Es ist kein Geheimnis, dass ich den Herbst liebe wie keine andere Jahreszeit. Besonders der Übergang zwischen den Jahreszeiten hat es mir angetan – dieses weiche, goldene Licht, das es nur zwischen September und Oktober gibt, die nasskalten Tage, die sich mit den letzten Überresten des Sommers abwechseln.

Die Menschen, die sich langsam aber sicher je nach Gemütslage vorbereiten oder wappnen für die nächsten Monate, die dunkler und ruhiger und von einem Insichgekehrtsein bestimmt werden.

Die Farben der Blätter, das Flackern der Kerzen und Leuchten der Lichterketten abends. In Cafés zu sitzen, bekommt eine ganz andere Bedeutung mit einem Heißgetränk in der Hand, wenn draußen der Regen gegen die Scheiben prasselt und man besser nicht daran denkt, wie man später nach Hause kommt. Und endlich entfalten Räucherstäbchen ihre ganze Atmosphäre.

Ich könnte stundenlang so weitermachen.



In den dunkleren und langsameren Monaten nehme ich die gesellschaftlich legitimierte Zuhausebleiben-Stimmung mit offenen Armen an. Zu sagen, ich hätte das ganze Jahr über heimlich darauf gewartet, wäre vielleicht ein bisschen übertrieben, da ich mittlerweile den Sommer und eigentlich alle anderen Jahreszeiten auch gerne mag – aber so ganz falsch wäre es auch nicht.

Als bekennende Introvertierte spielen sich die meisten meiner Hobbys vorzugsweise in geschlossenen Räumen ab und wann sind diese gemütlicher als jetzt?

Aktuell beginnt bei mir daher auch wieder die Zeit, in der ich viel lieber als sonst in der Küche stehe und mir neue Rezepte ausdenke oder alte überarbeite oder generell Dinge zubereite, die Magen und Hirn glücklich machen.

Einen warmen Kuchen aus dem Ofen zu ziehen oder frisches Brot zu backen, das transportiert jetzt einfach ein intensiveres Gefühl.

Und ich muss sagen: Ich genieße das sehr. Denn manchmal vergesse ich, wie gerne ich mit den Händen arbeite, so ganz analog und offline. Das Gros meiner Arbeit findet nach wie vor am Computer oder Handy statt. Okay, mache ich niemandem etwas vor (vor allem mir selbst nicht): Das betrifft ungefähr 95% meiner Arbeit.



Die Hände in Teig zu graben oder unter Anstrengung denselben zu kneten, bis er endlich weich genug ist, Füllungen zusammenzurühren und komplett in diesem Moment zu sein und dabei nicht auf digitale oder analoge Buchstabenreihen zu schauen, ist extrem befreiend von Zeit zu Zeit und wird von mir schon fast wie ein Ritual betrieben.

Wenn ich schonmal beim Schwärmen für handwerkliche Tätigkeiten bin: Jetzt geht ja auch endlich die Strick-Saison wieder los und ich kann es nicht abwarten, den ersten Schal als Weihnachtsgeschenk und die ersten Pullover zu stricken (eigentlich würde ich auch gerne Babysachen für den Nachwuchs in meinem Bekanntenkreis anfertigen, aber Socken kann ich noch nicht – vielleicht lerne ich dieses Jahr Mützen).

Vielleicht lerne ich diesen Winter auch, eine nicht ganz so geheime Leidenschaft auf eine neue Stufe zu bringen: Seitdem ich mal in einer Töpferwerkstatt hineingeschnuppert habe und am liebsten an der Drehscheibe festgeklebt wäre, ist der Wunsch, meine eigene Keramik zu machen, nicht aus mir herauszubekommen. Handmeditation vom Feinsten.



Aber zurück zum Wesentlichen:

Solange begnüge ich mich mit Teigkneten, Sticken und Ausflügen in die Malerei. Beim letzten Kneten von Teig sind am Ende wieder Schnecken aus dem Ofen gekommen. Zimtschnecken in allen Variationen liebe ich über alles und bin fest davon überzeugt, dass sie zu einem vernünftigen Herbstgefühl dazugehören.

Und weil ich eine sehr innige Verbindung zu Mohn (also: nicht der berauschenden Art) pflege, die auf Kindheitserinnerungen beruht (früher habe ich mit meiner Mutter beim Bäcker regelmäßig Mohnstriezel geholt), habe ich gemerkt: Ich backe viel zu selten mit Mohn und überhaupt gibt es hier viel zu wenig Mohnrezepte.

Jetzt gibt es ein neues – und die Mohn-Quark-Schnecken hätte ich am liebsten nicht nur direkt aus der Form gefuttert (ist tatsächlich geschehen), sondern auch in Gänze sofort vernichtet (ist aus Rücksicht auf meinen Bauch nicht geschehen).

Das Rezept

(für ca. 20 Mohn-Quark-Schnecken)

Der Teig:

Vorteig:

  • 1 EL Trockenhefe
  • 1/2 Tasse Wasser, warm
  • 1 EL Dattelsüße, trocken (ich nehme die von Rapunzel)

Teig:

  • 3 1/2 Tassen Dinkelvollkornmehl
  • 1 TL Zimt
  • 1 TL Vanille, gemahlen
  • 2 EL Mixmus (ich nehme das von Rapunzel)
  • 1 Prise Salz
  • 6 EL Dattelsüße
  • 1/2 Tasse Wasser

Die Füllung

  • 250 g Mohn (1 1/5 Tassen)
  • 8 EL Sojaquark, ungesüßt (ich nehme den von Sojade)
  • 1 TL Zitronenschale, gerieben
  • 2 TL Vanille, gemahlen
  • 1 TL Zimt
  • 8 EL Dattelsüße
  • 1 EL Mixmus

Das Topping (optional)

  • 100g Puderzucker, gesiebt
  • 2-3 EL Zitronensaft

Zubereitung

Der Teig:

  • Gebt die Trockenhefe in die halbe Tasse Wasser und fügt den Esslöffel Rohrohrzucker hinzu. Lasst alles zusammen für 5-10 Minuten stehen, bis die Hefe angegangen ist.
  • Vermengt das Mehl mit dem Salz, den 6 EL Rohrohrzucker, dem Salz, dem Zimt und dem 1 TL Vanille.
  • Gebt nun das Hefe-Wasser und zusätzlich eine weitere halbe Tasse Wasser und das Nussmus hinzu und verknetet alles zu einem homogenen Hefeteig. Er sollte leicht weich sein und sich gut kneten lassen – am besten, ihr bearbeitet ihn für ca. 5-10 Minuten, damit schön viel Luft eingeknetet wird. Das mag Hefeteig besonders gern.
  • Deckt den Teig nun mit einem Küchentuch ab und lasst ihn 1-2 Stunden an einem warmen Ort ruhen.
  • Knetet den Teig nach dem Gehen noch einmal kurz durch (Walken) und teilt ihn dann in zwei gleich große Teile.
  • Rollt das typische Rechteck auf einer bemehlten Fläche aus.

Die Füllung:

  • Vermengt zuerst alle trockenen Zutaten für die Füllung in einer großen Rührschüssel.
  • Fügt anschließend die nassen Zutaten hinzu und vermengt alles zu einer dicklichen Mohn-Paste.

Die Schnecken:

  • Heizt den Ofen auf 180ºC Ober-/Unterhitze vor.
  • Bestreicht die fertigen Teig-Rechtecke gleichmäßig mit der Mohn-Füllung.
  • Rollt das Rechteck jeweils von der langen Seite zusammen und schneidet ca. 4-5 cm dicke Scheiben von der Rolle ab.
  • Legt die Schnecken mit ein wenig Abstand auf ein Backblech (oder gebt sie in eine 20×20 cm große Form, so kleben sie später schön zusammen) und backt sie auf mittlerer Schiene im vorgeheizten Ofen ca. 20-25 Minuten (eher 20 als 25 Minuten).
  • In der Backzeit könnt ihr das Topping vorbereiten: Siebt den Puderzucker und vermengt ihn mit dem Schneebesen mit dem Zitronensaft.
  • Die Schnecken herausnehmen, auskühlen lassen (oder auch nicht und sofort losfuttern).
  • Gießt das Topping über die Schnecken, wenn sie leicht ausgekühlt sind – wenn ihr großzügig übergießt, saugt der Teig die Soße gut ein, was den Schnecken vor allem am nächsten Tag eine sehr saftige Konsistenz verleiht.

Anmerkung: Nach 20 Minuten sind die Mohn-Quark-Schnecken für einige vielleicht noch ein wenig zu weich – gerne länger backen, falls mehr Krossigkeit gewünscht ist. Generell aber bedachten: Sie werden ein bisschen härter, wenn sie auskühlen. 



Als ich die Mohn-Quark-Schnecken aus dem Ofen geholt und mit der Puderzuckerglasur überzogen habe (in echt habe ich da noch wesentlich mehr draufgepackt als auf den Bildern zu sehen ist – das hätte dann aber nicht mehr so ganz fotogen ausgeschaut), habe ich mich nicht nur darüber gefreut, für die nächsten Tage in den Genuss von selbstgemachtem Mohngebäck zu kommen, sondern zuerst ganz intensiv den Duft eingezogen.

Süße Teilchen bei dämmrigem Licht zu backen und dann den spezifischen Duft (in dieser Jahreszeit vor allem auch immer mit Zimt durchsetzt) durch die Wohnung ziehen zu spüren, hat etwas Beruhigendes.

Demnächst möchte ich diese Mohnschnecken mit einer Vanillefüllung machen – ich bin sehr gespannt, wie mir das gelingen wird und werde im Erfolgsfall berichten und teilen.



Generell freue ich mich, jetzt wieder ein bisschen mehr Zeit im Terminplan freizuräumen für handlichere oder handfestere Tätigkeiten und so die nächsten Monate ein bisschen für mich und diejenigen, die bebacken und bekocht werden, zu zelebrieren.

Autumn, I’m ready for you.

Noch mehr einfache Teigschnecken: Vanille-Cashew-Schnecken und Rhabarber-Schnecken mit rotem Vanille-Pudding.

JENNI MARR

Wanderin im Geiste, mit der Nase im nächsten Buch, nie so ganz zuhause und doch immer da.

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