Wir tendieren gerne dazu, ausschließlich vom Positiven zu sprechen. Nicht, wenn es um die Gespräche auf dem Firmenflur oder über die Gartenhecke geht und auch nicht, wenn wir uns die überregionalen Nachrichten anschauen. Aber wenn wir uns die grüne Öko-Blase ansehen, dann schon.

Ein Erfolg reiht sich an den nächsten, ein unverpackter Einkauf neben das neueste Fair-Fashion-Teil und die vegane Buddha-Bowl samt Hafermilch-Cappuccino, begleitet von Messages mit Konsumverzicht und bewussterem Leben allgemein. Das ist ein Lifestyle, der schön ist und ein gutes Gewissen macht, weil er richtig ist. Das ist meine Perspektive und deswegen lebe ich ihn genau so jeden Tag vor.

Poste meine veganen Gerichte, meine fairen und nachhaltigen Outfits (neu oder Second Hand), meine Gläser mit Shampoo Bits und Haferflocken drin. Ich bin davon überzeugt, dass das ein Teil der Lösung ist – vor allem, wenn ich mir anschaue, was für eine grüne Welle da in den letzten Jahren durch die Sozialen Netzwerke gegangen ist und immer noch anhält: Öko ist in, jedenfalls in einer immer größer werdenden Bubble, und das ist gut so.

Endlich! tut sich was. Hat lange genug gedauert, auch bei mir selbst.



Ich beobachte diese Entwicklung viele Individuen hin zu einem nachhaltigeren Lebensstil mit sehr viel Begeisterung, weil ich denke, dass viele Menschen zusammen mit ihren vielen kleinen Taten große Dinge bewirken können. Einer der Hauptmotivatoren für Bewegungen wie Fridays for Future und Extinction Rebellion.

Vor ein paar Tagen habe ich festgestellt, dass ich mich jetzt seit über 4 Jahren intensiv mit der Sinnhaftigkeit meines Lebensstils beschäftige – und mit Nachhaltigkeit im weitesten Sinne. Alles, was damit zusammenhängt – Ernährung, Kleidung, Konsum im Allgemeinen und die großen Systeme im Hintergrund – sind langsam, aber sicher Teil meiner täglichen Arbeit geworden.

Das ist gut so, ich liebe es und kann mir nichts anderes mehr vorstellen für mich. Ich lerne jeden Tag Neues und mit jeder neuen Perspektive verstärkt sich auch gleichzeitig die Erkenntnis bzw. das Wissen über das eigene Unwissen und die Begrenztheit der meiner Kompetenzen. Es gibt noch so viel zu lernen.


Das wichtigste Learning: das Individuum ist nicht alles

Wenn ich aber zurückblicke und meine Entwicklung zusammenfassen sollte (wie man das ja gerne macht, wenn es auf das Jahresende zugeht), würde ich sagen: Ich habe mich von einer ethischen Veganerin, die doch sehr intensiv überzeugt an die moralische Richtigkeit der eigenen Handlungen geglaubt und das zur Triebfeder ihres (neuen) Lebens gemacht hat, zu jemandem entwickelt, die vor allem die größeren Aspekte beleuchten möchte.

Konkret heißt das: Früher war ich felsenfest davon überzeugt, dass meine eigenen Handlungen das Nonplusultra gesellschaftspolitischer Teilhabe sind. Mein veganer Einkauf, als erstes.

Später dann, als ich begriff, dass ich nicht nur auf einer Seite Ethik und Moralität fordern konnte, sondern neben den Tieren auch ein Auge auf die Menschen haben und dementsprechend alle Güter meines Lebens möglichst fair und nachhaltig konsumieren musste, auch mein Kleiderkonsum und überhaupt der Konsum und Nichtkonsum von Gütern des täglichen Bedarfs.

Ich glaube immer noch, dass der Einkaufszettel ein Stimmzettel ist. Mittlerweile ist dazu jedoch die Erkenntnis hinzugekommen, dass es dabei nicht bleiben darf.



Dass der Griff zum veganen Joghurt nur ein erster Schritt ist, Ecofashion wichtig ist, genauso wie fairer Kaffee und nachhaltig angebautes Getreide. Das alles aber nichts nützt, wenn nur ein kleiner Teil der Bevölkerung Zugang zu dieser Art des Konsums hat – ob das an mangelnder Aufklärung oder mangelnden Ressourcen (Zeit, Raum, Geld) liegt.

Sprich: So richtig gesellschaftspolitisch bewege ich nicht wirklich was, wenn ich in meinem Garten Biogemüse heranziehe, die große Welt da draußen mir aber wegen ihrer Komplexität irgendwie nicht geheuer ist und ich mich da lieber raushalte. Weil ich ja schon genug tue.

Meistens ist das nämlich leider nicht der Fall – und ich persönlich gehöre zu denen, die sich in einer derart privilegierten Position befinden (mittlerweile, wir sprachen darüber), dass es für mich obligatorisch ist, über solche Dinge nachzudenken und mein Wissen zu teilen.

Das ist auch einer der Gründe, weshalb ich immer ein wenig verlegen bis verwundert bin, wenn Menschen auf mich zukommen und mich loben, dass ich meine Reichweite für so viele gute Dinge einsetze.

Für mich ist das nichts, was Lob verdient. Es ist eine Selbstverständlichkeit. Mit all dem, mit dem ich aktuell ausgestattet bin – so hart erarbeitet es auch immer ist – bin ich aus meiner Perspektive in der moralischen Verpflichtung, die Menschen, die ich erreiche, mit Inhalten zu erreichen, die die Welt hoffentlich ein bisschen besser machen, um es pathetisch zu formulieren.



Aber ich wiederhole mich.

Worauf ich hinaus möchte: Mein größtes Learning der letzten 4 Jahre intensiver Beschäftigung mit Nachhaltigkeit ist, dass wir uns als Einzelpersonen auf den Kopf stellen können und unser Leben so #lesswaste wie möglich ausrichten können – wenn die gesellschaftspolitischen Strukturen es uns so schwierig wie derzeit machen, einen nachhaltigen Lebensstandard als Standard und nicht nur als Spinnerei von Öko-Mamis oder besorgten Teenagern, die die Schule schwänzen wollen, zu etablieren, ist das alles nett. Aber vergebliche Liebesmüh, wenn wir solche Maßstäbe wie Zeit bis zur Erreichung von klimakrisenhaften Kipppunkten und die Lebensweise der restlichen Gesellschaft im globalen Norden anlegen. Die sich einen Scheiß darum schert, ob der dritte Flug nach Malle dieses Jahr jetzt umweltethnisch eigentlich so cool ist oder eher ein Desaster.

Es ist wichtig, zu zeigen, dass es anders geht. Einen nachhaltigen Lebensstil vorzuleben, wo es nur geht. Sonst würde ich meine Arbeit nicht weitermachen – wenn ich darin keinen Sinn sehen würde. 



Aber – und das tat mir persönlich sehr weh, mir das einzugestehen: Es ist eine Illusion, dass von heute auf morgen die signifikante Anzahl an Menschen in den Ländern des globalen Nordens (die nun einmal für den Löwenanteil an CO2-Emissionen verantwortlich sind, aber gemessen daran so gar nichts leisten, um sich mit dieser Verantwortung durch politische Konsequenzen auseinanderzusetzen) ihren Lebensstil radikal umstellen und zu Ökos werden. Freiwillig.

Politische Maßnahmen müssen her und zwar schnell. Und es ist mir, ehrlich gesagt, völlig wumpe, ob da jemand, der*die Angst um seine*ihre Privilegien hat, was von Demokratiegefährung schreit, wenn es um das schlichte Überleben der Menschheit geht. Und eben mal wieder darum, dass die Menschen, die am wenigsten für diese ganze Misere können, am meisten davon abbekommen. #klimagerechtigkeit


Let’s talk about #GreenFails

Diese Beobachtung hängt eng mit der aus dem Eingangs-Abschnitt zusammen: Nach und nach tut sich etwas, aber generell kann man sagen, dass es auch heute vergleichsweise schwierig ist, einen nachhaltigen Lebensstil konsequent zu verfolgen – jedenfalls, wenn man das damit vergleicht, wie einfach ein nicht-nachhaltiges Leben einem auf allen Ebenen gemacht wird.

Billiger Pauschalurlaub, ungesundes Essen aus Massentierhaltung an jeder Ecke, Fast-Fashion-Läden und die Stores mit den fairen Kleidungsstücken muss man fast mit der Lupe suchen und in größeren Städten vorsätzlich aufsuchen – dabei sollten sie doch eigentlich die Innenstädte säumen, genauso wie die Bioläden (mit mehr Anspruch als das EU-Nicht-EU-Biosiegel) und Repair-Cafés. Aber das ist nicht der Fall.



Nachhaltig zu leben – das ist immer noch mit erhöhtem Aufwand und mehr Planung verbunden als sich einfach durch das Leben treiben zu lassen und braucht mehr Kapazitäten auf allen Ebenen.

Das ist eigentlich kein Geheimnis – und trotzdem wird oft eins draus gemacht. Gerade die nachhaltige Bubble besteht aus eben den Bildern, die ich oben anzitiere: Alles schaut sauber und ohne Verpackung und grün und leicht aus. Und ich möchte auch gar nicht abstreiten, dass viele Umstellungspunkte sehr leicht umgesetzt sind – die typischen Jutebeutel sind ein Beispiel.

Der Punkt ist: Es ist nicht alles immer einfach – auch wenn es so aussieht.

Auch ich fühle mich da oft in einem Gewissenskonflikt: Auf der einen Seite habe ich den ästhetischen Anspruch, den eine Plattform wie zum Beispiel Instagram oder eben auch dieser Blog hier aus meiner Perspektive mit sich bringen und möchte durch schöne Dinge und einen schönen Lebensstil inspirieren.

Auf der anderen Seite habe ich die Befürchtung – und spüre das selber -, dass gerade durch das starke Filtern und Inszenieren und Selektieren ein größerer Druck aufgebaut wird. Sowohl auf der Leser*innen-Seite als auch auf der Autor*innen-Seite.

Die Leser*innen denken irgendwann (bewusst oder unbewusst), dass der Maßstab für nachhaltiges Leben beispielsweise der 100%ige unverpackte Konsum von allen Güter des täglichen Bedarfs ist. Oder alle #Greenfluencer nur noch Second Hand oder Fair Fashion kaufen und nicht mehr fliegen und Ökostrom beziehen und bei einer nachhaltigen Bank anlegen.



Was natürlich sehr, sehr selten in dieser Form der Fall ist – eben weil wir in einem System leben, das uns das perfekt nachhaltige Leben quasi unmöglich macht.

Auf der anderen Seite spüre ich als Mensch, der im Internet Inhalte erschafft und teilt (Content Creator) den Druck von der anderen Seite an mich zurückgespielt: Wenn ich ein Produkt in der Plastiktüte poste, kommt sofort ein Kommentar, bei dem man merkt, wie es dem*der Verfasser*in im Zeigefinger gezuckt haben muss beim Schreiben. Dass gebe es ja auch ohne Plastik. Ja, weiß ich. Geht aber manchmal nicht anders.

Bei mir auf dem Kanal ist der Austausch vergleichsweise konstuktiv und menschlich und ich bekomme eher selten übergriffige Nachrichten. Dennoch bekomme ich natürlich die Shitstorms mit, die auf größeren Accounts losbrechen, sobald vor allem die Frauen* dort vermeintlich unnachhaltigen Konsum zeigen, wo sie selbst eigentlich als #Sinnfluencer gelten.

Und obwohl ich sagen muss, dass ich kein Problem habe, in diesem Internet zu meinen Ansichten zu stehen und transparent zu zeigen, was ich lebe – das auch ziemlich konsequent -, schränken mich Beobachtungen wie diese in dem ein, was ich selbst zeige.



Denn natürlich kaufe ich nicht zu 100% im Unverpacktladen ein. Manchmal komme ich einfach nicht dran vorbei – auch wenn wir in Münster in der verwöhnten Situation sind, gleich zwei davon zu haben. Aber eben nicht in der Innenstadt, wo meine Wege meistens hinführen. Und in dem Nachbarort, in dem ich wohne, brauche ich danach gar nicht zu suchen.

Trotzdem klappt ziemlich viel ziemlich nachhaltig. Aber eben nicht alles. Aus Bequemlichkeit, Zeitmangel und weil ich schlicht ein Mensch wie jede*r andere bin.

Zum Beispiel: 

  • Tofu und Sojajoghurt gibt es (bis auf eine Ausnahme, habe ich gesehen kürzlich) nur verpackt. Beides liebe in unserem Haushalt nicht nur ich.
  • Ich habe ein Konto bei einer nachhaltigen Bank. Ich muss es nur noch aktivieren. Seit über einem Jahr. Priorisierung und so.
  • Unterwegs kaufe ich mir extrem gerne verpackte Raw-Schoko-Riegel (bio & fancy) aus der Drogerie, meine Form der Belohnung. Ich könnte mir auch einfach selbstgemachte Energy Balls mitnehmen – wenn ich besser planen würde.
  • Ich versuche, so gut es geht, zu reduzieren und frage mich vor jedem Kauf noch immer: Brauche ich das wirklich? Manchmal habe ich trotzdem Phasen, in denen ich mehr konsumiere, als ich eigentlich brauche: Bücher vor allem, manchmal auch Kleidung. Immer noch wesentlich weniger als der Durchschnitt, aber perfekt nachhaltig eben auch nicht.

Den Einkauf mit verpackten Produkten aus dem Biosupermarkt zeige ich trotz meines Wissens um den sich gegenseitig verstärkenden Druck nicht. Oder vielleicht gerade deswegen.



Dabei fände ich es eigentlich persönlich besser, wenn auch ich da noch offener würde und solche Dinge ohne Angst zeigen würde – eben auch, um zu zeigen: So sehr man sich mit der Materie beschäftigt und so engagiert man auch ist – perfekt nachhaltig ist niemand. Und umgekehrt: Auch diejenigen, die nicht in jedem Lebensbereich nachhaltig leben, können sich für die Rettung der Welt stark machen.

Wie Mia von heylilahey es letztens in einem Artikel für die Fashion Changers sehr treffend formulierte: Wir können innerhalb des Systems leben und trotzdem dieses System kritisieren. 

Unperfekt sein und trotzdem für mehr Nachhaltigkeit votieren, sich mit aller Kraft auf allen Ebenen dafür einsetzen.

Das ist ein Vorsatz, den ich mir nicht erst für nächstes Jahr nehme, sondern schon für möglichst früh: Diese Offenheit zuzulassen und zu zeigen, dass wir alle mit dem arbeiten, was wir haben. Die einen mehr, die anderen weniger. Und wir letzten Endes alle Menschen sind, die auch mal struggeln, überall.


Noch mehr Artikel zu Perfektion gibt es hier, hier und hier (ich arbeite mich schon lange an diesem Thema ab). 


Outfit-Details:

Pullover: Armed Angels 

Rock: Armed Angels 

Schuhe: Matt & Nat 

Ketten: Fremdformat + Sister

Tasche: Eve & Adis (PR-Sample)

JENNI MARR

Wanderin im Geiste, mit der Nase im nächsten Buch, nie so ganz zuhause und doch immer da.

KOMMENTARE

Hallo Jenni,
dein Text hat mir auf vielen Ebenen wirklich gut gefallen: schreibtechnisch in der Sprache und der Struktur, aber natürlich auch inhaltlich.
Es ist “gut”, weil erleichternd von deinen Greenfails zu hören. Somit werde ich als Konsumentin auf dem Weg, Nachhaltigkeit zu leben, erst mal entlastet. Und ich hoffte, dass die Menschen auf der einen oder anderen Seite dieses “Alles oder nichts”-Prinzip mehr und mehr über Bord werfen könnten. Es ist nicht einfach, denn ich glaube, dass das immer Selbstschutz ist und man versucht sich für seinen Lebensstil zu rechtfertigen.
Mir war schon bewusst, dass ein nachhaltiger Lebensstil aktuell noch mit Privilegien verbunden sind in Hinsicht auf Zeit und Geld. Diese Ressourcen haben viele Menschen nicht und dadurch wird ihnen dieser Weg erschwert. Dass das System, in dem wir täglich leben, mehr angeprangert werden könnte und wahrscheinlich müsste, ist ein interessanter Aspekt, den ich mir für nächsten Gedankengänge mitnehme.
Liebe Grüße,
Mai

Liebe Mai,
ich danke dir für deine Überlegungen zu meinen Gedanken im Artikel und glaube auch, dass da von beiden Seiten der Druck rausgenommen werden könnte, wenn noch mehr Unperfektheit gezeigt wird. Das ist auf jeden Fall etwas, das ich mir für mich und meine Arbeit stark vorgenommen habe.

Ich freue mich außerdem, dass der Text dich zum Nachdenken angeregt hat – das ist wahrscheinlich der beste Outcome, den ich mir wünschen kann. 🙂

Liebe Grüße
Jenni

Liebe Jenni,

so wie du es beschreibst, machst du schon viel mehr als der Durchschnitt. Daher lebst du auf deine Weise einen grünen Lebensstil vor. So wie es für dich richtig ist. Denn, wenn es dir wie eine Bürde erscheinen würde, um möglichst perfekt zu sein, dann wäre das vielleicht auf Dauer auch belastend, denke ich mal.

Ich kann leider nicht in einem Unverpacktladen einkaufen. Sowas gibt es bei uns einfach nicht. Nur den normalen Supermarkt. Und da ist ja fast alles in Plastik eingewickelt.
Daher habe ich nicht die Möglichkeiten, die du hast mit dem Unverpacktladen. Also lebst du die Nachhaltigkeit besser vor als ich.
Auch wegen deiner Möglichkeiten. Ich müsste da weit mehr planen. Und ich versuche schon möglichst viel in Glas und Pappe zu kaufen. Oder ich backe Brot grundsätzlich selbst und hole nichts beim Bäcker oder mit Aufbackprodukte.
Wenn Nachhaltigkeit Standard wäre, dann wäre das sicher einfacher für die Allgemeinheit.

Liebste Grüße
Charlette

Liebe Charlotte,
ich denke auch: Wenn man den Anspruch hätte, perfekt an die Sache heranzugehen und keine “Fehler” mehr zu machen (wie auch immer man diese jetzt definiert), dann erlebt man da sicherlich viel Frust und lässt sicherlich schnell wieder von dem Vorhaben ab, nachhaltiger leben zu wollen.

Die Sache mit den Möglichkeiten, die du ansprichst, ist genau das, worauf ich mit dem Artikel abziele: Strukturen müssen sich ändern, damit es allen Menschen ermöglicht wird, ohne den deutlichen Mehraufwand, den es heute meist noch bedeutet, nachhaltig leben zu können. Das ist im Interesse von allen.
So haben die Einzelpersonen immer das Gefühl, entweder nicht genug zu tun oder mit dem eigenen Verhalten zu wenig zu bewegen – auch, weil eben solche Dinge wie der eigene Alltag dazwischenkommen. Da muss sich strukturell, im System, eine ganze Menge ändern und es wird Zeit, dass wir den Fokus verstärkt darauf legen.

Liebe Grüße an dich!
Jenni

Hallo liebe Jenni,
vielen Dank für einen weiteren zum Nachdenken anregenden Artikel. Ich finde es interessant, wie du immer mal wieder das Beispiel Biogarten bringst. Ich habe so einen Biogarten. Und dahinter steckt ein Netzwerk von Freund*innen und Nachbarn. Wir tauschen Saatgut und Pflänzchen aus, teilen die Ernte und helfen uns mit Wissen und Ressourcen. Ein Großteil meines Essens kommt aus diesem Garten, ganz ohne Plastik. In dem neuesten Artikel sagst du selbst: “weil ich denke, dass viele Menschen zusammen mit ihren vielen kleinen Taten große Dinge bewirken können.” Und genau das glaube ich passiert, wenn wir alle einen Teil selbst anbauen. Das ist garnicht so schwer. Es geht im Garten hinterm Haus, auf dem Balkon, im Gemeinschaftsgarten etc. In einem anderen Artikel sprichst du darüber, dass wir einen Systemwandel brauchen… Menschen kommen zusammen und sie entziehen sich zumindest teilweise dem kapitalistischen System, indem sie Essen nicht kaufen sondern selbst anbauen und  tauschen. Dabei wird auch einiges an CO2 vermieden. Meiner Meinung nach ist das selbst anbauen auch eine Form von Aktivismus und genauso wichtig wie dein FairTrade Kaffee und Mode, wobei ich auch da lieber nur Second Hand kaufe. Ich verstehe den Zwiespalt, den du in dem Artikel beschreibst. Und meine Zeilen erhöhen wahrscheinlich wieder nur den Druck. Aber das musste jetzt mal raus. “Be the change that you want to see in the world” ist mein Motto. Und das beschränkt sich nicht nur auf meinen Garten. Inspiration ist auch ohne perfekt sein möglich. Ich finde, das zeigt auch https://www.instagram.com/corinna_fee/ immer wieder schön auf. Alles liebe! Jana 🙂

Liebe Jana,
ich danke dir für deinen kritischen Kommentar – ich hatte ja schon auf Instagram dazu Stellung genommen und schreibe der Vollständigkeit halber noch einmal denselben Text hier hinein:

Da bin ich voll bei dir und dagegen argumentierte ich ja auch gar nicht. 🤗 Der Garten ist tatsächlich ein relativ beliebtes Beispiel in Texten, in denen es darum geht, aufzuzeigen, dass das Pflanzen und Jäten hinter dem eigenen Haus eben gut und schön und wichtig sein kann, vor allem, wenn man es so organisiert wie ihr. Das aber, natürlich auch je nach eigenen Ressourcen, nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann, wenn es um systeminhärente Änderungen geht. Dafür brauchen wir Politik, in Form von Gesetzen, Petitionen, Aktivismus auf der Straße. Mein Standpunkt ist nicht zu sagen, das schließe sich gegenseitig aus. Vielmehr kann beides Hand in Hand gehen, sollte es, sofern möglich, sogar. 🙏

Liebe Grüße
Jenni