Der Amazonas brennt. Was du darüber wissen musst

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25. August 2019

Drei Wochen hat es gedauert, bis die Meldung über den Atlantik in die internationalen Medien geschwappt ist: Der Amazons brennt.

Bezeichnenderweise haben zuerst Nutzer*innen in den Sozialen Medien Bilder vom Feuer und zerstörten Landflächen gezeigt – erst danach reagierte die konventionelle Medienlandschaft, die sich vorher eifrig in jedes Detail von Trumps geplantem Grönlandkauf verloren hatte.

Dazu könnte man an dieser Stelle noch so einiges sagen – vor allem könnte man das Thema mit dem Kathedralenbrand in Paris vergleichen, wo in nicht einmal 24 Stunden Millioenbeträge von privaten und öffentlichen Geldgeber*innen zur Rettung zusammenkamen -, aber das tun wir an dieser Stelle nicht.

Nicht, weil es nicht bedeutend ist (im Gegenteil: diese Mechanismen sind Ausdruck eines Systems, in dem schneller Profit und Gelder, die in den Händen von einigen Wenigen liegen, vor allem anderen steht). Sondern, weil wir erst einmal überhaupt genau verstehen müssen, was da eigentlich passiert und wie es dazu kommen konnte.

#prayforamazonia reicht nicht

Mich hat die Nachricht, die ich irgendwann in einer Story von einem Account (ich weiß leider nicht mehr, welcher es war) durch das alltägliche Instagram-Rauschen mitbekam, dermaßen schockiert, dass ich im ersten Moment gar nicht begriff, was ich da sah.

Schnell machte im Anschluss ein Post mit dem Hashtag #prayforamazonia die Runde.

Und bereits, während ich ihn – noch immer in Schockstarre, ohne das pathetisch übertreiben zu wollen –  zum ersten Mal lese, wird mir klar: Beten reicht nicht aus, wenn ein Ökosystem brennt, das jährlich mehr als zwei Milliarden Tonnen CO2 bindet (die größte CO2-Senke der Welt) und ein Fünftel des weltweit verfügbaren Sauerstoffs zur Verfügung stellt und deswegen als grüne Lunge der Erde gilt.

Beten ist ziemlich passiv. Und passive Menschen ist das Letzte, was wir brauchen, wenn es um so ein offensichtliches Drama für den Planeten und alles, was darauf lebt, geht.

Eine neue Dimension

Trockenzeiten begünstigen den Ausbruch von Feuern im Amazonas – doch diese nehmen vor allem durch die Rodung von Waldfläche durch den Menschen immer mehr zu.

Where there was once no such thing as an “Amazon fire season,” fires are now widespread in the dry season as people clear forest or manage already cleared plots of crop or grazing land. (NASA, 2007)

Waldrodung auf legalem und illegalem Weg sind in Brasilien und den angrenzenden Ländern nicht erst seit heute ein Problem, sondern laufen als Hintergrundmeldung schon so lange in der internationalen Wahrnehmung mit, dass sie paradoxerweise mittlerweile gewöhnlich anmuten.

Das, was derzeit im Amazonas passiert, hat jedoch eine neue Dimension.

At this point in the fire season, MODIS active fire detections in 2019 are higher across the Brazilian Amazon than in any year since 2010. The state of Amazonas is on track for record fire activity in 2019. (NASA)

Zeit, ein bisschen Klarheit in die Sache zu bringen.

“Alles hat ein Limit und wir sollten nicht riskieren, zu erfahren wo genau dieses Limit liegt, denn dann ist es bereits zu spät.”

Über die sozialen Netzwerke kann man viel Gutes und Schlechtes berichten. Meine Haltung dazu: Sie sind Werkzeuge, wie vieles andere auch – und es liegt an den Nutzer*innen, was diese aus ihnen machen.

Und ich beobachte, dass sich da vor allem in der grünen Blase gerade viel in Richtung hochwertigem und differenziertem Austausch bewegt, was mich sehr glücklich macht und positiv stimmt. (Ohne dem rein ästhetischen Content seine Relevanz absprechen zu wollen!) Ich bin beispielsweise sehr dankbar für eine aktive und engagierte Community, die sich viele Gedanken macht und selbst aktiv für eine bessere Welt von morgen einsetzt, wie auch immer wir diese im Detail definieren möchten.

In dem Zusammenhang habe ich, als ich erste Statements zu den Bränden im Amazonas teilte, eine Nachricht von einer Followerin bekommen: Katie arbeitet schon lange im Amazonas-Gebiet und bot mir zusätzliche, tiefergehende Informationen von direkt vor Ort zum Teilen mit der Community an.

Da ich zum einen finde, dass solche komplexen Themen dann doch den Raum einnehmen dürfen, den sie verdienen und zum anderen den Gedanken mag, der Expertise anderer Menschen hier einen Platz zu geben, haben wir schnell zu einem Interview an dieser Stelle umdisponiert.

Nehmt euch Zeit, das Folgende muss langsam verdaut werden.

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Eine Karte der #NASA zeigt das ganze Ausmaß der #Brände im #Amazonas-#Regenwald. Nach Angaben der NASA besteht ein Zusammenhang zwischen der illegalen #Abholzung des Amazonas und dem Ausbruch der Feuer. Laut Satellitenbildern habe die Abholzung in den Regionen zugenommen, in denen das Feuer ausgebrochen ist. Den Forschern zufolge kommt es über dem Amazonas zu Wolkenbildungen, die es ansonsten nur bei Vulkanausbrüchen gibt. Innerhalb von 48 Stunden brachen nach Angaben der Zeitung "Folha de São Paulo" fast 2.500 neue #Feuer aus. In den meisten Fällen seien Flächen in Privatbesitz betroffen, aber auch in #Naturschutzgebieten und in indigenen Gebieten brenne es. Besonders betroffen sei der Bundesstaat Mato Grosso, in dem vor allem Rinderzucht betrieben wird.

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Katie, magst du dich und deine Arbeit einmal kurz vorstellen? Was ist dein Hintergrund und wie stehst du mit dem Amazonas-Regenwald in Verbindung?

Ich bin Katie, ich habe Fotografie studiert, mein Fokus liegt auf Portraits und in der Dokumentarfotografie und ich arbeite seit mittlerweile fast 4 Jahren vorwiegend in Brasilien mit indigenen Völkern.

Mein erster Kontakt mit dem Amazonas, war zugleich auch mein erster Kontakt mit Brasilien und mit Indigenen im Allgemeinen. Für meine Abschlussarbeit „VAHINI“ an der Ostkreuzschule in Berlin lebte ich für fast 3 Monate in einem Dorf der Deni, ziemlich isoliert mitten im Amazonas und danach für einige Monate in Manaus, der Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas.

Dieses Erlebnis hat mich nie mehr losgelassen, sodass ich auch danach immer wieder zurückkehrte, mit anderen Ethnien aus anderen Teilen Brasiliens zusammenarbeitete und heute mit meinem Mann, welcher Brasilianer und ebenfalls beruflich eng mit der Thematik verbunden ist, zwischen São Paulo und Berlin lebe.

Ich versuche, sowohl mit meinen Projekten als auch auf Instagram über die aktuellen Geschehnisse in Brasilen zu informieren und in Deutschland auf die Zustände aufmerksam zu machen, da bei uns in Europa doch leider recht wenig davon ankommt.

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©Katie Mähler

Jetzt, nach einer knappen Frist von 3 Wochen, berichten erstmals internationale Medien über die Brände im Amazonas. Was genau passiert da überhaupt gerade?

Das ist das eigentlich Erschreckende: Wir haben ebenfalls erst davon erfahren, als hier plötzlich am Montag den 19.08.19 der Tag zur Nacht wurde und die ganze Stadt São Paulo um 15 Uhr schon finster war wie am späten Abend. Wir waren zu Hause und haben gedacht, es kommt ein Unwetter auf, haben alle Fenster geschlossen und uns nach einer ganzen Weile gewundert, warum nichts passiert. Am nächsten Tag waren dann die ersten Meldungen in den Medien, über die Brände im Amazonas, welche die Aschewolke verursacht hatten, die hier den Himmel verdunkelt hat und wir haben angefangen, zu recherchieren. Zu diesem Zeitpunkt existierten die Brände schon seit etwa 16 Tagen, ohne dass in den Medien etwas zu lesen gewesen wäre und erst durch den Einfluss auf die Millionenmetropole São Paulo begannen die brasilianischen Medien, das Thema aufzugreifen.

Es brennen große Teile der Bundesstaaten Acre, Rondônia, Mato Grosso, Mato Grosso do Sul und Teile des Amazonas-Regenwaldes in Bolivien und Paraguay.

Das Instituto Socioambiental hat eine Karte veröffentlicht mit einer Übersicht der Brände der letzten 24 Stunden.

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Screenshot / 25.8.2019 / 18 Uhr

Es kursieren Zahlen zwischen 70.000 – 75.000 Bränden, je nach Quelle, alleine in diesem Jahr. Und ja, es ist Trockenzeit und Waldbrände in dieser Zeit sind leider normal, aber bei weitem nicht in diesem Ausmaß.

Die Anzahl der Brände in diesem Jahr ist um 83% höher als zum Beispiel in 2018.

Wie konnte es zu den Bränden kommen? Gibt es nur Vermutungen und Spekulationen oder bereits handfeste Tatsachen?

Natürlich ist es unmöglich, die Ursache aller einzelnen Brände zu ermitteln, nachdem aber die Farmer und Großgrundbesitzer, also Anhänger Bolsonaros, ganz öffentlich und ohne den Versuch es zu verstecken, zum „Tag des Feuers“ im Internet aufgerufen hatten und kurz danach die Zahl der neuen Brandherde absolut in die Höhe schoss, kann sehr einfach errechnet werden, was da passiert ist. Dies im Gegenteil zur Behauptung Bolsonaros das NGOs die Brände gelegt hätten, um die Regierung in ein schlechtes Licht zu rücken. Als würde er dafür Hilfe benötigen.

Kannst du etwas zum Ausmaß der Schäden sagen?

Nein, zum aktuellen Zeitpunkt ist das noch nicht möglich, wenn überhaupt irgendwann. Denn die schlechte Nachricht ist: Der Norden ist mitten in der Trockenzeit, welche noch bis Ende September andauern wird.

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[Deutsch]•[English]•[Português] • [DE] Der Amazonas brennt und die Hilflosigkeit ist unerträglich! Nichts ist schützenswerter als dieser Wald mit seiner Biodiversität! Den Menschen für welche er Heimat ist, den unzähligen Tieren, dem Reichtum an Pflanzen… nirgends fühlte ich jemals so viel Frieden und Freiheit! Und diese unsägliche Wut über diese Regierung und die Teile dieses Volkes, welche ihr die Macht gaben, mit unendlicher Dummheit und Bösartigkeit über dieses wundervolle Land zu verfügen. In den großen Medien, Stille! Der Tod des Amazonas ist nicht glanzvoll genug um auf großen Bildschirmen übertragen zu werden! . . Der Indigene weinte, der nicht-Indigene weinte, die ganze Welt weint, der Amazonas brennt, oh weh, oh weh, welch Schmerz, oh weh, oh weh, welch Horror! . ••• [ENG] The Amazon is burning and the helplessness is unbearable! Nothing is more worthy of protection than this forest with its biodiversity! The people for whom he is home, the countless animals, the wealth of plants … nowhere did I ever feel so much peace and freedom! And this unspeakable anger at this government and the parts of this population that gave it the power to dispose of this wonderful land with such infinite stupidity and malice. In the big medias, silence! The death of the Amazon is not glamorous enough to be broadcast on big screens! . . The indigenous cried, the non-indigenous cried, the whole world cries, the Amazon burns, oh dear, oh dear, what pain, oh dear, oh dear, what a horror! ••• [PT] A Amazônia está queimando e o desamparo é insuportável! Nada é mais digno de proteção do que esta floresta com sua biodiversidade! As pessoas que lá habitam, os inúmeros animais, a riqueza das plantas … em nenhum lugar eu senti tanta paz e liberdade! E essa raiva indescritível contra esse governo e as partes dessa população que lhe deram o poder de dispor dessa terra maravilhosa com uma estupidez e malícia tão infinitas. Nas grandes mídias, o silêncio! A morte da Amazônia não é glamourosa o suficiente para ser transmitida em telas grandes! . . O indígena chorou, o não indígena chorou. Todo mundo está chorando. A Amazônia está queimando. Aí, aí, que dor, Aí, aí, que horror

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Wie gehen die Löscharbeiten voran?

Schwierig. Anfang des Jahres hat die Regierung Bolsonaro 50% der Gelder zur Prävention von Waldbränden gestrichen und auch die Gelder für Löscharbeiten massiv gekürzt. Seit Amtsantritt hat die Regierung sämtliche Organe mit der Thematik Umwelt und Umweltschutz so weit geschwächt und ihnen Gelder entzogen, dass fast alle handlungsunfähig geworden sind. Bis jetzt war über die Medien oder NGOs noch nicht sehr viel über Löscharbeiten zu erfahren.

[Update: Mittlerweile hat Präsident Bolsonaro deutlich verspätet Worte für illegale Brandrodung gefunden und schickt Löschflugzeuge des Militärs los, um die Feuer zu bekämpfen.]

Warum hat es deiner Ansicht nach so lange gedauert, bis die Nachricht vom brennenden Regenwald es auf die Bildschirme und in die Meldungen der internationalen Medien geschafft hat? Hier sind gefühlt alle Menschen aus den Wolken gefallen und konnten gar nicht fassen, dass das, was auf den Bildern doch sehr an Apokalypse erinnert, seit sage und schreibe 3 Wochen schon so geht.

Uns ging es ja nicht großartig anders. Noch viel unglaublicher das es im eigenen Land so lange gedauert hat.

Ganz sicher nicht ganz unschuldig an der Situation ist das erst kürzlich geschehene Beispiel des Direktors des INPE (Instituto Nacional de Pesquisas Espaciais / Nationales Institut für Weltraumforschung), Ricardo Galvão, nachdem er die neuesten Daten zum extremen Anstieg der Abholzung des Amazonas seit Amtsantritt Bolsonaros freigegeben hatte.

Im Juli stellte die brasilianische Weltraumbehörde eine Steigerung der Abholzungsgeschwindigkeit um mehr als 200 Prozent gegenüber dem Vorjahr fest […]. (ZEIT)

Bolsonaro hatte ohne weitere Erklärung oder Beweise behauptet, die Daten seien gelogen und den Direktor kurzerhand seines Amtes enthoben. So einfach ist das. Dies trägt ganz ohne Zweifel nicht dazu bei, dass Wissenschaftler sich frei äußern und stellt sicher einige Kritiker ruhig. Für Journalisten, Menschenrechtler sowie Umweltschützer gibt es in Brasilien so gut wie keinen Schutz und es sterben in jedem Jahr etliche.

Da wird man schon vorsichtig mit dem was man sagt oder auch nicht. Mich haben ebenfalls schon Morddrohungen und Beschimpfungen auf Instagram erreicht.

Auch nicht zu vergessen, dass der Kurs Bolsonaros nicht gerade dazu beiträgt, dass die brasilianische Bevölkerung achtsamer mit ihrer Umwelt umgeht.

Vielleicht hat es auch einfach vorher niemanden erreicht, den es genug interessiert hat. Am Ende ist es wahrscheinlich eine Kombination all dieser Komponenten. Wenn aber plötzlich die Millionenmetropole São Paulo betroffen ist, kann man auch mal anfangen zu hinterfragen, was denn da so los ist.

Profitiert jemand von der aktuellen Situation?

Leider ja.

Es ist seit Jahren eine gängige Methode kleinerer Farmer, Teile des Regenwaldes in Brand zu stecken, um sie danach für ihre Viehherden zu nutzen und/oder an größere Firmen zu verkaufen.

In ihren Augen ist der Regenwald Niemandsland und ein Schatz, der nur gehoben werden muss. Solange der Wald noch steht, steht er unter Schutz und die Rodung ist mühsam, dauert lange und kostet Zeit und Energie. Also werden Brände gelegt, das ist effektiver und danach ist es „freies Land“, das agrarwirtschaftlich genutzt werden kann. Oft sind dies auch bereits anerkannte indigene Gebiete, es ist also auch eine Umverteilung von Ländereien.

Du arbeitest seit einigen Jahren mit der indigenen Bevölkerung aus der Region. Wie erleben die Menschen vor Ort die Brände, was fühlen und tun sie?

Das ist schwer zu erklären, weil die Verbindung der Indigenen mit der Erde, dem Wald und der Natur für uns sehr schwer zu verstehen ist. Sie begreifen die Erde und alles was mit ihr zusammenhängt als ihre Mutter, es ist der Ort, dem wir alle entstammen und zu dem wir auch wieder zurückkehren und somit auch die Heimat aller ihrer/unserer Vorfahren.

Verlieren sie die Erde, in welcher Form auch immer, den Ort an welchem sie schon immer lebten, verlieren sie ihre Verbindung, ihre Wurzeln und ihre Vorfahren.

Die Erde im Bundesstaat Mato Grosso do Sul ist rot. Ein Mädchen der Guarani-Kaiowá in Mato Grosso do Sul sagte mal zu mir: „Wie kann jemand daran zweifeln, dass die Erde meine Mutter ist, meine Hautfarbe ist doch der Beweis!“

Sie leben in sehr enger Verbindung zur Erde, zur Natur.

Ich möchte behaupten, es bereitet ihnen körperliche Schmerzen zu sehen, was wir Grausames damit anstellen.

Viele Indigene sind sehr stark im Kampf um ihre Rechte und sehr aktiv in den sozialen Medien.

Allen vorran Sônia Guajajara ( IG: @guajajarasonia), um nur ein Beispiel zu nennen. Sie trat im letzten Jahr als Vizepräsidentin gemeinsam mit Guilherme Boulos zur Präsidentschaftswahl an. Was daraus geworden ist, bekommen wir ja leider gerade deutlich zu spüren.

Mittlerweile gibt es etliche Events, von und mit Indigenen unterschiedlichster Ethnien, bei welchen sie immer und immer wieder anklagen, was passiert und uns bitten und ermahnen, doch endlich einmal zuzuhören. Leider geht dies selten über Landesgrenzen hinaus und erreicht auch hier nur die, die ohnehin schon zuhören, mitkämpfen und mitfühlen.

Anfang August gab es den ersten Marsch indigener Frauen in der Hauptstadt Brasília. Teilgenommen haben 2500 Frauen von 130 Ethnien, um auf die Missstände aufmerksam zu machen, unter welchen die Indigenen Frauen am allermeisten leiden.

Es gibt indigene Künstler, welche ihre Kunst nutzen, um sich kritisch mit der Thematik auseinanderzusetzen, Denilson Baniwa ( IG: @denilsonbaniwa) zum Beispiel.

Und vieles, vieles mehr.

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Enquanto o mundo reza pela #Amazônia, os xinguanos se reúnem e lançam no ar uma flecha. O governo brasileiro deve proteger nossas florestas e respeitar os modos de vida dos povos indígenas e comunidades tradicionais. Conheça a rede www.xingumais.org.br 📹Kamikia Kisedje Estamos na aldeia Kubenkokre, na Terra Indígena Mekragnoti, no sul do Pará
Na semana em que o mundo rezou para a Amazônia, com medo do que pode acontecer no futuro, nos reunimos
Todos os povos do Xingu juntos
E queremos dizer que nós vamos seguir resistindo pela floresta
Pelos nossos modos de vida
Pelo futuro dos nossos filhos e netos
Pela saúde do planeta
Por isso dizemos não ao garimpo em nossas terras
Não ao desmatamento
Chega de invasões e desrespeito Chega de veneno em nossos rios e alimentos Chega de queimadas criminosas Nós aqui no Xingu estamos conectados com você
Todos em defesa da Amazônia
Nós estamos na linha de frente
E precisamos do seu apoio Lute ao nosso lado #ActForAmazon #ActForAmazonia #PrayForAmazon #PrayForAmazonia #CriseClimática #PovosDaFloresta

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Video by Kamikia Kisedje / IG: @kamikiakisedje

Wie sieht derzeit die Rolle der Politik, insbesondere von Präsident Bolsonaro, aus?

Bolsonaro gewann im letzten Jahr die Wahlen mit dem Wahlspruch:

„Brasil em cima de tudo, Deus em cima de todos!“ („Brasilien über alles, Gott über allen!“)

Da klingelt bei uns Deutschen mit unserer Geschichte im Nacken ja schon etwas.

  • Um nur ein paar seiner „Highlights“ aufzuzählen, hat Bolsonaro verlauten lassen, er werde den Indigenen keinen Zentimeter neues Land zugestehen. Das, obwohl sich sehr viele der Prozesse der Landanerkennung noch mitten in der Entstehung befinden.
  • Über die Gemeinden der Nachfahren der schwarzen Sklaven Brasiliens, die Quilombolas, sagte er, dass sie zu allem zu faul sind, nicht mal zur Fortpflanzung seien sie fähig.
  • Gegenüber einer Politik-Kollegin sagte er, sie sei zu hässlich um vergewaltigt zu werden.
  • In einem Interview ließ er einmal verlauten, dass er es vorziehen würde, dass seine Söhne bei einem Autounfall sterben, als das sie schwul werden würden.
  • Nach 4 Söhnen entschuldigte er sich kurz nach der Geburt seiner Tochter in der Öffentlichkeit für den Schwächeanfall.
  • Eine der ersten Ankündigungen von ihm war, dass nun endlich Schluss sei mit dem Verwöhnen der NGOs in Brasilien.

Diese Aufzählung könnte man leider noch lange so weiterführen.

Die Ansichten Bolsonaros und seine Politik sind also geprägt von Rassismus, Diskriminierung, Sexismus, Homophobie und blindem Kapitalismus.

Denn zu allem Übel sind seine stärksten Befürworter Oberhäupter der Agrarlobby, Großgrundbesitzer, die schon lange dazu aufrufen, den Indigenen alle Ländereien zu entziehen und den Amazonas zur Abholzung freizugeben.

Auch die Waffengesetze hat Bolsonaro schon gelockert und möchte sie noch weiter lockern.

Bolsonaros Sohn, Eduardo Bolsonaro, welcher nun fast den Posten des Botschafters in den USA innehat, sucht dort gerade nach Firmen und neuen Verbündeten, um neue Gebiete für den Bergbau in Brasilien zu erschließen.

Und während der Amazonas abbrennt, wird im Kongress über neue Gesetzesentwürfe diskutiert, welche Bergbau, Rodung und Agrarwirtschaft in bereits anerkannten indigenen Gebieten legalisieren.

Die Angriffe auf die indigenen Gemeinden, sind seit Amtsantritt Bolsonaros ebenfalls massiv angestiegen, da die Strafverfolgung, welche auch vorher in den seltensten Fällen Konsequenzen nach sich zog, nun noch viel unwahrscheinlicher ist.

Und auch der Umweltbehörde IBAMA (Instituto Brasileiro do Meio Ambiente e dos Recursos Naturais Renováveis – Brasilianisches Institut für Umwelt und erneuerbare natürliche Ressourcen) wurden sämtliche Mittel gestrichen und die Indigenen-Behörde FUNAI wurde soweit umstrukturiert, neu besetzt und geschwächt, dass auch sie sich möglichst regierungstreu verhält.

Regt sich in der Gesellschaft Widerstand – aktivieren die Rauchwolken, die mitten am Tag in den Städten zu sehen sind, die dort lebenden Menschen oder sind derzeit alle wie gelähmt?

Ich würde sagen, die erste Schockstarre haben wir überstanden. Heute, am 23.08.19 gab es bereits die ersten, landesweiten Demonstrationen zum Schutz des Amazonas, aufgrund der Brände und gegen die Politik Bolsonaros. Auch morgen und am Sonntag sind in vielen Städten wieder Demonstrationen geplant. Mal sehen, wie sich das weiterentwickelt.

Von Seiten der Bolsonaroanhänger wird ja noch immer hartnäckig geleugnet, dass die Daten und Bilder stimmen und bis hoch zur NASA ist für sie all dies nur eine einzige Verschwörung gegen den Präsidenten… Diese wird man also wohl eher weniger auf der Straße antreffen.

Zu- und Abnahme der Waldrodung in den letzten Jahren (Quelle).

Deutschland und Norwegen haben vorerst die Zahlungen in den Amazonas Fond gestoppt. Dabei geht es um Beträge in Millionenhöhe, um Projekte zum Schutz des Regenwaldes zu finanzieren. Da dieser Schutz unter Präsident Bolsonaro nicht mehr gewährleistet scheint, sind die Zahlungen auf Eis gelegt. Ist das eine zielführende Aktion?

Ist es absolut nicht.

Das merkt man bereits an der Reaktion des Präsidenten: Deutschland hat er geraten, das Geld zu nutzen um die eigenen Wälder aufzuforsten, schließlich haben wir das nötiger als Brasilien und sein Kommentar zu Norwegen war nur die Nachfrage nach dem Töten der Wale.

Bolsonaro liegt nichts am Schutz der Umwelt, auch gehört er zu den Klimawandel-Leugnern. Er kürzte die Mittel für den Kampf gegen den Klimawandel um 95%. Insofern stört ihn auch das Streichen der Gelder nicht!

Wem das am Ende wirklich schadet, ist der Amazonas selbst und dem Teil der Bevölkerung, der mit und in ihm lebt und sich für seinen Schutz einsetzt. Das beste Beispiel dafür ist die aktuelle Lage: Die Löscharbeiten der Waldbrände im Amazonas finanziert Brasilien gerade unter anderem mit dem Geld aus den letzten Zahlungen des Fonds. Was wäre nun, wenn das Geld nicht da wäre? Zum Beispiel im nächsten Jahr?

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Man kann die Feuer aus dem Weltraum sehen. ©NASA

Deutschland und Norwegen machen es sich da sehr einfach und versuchen, den für sie einfachsten Weg zu gehen. Was eine Maßnahme wäre, wäre die Importe zu stoppen. Deutschland ist der weltweit größte Abnehmer Brasiliens von Soja für unsere Fleischproduktion.

Das würde Brasilien weh tun, Deutschland allerdings auch. Also behalten wir lieber unsere Gelder aus dem Amazonas Fond und uns kann später wenigstens Niemand vorwerfen, dass wir nichts unternommen hätten.

Was erwartest du von der Politik in Deutschland?

Ich erwarte, dass endlich die Menschenrechtsverletzungen und der Genozid an den Indigenen hier anerkannt werden und dementsprechend gehandelt wird. Es kann nicht sein, dass Europa Brasilien noch immer als soliden Handelspartner ansieht, aber das ist nochmal ein anderes Thema und führt zu weit.

Deutschland schaut in vielem einfach weg und drückt beide Augen zu, weil wir auf das Soja aus Brasilien für unsere Fleischproduktion angewiesen sind. Und bitte lasst uns nicht wieder über die Sojaprodukte sprechen, welche Vegetarier und Veganer konsumieren.

Der Anteil des weltweit angebauten Sojas für menschliche Lebensmittel liegt bei nur 6% und ist somit so gering, dass alle Indigenen ihre Ländereien behalten könnten und auch der Amazonas stehen bleiben darf, selbst wenn wir alle Vegetarisch/Vegan leben würden. Für die Produktion von nur 1Kg Fleisch werden allerdings schon 12Kg Soja benötigt. Das ist eine ziemlich einfache Rechenaufgabe.

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©Reuters

Können wir als Einzelpersonen etwas tun?

Ja, wir können uns mehr Gedanken über unseren Konsum machen. Dazu zählt in erster Linie Fleisch, aber auch Zellulose, also Papier, Toilettenpapier etc. denn auch Eukalyptusplantagen sind ein Problem in Brasilien. Wenn ihr Dinge aus Holz kauft, informiert euch woher das Holz stammt und kauft keine Tropenhölzer.

Was die indigenen Territorien angeht und worüber sehr wenig gesprochen wird: Gold! Hat sich schonmal jemand darüber Gedanken gemacht, woher das Gold kommt, aus welchem so oft unser Schmuck gemacht wird? Nicht ganz unwahrscheinlich, dass es aus Raubbau indigener Gebiete kommt. Erst vor ein paar Wochen wurde wieder ein Caçique (Anführer) der Wajãpi im Bundesstaat Amapá von illegalen Goldgräbern ermordet.

Auch können wir den Druck auf die Politik erhöhen, geht auf die Straße, sorgt für Sichtbarkeit, egal in welcher Form. Informiert und engagiert euch, unterstützt die richtigen Organisationen und ganz wichtig: Macht euch Gedanken, wen ihr wählt und wem ihr die Macht geben wollt, über so wichtige Dinge wie Menschenrechte und den Schutz der Umwelt zu entscheiden.

Gerade verbreiten sich vor allem auf Social Media die Hinweise, dass wir nicht nur kurzfristig daran denken müssen, die Feuer im Amazonas wieder einzudämmen. Sondern langfristig etwas ändern müssen, wenn der gesamte Planet nicht sprichwörtlich genauso in Flammen aufgehen soll. Die Rede ist vom Fleischverzicht – denn dass fast das gesamte Soja, für das Urwald gerodet wird, in den Mägen von überzüchteten Rindern für den globalen Norden landet, ist längst kein Geheimnis mehr.

Absolut! Natürlich ist es traurig das das Interesse nur dann so sehr in die Höhe schnellt, wenn der Amazonas gerade in Flammen steht. Das muss sich ändern, wenn wir nicht wollen das die Zustände sich noch weiter verschlechtern. Aber wir kennen das alle, so schnell ein Thema auch hochkocht, so schnell ist es leider auch wieder vergessen.

Und es ist auch sehr einfach zu vergessen und zu ignorieren, wie unser Konsum in Deutschland bzw. Europa mit dem Schicksal und dem Überleben der Menschen und der Natur „am anderen Ende der Welt“ zusammenhängt.

Die Zusammenhänge sind zum Teil sehr komplex, schließlich dauert es sehr lange, bis wir in Europa etwas von der Wirkung zu spüren bekommen. Aber unser Verhalten ist viel enger und näher mit den Dingen verbunden, welche zum Beispiel hier in Brasilien und auch in anderen Ländern weit weg von Deutschland passieren, als uns vielleicht im Alltag bewusst sein mag.

Wenn Menschen für den Regenwald und die Menschen, die von und mit ihm leben, spenden wollen – welche Organisationen sind deiner Ansicht nach empfehlenswert, weil seriös und engagiert?

In dem Zusammenhang ist es sehr wichtig zu verstehen, wie eng der Schutz des Amazonas-Regenwaldes mit der Erhaltung und Anerkennung der Indigenen Gebiete und der Stärkung der Indigenenrechte zusammenhängt.

Es gibt nachweislich keine besser geschützten Gebiete im Amazonas, mit so wenig Zerstörung durch illegale Holzdiebe und Goldgräber, wie die Gebiete, in welchen die Indigenen leben.

Ohne Namen zu nennen: Vorsicht ist geboten bei reinen Naturschutzorganisationen, die nicht an die Menschen denken, welche vielleicht schon immer im „Neuen Naturschutzgebiet“ gelebt haben, in welchem von heute auf morgen plötzlich Menschen verboten sind. Ansonsten belest euch und schaut, was zu euch und euren Interessen und Meinungen passt.

Hier nur eine kleine Ideenliste als Anfang und ohne Gewähr auf Vollständigkeit:

Wenn du Portugiesisch sprichst, macht es natürlich am meisten Sinn, die indigenen und lokalen Organisationen zu unterstützen.

  • Mídiaíndia (IG: @midiaindiaoficial) ist ein Indigenes Nachrichtenmedium, welches zum Beispiel auch die indigenen Demonstrationen organisiert und alle Neuigkeiten in Zusammenhang mit den Indigenen Brasiliens meldet.
  • MidiaNinja (IG: @midianinja) arbeitet ebenfalls eng mit Midiaíndia und den Indigenen zusammen und berichtet tatsächlich unabhängig.
  • APIB (Articulação dos Povos Indígenas do Brasil / IG: @apiboficial) ist das sogenannte Sprachrohr der Indigenen Brasiliens und vereint unzählige Anführer der über 307 Ethnien. Oft gibt es auch Informationen in Englisch.

Gibt es sowas wie Hoffnung, dass sich das Ökosystem erholen wird?

Natürlich gibt es Hoffnung!

Der Amazonas-Regenwald mit seinem Artenreichtum und seiner Biodiversität hat nur bis heute überlebt, weil es ein einzigartiges und sehr widerstandsfähiges Ökosystem ist! Und auch die Indigenen Brasiliens beweisen seit 519 Jahren einen unglaublichen Widerstand und eine bewundernswerte Kraft, aber alles hat ein Limit und wir sollten nicht riskieren, zu erfahren wo, genau dieses Limit liegt, denn dann ist es bereits zu spät.

Aber das heißt auch, dass wir dafür kämpfen müssen, dass sich die Dinge ändern und dass mehr Rücksicht auf die Natur und Menschenrechte genommen wird!

Jeder sollte das tun, was er eben kann. Nur nichts tun, das sollte heute niemand mehr!

Ich danke dir für das Gespräch und dein Engagement!

Folgt Katie auf Instagram oder besucht ihre Website, um über ihre Arbeit auf dem Laufenden zu bleiben.

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[Deutsch]•[English]•[Português] • [DE] Natsu Rikbaktsa (@leny_natsu )beim ersten Marsch Indigener Frauen am 13.08.2019 in Brasília . . Unter dem Motto: “TERRITORIUM: UNSER KÖRPER, UNSER GEIST” fand am 13.08.2019 in der brasilianischen Hauptstadt Brasília der erste Marsch indigener Frauen statt. Mit 2500 indigenen Frauen von 130 unterschiedlichen Ethnien . • [ENG] Natsu Rikbaktsa (@leny_natsu ) at the First March of Indigenous Women, 13.08.2019 in Brasília . . With the slogan: "TERRITORY: OUR BODY, OUR SPIRIT" the first march of indigenous women took place on the 13.08.2019 in the capital of Brazil, Brasília. With 2500 indigenous women of 130 different ethnic groups . • [PT] Natsu Rikbaktsa (@leny_natsu ) no primeira Marcha das mulheres Indígenas / 13.08.2019 / Brasília – DF . . “TERRITÓRIO: NOSSO CORPO, NOSSO ESPÍRITO” No dia 13. de agosto 2019 aconteceu a primeira marcha das mulheres indígenas no capital do Brasil, Brasília. Com 2500 mulheres de 130 etnias . • • • #primeiramarchadasmulheresindigenas #marchadasmulheresindigenas #mulheresindigenas #feminismus #feminismo #brasilien #menschenrechte #direitoshumanos #humanrights #indigenousrights #indigenenrechte #direitosindigenas #guerreira #indigene #rikbaktsa #retrato #portrait #portraitfotografie #portraitphotography #documentaryphotography #everydaybrasil #fotografie #brasilia #abyayala #decolonial #feminism #resistencia #resistirparaexistir #povosindigenas @apiboficial @midiaindiaoficial @midianinja

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Was wir außerdem tun können: Awareness schaffen

Fakten teilen (nicht nur die schockierenden #prayforamazonia-Bilder) und Menschen sensibilisieren, gerade über die sozialen Netzwerke, die viele derzeit als Nachrichtenersatz nutzen. Je mehr Menschen Bescheid wissen, desto besser.

Aber dabei dürfen wir nicht stehen bleiben: Das Hinterfragen des eigenen Konsums ist genauso relevant (bei vorhandenen Ressourcen, darüber schrieb ich die Tage schon einmal) wie die öffentlich-politische Stellungnahme.

Letztere könnt ihr auf Demonstrationen oder auch durch das Engagement für entsprechende Petitionen zeigen:

Konsum überdenken: White Supremacy

Was ich in diesem Zusammenhang noch einmal aus dem Interview hervorheben möchte: Der Fleischkonsum des globalen Nordens ist ein Problem auf mehreren Leveln, das ist kein Geheimnis. Dennoch denke ich, dass die Rufe nach Fleischverzicht, um den Regenwald zu retten, ein bisschen zu kurz gegriffen sind.

So richtig und wichtig ihr Ansatz auch sein mag – sie sind nicht differenziert genug und wiegen vor allem jene, die schon weitestgehend auf Fleisch verzichten, in falscher Sicherheit. Denn nicht nur der Sojaanbau für unsere Rindfleischgelüste ist problematisch, sondern auch andere exotische Lebensmittel und materielle Güter, in deren Genuss wir fast tagtäglich kommen (Katie spricht beispielsweise Holz und Gold an – aber auch über solche Produkte wie Kakao, Quinoa und Açaí dürfen wir uns Gedanken machen).

Auch sie wachsen auf dem Rücken der indigenen Bevölkerung, auch für sie wird Regenwald gerodet, auch sie basieren auf einem rassistischen und neokolonialen System. Das dürfen wir nicht übersehen, wenn wir den Zeigefinger ausstrecken.

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If you are telling people that they have to stop eating meat right now because the Amazon is burning and you are not openly and loudly doing your #antiracism work, save it. Yes I’m as freaked the fuck out about the Amazon as you are and while I didn’t wish to visit this topic of meat so soon, I’m already seeing classist, racist posts missing racial nuance about how people eating meat are the cause. ⁣⁣ ⁣⁣ I could actually think of a few causes mostly #whitesupremacy, rich people, crap elected officials and #capitalism which of course is tied to meat and dairy. I don’t eat beef. I do wear leather. If you pick a fight I will block you immediately. This post is about food racism.⁣⁣ ⁣⁣ All your food movements are racists to their very core if they don’t address racial inequality. If you cannot acknowledge that the roots of American agriculture (most agriculture) is violence and slavery and today modern day slave labor conditions (who picks your veg … I think we both know) than you shouting at people eating meat right now warrants a block from me. Most of your food is farmed on indigenous land that was seized by force and colonization. And it is NOT just the meat.⁣⁣ ⁣⁣ Black and low income communities in America routinely lose access to farm land and fresh food DUE TO RACIST LAWS (hey redlining what’s up). Race and injustice are so steeply woven into these issues that it shocks me how hard many don’t see it. You think poor health among certain ethnic groups isn’t due to access and inequality, then you need to wake the fuck up. There is much to be done with equity in America (and worldwide) and the food system is just another system which needs a massive overhaul. The system of where your food (yes your veggies too) comes from is built on #whitesupremacy, theft and exploitation. Your colonialist mindset allows you to enjoy quinoa while those who harvest it cannot. What are you doing about that besides screaming that meat eaters are killing the Amazon?⁣⁣ ⁣⁣ Your organic food market isn’t going to help all people to stop eating meat until you address structural inequality and racism. Dismantling #racism isn’t optional here.

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Katie und ich hoffen, mit diesem umfangreichen Artikel ein wenig Licht ins Wirrwarr um die Vorgänge im Amazonas-Regenwald gebracht zu haben und haben uns nach Kräften bemüht, alles so detailliert, verständlich und belegbar darzustellen.

Falls trotzdem Fragen zum Thema auftauchen, gerne unter diesem Artikel kommentieren, wir sind gespannt auf den Austausch.

Viel wichtiger aber: Teilt diesen Beitrag, wenn er euch wertvoll erscheint und motiviert euch selbst und eure Freund*innen, aktiv zu werden. Geht auf Demos, zum Beispiel vor die brasilianische Botschaft in Berlin, vernetzt euch, informiert euch, reflektiert eure eigenen Handlungen und übt politischen Druck aus, indem ihr beispielsweise Vereinen für Umweltschutz, Aktionsbündnissen oder entsprechenden Parteien beitretet.


Community-Power:

JENNI MARR
Wanderin im Geiste, mit der Nase im nächsten Buch, nie so ganz zuhause und doch immer da.
KOMMENTARE

Danke für diesen tollen Artikel in dem du das Thema so gut aufgegriffen hast.
Mir macht es unglaublich Angst dass es zur Zeit so viele Waldbrände auf der Welt gibt und es lässt mich einfach nicht mehr los.
Ich finde es wirklich gut, dass du darüber informierst und auch generell immer wieder so tolle und inspirierende Beiträge schreibst. Danke dafür!
Liebe Grüße 🙂

Liebe Elena,
ich danke dir für deine lieben Worte zu meiner Arbeit, das freut mich wirklich riesig!
Ja, das mit den Waldbränden und generell die schnelle bedenkliche Entwicklung beschäftigt mich auch sehr.
Dennoch: Auch der Widerstand dagegen war nie so groß wie heutuzutage und auch unsere Möglichkeiten übersteigen alles bisher Gewesene. Ich glaube (und muss fest dran glauben), dass wir das alles schaffen werden.
Wir haben gar keine andere Wahl.

Liebe Grüße an dich!
Jenni

Ich folge dir nun schon so lange, heimlich und ohne eine bisherige Rückmeldung wie sehr du mich ansprichst und inspirierst mit deiner Ehrlichkeit und Authentizität. Aber jetzt, jetzt stehe ich hier und bin einfach nur erschrocken. Wie konnte es sein, dass ich das alles gar nicht mitbekommen habe und so vieles trotz meiner Bemühungen an mir vorbeigeht? Danke für das Interview und den Blick auf die Menschen, die unter den Umständen so leiden. Danke für deine Arbeit.
LG Sarah

Liebe Sarah,
ich danke dir für deine lieben Worte und freue mich, dass der Artikel aufzeigen konnte, was im Argen liegt.
Es ist überhaupt nicht schlimm, dass manche Dinge an einem vorbeigehen – auch mir passiert das regelmäßig.
Ich denke, dass da auf internationaler politischer Ebene ein ganz anderer Fokus gewählt werden muss – die Verantwortung dafür darf nicht nur auf die Einzelperson abgewälzt werden. Dazu zählt eben auch der Umgang mit der Presse (gerade in Brasilien sind die Zustande, wie Katie beschreibt, ja sehr bedenklich). Mich hat auch schockiert, dass gerade die Menschen in Brasilien selbst nichts davon mitbekommen haben, wo das Ganze ja direkt vor ihrer Haustür passiert. Aber auch davon gibt es hierzulande genug – man denke nur an den Belttunnel, über den es auch so gut wie keine Berichterstattung gibt….

Liebe Grüße an dich!
Jenni

Super Artikel! Er war sehr gut zu lesen und hat mir einen guten Überblick verschafft, danke!

Liebe Lisa,
vielen Dank für die tolle Rückmeldung, das freut mich sehr! 🙂

Liebe Grüße
Jenni

Danke, dass du diesen ausführlichen Beitrag geschrieben hast. Mir ging es zuerst wie dir, nachdem ich die Meldung gesehen hatte. Schockstarre beschreibt es sehr gut. Denn seit Monaten brennt es in Alaska, Sibierien und jetzt auch im Amazonas. Mir fällt es immer schwerer noch daran zu glauben, dass wir wirklich diesen Kampf für das Klima und unseren Planeten noch gewinnen können. Aber Aufgeben ist auch keine Option…..

Liebe Jana,
ich freue mich, dass der Artikel dir gefallen hat!
Ja, das mit der Schockstarre und der damit verbundenen #ecoanxiety kenne ich auch sehr, sehr gut.
Man hat manchmal das Gefühl, eine Schreckensmeldung jage die nächste und fragt sich, was man selbst eigentlich ausrichten kann bei dem Ganzen.
Aber am Ende steht, was du schon gesagt hast: Aufgeben ist keine Option und gerade in Zeiten der sozialen Netzwerke war es nie so einfach, Menschen für wichtige Dinge zu mobilisieren. Ich glaube an die Wirkung von jede*r und jede*m von uns.

Liebe Grüße an dich!
Jenni