetet diesen Teig nun mindestens 10 Minuten gut durch, bis er schön weich und elastisch geworden ist. Das ist wirklich wichtig und trainiert nebenbei ein wenig die Armmuskeln.
  • Lasst den Teig entweder über Nacht im Kühlschrank ruhen oder nun 1 Stunde abgedeckt an einem warmen Ort gehen.

Die Füllung: 

  • Wascht den Rhabarber und schneidet ihn in kleine Stückchen. Falls er zu holzig oder faserig ist, könnt ihr ihn im selben Zug auch von seiner Schale befreien.
  • Gebt den Rhabarber zusammen mit den restlichen Zutaten für die Füllung in einen Topf und lasst alles 10-15 Minuten köcheln, bis der Rhabarber richtig schön weich geworden ist und sich teilweise aufgelöst hat.
  • Lasst die Kochflüssigkeit nun durch ein Sieb abtropfen (den Saft auffangen!) und drückt die Restflüssigkeit auch gerne mit dem Kochlöffel aus den Fruchtstückchen heraus (sonst könnten die Schnecken nachher sehr feucht werden).

Das Schnecken-Machen: 

  • Rollt den Hefeteig zu einem großen Rechteck aus (ca. 1 cm dick) und bestreicht ihn mit dem Rhabarber-Kompott.
  • Lasst oben an der langen Seite einen Streifen Platz, den ihr mit Wasser bestreicht.
  • Streut über den Rhabarber-Kompott noch einmal 1 EL Kokosblütenzucker und 3-4 Handvoll Mandelsplitter oder -blätter.
  • Dann könnt ihr das Teigrechteck auch schon zu einer Rolle von der langen Seite aufrollen und mit einem scharfen Messer in ca. 15 gleich große Stücke schneiden.
  • Gebt die Schnecken in eine Form oder setzt sie auf ein mit Backpapier belegtes oder gefettetes Backblech und gebt noch etwas von dem Einkoch-Saft und ein paar Mandelsplitter darüber.
  • Lasst die Schnecken noch einmal für ca. 30 Minuten aufgehen.
  • Heizt den Ofen auf 180°C Ober-/Unterhitze vor und backt die Schnecken für die nächsten 25 Minuten auf der mittleren Schiene, bis sie gleich golden oben geworden sind.
  • Herausnehmen und abkühlen lassen – oder sofort mit der Vanille-Soße verputzen!

Die Vanille-Soße: 

  • Während die Schnecken im Ofen sind, könnt ihr euch schon um die Vanille-Soße bzw. den Pudding kümmern:
  • Gebt die Mandelmilch in einen Topf und köchelt sie kurz auf.
  • Fügt die Vanille, die Zitrone, den Agavendicksaft und optional das Rote-Beete-Pulver (ich habe das vom Beetroot-Latte von SONNENTOR genommen) hinzu und rührt alles gut unter.
  • Rührt die Kartoffelstärke in einem kleinen Schälchen zusammen mit dem kalten (!) Wasser an und fügt das ebenfalls hinzu.
  • Gut mit einem Schneebesen verrühren und alles noch für ein paar Minuten weiterköcheln lassen, bis es schön angedickt ist.
  • Dann vom Herd nehmen und zusammen mit den Rhabarber-Schnecken genießen – wahlweise die Schnecken damit bestreichen oder sie in die Creme hineintunken oderoderoder…

Fertig !

Je nachdem, was ihr für Rhabarber habt und welche Farben die Stangen aufweisen, wird euer Kompott am Ende auch ein wenig anders aussehen – bei einigen schön rot-rosa, bei anderen eher bräunlich-grün, so wie bei mir (deswegen sieht man den zwischen den Teiglagen auch leider nicht so gut).

Um ein wenig farblichen Kontrast hineinzubringen, habe ich den Vanillepudding – der sich sonst doch sehr ins Farbschema eingegliedert hätte – einfach rot gefärbt.

Dazu habe ich Rote-Bete-Pulver verwendet, das ich noch zuhause hatte. Ihr könnt genauso gut den Saft von Roter Bete nehmen oder Erdbeeren(-saft) hinzugeben oder ein paar Blaubeeren. Funktioniert alles hervorragend! Oder ihr lasst das einfach so, falls ihr die Sache mit dem Färben ein wenig übertrieben findet.

Die Rhabarber-Schnecken selbst werden nicht ganz so süß sein, wie die Beschreibung der Füllungs-Zutaten auf den ersten Blick vermuten lassen würde – daher ist die Vanille-Pudding-Soße umso süßer. Wer das auch gerne vermeiden möchte, nimmt einfach 2 EL statt der angegebenen 3 EL Agavendicksaft (oder nutzt die Soße sehr sparsam).

Die Schnecken selbst schmecken herrlich frisch nach Rhabarber und trotzdem – dank der Mandellastigkeit des Teiges – nach einer schönen nussigen Note.

Wenn ihr sie dicht gedrängt in einer Form backt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie ein wenig feuchter und frischer aus dem Ofen kommen, als wenn ihr sie separat auf einem Blech backt.

Mit dem Rezept als Basis könnt ihr natürlich alles Mögliche anstellen und jede Form von Kompott in die Schnecken füllen, die euch einfällt. Beerenkompott stelle ich mir mit Blick auf die anrückende / beginnende Saison auch sehr, sehr lecker vor…

Was ist eure Lieblingsfüllung für Teigschnecken? 

JENNI MARR
Wanderin im Geiste, mit der Nase im nächsten Buch, nie so ganz zuhause und doch immer da.
KOMMENTARE

Liebe Jenni,
diese Schnecken sehen traumhaft schön aus, eine tolle Idee! Ich liebe Rhabarber über alles, leider kam ich noch gar nicht dazu, mich Rezepte-mäßig auszutoben… Ich mag sehr gerne Füllungen mit Zimt und Apfel, auch wenn das eher winterlich ist, schmeckt auch im Sommer gut.
Ich habe so einiges auf Deinem Blog verpasst seitdem ich ausgewandert bin, lese mich gerne mal nach und nach hier ein 🙂
Ganz liebe Grüße sende ich Dir aus London,
Sharon 🙂

Liebe Sharon,
oh, wie schön, dass du wieder vorbeischaust! 🙂
Ich habe deinen Umzug und alles ja auf Instagram verfolgt und freue mich sehr zu sehen, wie happy du in London bist!
Im Moment ist bei mir auch ganz viel los, sodass ich viel weniger dazu komme, alle Rezepte, die ich so im Kopf habe, auszuprobieren…Aber diese Zeiten werden sich sicherlich auch wieder ändern.
Ich sende dir auch ganz liebe Grüße zurück! 🙂
Jenni