Woher kommt der Hass? Vom Veganer-Bashing

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19. Mai 2016

hass

Sobald es um Ernährung geht, können wir uns sicher sein, dass wir ein heißes, gefährliches Pflaster betreten.

Jeder und jede mutiert dann (mehr oder weniger gefragt, häufig aber auch ungefragt) zum Experten oder zur Expertin.

Kinder in dieser Wachstumsphase brauchen ganz besonders…

Ich habe ja schon so viele Diäten durch und meine Erfahrung ist ja…

Also, ich schwöre auf Hausmittel xy bei Symptom yz!

Das ist doch nur natürlich!

Man kann auch aus allem eine Wissenschaft machen!

Egal wo, egal wann: Sobald es um die essentielle Frage geht, was Mensch denn nun eigentlich essen soll, wird es wild, nicht selten spekulativ und überhaupt höchst emotional. Doch warum eigentlich?

Die Psychologie des Essens

Nicht umsonst hat sich ein ganzer Wissenschaftszweig herausgebildet, der sich damit beschäftigt, wie Essen uns beeinflusst und wie umgekehrt wir unsere Nahrungsauswahl, gesteuert von bewussten und unbewussten Prozessen, treffen. Es geht also im Kern um nichts weniger als um die komplizierte Wechselwirkung von Umwelt und Einzelperson.

Man hat vor diesem Hintergrund die vielzitierte Einteilung der Menschen in Fast-Food-Liebhaber, Genussmenschen, Feinschmecker und Gesundheitsapostel herausgearbeitet. (1) Inwieweit wir uns auf solche doch sehr schematischen und über-einen-Kamm-scherenden Einteilungen kümmern sollten, steht auf einem anderen Blatt. Wichtig ist in diesem Zusammenhang vor allem eines: Essen – was wir essen und die Art, wie wir es tun – ist eng mit unserer individuellen Persönlichkeit verknüpft.

Zu beobachten ist das ganz besonders gut, wenn es um kollektives Lebensmittelvernichten geht – also mehrere Menschen zusammen um einen Tisch versammelt tafeln. Wer isst wieviel? Wer nimmt wovon? Wer zuerst? Und wer zuletzt? Alle diese Fragen und ihre Antworten geben Aufschluss über die Disposition des Individuums allgemein – innerhalb der betreffenden sozialen Gruppe und dem Essen gegenüber.

Veganer-Bashing

So essen wir zum Beispiel unbewusst (manchmal vielleicht auch zu bewusst) deutlich mehr, sobald wir von dünnen Menschen umgeben sind, die sich die Teller vollhauen. (2) Generell gilt aber auch so: Es ist weniger das Alleine-Essen, das sprichwörtlich dick macht, sondern im Gegenteil das Essen in der Gemeinschaft: Wenn wir gemeinsam mit anderen Menschen essen, verbringen wir viel mehr Zeit am prall gedeckten Tisch und haben dementsprechend auch mehr Gelegenheiten, unserem schlechten Gewissen adieu zu sagen und noch ein kleines Stückchen hiervon…

Wichtig ist beim gemeinschaftlichen Schlemmen auch, was die anderen essen. Wer regelmäßig mit einer mittelgroßen Gruppe im Restaurant sitzt, wird nicht selten beobachtet haben, dass die meisten dasselbe Getränk bestellen – hallo, Anpassungsdruck und Dazugehörenwollen! (2)

Veganer – die unbequemen Tischgenossen

Und damit wären wir auch schon beim Kern der Sache angelangt:

Essen schafft Gemeinschaftsgefühl.

Und dazugehören wollen wir doch alle irgendwie, oder? Jedenfalls vor einem bestimmten Rahmen und auch nicht zu jeder Gruppe, die unsere hochindividualisierte Gesellschaft hervorgebracht hat, aber doch zumindest zu einigen von ihnen. Und was zeichnet eine Gemeinschaft aus? Genau – es steckt schon im Namen: Gemeinsamkeiten!

Dass die Wahl der Lebensmittel – und eben auch die Nicht-Wahl im Sinne von Vermeidung bestimmter Nahrung – einen wesentlichen Einfluss darauf hat, wie und ob jemand in einer bestimmten Gruppe nur geduldet oder vielmehr akzeptiert und anerkannt wird, ist jedem klar, der oder die durch abweichendes Essverhalten gelegentliches Aufsehen erregt.

Das beginnt bei den Vegetariern, geht über die Laktose- und Histaminintoleranten und hört schlussendlich bei den Veganern auf.

Und insbesondere die Letztgenannten wissen ganz genau, wie tief das Essverhalten mit der menschlichen Psyche und der eigenen Vorstellung von Identität gekoppelt ist – sei es, weil die Beschäftigung mit dem Veganismus selten nur der Food-Trend ist, als der er in den Medien gerne dargestellt wird, sondern weil eine umfassende Ethik dahintersteckt. Oder sei es, weil sie eben diese negativen Erfahrungen, was es heißt, aufgrund von Essgewohnheiten, die die Mehrheit der Bevölkerung nicht teilt und die daher als “speziell” betrachtet werden, psychisch attakiert und/oder gar von der Gemeinschaft ausgeschlossen zu werden. Das geht so weit, dass sogar regelrechtes Veganer-Bashing betrieben wird.

Doch was ist eigentlich das Problem mit den Veganern?

Warum reagieren viele Menschen – die sogenannten “Omnis” – so allergisch auf sie?

Wir betreten hier vermintes Gebiet mit dieser Frage. Zum einen, weil wir uns nicht auf klar eruierbare Fakten stützen können und zum anderen, weil eine umfassende Antwort auf diese Frage zu geben, gleichzeitig auch bedeuten würde, ebenfalls nach der Alle-Über-Einen-Kamm-Scher-Methode vorzugehen. Dass das nur den wenigsten Menschen, um die es hier ja schließlich geht, gerecht wird, versteht sich von selbst.

Veganer-Bashing

Trotzdem wollen wir uns dem Phänomen des Veganer-Hasses theoretisch nähern und ein paar Thesen aufstellen, wie es überhaupt dazu kommen kann, zu diesem sogenannten Veganer-Bashing.

Ich möchte mit ein paar Beispielen aus den sozialen Netzwerken beginnen, für die ich – der geneigte Veganer wird es wissen – nun wirklich nicht lange habe suchen müssen:

Als Reaktion auf einen Artikel der Süddeutschen, in welchem kurz besprochen wurde, dass Schulkinder kein geltendes Recht auf veganes Kantinenessen hätten:

Ernährung ist hierzulande wirklich zur Ersatzreligion mutiert.

Manche Menschen hierzulande haben ihren Verstand unter Gemüse begraben!

Wie kommen Menschen bloß auf die Idee, daß alle ihre persönlichen Bedürfnisse und Eigenheiten von der Allgemeinheit befriedigt werden müssen?

Wäre ja auch noch schöner, wenn jeder Essenskult vom Staat mitfinanziert werden müsste.

Fundamentalisten mit der Bibel, dem Koran oder dem Tofuwürstchen unterm Arm sind mir ein Graus….

Denen gehören die Kinder weggenommen!

Und so geht das munter weiter.

Noch ein Beispiel gefällig?

Die junge Tochter von der ZEIT, zett.de, hat sich vor einigen Monaten in einem Artikel damit beschäftigt, wie langwierig und kompliziert sich die Suche nach einer veganen Winterjacke gestalten kann. Dabei sind die Kriterien noch nicht einmal besonders hoch gesteckt. Trotzdem behandelt der Artikel ein wichtiges Thema: Nämlich, dass Vegansein auch über die Ernährung hinaus ein Thema ist für diejenigen, die es ernst meinen. Und schon geht es los mit den Diffamierungen:

Wer keine Probleme hat, sucht sich welche. Vielleicht selber schneidern aus alten Kartoffelsäcken? Tut mir leid, aber ich kann sowas leider nicht ernst nehmen.

Un-glaub-lich! Ich hoffe, dass dieser Trend bald vorbei ist.

Die Sorgen möchte ich einmal haben. Vielleicht sollte die Dame in ein Altersheim/Kindergarten geschickt werden und dort sauber machen. Dann vergehen ihr die Flausen.

Wow, die Frau hat Probleme. Da kann ich der Verfasserin nur wünschen, dass sie nicht mal ein wirkliches Problem im Leben hat, das überlebt sie bestimmt nicht.

Insgesamt hat der Post über 270 Kommentare auf Facebook erhalten. Die meisten gehören dieser negativen Schiene an – obwohl es (und das muss man zugute halten und darüber bin ich auch sehr froh) auch einige Menschen gibt, die sich auf die Seite der Autorin schlagen und die vegane Perspektive verteidigen.

Auch ich persönlich bin bereits nach einer harmlosen Frage, ob denn ein bestimmtes neu eingeführtes Kosmetikprodukt von DM vegan sei, böse attackiert worden. Das mündete dann irgendwann in Sprüchen wie:

Blablablabla. Vegan. Blablabla. Vor allem dm hat ein super veganes Angebot. Heult nicht.

Am besten ihr schminkt euch gar nicht mehr, dann hat sich euer Problem gelöst. Außerdem würde das auch viel besser zu euch passen.

Bei so viel Unverschämtheit blieb mir glatt die Luft weg.

Ich bin ein verdammt friedliebender Mensch – aber bei solchen pauschalisierenden Aussagen, die von Unverständnis, ja schlimmer: vor mangelnder Empathie nur so strotzen, werde ich wirklich wütend.

Veganer-Bashing

Und dann habe ich mir wieder diese Frage gestellt: Was habt ihr eigentlich gegen uns?

Und schon in den Moment, in dem ich mir diese Frage gestellt hatte, klingelte etwas bei mir. Das Klingeln sprach von Gemeinschaft, von Ausgeschlossensein und von Parallelgesellschaften.

Denn das Problem, das solchen Debatten zugrundeliegt, die sich dann irgendwann in solche bewusst verletzenden Aussagen wie den oben zitierten manifestieren, ist ein grundsätzliches, das überall wiederzufinden ist, wo es darum geht, die eigene Identität zu schützen: Es ist die Unterteilung der Menschen in “wir” und “die”. In “meine Gemeinschaft” und “die Anderen da draußen”. In “für mich” oder “gegen mich”.

Und obwohl wir alle so furchtbar aufgeklärt, rational und überlegt durch das digitale Zeitalter stiefeln, können wir doch nicht leugnen, dass wir vor dem Hintergrund solcher emotionaler Debatten, in denen es ganz wesentlich darum geht, sich selbst zu positionieren (Wer will ich eigentlich sein und wo stehe ich?) immer noch in diesen dummen Schwarz-Weiß-Schemata denken.

Die und ich. Mein Ess- und Kaufverhalten und das der anderen. Meine Privatsache, verdammt! Was mischt du dich da ein?

Wenn wir in zementierten Gruppenvorstellungen denken und handeln, geraten wir schnell in die Position, Andersdenkende als unsere Feinde wahrzunehmen. Sei es, weil sie irgendwie anders sind, unbequem vielleicht und nervig oder sei es, weil man sich in der eigenen Identitätskonstruktion bedroht sieht. Dies sind beides mögliche Ursachen, warum Nicht-Veganer (auch dies eine klare Trennung) auf Abstand und zuweilen auch auf Konfrontationskurs mit den Veganern gehen.

Häufig werden dann Argumente wie Missionarisierungsgedanken der Veganer angeführt. Veganer hätten immer und überall nichts besseres zu tun als anderen ihre Meinung und ihren Lebensstil aufzuzwingen. Und überhaupt: Immer spielen sie sich zu den perfekten Menschen auf. Das ist lästig. Und vor allem ist das falsch. Viele der sogegannten “Pflanzenfresser” sind ganz froh, wenn sie im normalen sozialen Umfeld ihre Ruhe haben und denken nicht im Traum daran, kreuzzugsmäßig irgendwen missionieren zu wollen. Trotzdem sorgt die bloße Existenz eines pflanzlich lebenden Menschen unter einer Gruppe derer, die diesen Lebensstil nicht verfolgen, automatisch für spontane Abwehrreaktionen.

Interessanterweise sind diese oft unmittelbar gekoppelt mit Sätzen wie:

Also ich esse ja auch ganz wenig Fleisch. Und nur bio.

Das könnte ich ja nicht!

Ich würde ja gerne, aber der Käse…

Und da haben wir ihn auch schon – den eigentlichen Grund für diesen Hass, für das Veganer-Bashing, präsentiert auf dem Silbertablett: Schuld.

Vegan lebende Menschen sind personifizierte Mahnmale. Sie machen automatisch ein schlechtes Gewissen, rufen sie doch im Otto-Normal-und-nur-ganz-selten-und-wenn-dann-bio-Fleischesser die in den Hinterkopf geschobenen schlechten Nachrichten von Fleischverzehr, Kükenschreddern, Antibiotika und Welthunger wach.

Veganer-Bashing

Was wir nicht wahrhaben wollen, weil es anders so wunderbar bequem ist, schieben wir gerne von uns. Und wenn wir dann doch aus irgendeinem Grund daran erinnert werden, aber keine Lust, keine Zeit oder keine Möglichkeiten sehen, unser Verhalten – und damit uns selbst – zu ändern, werden wir sauer. Wir betrachten das Existierende, das uns an das Versäumis, diese Unterlassung erinnert, als Beleidigung, als Angriff auf unser Ich-Sein, unsere Identität.

Und wir reagieren mit Trotz, Abwehr – und wenn das nicht funktioniert, dann auch gerne mal mit Angriff. Dabei werden dann auch schon einmal Gefühle des Gegenübers ignoriert oder bewusst darauf herumgetrampelt. Irgendwie brauche ich ja jetzt Befriedigung und muss mich wieder besser fühlen. Und das funktioniert am besten, indem ich den anderen degradiere und ihm zeige, wie schlecht sein scheinheiliges Gutmenschentum doch ist.

Wisst ihr was? Ich finde das so verdammt schade.

Ich finde es so verdammt schade, dass den Veganern auf der einen Seite nachgesagt wird, zwanghaft eine Ersatzreligion suchen zu müssen, um ihre kranke Persönlichkeit mit Verschwörungstheorien zu beschäftigen. Ich finde es schade, dass Veganer als scheinheilige Weltverbesserer dargestellt werden, dumm, naiv, narzisstisch. Ich finde es schade, dass aber auch bei Veganern eine teilweise ekelerregende Sicht auf “die Omnis” existiert: Da wird eine Beziehung mit einem “Allesfresser” als widerwärtig wahrgenommen (mit dem kann man doch wohl keinen Sex haben!?), diejenigen, die sich nicht mit der veganen Lebensweise beschäftigen, als rückständig, dumm und ignorant dargestellt.

Auf beiden Seiten dieselben Argumente, nur anders verpackt. Und so schaukelt sich der Streit, der gegenseitige Hass, den die Veganer allerdings mit voller Breitseite zu spüren bekommen – und sei es aus dem einfachen Grund, dass sie zahlenmäßig weit in der Minderheit sind- immer weiter hoch.

Was ist das Problem daran, anzuerkennen – ganz objektiv – dass Ernährung längst nicht mehr Privatsache ist? Genauso wie die Kleidung und der gesamte Konsum an sich? Wo ist der Punkt, an dem es schwer ist, zu begreifen, dass in einer derartig vernetzten Welt wie der unseren jede Kaufentscheidung Konsequenzen nach sich zieht? Und wo ist das Problem, solche Menschen, die in ihren Entscheidungen konsequenter sind als ich es bin, zu bewundern und zum Vorbild zu nehmen, anstatt sie kleinzumachen und sie als Spinner zu klassifizieren?

Wo ist das Problem?
Wo ist – verdammt noch mal – das Problem, zu erkennen, dass die Menschen nur überleben können, wenn sie einsehen, dass es so nicht weitergeht? Und dass das alles hier nur gemeinsam angepackt werden kann?

Es soll hier nicht darum gehen, eine Ernährungsform über alle anderen zu stellen. Es soll hier nicht darum gehen, einen neuen Heiligen Gral ausfindig zu machen und alle anderen ganz individuellen Wege, mit Ernährung umzugehen, zu diffamieren. Im Gegenteil: Dieser Artikel soll sensibilisieren. Diejenigen, die sich (noch) nicht mit dem veganen Lebensstil befassen, diejenigen, die sich nicht damit befassen wollen, aber auch diejenigen, die schon mittendrin sind in der Materie. Er soll die Frage stellen, ob der Umgang, den wir unseren Mitmenschen – vor welchem Hintergrund auch immer – entgegenbringen, angebracht ist. Auf beiden Seiten.

(1) https://de.wikipedia.org/wiki/Ern%C3%A4hrungspsychologie

(2) http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2010-04/psychologie-des-essens

JENNI MARR
Wanderin im Geiste, mit der Nase im nächsten Buch, nie so ganz zuhause und doch immer da.
KOMMENTARE

Liebe Jenni,

wow, super Artikel! Ich habe großen Respekt vor deinem Mut, auch mal heiklere Themen anzusprechen! Dass es die Gemüter erhitzt sieht man ja auch an einigen Kommentaren hier – großartig wie konstruktiv und trotzdem engagiert du auch auf negative Kommentare eingehst! Da bist du eine wahre Künstlerin!
Ich bin ganz deiner Meinung! Für mich ist das Schwierige an diesen Diskussionen, dass es eben nicht um “verschiedene Geschmäcker” geht und da bin ich regelmäßig zwiegespalten, wie ich mich verhalten soll. Natürlich kann man niemandem vorschreiben, was er essen und wie er leben soll und Missionieren erzeugt eher Gegenwehr als Umdenken. Andererseits finde ich auch nicht, dass unsere Konsumentscheidungen Privatsache sind.
Wenn ich jemanden sehe, der sein Kind verprügelt, gebietet mir die Zivilcourage ja auch, dass ich angesichts dieser Misshandlung eines wehrlosen Lebewesens einschreiten oder zumindest etwas sagen muss. So ähnlich erlebe ich es angesichts der Tierquälerei, die einfach nur stattfindet weil es so vielen Menschen “halt schmeckt”. In gewisser Weise halte ich es für meine Pflicht auf diesen gigantischen Missstand aufmerksam zu machen.
Ich denke, Menschen, die sich über missionierende Veganer und Gutmenschentum beschweren, haben den Eindruck, dass Veganer einfach (im übertragenen Sinn) die Farbe Grün schön finden und jetzt alle davon überzeugen wollen, dass es besser ist al zB Pink. Dass Veganern beim Gedanken an all das unnötige Tierleid einfach das Herz blutet kann jemand, der sich wenig oder gar nicht mit dem Thema beschäftigt hat, natürlich (noch) nicht nachvollziehen.
Ach, über das Thema könnte ich auch viele, viele Seiten füllen! Innere Monologe führe ich dazu genug 😉

Liebe Grüße,
Elisabeth

Liebe Elisabeth!

Ich danke dir für deinen lieben Kommentar! Er hat mir ein Lächeln auf’s verschlafene Gesicht gezaubert. 🙂
Um ehrlich zu sein, war ich mir nicht so ganz sicher, ob es gut wäre, solche Dinge anzusprechen – der Grad zwischen “ich weiß es besser als ihr” und “ich möchte euch auf Sachverhalt xy hinweisen” ist sehr schmal. Dementsprechend heikel sind solche Diskussionen auch immer. Ich freue mich aber, so viel konstruktives Feedback erhalten zu haben und bereue es nun überhaupt nicht, auch einmal dezidiert Stellung bezogen zu haben. Auch wenn man zu dem Thema noch viel mehr hätte sagen können…
Den Zwiespalt, den du beschreibst, kenne ich daher auch sehr gut. Im Gegensatz zu der Mehrheit der Menschen bin ich ebenfalls nicht der Meinung, dass Konsumentscheidungen heutzutage noch “Privatsache” sind. Zu viel hängt da mit dran – Kinderarbeit, ausbeuterische Löhne, Tierleid, Massenabfertigung, Chemiekeulen, Umweltverschmutzung, Grundwasservergiftung, Regenwaldabholzung…der Rattenschwanz ist lang. Ich glaube, jede und jeder, der oder die für sich die Privatheit von Kaufentscheidungen reklamiert, blendet diese Zusammenhänge (bewusst oder unbewusst) aus und ich finde das nicht nur schade, sondern auch falsch. Dein Beispiel mit der Zivilcourage passt da meiner Ansicht nach sehr gut.
Generell finde ich, dass in der Öffentlichkeit viel zu sehr das Bild des Modeveganers im Vordergrund steht. Auch das ist schade, aber wohl leider aktuell nicht zu ändern und vielleicht ist es auch ganz gut so – denn so ist die Aufmerksamkeit (in welcher Hinsicht auch immer) zumindest schon einmal da, was das Thema angeht. 🙂

Liebe Grüße
Jenni

Wahrscheinlich ist es wirklich das Gemeinschaftsgefühl oder auch, dass man sich und seinen Lebensstil kritisiert sieht…
Mir geht es da allerdings ganz anders. Ich freue mich jedes Mal riesig, wenn ein Veganer oder jemand mit einer anderen Ernährungsideologie da ist, weil ich finde, dass man sich toll über solche Themen austauschen kann. Ich versuche nämlich immer mit dem größten Vergnügen, so viele Dinge nachzuvollziehen, wie möglich… und gerade da ich Ernährung so spannend finde, wünschte ich, öfter mal mit Veganern an einem Tisch zu sitzen.
Ich fühle mich auch eigentlich nie kritisiert, wenn andere Leute aus ethischen Gründen etwas meiden, was ich konsumiere. Andersherum würde ich niemanden verurteilen, weil er Fleisch ist, das ich total verwerflich finde aufgrund der Tierhaltung…

Jedenfalls ist dieser Artikel echt klasse! Und jedes deine Worte ist für mich nachvollziehbar 🙂 Also hoffe ich einfach, dass wir Menschen uns in Zukunft so weiter entwickeln, dass wir alle einander vollkommen akzeptieren können 🙂

Danke für dein Kommentar! Bei dir habe ich mir schon fast gedacht, dass du keine Rezepte als Grundlage hast. Denn wenn bei dir ein Rezept online geht, dann ist das immer etwas, was ich noch nie in vergleichbarer Art irgendwo gesehen habe. Da muss ich dich echt mal loben, dass du so kreativ bist!

Wenn ich mal wieder so einen Backversuch wagen will, dann schaue ich vorher immer im Internet nach ähnlichen Rezepten, um zu schauen, wie da das Verhältnis der Zutaten gewählt ist oder welche Backtemperatur genommen wurde… aber wie du siehst, habe ich damit auch nicht immer Erfolg 😉

Wirklich viel Mut gehörte gar nicht dazu, diesen “Unfall” hier zu zeigen… das Problem waren eher die Zweifel, ob das überhaupt jemand sehen will. Aber gerade bin ich sooo positiv von dem ganzen Feedback überrascht, dass ich unheimlich froh bin, diesen Post veröffentlicht zu haben.
Danke für den Tipp, dass man gemeinsam Fehler suchen könnte… für meinen nächsten Versuch merke ich mir das! 🙂

Liebe Grüße

Liebe Tabea!

Ich finde es schön und wichtig, dass du so konstruktiv und offen auf diese ganze Debatte blickst und für dich ein so pragmatisches Verhältnis dazu entwickeln konntest. Ich weiß aus zahlreichen Besuchen auf deinem Blog ja auch, dass Tiere dir sehr am Herzen liegen. 🙂
Ich wünschte, es gäbe noch viel mehr Menschen mit deiner Offenheit, dann hätten wir vielleicht diese ganzen mentalen Kriege, die derzeit in allen möglichen Medien ausgefochten werden, nicht mehr. Solche Dinge kann man auch besprechen, ohne dass gemeine Scheinargumente von beiden Seiten hin und her fliegen.

Oh, danke für das liebe Lob! 🙂
Ich habe natrürlich auch zahlreiche Inspirationsquellen, aber meistens mixe ich mir aus diesen das zusammen, von dem ich finde, dass es irgendwie zusammengehört und auf dessen Geschmack ich neugierig bin. Meistens klappt das auch ganz gut. Und eventuelle Küchenunfälle gehören einfach zur Geschichte eines jeden Back- und Kochliebhabers. 😉
In diesem Sinne: Lass’ dich nicht entmutigen (wovon ich ohnehin nicht ausgehe) und experimentiere fleißig weiter!

Liebe Grüße
Jenni

Das Problem an der Sache ist ja, dass eben doch ein Fünkchen Wahrheit drin steckt – die ganzen Voruteile sind eben nicht komplett aus den Fingern gesogen. Natürlich ist nur ein kleiner Teil der veganen Community wirklich militant/religiös fanatisch, nur werden die schlechten Eindrücke halt öfters aufgegriffen und bleiben daher im Gedächtnis. Keiner wird eine Geschichte darüber erzählen, wie schön ein Veganer und ein Omni zusammen im Restaurant sitzen und über alle möglichen Themen friedlich diskutieren während beide ihr jeweils bevorzugtes Essen einnehmen. Wenn der eine dem anderen jedoch (überspitzt dargestellt) ins Essen spuckt und sich dabei echauffiert, wie widerlich, faul und schlecht diese Ernährungsform doch ist, wird das wohl eine Story sein, die sich eher einbrennt.
Diese kleine Gruppe, die das Gesamtbild runterzieht, ist aber auch der Grund, warum z.B. ich mich lange davor gescheut habe, mich vegan zu ernähren bzw, es nach der Umstellung lange unter Verschluss gehalten habe. Nicht weil ich nicht wollte, sondern weil ich nicht diesen Stempel “Missionar” aufgedrückt haben will. Von mir aus kann jeder essen was er will, das geht mich nichts an und wenn man sich ungefragt aufdrängt erreicht man ohnehin nur das Gegenteil. Wer fragt, bekommt kurz die Gründe erläutert und kann dann selbst entscheiden, ob das für ihn Sinn macht oder nicht und damit ist das Thema erledigt.

Abschließen kann ich eigentlich nur sagen: ja, es wäre schön, wenn manche Omnis ihre Verallgemeinerungen etwas stärker hinterfragen würden, aber es könnte meiner Meinung nach auch helfen, wenn “normale” Veganer sich klarer vom Militantismus distanzieren würden. Der ist nämlich immer schlecht, selbst wenn er aus einem eigentlich guten Zweck heraus entsteht.

Liebe Grüße!

Liebe Gina!

Danke für diesen tollen Kommentar! Ich bin da voll bei dir und finde, du hast absolut recht, wenn du schreibst, dass es sicherlich diese fiesen, besserwisserischen Veganer gibt, die gerne alles und jeden um sich herum missionieren wollen. Auch wenn es nur ein kleiner Teil ist (und davon gehe ich sehr stark aus) – gerade dieser Teil brennt sich ein, sorgt für Vorurteile und dafür, dass alle anderen erst einmal etwas vor den Bug geschossen bekommen, sobald sie sich als vegan outen. Aus demselben Grund halte ich in Gemeinschaft ebenfalls so lange meinen Mund, bis ich direkt gefragt werde oder sich eine Situation ergibt, in der mein Verhalten offensichtlich ist. Ich habe ebenfalls keine Lust auf das Theater.

Auf der anderen Seite gibt es dann natürlich auch immer wieder interessierte Menschen, die einfach so fragen oder bei denen man merkt, dass sie einen nicht gleich in eine Schublade stecken, wenn man ein bisschen etwas zu Massentierhaltung und dergleichen erzählt. Da bin ich dann eher – wie soll man es nennen? – offener. Doch ich werde mit Sicherheit nicht irgendwen bekehren wollen oder mit nervigen Sprüchen bombardieren. Und ich kenne ebenfalls wenige, die das tun würden.

Militarismus ist immer schlecht – das kann als wirklich wahres Schlusswort stehen bleiben! 🙂

Liebe Grüße
Jenni

Hi Jenni,

danke für diesen tollen Beitrag! Schön geschrieben und so wahr! Ich habe auch mal nachgedacht, dieses Thema in einem Post unterzubringen. Vor allem da mich die Haltung der Medien häufig erschreckt. Immer diese polarisierende Aufwiegelung, diese spitzen Überschriften und das Verdrehen von Aussagen. Bestes Beispiel: Der wirklich lesenswerte Beitrag von Sarah Wiener zur veganen Ernährung. Darin sagt sie ganz deutlich, wie furchtbar die Umwelt unter Massentierhaltung leidet und wie schrecklich die Tiere behandelt werden. Sie kritisiert aber auch (wie ich finde zu Recht) die absurden und meist umweltschädlichen Ersatzprodukte. Sie ruft zu einer Nachhaltigen Ernährung auf und zur notwendigen Reduzierung von Fleischkonsum. Aber was machen die Medien daraus? “Sarah Wiener rechnet mit den Veganern ab”, “Sarah Wiener wettert gegen Veganer” und so weiter. Diese Überschriften geben in keinster Weise den Inhalt wider – aber sie führen zu hohen Klickraten. Und wer macht sich da noch die Mühe, die Originalquelle zu lesen? Von den Kommentaren der Leser will ich gar nicht anfangen – da wird mir schlecht. Wie schöne wäre es, wenn die Menschen ihre Empörung über die Missstände in dieser Welt stattdessen für einen guten Zweck einsetzen würden? Ein Kommentar im Netz ist schnell verfasst, aber schon die Teilnahme an einer friedlichen Demonstration oder der Gang zur Wahlurne ist meist zu viel verlangt…

Liebe Grüße

Jassi

P.S.: Ich grübele schon die ganze Zeit darüber nach, was dein Titelbild mit dem Thema zu tun hat. Ich glaube, ich steh auf dem Schlauch – magst du mich aufklären, bevor ich verrückt werde? 😉

Liebe Jassi!

Danke für deinen Kommentar – es freut mich sehr, dass dir der Artikel gefallen hat und du dich ein wenig wiederfinden konntest! Schreib’ doch auch darüber, ich wäre gespannt, was deine Ansichten dazu sind! 🙂

Du hast aber absolut recht: Beim Verdrehen und aus-dem-Kontext-Reißen von Aussagen sind die Medien natürlich einsame spitze. Da wird dann jeder kleine Pieps genutzt, um Fronten zu schaffen oder zu verhärten – nicht nur bezogen auf das Veganer-Bashing, sondern auch ganz generell. Ich finde das schade, aber so meinen die Menschen, ihr Geld verdienen zu müssen.

Ich habe mich schon gefragt, wann mich der oder die Erste danach fragen würde. 😉
Ich muss gestehen, dass ich mich bei der Wahl eines Titelbildes etwas schwer getan habe. Ich wollte nicht, dass es irgendwie mit Gewalt in Verbindung gebracht wird, aber auf der anderen Seite habe ich auch keine Lust auf die typische “vegane Graslandschaft” gehabt. Und da habe ich mir gedacht, dass ein abtauchender Mensch perfekt passt – aus zwei Gründen: Zum einen soll damit verdeutlicht werden, dass es noch etwas Großes unter der Oberfläche gibt, die so schön glatt erscheint, und zum anderen soll der Beitrag gewissermaßen einladen zum Sprung ins kalte Wasser – auch mich. Du glaubst gar nicht, wie ich mit mir gehadert habe, ob ich solche drastischen Worte veröffentlichen soll!
Ich hoffe, ich konnte ein bisschen Licht in die Sache bringen. 🙂

Liebe Grüße
Jenni

Schöner Artikel und ich bin da voll bei dir. Ich glaube das Problem der meisten Menschen die so negativ reagieren ist wirklich, dass ihnen durch Veganer ein Spiegel vorgehalten wird. In so einem Moment müssen sie sich selber refelektieren und über ihre Gewohnheiten nachdenken bzw. sich eingestehen, dass sie sich und ihrem Körper eigentlich kein gefallen mit ihrer Ernährung tun.

Unsportliche Menschen reagieren auf das Thema Sport treiben übrigens oft recht ähnlich. Ist mir zumindest mal aufgefallen.

Wobei man halt auch sagen muss, es gibt immer solche und solche. Gibt auch genug Menschen die sich “schlecht” Ernähren und denen ist es vollkommen egal was ich esse.

VG
Alexander

Hallo, Alexander!

Danke für deine lieben Worte, es freut mich sehr, dass dir der Artikel gefallen hat!
Ich denke auch, dass es viel mit dem Spiegel des eigenen Ichs und der eigenen Verhaltensweisen zu tun hat. Viele Dinge, die wir nicht kennen, lehnen wir gerne ab, weil das bequemer erscheint und wir unser Selbstbild so konstant halten können. Die Parallele zum Sport finde ich interessant – jetzt, wo du es schreibst, meine ich, ähnliche Zusammenhänge zu erkennen.
Wichtig finde ich allerdings dein Schlusswort: Es gibt solche und solche. Generalisierungen bringen uns sowohl auf der einen wie auf der anderen Seite nicht weiter.

Liebe Grüße
Jenni

Ich finde das Fazit deines Textes nicht korrekt. Veganer Bashing gibt es, meiner Meinung nach, aus anderen Gründen.

Ich habe bis vor kurzem in Köln gelebt. Diese Stadt darf man ja gerne als Trendhure ansehen.
Derzeit ist der aktuellste Trend eben der Veganismus. Im lieben Köln bewahrheitet sich eben wirklich der Spruch: ” woran erkennt man einen Veganer? Er wird es dir in den ersten 30 Sekunden erzählen”.

Dort wird gebasht, weil dieses missionieren einfach zu weit geht. Weil es oft ein gefährliches Halbwissen ist. Vielleicht auch, weil eben diese neuen Veganer, beim nächsten Trend wieder etwas anderes sein werden.

Ich bin als Zeuge Jehovas groß geworden, bis ich es nicht mehr wollte. Mir ist also “Bashing” kein Fremdwort. Und aus dieser Zeit habe ich eine Weisheit mitnehmen dürfen.

Missioniere niemanden, wenn du nicht absolut nach diesen Werten lebst.

Ich durfte schon viele Diskussionen führen. Auch zu dem Thema Veganismus. Was mir dabei immer aufgestoßen ist, war folgendes. Es drehte sich zu oft um Zukunftsvisionen.
Wenn. Falls. Dann.

Es ging immer an der Realität vorbei. Wenn man die gesamte Industrie und Weltbevölkerung mit einem Fingerschnips auf eine vegane Ernährung umstellen könnte, dann hätten viele der mir vorgebrachten Argumente Sinn ergeben. So aber leider nicht.

Der vegane Hype der Industrienationen führt nämlich vor allem anderen zu einer Umweltzerstörung ohne gleichen.

Denn es werden weiterhin die “normalen” Sachen angebaut, die eh schon zu einer enormen Umweltzerstörung führen. Und zusätzlich wird nun Waldfläche gerodet, um der angestiegenen Nachfrage an z.B. Soya gerecht zu werden.

Aktuell führt der Hype zu exakt dem Gegenteil von dem, was gewünscht ist. Zu einer noch größeren Zerstörung.

Genauso blauäugig finde ich es, das Labeln von Bekleidung, als Fortschritt für die vegane Bewegung zu feiern. Klar, die großen Modefirmen springen auf den Zug auf. Da macht man ja Geld mit! Aber was bringen dir vegane Schuhe von Primark? Denk mal darüber nach.

Viele Menschen haben vielleicht auch ein Problem mit der veganen Ware, die es im Supermarkt gibt. Vegane Wurst? Vegane Schnitzel?
Kommt schon, das ist einfallslos und man darf sich darüber lustig machen. 🙂

Mir persönlich gingen diese Belehrungen auch sehr auf den Nerv. Denn ich finde sie Scheinheilig.

Nimm mal die vegane Schminke.

Super Sache, wenn sie nicht voller Palmöl ist. Und wenn kein großer Konzern dahinter steht, der mit anderen Produktsparten die Umwelt zerstört.
Aber wieviele Jahrzehnte Tierversuche stecken denn bitte hinter der Entwicklung der Kosmetik? Da müsste jeder Ethiker dankend sämtliche Schminke ablehnen.

Es sind eben oft so dämliche Argumente, wie: “Für mich sollen keine Tiere gequält werden.”
Da habe ich eine simple Frage: “Nimmst du Medikamente, wenn du krank bist?”

Es werden eben eine Menge Medikamente an Tieren getestet.
Vielleicht sogar der Großteil! Und das ist auch gut so. Denn welcher Mensch stellt sich denn bitte als Proband? Das passiert, aus gutem Grund, erst wenn die Tierversuche durch sind.

Ich denke also, das Bashing ist die Gegenbewegung zu dem Missionieren. Einem Versuch der nur Fehlschlagen kann, weil ein ethisch korrektes Leben nur in einer autarken Selbstverpflegung stattfinden kann. Wenn überhaupt. Denn ethisch korrekt ist ja schon nicht mehr der, der eine Zahnbürste, aus fossilen Brennstoffen hergestellt, nutzt. Oder der, der Medikamente nutzt.

Für mich lässt sich das Bashing einer fast jeden Randgruppe wie folgt verhindern:

Hört bitte auf etwas als DEN EINEN WEG zu verkaufen. Jeder darf leben, wie er es mag. Ob das richtig oder falsch ist, das habt ihr nicht zu entscheiden. Und auch nicht anzuprangern. Es gibt eben mehr als nur eine Sichtweise. Und es gibt nicht nur DIE EINE WAHRHEIT, das lehrte uns doch schon die Religion 😉

Hallo Christian!
Ich danke dir für deinen langen und ausführlichen Kommentar!
Leider kann ich dir nicht in allen Punkten zustimmen.
Ich glaube, du hast recht, wenn du sagst, dass es durchaus einige Veganer gibt, die nur einem Trend hinterherlaufen und nach dem Abebben sich wieder neu orientieren. Diese Menschen gibt es in jeder Gedankenströmung, das ist vollkommen normal. Allerdings glaube ich nicht, dass sie eine Mehrheit der Veganer stellen, denn jeder, der oder die sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt hat, steht da mit einer gewissen Ideologie hinter. Inwieweit diese im Alltag in die Praxis umgesetzt wird, steht auf einem anderen Blatt und ich denke nicht, dass es in der Kompetenz von uns liegt, das bewerten oder beurteilen zu können.
Missionieren ist blöd, da stimme ich dir zu. Es ist nervig. Egal, ob es sich um Religion, Ernährung oder sonstwas handelt.
Doch ich finde es gerade gut, dass viele vegan lebenden Menschen sich gerade um die Zukunft kümmern und sorgen und sich fragen, was wäre, wenn. Denn was würde passieren, wenn sich niemand diese Fragen stellen würde? Wo würden wir hingelangen? Hypothetisches Denken und das Durchspielen verschiedener Gedankenszenarios ist wichtig, um sich über die eigenen Handlungen bewusst zu werden – im Großen wie im Kleinen.
Bezüglich des Sojas muss ich sagen, dass es sich hier um ein weit verbreitetes Vorurteil handelt. In der Tat werden über 90% des Regenwaldes für Soja-Felder zerstört. Aber dieses Soja wandert in Massentierhaltungsbetriebe und wird zu Tierfutter verarbeitet. Der Veganer sieht davon gar nichts. Außerdem gibt es aktuell viel Soja, das beispielsweise aus Dänemark kommt, das Bio-Siegel trägt und absolut nachhaltig produziert wird. Auch in Deutschland wir nach Anbaumöglichkeiten geforscht und aktuell sieht es sehr gut aus. Ich verweise hier gerne auf dieses tolle Projekt: https://taifun-tofu.de/de/1000-gaerten-das-soja-experiment.
Mit der Kleidung, da stimme ich dir zu: Es ist nicht okay, dass große und bekanntermaßen ausbeuterische Firmen auf den Zug aufspringen, um Profit daraus zu schlagen. Greenwashing nennt sich das und es ist beileibe keine feine Sache. Doch ich kenne nicht einen Veganer, dem das nicht bewusst ist und der nicht ebenfalls einen Bogen um solche Läden macht oder zumindest darüber nachdenkt. Und es gibt derzeit schon zahlreiche vegane und fair und nachhaltig produzierende Labels – du kannst dir einen ersten Eindruck beispielsweise auf dem “Fair Fashion Guide” hier auf dieser Seite holen.
Bezüglich der Kosmetik gilt dasselbe: Es gibt tolle Kosmetikmarken, die mit tierversuchsfreier und veganer Kosmetik arbeiten, da braucht es die Tierquälerei nicht (mehr).
Zu 100% vegan und nachhaltig zu leben, dieser Versuch muss zwangsläufig fehlschlagen, das stimmt und davor sollten wir auch nicht die Augen verschließen. Alles andere wäre träumerische Illusion.

Generell stimme ich dir auch zu, wenn du sagst, dass das Bashing vermutlich eine Gegenreaktion auf wie auch immer wahrgenommenes Missionieren ist. Ich frage mich nur manchmal, inwieweit dieses Missionieren auch tatsächlich stattfindet und inwieweit da auch gerne von einigen wenigen Fällen auf die Gesamtheit der Veganer geschlossen wird. Natürlich gibt es nicht den einen Weg, korrekt zu leben und das zu beurteilen, liegt auch nicht in der Verantwortung von einem Individuum. Dieses Recht darf ich mir persönlich nicht herausnehmen.

Liebe Grüße
Jenni

Hallo Jenni,
ich finde diesen Artikel sehr gut und ich habe ihn gefesselt gelesen. Ich lebe nun schon einige Jahre vegetarisch und habe in dieser Zeit noch NIEMALS jemanden missionieren wollen. Tatsächlich mache ich da gar keinen Hehl drum. Ich esse kein Fleisch. Punkt.

Auf einem Geburtstag meiner Freunde ist dann plötzlich mal eine riesige Diskussion entbrannt. Zum Essen gab es unter anderem vegetarische Lasagne. Keiner wusste davon. Alle fanden sie lecker. Erst nach dem Essen sagte mein Freund: “Maike zu Liebe war das eine vegetarische Lasagne.” Wumm! Da ging es los.
“Ja, ein bisschen komisch hat die Lasagne auch geschmeckt.” – “Das ist ja als würde man einem Vegetarier Fleisch unterjubeln.” – “Auf Feiern von Vegetariern bekommen wir doch auch kein Fleisch – wo ist da die Gerechtigkeit?” – Alle haben sich richtig in Rage geredet und kamen zu dem Schluss, dass Vegetarier und Veganer einen Knall haben und nicht richtig ticken.

Ich habe mich einfach zurückgelehnt und mich gefragt: Was um alles in der Welt ist das Problem? Und: Wäre es auch so ein Problem gewesen, wenn kein Vegetarier anwesend gewesen wäre? Schließlich gibt es zig Rezepte, die vegan oder vegetarisch sind und kein Mensch macht sich darüber Gedanken bis ein Vegetarier/Veganer anwesend ist. Dann ist es auf einmal ein riesiger Umstand.

Ich spreche mich auch absolut für Toleranz und vor allem Respekt aus. Ich möchte nicht als “naiv” dargestellt werden. Ich möchte nicht hören: “Auf der Welt gibt es so viel Leid und Krieg, da veränderst du durchs Möhrenessen auch nichts.” (Vor allem, weil ich die Logik dahinter nicht so ganz verstehe.)

Natürlich freue ich mich, dass sich durch meine Ernährungsweise schon etliche Menschen in meinem direkten Umfeld Gedanken um tierische Produkte gemacht haben und inzwischen mehr Wert auf gute Qualität legen und insgesamt weniger Fleisch essen. Ich bin mir aber auch ziemlich sicher, dass das nicht so gekommen wäre, hätte ich ihnen beim Fleischessen immer strafend auf die Finger geschaut (was mir im Traum nicht einfallen würde).

Viele Grüße
Maike

Liebe Maike!

Ich kann deine Erfahrungen nur bestätigen – das ist bei vielen veganen Produkten und Gerichten nicht anders. Sobald klar gesagt wird oder den Menschen bewusst wird, dass die jeweiligen Dinge vegan sind, muss man plötzlich auf Abstand gehen und fühlt sich betrogen. Um was eigentlich, möchte man da fragen. Es gibt so viele Lebensmittel, die von sich aus vegan sind und es schon immer waren und niemand hat danach gefragt. Aber wenn es darum geht, sich selbst zu verteidigen, sind offenbar alle Menschen immer ziemlich schnell, auch die Veganer selbst. Vielleicht können wir nicht viel gegen diesen Mechanismus tun, außer ihn uns selbst bewusster zu machen und ein bisschen genauer nachzudenken, bevor wir anfangen zu reden.

Ich gehe übrigens auch vollkommen mit dir mit, dass der erhobene Zeigefinger mehr schadet als nützt.

Danke für deinen ausführlichen Kommentar!

Liebe Grüße
Jenni

Dein Artikel beweist genau das, was ich bei den gefühlt 1000 Ernährungblogs verschiedener Art die ich querlese immer wieder bemerke: Jeder Anhänger einer jeder Ernährungsart denkt er hätte den Stein der Weisen mit seiner Ernährungsform gefunden. Vielleicht ist deswegen so viel Hass und Hetze in dem Thema?

Wenn jeder, egal wie er sich ernährt einfach anerkennen würde, dass es nur für denjenigen selbst DIE Ernährung schlechthin ist, dann wäre viel Gift aus der Situation genommen. Ich esse so ziemlich alles und kategorisiere nur in “schmeckt” und “schmeckt nicht”. Ob das Rezept jetzt dieser oder jener Ernährungsform angehört ist mir ziemlich schnurz. Und doch bekommt man als Gast bei einem “bäh, schmeckt mir nicht” seltsamer Weise recht schnell Vorwürfe, man würde das nur nicht mögen weil es nach xyz-Ernährungsform ist. So ein hirnverbrannter Blödsinn. Muss ich jetzt lächelnd Sachen runterwürgen nur weil es Vegan, Paleo, Frutarisch oder weis der Geier was ist?

Alle Seiten beschweren sich das böses Blut geschürt wird, und tragen mit ihrem eigenen Verhalten und teils unglaublich garstigen Aussagen allesamt selbst dazu bei. Wieso sich nicht gemischt Gerichte in voller Bandbreite dessen was Mutter Erde uns anbietet gönnen? Eine moralische Keule von Fanatikern jeglicher Art brauche ich jedenfalls ganz bestimmt nicht. Es wäre schön jeder würde nur für sich selbst und nicht für die ganze Menschheit den Lebensstil bestimmen.

Hallo!

Ich glaube, du sprichst da einen wichtigen Punkt an: den sogenannten Stein der Weisen der Ernährung. Ich glaube natürlich auch nicht, dass es ihn gibt. Alles andere wäre schlicht und ergreifend falsch. Das ist auch gar nicht das Ziel, das ich mit diesem Beitrag und dem Blog überhaupt verfolge. Im Gegenteil: Hier möchte ich meinen ganz eigenen Weg präsentieren, damit umzugehen und ich bin die letzte, die irgendwen missionieren will. (Mein Partner lebt beispielsweise omnivor – und der darf das. Da habe ich absolut nichts gegen.) Was ich mit diesem Artikel zeigen wollte, ist, dass diese meine Sicht – ebenso wie diejenige der übrigen Veganer – häufig Kritik, Ablehnung und Angriff hervorruft. Ich habe mich daran gerieben und wollte dem auf den Grund gehen.

Aber ich glaube, du hast recht: Eine wesentliche Quelle ist mit Sicherheit, dass das Essen stark die Identität mitbestimmt – vor allem, wenn es gegenüber anderen zum Dogma gemacht wird.

Ich kann deine Sicht sehr gut nachvollziehen – und finde, nebenbei bemerkt, deine Haltung sehr authentisch.

Danke für deinen Kommentar!

Liebe Grüße
Jenni

Es geht halt um kognitive Dissonanzen. Für alle, die dem veganen Leben aufgeschlossen gegenüber stehen, mag gelten: Egal wie weit sie auf Ihrem Weg jeweils gekommen sind, Hauptsache die Richtung stimmt.

Zielstrebige Grüße aus dem Garten 🙂

Liebe Karo-Tina!

Ich liebe deine Art, Dinge kurz und prägnant auf den Punkt zu bringen! Wunderbar formuliert, ich glaube, dazu kann man nichts weiter sagen. 🙂
Danke dir!

Liebe Grüße
Jenni

“Und wo ist das Problem, solche Menschen, die in ihren Entscheidungen konsequenter sind als ich es bin, zu bewundern und zum Vorbild zu nehmen, anstatt sie kleinzumachen und sie als Spinner zu klassifizieren?”

Bam! Bis zu diesem Satz habe ich den Beitrag noch einigermaßen wohlwollend gelesen.
Ich bin Allesfresser. Ich liebe Fleisch, Käse, Torte mit echtem Biskuitboden und viel Sahne oder Buttercreme, … Mit obigem Satz hast du die Veganer einfach mal so über alle anderen gestellt. Die “Omnis” sind bequem und inkonsequent. Danke!
Das Problem in der heutigen Gesellschaft ist nicht, dass tierische Produkte gegessen oder verwertet werden. Sondern dass viele bereit sind 1200 € für einen Thermomix, 700 € für ein Handy, und und und … alles Prestige-Produkte auszugeben, aber die Klamotten kommen von Takko, H&M und Co und Nahrungsmittel werden im Discounter gekauft. DAS empfinde ich als das größere Problem, als dass tierische Produkte überhaupt verwertet werden. Denn das fördert die unwürdige Massentierhaltung oder auch die unmenschlichen Arbeitsbedingungen für Fabrikarbeiter im Ausland.

So viel dazu von mir!
Gruß
Tina

P.S.: Im übrigen muss ich mich schon sehr wundern, dass Veganer zum dm rennen. Immerhin verwenden die Palmöl in ihren Produkten, wofür ganze Wälder abgeholzt werden und damit viele Ureinwohner und Tiere ihren Lebensraum verlieren. Ein ehrlicher Veganer dürfte diese Kette eigentlich nicht unterstützen, oder?

Oh, ein klassiches Beispiel für Veganer Bashing. Danke Tina 😉

Liebe Tina!

Ich danke dir für deinen konstruktiven und kritischen Kommentar!

Ich hatte bei diesem Satz nun nicht die Intention, Veganer über alle anderen Menschen zu stellen. Es tut mir leid, dass das so rübergekommen ist. Als ich ihn geschrieben habe, habe ich darüber hinausgedacht und beispielsweise auch Menschen miteingeschlossen, die Zero Waste leben, auf das von dir angesprochene Palmöl achten und noch Weites mehr, das ich zum Beispiel nicht immer auf dem Schirm habe. Und ich kann nur von mir sprechen, wenn ich sage, dass ich diesen Menschen keine Verachtung in dem Sinne, dass ich ihnen unterstelle, besserwisserische Gutmenschen zu sein, entgegenbringe.

Die Thematik mit der Kleidung ist selbstverständlich eine genauso wichtige, da hast du vollkommen recht! Ich denke auch, dass hier ein Umdenken stattfinden muss, und zwar dringend. Wir können nicht so weitermachen wie bisher. Ich scheue mich allerdings davor, eine Hierarchisierung der Probleme vorzunehmen und möchte an dieser Stelle nicht entscheiden, was wichtiger ist.

Dein P.S. finde ich ehrlich gesagt ein wenig anmaßend. Wer gibt dir das Recht, von den Veganern die perfekte Lebensführung zu verlangen? Ich möchte meinen, dass du dieses Recht ebenso wenig besitzt, wie es die Veganer besitzen, dir den Konsum von Tierprodukten anzukreiden und dich dafür zu verurteilen. Natürlich geht es immer besser. Aber abgesehen davon, dass niemand zu 100% vegan leben kann und sich nicht alle Veganer teuere Kosmetikprodukte leisten können, finde ich es nicht richtig, dass du eine Kategorie des “ehrlichen Veganers” aufmachen möchtest. Denn das führt am Ende wieder genau dorthin: Zum Schwarz-Weiß-Denken und Verteufeln. Und ich glaube, das ist genau das, bei dem wir aufpassen sollten.

Liebe Grüße
Jenni

Liebe Jenny,
ja, bei dem PS sind die Pferde mit mir durchgegangen. Tut mir leid.
Tina

Liebe Tina!

Alles gut, das kann mal passieren. 🙂

Liebe Grüße
Jenni

Hallo Jenny,

gratuliere zu diesem tollen Artikel! Ich bin selbst keine Veganerin, habe auch wenige im Bekanntenkreis.
Trotzdem bin ich der Meinung, dass jedeR sein Essverhalten selbst wählen kann und soll und es, wie du sagst, reine Privatsache ist.

Liebe Grüße

Sabrina

Liebe Sabrina!

Ich freue mich, dass dir der Artikel gefallen hat.
Allerdings muss ich eine kleine Korrektur vornehmen: Ich denke zwar auch, dass jede und jeder sein Essverhalten selbst wählen und bestimmen kann und niemand das Recht hat, irgendwem eine bestimmte Weise aufzuzwingen. Aber ich glaube nicht, dass der Konsum in einer derart vernetzten Welt noch als reine Privatsache betrachtet werden kann. Alles, was wir tun und alles, was wir wählen, beeinflusst den Markt und das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Das fängt bei der Ernährung an und hört bei Plastik auf.
Es ist ein schwieriger Balanceakt, zwischen Drauf-Aufmerksam-Machen und Machenlassen zu wählen, finde ich.

Liebe Grüße
Jenni

Hier muss ich dir unumwunden recht geben! Natürlich muss jeder für sich selbst entscheiden, wie er sich ernähren möchte oder auch kann. Aber jedem sollte bewusst sein, welche Konsequenzen ein jedes Verhalten haben kann. Die Politik muss hier die genauere Kennzeichnung der Nahrungsmittel vorantreiben. Ich finde es toll, wie das bei den Eiern funktioniert hat. Seit die Leute darüber aufgeklärt wurden, welche Kennzeichnung für Bodenhaltung etc. steht, kommen immer weniger Eier aus Käfighaltungen in die Läden. Weil diese keiner mehr kauft. Hier sieht man sehr deutlich, dass es was bringt.
LG, Tina

Liebe Tina!

Das stimmt in der Tat – ich denke auch, dass sich in der Öffentlichkeit viel mehr tun muss und ein breiteres Bewusstsein dafür geschaffen werden muss, unter welchen Bedingungen unsere Lebensmittel produziert werden. Ich glaube, wenn mehr Menschen darüber bescheid wüssten, würden sie ihre Konsumentscheidungen doch sehr überdenken.
Auf der anderen Seite sind wir natürlich auch so als Konsumenten immer in der Pflicht, genau zu überlegen, was wir wo kaufen und warum – die Politik kann da einen Anstoß geben, aber die letztendliche Verantwortung liegt doch bei uns.

Liebe Grüße
Jenni